Dakinis Welt

28.06.2008 um 10:40 Uhr

Kunstwerke und Schweinereien

von: Dakini

 

Da sitze ich nun morgens auf dem Balkon, frühstücke genussvoll, gehe zum Blumenladen, um meiner Tante einen Strauss zum 75. Geburtstag zu kaufen und da, da liegt es. Moosi. Gott, ein Teil meiner Kindheit liegt da. Moosi. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, so war meine Mutter komplett von Ikebana vereinnahmt. Die Wohnung oder ein Ort ohne Moosi kaum vorzustellen. Ikebana. Eigentlich heisst Ikebana lebende Blumen. Rein theoretisch müsste es ja eher sterbende Blumen heissen, wo sie doch von den Wurzeln gekappt in Moosi gesteckt werden, aber es weckt Lebensgeister. Nun es symbolisiert das Lebendigwerden der Natur. Und eigentlich hat dies Wunder der Blumensteckmeditation ihren Ursprung in China. Dort sammelten buddhistische Mönche Zweige und abgeknickte Blumen und arrangierten sie als Blumenopfer auf Altare. Also Made in China.

Meine Mutter nahm sogar an Kursen teil. Herrlich daran zurückzudenken. Na und dann gab es noch Makrameeulen, Strickliseln, ganz zu Schweigen von von den Strickmaschinen. Dieses Geräusch, ritsch, ratsch, ritsch, ratsch, am besten noch während Aktenzeichen XY mit Herrn Zimmermann über den Sender flimmerte.... ritsch, ratsch, ritsch, ratsch, probier mal den Pullover an, den ich dir gerade in 2 Stunden gestrickt habe. Herrlich. Und was für Wunderwerke da rauskamen.

Eine Freundin von mir knüpfte Teppiche. Ordentlich, Reihe für Reihe. Oh das war gar nicht meine Welt. Da wir fast immer die gleichen Sachen geschenkt bekamen, erhielt ich auch einen zu knüpfenden Teppich. Nach 15 Reihen, schmiss ich dies Teil in die Ecke mit samt seinen Wollwürmern und spielte draussen Fussball. Bei meiner Freundin liegt der Teppich sauberzuendegeknüpft noch heute im Gästezimmer. Dafür kann ich Holzrahmen bauen, weiss wie man auf Gehrung sägt und Katzen in Puppenwagen einschliesst, um mit ihnen Rennen zu fahren oder bei Nachbarn, die Schlangen aus dem Aussengehege zu befreien. Oh ja. Heute lachen wir darüber. Ein Nachbarsjunge und ich meinten, wir könnten den Nattern Auslauf gewähren. Schnell mussten wir feststellen, dass diese ziemlich schnell waren. 5 konnten wir wieder einfangen, nur eine machte sich in Richtung nachbarlicher Gärtnerei auf. Wir jagten wie wild durch die Blumenbeete, nur mit dem Blick auf die Schlange und wurden selbst zu Gejagten, da der Gärtner unsere Jagd weniger erfreulich fand. Was hatte ich ein Glück, dass ich nach der Beichte die Nattern befreit zu haben, schnell nach Hause konnte, im Gegensatz zu meinem Sandkastenfreund.

Und dann gab es noch Schleimi. In grün und orange. Besonders gerne spielte ich mit dem grünen Glibber und nur für Mutters Kühlschrank nutze ich das orangene Schleimi mit Würmern. Lach. Noch heute muss ich schallend lachen, wenn ich daran denke. Mit einem nassen Handtuch jagte sie mich durch die Wohnung. Ach war das schön.

Ausserdem gab es nichts Wundervolleres als den kleinen Flusslauf zum überlaufen zu bringen, in dem man Staudämme baute. Wenn jemand zu uns sagte, na da werden sich eure Eltern aber freuen, wenn wir mit verschlammten Beinen und Kleidung durch die 'Wildniss' stapften und wilde Brombeeren naschten, dann antwortete ich - na wir haben doch eine Waschmaschine. Nur dass es früher noch kein Oxyaction gab. Matschepampe, wie mein Patenkind sagt, ist spassbringend. Demnächst werde ich mit Flo Staudamm bauen gehen und Unsinn anstellen, da freue ich mich jetzt schon drauf,,,,,und Flo erst. 

Wenn ihr an Eure Kindheit zurückdenkt, welche handwerklichen Künste fallen Euch da ein und welche Schweinereien? 

Ich bin gespannt.

 Â