Neuronales Netzwerk errechnet Todeswahrscheinlichkeit
Therese Frare - Mann im Gefängnis
Sterben nach System - Neuronales Netzwerk errechnet Todeswahrscheinlichkeit
3.228 Menschen warteten im Jahre 2006 in US-Gefängnissen auf ihre Hinrichtung. Lediglich 53 von ihnen wurden tatsächlich exekutiert. Karamouzis und Harper arbeiteten mit einem neuronalen Netzwerk, um herauszufinden, welchen Grund diese unverhältnismäßige Verteilung hat. Im Vergleich zu einem gewöhnlichen Computer, ist das neuronale Netzwerk in der Lage, zu lernen und Muster in gespeicherten Daten zu erkennen. Im Verlauf der Studie wurde das Netzwerk mit den Profildaten von 1.000 zum Tode Verurteilten gefüllt. Eine Hälfte bestand aus tatsächlich hingerichteten Menschen, die restlichen 500 waren Überlebende. Ein Gefangenenprofil setzte sich aus 18 Merkmalen zusammen. Unter anderem wurden Geschlecht, Alter, Rasse, Familienstand, Bildungsniveau gespeichert. Außerdem wurde vermerkt, ob der Kandidat hingerichtet wurde oder nicht.
Beunruhigendes Ergebnis
Nachdem diese Daten ausgewertet waren, speisten die Forscher 300 weitere Profile von Todeskandidaten in das System ein. Der Rechner sollte anhand der ersten Untersuchung nun bestimmen, wer von den 300 Kandidaten hingerichtet wurde. Dank seiner Fähigkeit Daten zu kombinieren und Muster zu erstellen, lag das neuronale Netzwerk in 270 von 300 Fällen richtig. Um herauszufinden, welcher der 18 Parameter den stärksten Einfluss auf das Ergebnis haben würde, begannen die beiden Forscher die einzelnen Faktoren aus der Rechenanalyse zu insolieren und die Berechnung neu zu starten. Das Resultat war ebenso schockierend wie verblüffend: Sobald Karamouzis und Harper den Faktor Bildungsniveau entfernten, klafften die Berechnungen auseinander. Die Ergebnisse stimmten nicht mehr überein. Hieraus folgerte das Forscherteam, dass vor allem die Schulbildung eines zum Tode verurteilten Inhaftierten darüber entscheidet, ob er hingerichtet wird oder nicht und das scheinbar völlig unabhängig von der Art des Verbrechens, für das sie verurteilt wurden.
Mangelnde Bildung schwächt Verteidigung
"Bildung ist der Pass für die Zukunft, denn das Morgen gehört denen, die sich heute darauf vorbereiten." Dieser Ausspruch des US-Bürgerrechtlers Malcolm X scheint eine Prophezeiung auf die Forschungsergebnisse von Karamouzis und Harper zu sein. Ihre im New Scientist veröffentlichte Studie verdeutlicht vor allem eines: Die Todesstrafe wird bevorzugt bei Gefangenen mit geringerer schulischer Ausbildung angewendet, ungeachtet der Schwere des begangenen Verbrechens. Und offensichtlich ändert auch die Verteidigung der Angeklagten nichts an dem herausgefundenen Muster. Ganz im Gegenteil: Fehlende Bildung scheint auch eine schwächere Verteidigung nach sich zu ziehen. Jeder Angeklagte bekommt zwar einen Pflichtverteidiger. In den meisten Fällen sind diese aber unerfahren in Strafsachen oder uninteressiert am Ausgang des Prozesses. Sumit Bhattacharyya, USA-Experte der deutschen Sektion von amnesty international, kennt dieses Problem: "Zum Tode verurteilte Häftlinge mit geringem Bildungsstand sind zum einen finanziell nicht in der Lage, sich von einem kompetenten Wahlverteidiger vertreten zu lassen". "Zum anderen", so Bhattacharyya, "kennen Inhaftierte der unteren Bildungsschichten nicht die Mittel und Wege, sich einen anständigen Verteidiger zu besorgen." Karamouzis und Harper erwarten sich von der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse allerdings keine politischen oder gesellschaftlichen Reaktionen. Harper ist sich sicher, dass die Todesstrafe weiterhin Teil des amerikanischen Rechtssystem sein wird, da die breite Öffentlichkeit diese Form der Verurteilung unterstützt.
Quelle: msn Wissen
Nun frage ich mich, für was dies gut ist. Was bringt es mir einen tollen Verteidiger zu finanzieren, der mich zu einer lebenslangen Haft verhilft. Ist es das, was ein Mensch mit toller Bildung braucht? Letztendlich heisst es sogar, dass alle zum Tode verurteilt sind, doch nur bei den Menschen mit weniger Bildung die Wahrscheinlichkeit höher liegt, auch tatsächlich zu sterben. Was hilft mir da ein teurer Verteidiger?
Dann lieber gleich einen kleinen Cocktail, anstatt das gesamte Leben darauf zu warten, dass eventuell irgendwann einmal das Urteil vollstreckt wird oder vor Aufregung der Herzschlag von alleine aufhört.
