Geschriebene Gedanken

31.05.2007 um 11:55 Uhr

DU

 

Die Tiefe deiner Seele

Sie steht in deinen Augen geschrieben

Nicht jeder erkennt die Buchstaben

 

Die Kraft deiner Hände

Verbirgt die Zärtlichkeit nur schwer

Die ihnen eigen ist

 

Der Sinn deiner Worte

Die selbst Unvorstellbares beschreiben

Teilt sich mir auch im Schweigen mit

 

Der Duft deiner Haut

Wie soll ich ihn beschreiben?

Er ist mir so vertraut

 

 

25.05.2007 um 11:27 Uhr

AusGewogen

 

 

Ganz langsam weicht sie, die Last der vergangenen Monate, der Aufgabenkatalog hat sich gelichtet, es war auch schon Zeit zum Durchatmen.

Noch ist das Schwingen der Waage zu spüren, es ist noch nicht alles in der Balance, aber es stabilisiert sich und es liegen keine Ungleichgewichte mehr auf den Waagschalen. Allmählich kehrt innere Normalität ein, ein Gleichmaß, das Kraft zum Durchstarten schafft; ein Blick auf das bisher Erreichte macht Mut, schenkt Zuversicht und Ruhe. Wie immer hinkte die innere Angleichung an die äußeren Umstände etwas hinterher, obwohl es hier nicht um Veränderungen, sondern um Verbesserungen ging – auch die Feinjustierung auf das Schöne braucht seine Zeit und ich bin dabei, das zu lernen und zu akzeptieren.

Die Entwicklungen machen es mir eigentlich leicht: Wir hatten nicht damit gerechnet, dass sich so schnell und eigentlich selbstverständlich eine neue berufliche Perspektive auftun könnte und schon recken Termine wieder begehrlich ihre Tentakel nach meinem Kalender und verlangen nach voller Aufmerksamkeit.

Hätte ich mich vor einigen Monaten still in eine Ecke zurückgezogen, um meinen Träumen und Gedanken freien Lauf zu lassen, dann hätte sich vor meinem geistigen Auge ein konkretes Bild aufgetan – und wahrscheinlich hätte mein Verstand, wie immer als unerbittlicher Zensor unterwegs – mal wieder die Realitätsprüfung angemahnt und auch das Ergebnis bereits messerscharf formuliert: Nichts als unrealistische und unrealisierbare Wunschvorstellungen hätte er gefunden; anscheinend, füge ich hinzu, denn was mir hier jetzt auf einem Silbertablett serviert wird, entspricht genau dem, wonach ich mich immer gesehnt habe.

Habe ich mich lange vor einem großen Tor befunden, das ich als unüberwindbar erlebt habe, steht mir jetzt genau dieser Weg dadurch offen und vor mir liegt eine Aussicht, die mich überwältigt!

Es war schwer, mir fiel es schwer, mich darauf einzulassen. Es war überhaupt nicht einfach, einfach darauf zu vertrauen, dass mein Herz den Weg kennt und ihn auch finden wird – und doch ist es die passende Beschreibung für all das, was inzwischen passiert ist. Fundamentaler kann man Leben wohl nicht verändern, im Privaten, beruflichen und räumlichen Bereich, alles zur gleich Zeit, das volle Programm auf einen Streich und daher ist es für mich kein Wunder, dass ich zurzeit viel Kraft und Energie benötige, um das wirklich fassen zu können.

Die Basis haben wir uns geschaffen und nun geht es von hier aus weiter, Schritt für Schritt, langsam aber stetig und mit dem nötigen Augenmaß, um das Gleichgewicht und die Stabilität nicht zu zerstören.

23.05.2007 um 15:02 Uhr

SeelenMassage

 

Mit leichtem Druck über die angespannten und schmerzenden Stellen gleiten, sanft die Wölbungen und Verhärtungen aufspüren, um sie zu lösen - das tut gut, auch wenn es im ersten Moment nicht ganz ohne unangenehme Begleiterscheinungen abgeht.

Wie die Blätter einer Mimose haben sich die kleinen Ausläufer der empfindsamen Seele bei heftigen Berührungen aufgerollt, manche von ihnen sind in diesem Zustand geblieben und wirken wie Stacheln. Wärme und Geduld ist erforderlich, um sie wieder zu kleinen Trieben zu machen, an denen das Wachstum erkennbar wird. Naturgemäß hilft ein beständiges Klima dabei und nach dem Erwachen braucht es noch viel Zeit und Pflege, bis sich die ersten zarten Knospen zeigen.

Ihre Nahrung beziehen sie über die Wurzeln, der Prozess ist unseren Augen verschlossen, aber die Ergebnisse sind sichtbar – wenn wir es denn erwarten können und uns auch an der Entwicklung erfreuen.

Jeder Kuss ist wie der frische Morgentau; jeder liebevolle Blick wirkt wie Dünger; jede zärtliche Umarmung nährt wie das Wasser des Lebens.

Ganz allmählich schwinden die trockenen Stellen, werden die erstarrten Glieder wieder geschmeidig und biegsam. Sie recken sich der Liebe entgegen, zeigen ein erstes helles Grün und verheißen einen betörenden Duft, voller Lebensfreude, Sinnlichkeit und Leidenschaft.

13.05.2007 um 17:26 Uhr

Muttertag(e)

Es ist der erste Muttertag, an dem wir nicht mehr in derselben Stadt wohnen.

Es ist aber auch der erste Muttertag, an dem ich an das wundervolle Gefühl denken kann, das ich hatte, als meine Mutter mich vor wenigen Tagen besucht hat – seit langer, langer Zeit hatten wir eine ganze Woche Zeit füreinander und diesmal konnte ich mich um sie kümmern. Meine Mutter hat in meinem Arbeitszimmer gewohnt und sie fühlte sich bereits nach  wenigen Stunden hier ganz heimisch; sie machte morgens ihre Spaziergänge durch den kleinen Ort, genoss das schöne Wetter im Garten und das Gefühl, dass sie einmal nicht für das Essen machen, einkaufen und all die anderen Dinge des Alltags verantwortlich war. Insofern waren es vorgezogene „Muttertage“, die uns beiden gefallen haben und uns ein großes Stück näher zueinander gebracht haben, als es die räumliche Nähe allein je geschafft hat.

 

Bereits im Februar waren wir zum Geburtstag meiner Mutter in Berlin und auch in diesen Tagen gab es eine ganz ungewohnte Nähe zwischen uns, die auch meinen Schatz mit einbezogen hat. An einem Morgen am gemeinsamen Frühstückstisch begann meine Mutter eine kleine Rede, sie sei ja aus einer anderen Generation und außerdem die Ältere, ihr fiele so etwas nicht immer leicht, sie sei vielleicht ein wenig konservativ oder auch steif…ich wusste, was jetzt kommt, aber mein Liebster war wohl etwas verwirrt, er wartete gespannt auf den Kern der Sache und der kurze Sinn der langen Rede war, dass meine Mutter ihm das Du angeboten hat. Es war ein langer Schatten, über den meine Ma da gesprungen ist, aber die ruhige und freundliche Art des Mannes an meiner Seite hat ihr diesen Schritt wohl etwas erleichtert. Für mich ist es wundervoll, dass sich die beiden so gut verstehen, obwohl sie wahrlich sehr verschieden sind.

 

Dieses Einvernehmen war auch an den Tagen zu spüren, als meine Mutter hier bei uns war – für mich ein herrliches Gefühl, dass wir auch zu dritt einfach so zusammen sein können, ohne ständig um Ausgleich bemüht sein zu müssen!

Und so freue ich mich auf weitere „Muttertage“ im Herbst, wenn meine Ma wiederkommt.

 

10.05.2007 um 12:51 Uhr

Einfach nur Fragen?

 

Wir sehr muss man sich etwas wünschen, damit es in Erfüllung gehen kann?

Bestimmen wir auch mit unserem Denken das Geschehen oder läuft hier irgendein Film, in dem wir nur Statisten und Stichwortgeber sind?

 

Wenn der Wunsch der Vater des Gedankens ist, wer ist dann die Mutter?

Liegt in unserem Handeln eine Kraft, die wir kaum spüren und manchmal gar nicht wahrhaben wollen?

 

Ist das Universum wie ein gigantischer Billardtisch, auf dem ständig neue Kugeln angestoßen werden, die dann etwas ins Rollen bringen?

Wartet es nur darauf, dass wir die Bälle fangen die uns zufliegen?

 

Sollten wir uns im Jonglieren üben, damit wir nicht ständig Chancen verpassen und achtlos fallen lassen?

Wie übt man Leben? Wie übersteht man einen andauernden Feldversuch, der ständig den Ernstfall darstellt und uns keine Testreihe im Laborversuch gönnt?

 

Sind wir uns darüber klar, dass es jeden Tag um alles geht?

08.05.2007 um 16:44 Uhr

WetterWende

Die Wolken scheinen bei dem stürmischen Wetter an meinem Fenster vorbei zu rasen; sie sind grau, schwer und voller Regen.

Und dann erscheint plötzlich übergangslos ein Stück freier blauer Himmel und lässt die Sonnenstrahlen frei – richtiges Aprilwetter mitten im Mai.

Jeder Tropfen ist gut für den Garten, unsere Pflanzen wachsen so schnell, dass man fast zusehen kann, der Wind zerrt und rüttelt an ihnen und sie wackeln eifrig hin und her – hinter schützenden Scheiben ein durchaus interessantes Schauspiel, aber draußen ist es jetzt ziemlich ungemütlich. Verwaist steht unsere weiße Gartenbank auf dem geschützten Platz hinter der grünen Hecke und erinnert an die Tage voller Sonne, an denen wir uns da geaalt haben. Aber es ist eben wirklich erst Mai und noch nicht August, obwohl uns die Hitze der vergangenen Tage das fast vergessen ließ…

07.05.2007 um 18:35 Uhr

FullHouse

 

Die Familie war zu Besuch! Es waren sehr erfüllte Tage, die wir hier zusammen verbracht haben; nach langer, langer Zeit wieder mal das alte, vertraute Familiengefühl: Die Kinder schliefen unter dem Dach, Oma blieb eine ganze Woche in unserem trauten Heim und die Katze wusste oft gar nicht wohin, denn überall waren und schliefen Menschen und alles war aufregend und neu.

Das schöne sonnige Wetter machte es möglich, entspannt auf der Terrasse zu frühstücken, bäuchlings auf der Wiese Bücher zu verschlingen und den Garten nach und nach mit Blumen zu bestücken und in ein blühendes Fleckchen Erde zu verwandeln, auf dem sich alle wohl fühlten. Ja, ich habe die Tage der Gemeinsamkeit genossen!

 

Dauernd waren wir auf dem kleinen Bahnhof, so schien es mir wenigstens, um lieben Besuch abzuholen oder wieder zu verabschieden. Durch die Scheiben der Züge kann man heute zwar kaum noch einen Menschen erkennen und nur schemenhaften Gestalten nachwinken, aber zumindest auf dem Bahnsteig konnte man sich noch wie eh und je um den Hals fallen und fröhliche Begrüßung feiern oder ziemlich tränenreichen Abschied nehmen.

 

Es war ein wirkliches Wir, das hier zu spüren war und, das war für mich besonders schön, mein Schatz gehörte ganz selbstverständlich dazu. Alle machten es sich abends reihum auf dem Sofa gemütlich, unser Besuch fühlte sich ganz wie zu Hause.

Es wurden Bilder mitgenommen, wo und wie die Tochter jetzt lebt, wie es in Mamas neuem Zuhause aussieht und zugeht und wir sind uns alle trotz der jetzt so ungewohnt großen räumlichen Entfernung ein gehöriges Stück näher gekommen.

 

Jetzt ist hier wieder etwas mehr Stille eingekehrt und die Arbeit, die so lange geruht hat, verlangt nun nach ungeteilter Aufmerksamkeit. Die schönen Tage sind wie im Fluge vergangen und sie machen Lust auf eine Wiederholung. Bis dahin ist noch viel zu tun, was aber nicht weniger Freude macht, denn unser Haus ist erfüllt von schönen Erinnerungen an gemeinsame Stunden, an wichtige Gespräche, fröhliches Lachen, neue Bekanntschaften und viele Stunden der Gemeinsamkeit, die ganz ungezwungen gelebt wurden.