Geschriebene Gedanken

08.10.2007 um 22:37 Uhr

Eingelaufen

 

Das hat diesmal nichts mit verkürzten Wäschestücken zu tun; es beschreibt eher das Gefühl beim Eislaufen:

Zuerst noch etwas ungelenk die ersten wackligen Schritte auf ungewohnt rutschigem Boden zu machen, ganz von vorn anzufangen und die Balance erst wieder lernen zu müssen. Erst nach und nach entspannt man sich, aus einzelnen Bewegungen werden wieder fließende Abläufe und dann kommt das erste Mal der Moment des Gleitens … wunderbar!

Vor mir liegt eine große Fläche, auf der ich mich frei bewegen kann – die schützende Balustrade habe ich längst hinter mir gelassen, ich brauche sie als AnHaltspunkt nicht mehr. Noch kann ich keine kunstvollen Pirouetten drehen, aber ich rutsche auch nicht mehr plötzlich aus. Die Stürze waren EinzelFälle, aber keine AbStürze, die ins Bodenlose führen. Inzwischen sind es bereits weit ausholende, fast schon elegant wirkende Runden, die ihre Spuren auf der Eisfläche in bizarren Kratzern hinterlassen.

Nein, ich kann keine großen Sprünge machen, aber das hatte ich auch nicht vor.

Ich wollte die Leichtigkeit wiederentdecken, die Lust an den sanften Drehungen, die so geschmeidig und kraftvoll zugleich sind, wieder spüren und nicht mehr nur von ihnen träumen.

Das Eis ist erstaunlich fest, es trägt und fördert zugleich den Schwung, der vorher immer wieder gebremst wurde: Lässt sich eine Vision verwirklichen?

Wir erFahren es nur, wenn wir es probieren!

Garantien gibt es nur für die blauen Flecken am Anfang, nicht für den Erfolg, die Schwünge können erst mit der Zeit zu harmonischen Figuren werden.

Aber mit jedem Mal wird der Tritt fester, der Lauf sicherer und die weiten Läufe, die Kringel und Drehungen verbinden sich zu einem Ganzen, sie passen zur Begleitmusik, untermalen sie mit ihrer so mühelos wirkenden Leichtigkeit.

Ineinander verschlungene Wege fügen sich zu Ornamenten zusammen und die Königsdisziplin, der PaarLauf, verlockt zu einem schwerelos scheinenden Tanz.

Die Aufwärmphase ist vorbei, ich habe mich eingelaufen.

01.10.2007 um 11:56 Uhr

Dieses Kribbeln im Bauch ...

 

… verfolgt mich langsam: Bei jedem Liebesfilm ist die Rede von Schmetterlingen und Bauchkribbeln und diese Beschreibung soll den Zuschauern verdeutlichen, dass hier wirklich Liebe im Spiel ist. Schreiben die Autoren eigentlich alle voneinander ab und finden keine andere Metapher mehr?

 

Habe ich denn etwas im Leben verpasst?

Doch, doch, ich kenne dieses Gefühl auch, aber ich kenne es anders und zu anderen Zeiten und Gelegenheiten.

 

Schmetterlinge sind für mich eher die Vorboten oder Begleiter der Verliebtheit, einer aufregenden Anziehungskraft, die mit SchwerKraft nichts zu tun hat und die meist ziemlich flatterhaft ist – innerlich flirrend und oft auch flüchtig.

Liebe habe ich anders erlebt und gespürt. Sie ist für mich warm und rund, weich und strahlend, schimmernd und prickelnd, hat aber mit Brausepulver im Bauch nicht wirklich viel gemeinsam.

 

Es sind Blicke, die mehr als unter die Haut gehen, die ungebremst direkt ins Innere dringen; Berührungen, die mit den Händen die Seele greifen und streicheln. Ein Gefühl, das mich ganz erfasst, alles in mir zum Klingen bringt und mich schweben lässt, ohne dass ich dabei auch nur andeutungsweise in der Luft hänge. Sie lässt mir auch Flügel wachsen und mich Freiheit spüren – in diesem Sinne werde ich also eher selbst zu einem leichtfüßigen Schmetterling, als dass sich so ein Flügeltier in meinem Gedärm niederlässt und dort seine Schwingen tanzen lässt. Gleichzeitig ist es aber weder flatterhaft, noch leichtsinnig; dieses Gefühl ist äußerst fundamental und bodenständig, es ist erschütterungsfrei, beweglich und extrem bewegend.

 

Es ist ein unmittelbares Lächeln, ein besonderes Leuchten, innerlich und äußerlich, das durch den bloßen Gedanken an den geliebten Menschen entsteht, einfach so da ist und sich vertieft, wenn ich seine Gegenwart und Nähe tatsächlich erlebe. Ich fühle mich dabei von einer sanften Woge aus Glück erfüllt, es ist ein zeit- und raumloser Zustand, ein friedliches Sein im Hier und Jetzt. Es sind AugenBlicke, die zu einer Kette aus tiefer Geborgenheit und Mut zum Aufbruch verschmelzen, die Ankunft und Entwicklung zugleich ermöglichen und erreichbar werden lassen.

 

Liebe ist etwas, was ich mir sonst nur schwer vorstellen kann:  

Es ist ein Gefühl, das keine Fragen braucht und daher keine stellt und dadurch ist es meinem Verstand weit überlegen! Es kann Angst und Zweifel besiegen, weil es nicht auf ein Warum oder ein Wie ausgerichtet ist. Es bezieht sich auf ein Du, lässt mich dabei aber ganz Ich sein.

Es ist anscheinend voller Widersprüche und dennoch von einer unfassbaren Klarheit.

 

Ob die Schmetterlinge noch so unbekümmert fliegen könnten, wenn ihnen klar wäre, dass sie das alles symbolisieren sollen?