Eingelaufen
Das hat diesmal nichts mit verkürzten Wäschestücken zu tun; es beschreibt eher das Gefühl beim Eislaufen:
Zuerst noch etwas ungelenk die ersten wackligen Schritte auf ungewohnt rutschigem Boden zu machen, ganz von vorn anzufangen und die Balance erst wieder lernen zu müssen. Erst nach und nach entspannt man sich, aus einzelnen Bewegungen werden wieder fließende Abläufe und dann kommt das erste Mal der Moment des Gleitens … wunderbar!
Vor mir liegt eine große Fläche, auf der ich mich frei bewegen kann – die schützende Balustrade habe ich längst hinter mir gelassen, ich brauche sie als AnHaltspunkt nicht mehr. Noch kann ich keine kunstvollen Pirouetten drehen, aber ich rutsche auch nicht mehr plötzlich aus. Die Stürze waren EinzelFälle, aber keine AbStürze, die ins Bodenlose führen. Inzwischen sind es bereits weit ausholende, fast schon elegant wirkende Runden, die ihre Spuren auf der Eisfläche in bizarren Kratzern hinterlassen.
Nein, ich kann keine großen Sprünge machen, aber das hatte ich auch nicht vor.
Ich wollte die Leichtigkeit wiederentdecken, die Lust an den sanften Drehungen, die so geschmeidig und kraftvoll zugleich sind, wieder spüren und nicht mehr nur von ihnen träumen.
Das Eis ist erstaunlich fest, es trägt und fördert zugleich den Schwung, der vorher immer wieder gebremst wurde: Lässt sich eine Vision verwirklichen?
Wir erFahren es nur, wenn wir es probieren!
Garantien gibt es nur für die blauen Flecken am Anfang, nicht für den Erfolg, die Schwünge können erst mit der Zeit zu harmonischen Figuren werden.
Aber mit jedem Mal wird der Tritt fester, der Lauf sicherer und die weiten Läufe, die Kringel und Drehungen verbinden sich zu einem Ganzen, sie passen zur Begleitmusik, untermalen sie mit ihrer so mühelos wirkenden Leichtigkeit.
Ineinander verschlungene Wege fügen sich zu Ornamenten zusammen und die Königsdisziplin, der PaarLauf, verlockt zu einem schwerelos scheinenden Tanz.
Die Aufwärmphase ist vorbei, ich habe mich eingelaufen.
