Geschriebene Gedanken

19.02.2008 um 18:11 Uhr

Wohin ich schaue …

 

…überall finde, sehe, fühle ich im Moment Tränen. Nein, es sind nicht meine Tränen - diesmal nicht.

 

Es sind ungeweinte Tränen, die schon lange einen Ausweg suchen, die tapfer, stolz oder trotzig runtergeschluckt werden. Sie sind doch aber so schwer verdaulich! Sie bestehen nicht nur aus Wasser und Salz: Sie enthalten Schmerz, Trauer, Enttäuschung und Ohnmacht, sie umhüllen Verzweiflung, Einsamkeit und Verletzungen.

Es sind geweinte Tränen, die sich wie Sturzbäche plötzlich ergießen, obwohl der Anlass dazu nichtig erscheinen mag – aber es war eben buchstäblich oft der letzte Tropfen, der das innere Fass zum Überlaufen bringt.

 

Die Aussage, dass Tränen heilsam sind, das aufmunternd gemeinte  „Kopf hoch“, die sicher gut gemeinte Versicherung, dass es wieder besser und leichter werden wird, die Aussicht auf einen neuen Anfang, auf eine Tür, die sich öffnet, wenn sich hinter einem eine schließt und all die anderen tröstenden Worte erreichen einen dann meistens gar nicht.

Wie sollten sie auch?

Sie sind auf die Zukunft ausgerichtet; aber Tränen weint man ausschließlich in der Gegenwart!

Sie sind der Ausdruck eines Gefühls und gegenwärtige Traurigkeit lässt sich nicht durch noch so rosige Zukunftsaussichten beeinflussen, sie braucht ihre Zeit zum Sein, zum Ausbreiten und erst dann kann sie abklingen – sie schwebt noch eine Weile im Raum, wie der letzte Ton eines Konzerts, verklingt und die Tränen können versiegen.

 

Meistens fühlen wir uns dann erleichtert und das liegt ganz sicher nicht am Gewicht der Fluten, die aus unseren Augen kamen; es hat wohl eher damit zu tun, dass ein Gefühl in uns nicht mehr unterdrückt wurde, sondern mal ans Licht kam. Die Quelle der Tränen, ihr Ursprung, ist ein wichtiger Wegweiser für das, was in uns brodelt, was zukünftig anders sein und werden sollte.

 

Tränen sind tatsächlich heilsam, aber sie allein heilen nichts. Sie sind nur ein Indiz, ein Indikator für etwas, was wir verdrängt, erduldet oder versäumt haben.

Die Spur der Tränen, die wir auf unserem Gesicht einfach wegwischen können, führt tief in unser Innerstes und dort finden wir auch die Lösung, wenn wir uns denn in diese Tiefe wagen.

18.02.2008 um 18:38 Uhr

Vertraut, gewohnt und ganz und gar nicht gewöhnlich

 

Ich kenne das noch gut: Den Schmerz, einen geliebten Menschen nicht mehr oder noch nicht an meiner Seite zu haben, die brennende Sehnsucht nach vertrauter Nähe und die Verzweiflung, wenn die Erfüllung dieses Wunsches allenfalls in unendlich entfernt erscheinender, sehr ungewisser Zukunft winkt.

 

„Mach es dir doch allein mal so richtig gemütlich“, „Geh doch mit Freunden aus“, „Genieße deine Unabhängigkeit“, all das waren für mich untaugliche Versuche – die Ratschläge waren sicher gut gemeint, sie kamen von Herzen und es blieb auch nicht nur bei diesen Worten. Mit manch einem guten Freund oder einer lieben Freundin habe ich tatsächlich wundervolle Stunden verbracht, ich habe viele Menschen kennen gelernt, Kino, Theater, Veranstaltungen und Restaurants besucht, aber es war nicht das, was ich gesucht habe.

 

Es waren nicht die Augenblicke der Heimkehr in eine leere Wohnung, die mich daran erinnert haben, was mir fehlte; nach solchen Treffen habe ich tatsächlich die Stille und die Ruhe genossen, die ich in meinem Zuhause fand. Aber mittendrin, mitten in der besten Gesellschaft, hat es mich oft eingeholt: Das Gefühl, umgeben von Menschen, allein zu sein.

 

Und es ist gerade dieses Gefühl, das ich nie wollte, das ich so schwer annehmen konnte, das mir so weh getan hat, es ist eben die Erinnerung an dieses Gefühl, das mir noch so vertraut ist, an das ich mich nie gewöhnen konnte und wollte, was mich heute so intensiv spüren lässt, wie wertvoll und wichtig mir Liebe tatsächlich ist und welche fundamentale Bedeutung sie für mich hat.

 

Hätte ich diese Zeit der Sehnsucht nicht erlebt, würde ich ein liebevolles, harmonisches, vertrautes Miteinander auch genießen, aber ich würde es wohl für normaler halten, als es wirklich ist. In einem Menschen eine Ergänzung, einen Spiegel, ein Gegenüber und eine stetige, zuverlässige Antwort zu finden ist Glück – und es ist ungewöhnlich!

Ungewöhnlich schön, ungewöhnlich bereichernd, ungewöhnlich erfüllend, man gewöhnt sich zwar leicht daran, aber es bleibt alles andere als gewöhnlich.

16.02.2008 um 13:17 Uhr

Da isse wieder!

 

Back from Berlin! Ein kurzer, familiärer Ausflug in unsere alte Heimat liegt hinter uns. Ich habe das Zusammensein mit Mama und den Kindern genossen, den geburtstagsbedingten Aufmarsch der Verwandtschaft überstanden und es war sogar noch Zeit zu einem ausgiebigen Treffen mit einer Freundin und einigen Einkäufen.

Das erste Mal habe ich den unvermeidlichen Stau auf dem Stadtring voller Freude miterlebt – es war ja nur ein Intermezzo und gehört nicht mehr zu meinem Alltag, toll!

Menschen in dieser Stadt zu wissen, die meinem Herzen so nahe sind, das ist das Einzige, was mich dort noch hinzieht. Ansonsten: Null Heimweh nach dem Großstadtgetümmel, den quirligen Menschenmassen, den verstopften Straßen, den unzähligen Einkaufspassagen, in denen sich die Menschen mit Taschen und Tüten drängeln und zwischendurch, mitten im Gewühle, Kaffee trinken oder Minisnacks konsumieren. Nee, danke, das muss ich alles nicht mehr haben.

 

Zuhause sind wir nicht in ein leeres Haus gekommen, sondern wurden von meiner Freundin erwartet, die, für die Dauer unserer Abwesenheit, hier den ganz persönlichen Katzensitter gegeben hat. Frau Katze war glücklich, Frau Freundin hat es auch gefallen, sie hat hier ein bisschen die Gegend erkundet und sich wohl gefühlt.

 

Alles bestens, also und ab Montag warten vier Tage strammes Arbeitsprogramm am Schreibtisch auf mich, bevor es am Freitag wieder nach Hamburg zum Seminar geht.

 

Bei uns hat die Langeweile, die auf dem platten Land ja zu Hause sein soll, noch nicht einen Tag mit am Tisch gesessen und ich werde für sie auch nie ein Gedeck auflegen!

 

Jetzt werde ich mal durch die Blogs bummeln und sehen, was ihr so macht.

Ein schönes Wochenende wünsche ich!

05.02.2008 um 18:56 Uhr

GeKlärt

Manchmal ist es nur ein Wort – aber es trifft uns tief, es erschüttert unsere Seele.

 

Es fällt bis auf den Grund, fast bodenlos, aber ganz sicher nicht grundlos. Es treibt uns um, es reibt uns auf, alles ist innerlich in Bewegung.

Wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Er hinterlässt seine Kreise, während er langsam in die unsichtbaren Schichten sinkt und wühlt dabei etwas auf, dass das Wasser trübe werden lässt. Etwas, was wir nicht bemerken, wenn wir nur auf die spiegelblanke Oberfläche sehen.

 

Wäre es besser, es nie gehört zu haben?

Wäre es besser, es wäre nie gesagt worden?

 

Welchen Wert hätte die scheinbare Klarheit und Ruhe dann?

 

Wäre sie nicht nur eine trügerische Spiegelung, reine Verklärung?

 

Manchmal ist es nur ein Wort – aber es ordnet alles neu.

 

Auch wenn die Erklärung weh tut, sie klärt und wenn sie ehrlich ist, dann bringt sie die erforderliche Klarheit, die uns das Wesentliche auf dem Grund wieder erkennen lässt.

 

02.02.2008 um 10:08 Uhr

Erwachen

 

Endlich wieder Stille – nach tagelangem Sturmgetöse ist sie wohltuend und erscheint fast greifbar.

Ungewohntes Erwachen: Es war hell, ruhig und friedlich!

Vorbei sind die Stunden, in denen der Regen lautstark an die Fenster peitschte und das Heulen des Sturms nur im Tiefschlaf nachließ. Eingekuschelt in eine warme Bettdecke fühlte man sich trotzdem irgendwie unbehaust.

Gewohntes Erwachen: Du liegst neben mir, eben noch unterwegs in deinem Traumland und doch spürst du die Bewegung; ein erster Blick, ein Lächeln in deinen Augen – kein Sturm kann diesem Leuchten darin etwas anhaben. Ein wohliges Gefühl von Geborgenheit, eingebunden in einen Lidschlag.