Im Restaurant
Gehen Sie auch öfter mit Leuten Essen, die stundenlang wortlos hinter einer Speisekate verschwinden können, sie akribisch von vorne bis hinten durchlesen und danach verkünden:
“Eigentlich habe ich gar keinen Hunger!“?
Oder: „Ich weiß beim besten Willen nicht, was ich essen soll – was nimmst du denn?“
Ich weiß nicht, welche Variante schlimmer ist!
Mich nervt das kolossal! Wenn ich ins Restaurant gehe, dann WEISS ich doch, ob ich überhaupt etwas essen möchte, eher eine Platte für dreiundzwanzig Personen oder nur eine Kleinigkeit. Und ich erwarte beim Chinesen auch keine Pizza auf der Speisekarte. Man, was ist denn daran so schwer????
Ganz toll sind auch Begegnungen wie diese: Es erfolgt eine Bestellung, die mit einem munteren: „Ich hätte gern …“, schwungvoll beginnt und dann in minutenlanges Schweigen übergeht. JETZT könnte die Bedienung alles Mögliche erledigen, was sonst, wegen der Hektik, immer liegen bleiben muss – aber das wissen die natürlich nicht und verharren deshalb ebenfalls angespannt und wortlos am Tisch.
Gefühlte Stunden später dann endlich das erlösende Wort:“…einen Milchkaffee!“, begleitet von einem strahlenden Lächeln. Erleichtertes Aufatmen bei allen Beteiligten ist hörbar – aber äußerst voreilig! Denn kaum hat sich der dienstbare Geist umgedreht, wahrscheinlich nicht nur, damit er den Kaffee holen kann, sondern auch um ungestört mit den Augen zu rollen und unbeobachtet tief durchatmen zu können, wird die Bestellung storniert!
„Ach nee, bringen Sie mir bitte lieber einen Tee! Was haben Sie denn für welchen?“ Boah, jetzt sagt der Ober ALLE Teesorten auf, die es jemals in diesem Laden gegeben hat und meistens entwickelt sich gleich ein Interview daraus, ob die zarten Teespitzen auch wirklich noch vor Sonnenaufgang in Ceylon von besonders sensiblen Pflückerinnen geerntet wurden, damit sie auch ein spezielles Aroma entfalten könnten.
Kein Mensch denkt mehr daran, dass ICH vor einer Ewigkeit einen Kaffee bestellt hatte und das todernst gemeint habe!
Drei Zigaretten später, die von mir als Beruhigungsmittel missbraucht wurden, sind die Teesorten durchgehechelt und jetzt wird eine Cola bestellt.
Abgang des Obers, der zweite Versuch!
Drei Schritte später wird lauthals hinterher gerufen: „Light! Eine Cola light, bitte!“ Aber der Typ ist clever, er kommt nicht wieder an den Tisch zurück, er geht schnurstracks zum Tresen und führt die Bestellung aus – man weiß ja nie, was der Dame (meine Begleitung ist natürlich eine Frau, so ein wirres Hin und Her habe ich mit einem Mann noch NIE erlebt!) sonst noch so einfällt.
Nachdem die Getränke auf dem Tisch stehen, findet tatsächlich eine normale Unterhaltung statt – zumindest bis zu der Frage von ihr: “Wollen wir auch etwas essen?“
Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht ganz sicher!
ICH würde schon ganz gern und hatte mir vorhin auf der Karte auch schon etwas ausgesucht, aber wenn jetzt bei ihr der gleiche Zirkus wie vorhin losgeht … außerdem, woher soll ICH wissen, ob WIR etwas essen wollen???
Also mache ich ihr ein Angebot: „Ich esse einen Salat mit Thunfisch!“ Punkt!
„Hmm …“, lange Pause. „Ich weiß nicht, Thunfisch bekommt mir nicht besonders gut.“
„Ok, dann iss doch was anderes.“
„Ja, aber …“ nachdenkliches Gesicht, „ein Salat wäre gar nicht schlecht.“
Flüssig bete ich nun alle Salatvarianten, die das Restaurant heute anbietet, herunter – ich hatte ja vorhin zwangsläufig stundenlang Zeit, die Speisekarte zu lesen, weil keine Bücher da waren.
Leider weiß ich nicht, ob der Schafskäse nicht doch zu würzig wäre, das Dressing eventuell Zucker enthält oder mit Apfelessig zubereitet wird und ob das Öl früher mal, in anderer Form, an einem Olivenbaum zu Hause war und tatsächlich ganz kalt gepresst wurde, um in die Flasche zu passen.
Ich gebe zu, ich habe mich mit diesen Fragen noch nie intensiv beschäftigt und habe das auch zukünftig nicht vor!
ICH WOLLTE EINFACH NUR EINEN THUNFISCHSALAT ESSEN!
Stunden später habe ich mir dann zu Hause ein Käsebrot gemacht und ich habe keinen Moment gezögert, einfach hinein zu beißen, obwohl mir der Name der Kuh, von der die Milch für den Käse stammt, NICHT geläufig ist.
