Geschriebene Gedanken

12.06.2008 um 16:21 Uhr

Reisen in ferne Länder ...

 

… kann man körperlich und seelisch machen, manchmal sogar zeitgleich.

Die Lust, die wir empfinden, die Neugier, die Entdeckerfreude, wenn wir uns auf eine lange Reise begeben, die uns in ferne Länder führt, begleitet uns nicht immer auch auf den Exkursionen in die unbekannten Kontinente, die ganz dicht vor uns liegen.

 

Jeder Mensch ist anders und jeder ist wie ein neues Land für uns.

Wir sind auch da oft von Unbekanntem fasziniert, fühlen uns an- und hingezogen von neuen Gedankenwelten, anderen Sichtweisen und bestaunen bisher unvorstellbare Aussichten.

Und doch suchen wir auch immer wieder nach dem Bekannten und Vertrauten.

Es ist ein Prozess, sich in einem fremden Land wie zu Hause zu fühlen – manchmal braucht er Jahre, manchmal erreicht uns dieses Gefühl unmittelbar.

Aber die Unbekümmertheit, die wir auf unsere tatsächlichen, räumlichen Reisen ganz selbstverständlich mit in unserem Gepäck tragen, die vergessen wir oft mitzuführen, wenn wir uns auf den Weg in das innere Heimatland eines anderen Menschen machen. Da haben wir stattdessen Hoffnungen und Erwartungen, Sehnsüchte und Ansprüche mit eingepackt und gehen davon aus, der andere wird dieses Paket nicht nur aufschnüren, sondern auch noch alle belastenden Inhalte, die uns schwer auf der Seele liegen, mit Freude, Leben und Liebe füllen.

Ist es da ein Wunder, wenn wir allzu oft unsere Siebensachen wieder einpacken müssen und unverrichteter Dinge wieder an unserem Ausgangspunkt landen?

 

All das, was uns beschwert, führt auch zu Beschwerden – es wird der Tag kommen, da werden wir uns beschweren, dass uns unsere Träume nicht erfüllt wurden. Und wir werden überzeugt sein, dass uns Unrecht widerfahren ist, dass das Schicksal es nicht gut mit uns meint, dass das andere Land, das wir erobern wollten, eben nur ein Urlaubsparadies war und kein Zuhause.

 

Haben wir dabei nicht vergessen, dass uns nichts und niemand das sein und geben kann, was wir uns selbst nicht gönnen?

Solange wir bei uns selbst nicht landen können, uns nicht wirklich und vollständig als das akzeptieren, wer und was wir sind, solange werden wir vergeblich in der Ferne suchen, was doch direkt in unserem Innern zu finden ist.

 

Das Aufzuspüren, was in uns verborgen ist, kann uns kein anderer Mensch abnehmen und auch das ist eine Reise, die durchaus mit Überraschungen und der Entdeckung von Neuland verbunden ist.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 12.06.2008 um 17:03 Uhr:Flugangst, ja Reiseangst ganz allgemein, scheint ein weitverbreitetes Phänomen zu sein. Und es setzt sich in unserem Inneren fort. Eine Reise in die eigene Seele kann ein Abenteuer sein - voller Spannung und Überraschungen, voller Entdeckungen und Erkenntnisse. Aber sie kann auch zum Wagnis werden, weil diese Erkenntnisse und Entdeckungen womöglich so gar nicht zu unserem bisherigen Selbstbild passen wollen.
    Es heißt nicht umsonst: Ein Reisender kommt nie so zurück, wie er gegangen ist.
    Deshalb kann ich auch die Menschen verstehen, denen es angst macht, alleine auf Reisen zu gehen. Eine passende Reisebegleitung ist Gold wert und erleichtert vieles. Oft reicht es schon, eine gute Frage im rechten Moment gestellt zu bekommen, und schon geht die Reise los, ohne zuvor geplant gewesen zu sein...
  2. zitierenZooStation schreibt am 12.06.2008 um 22:28 Uhr:Aber Leute, ihr beschreibt das, als wär's 'ne Klassenfahrt, mit all der freudigen Aufregung und den verrückten Sachen, die man da so macht...Ich erfahre dies nicht als Reise, sondern als Unterwegssein, als harten, steinigen Weg, den ich gehen muss - und die dunklen Schluchten, die durchquert werden müssen und die Wüsten...ach Scheisse, das Leben ist kein Zuckerschlecken!
  3. zitierenZwischenweltler schreibt am 12.06.2008 um 22:41 Uhr:Auch im Ferienlager gibt es Nachtwanderungen, die zum Horrortrip werden können. Die Frage ist, welche Konsequenzen man aus seinem Überleben zieht. Mit den passenden Überlegungen könnte nämlich Gelassenheit daraus erwachsen...
    Und wer bräuchte die nicht?
  4. zitierenDarkHoneyLady schreibt am 13.06.2008 um 11:47 Uhr:Wie mutig muss man sein, um sich zu seiner Angst zu bekennen!
    Wie stark muss man sein, um immer wieder aufzustehen und gegen die Wand zu rennen!

    Nee, das Leben ist kein Ponyhof und der Weg zu sich selbst ist keine fröhliche Klassenfahrt mit organisiertem Ausflugsprogramm und spontanen Streichen - da hast du völlig recht, aber gibt es eine Alternative zu dieser Reise??????

    Du stemmst dich mit aller Kraft gegen das, was du für das Leben hältst?
    Bist du sicher?
    Könnte es nicht sein, dass du dich mit aller Kraft gegen das stemmst, was man dir als das Leben vorhält, vorgaukelt, vorspielt?

    Der Wahrheit und der Angst ins Gesicht zu sehen, aufzustehen, wenn man lang hingeschlagen ist, DAS IST (auch) Leben und dem stehst du offen gegenüber und lässt dich darauf ein!
    Manch einer würde davor einfach davonlaufen - zumindest vermeintlich, indem er sich einen breiten, ausgelatschten Weg sucht, auf dem schon ganze Horden vor sich hin trotten.
    Offenbar hast du dich anders entschieden und das ist eine Einladung an das Leben!

    Es gibt nur Täler, wenn auch Berge da sind - manchmal ist das Tal Erholung, manchmal ist es nur tief und Dunkel; Berge können Herausforderung sein, den Gipfel zu bezwingen oder wie eine bedrohliche Grenze vor einem liegen.
    Entscheiden tust du, was in der jeweilgen Situation für dich zutrifft, ZooStation!

    Du kämpfst - also lebst du!

    Stemm dich mit aller Kraft gegen deine Angst - diese Kraft hat dir das Leben gegeben und sie wird dich weiterführen, wenn du es zulässt: Auf einen Gipfel mit Aussicht oder ein geruhsames Tal (zu gegebener Zeit) ...

    Liebe Grüße
  5. zitierenDarkHoneyLady schreibt am 13.06.2008 um 13:59 Uhr:Lieber Zwischenweltler, ich muss wohl nicht mehr sagen, dass mir deine Kommentare aus dem Herzen sprechen?!
  6. zitierenZwischenweltler schreibt am 13.06.2008 um 14:02 Uhr:Müssen tust Du nicht, aber dürfen tust Du wohl.
    *zwinker*
  7. zitierenDarkHoneyLady schreibt am 13.06.2008 um 14:11 Uhr:Ha, dann habe ich es ja richtig gemacht *schmunzel*
  8. zitierensternenschein schreibt am 22.06.2008 um 02:22 Uhr:Liebe DarkHoneyLady,
    sehr schön geschrieben..es gefällt mir alles, aber besonders dieses
    solange du nicht bei dir selbst landen kannst...
    Wie lange kann man in der Luft bleiben, für wie lange hält die Kraft zum fliegen vor..
    Wann kommt dann der Absturz?
    Liebe Grüsse
  9. zitierenDarkHoneyLady schreibt am 24.06.2008 um 14:31 Uhr:Danke, lieber sternenschein!
    Ich fürchte, wir haben (fast) alle den Drang, hin und wieder auszuprobieren, wie lange man wohl in der Luft bleiben kann ...
    ... und hängen oft der Illusion an, dass wir uns selbst entfliehen können, sollen, müssen.
    Es ist ein schwerer Weg, wirklich zu begreifen und zu verstehen, dass wir selbst immer schon da sind, wohin wir auch gehen - mit unserem gesamten (emotinalen) Marschgepäck, wenn wir nicht ganz bewusst etwas zurücklassen, was nicht mehr zu uns und in unser Leben gehört und wovon wir uns ausdrücklich verabschieden.

    Ich wünsche dir möglichst unbeschwerte Wanderungen durch das Leben!
    Liebe Grüße

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