Geschriebene Gedanken

02.03.2008 um 13:25 Uhr

StippVisiten

 

 

Zurzeit bin ich dauernd auf dem Sprung – innerlich und äußerlich.

Die Seminartermine reihen sich wie bunte Ketten auf meinem Jahreskalender, was für die materielle Existenz natürlich von Vorteil ist, mir aber nicht nur die Zeit, sondern auch das Leben einteilt, in DA und nicht DA, also zu Hause.

DA sein muss ich allerdings an allen Orten, niemand kann, will oder soll auf eine Trainerin warten, die mental noch „unterwegs“ ist.

Und so gilt es, das Abschalten zu lernen – nicht das Relaxen, sondern das Präsent sein, punktgenau, mal eben im häuslichen Bereich, der sich in Arbeit und Privates splittet und jeweils auch noch in Pflicht, Kür und Leidenschaft und den außerhäuslichen Bereich, der die Verbindung von "rein" Beruflichem mit Beziehungspflege und Kontaktbereitschaft fordert.

 

Nein, nein, so ganz neu sind mir die unterschiedlichen Anforderungen nicht, aber jetzt sind sie doch ein bisschen anders, als ich sie bisher gekannt habe.

 

Und ich merke, dass ich die Veränderungen spannend finde, auch an den wechselnden Situationen Freude habe, mir einiges schon leichter von der Hand geht und trotzdem der Spannungsbogen manchmal bis zum Anschlag gespannt ist.

Das zehrt und zerrt ganz schön, nicht nur an meinen Nerven, sondern auch an der Substanz.

 

Es ist ein ständiger Balanceakt: Aus einer inneren Ruhe heraus zu agieren und die Ruhe, die ich so dringend dafür brauche, genau dann zu finden, wenn Zeit dafür da ist und an den notwendigen und passenden Stellen eben auch noch Frau, Mutter, Kind und Freund zu sein und zwar nicht nur nebenbei, sondern mit ganzem Herzen.

 

Was sich so hübsch anhört, sich die Zeit (meistens) selbst einteilen zu können, das hat den Pferdefuss, dass auch daran Erwartungen geknüpft sind – sich nämlich jederzeit DIE Zeit nehmen zu können, die gerade jemand mit mir verbringen möchte oder die ich für meine Pläne einsetzen möchte. Jeder hat dafür Verständnis, dass man von einem aushäusigen Arbeitsplatz nicht beliebig agieren kann – aber wenn man doch zu Hause ist, da gilt das irgendwie nicht im gleichen Maße, da erscheint man wohl eher als ständig „verfügbar“.

 

Das Problem ist, dass sich kreative Arbeit und gestalterische Prozesse nicht vollständig eintakten lassen – ich kann nicht einfach dann schreiben und arbeiten, wenn mal gerade nichts anderes anliegt, sondern „muss“ dann tätig werden, wenn sich die Ideen zu Wort melden und nach Formulierung streben. Und manchmal muss man ihnen auch durch anscheinendes Nichtstun erst die innere Bahn eröffnen, damit sie die grauen Zellen auch dort ansprechen, wo ich es wahrnehmen und verstehen kann …

 

Ich beklage mich nicht, jedenfalls ist das nicht meine Absicht.

Ich wollte es nur mal sagen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenShadowfax schreibt am 02.03.2008 um 13:50 Uhr:Ja da zeigt sich das ein Mensch eben keine Maschine ist und nicht immer und überall "funktionieren" kann.
  2. zitierenzartgewebt schreibt am 02.03.2008 um 14:04 Uhr:Schön gesagt DHL, ich kann das auch bis zu einem gewissen Punkt sehr gut nachvollziehen, frönte ich doch auch ein paar Jahre der Selbstständigkeit. Nur brachte ich es nicht so gut unter einen Hut, wie du es so treffend beschreibst. Gerade dann, wenn ich vor Ideen nur so übersprudelte, wurde meine Präsenz im privaten Bereich ziemlich gefordert. Die Ideen duldeten aber keinen Aufschub, wollten sofort umgesetzt werden, um nicht zu entfleuchen; das Private wurde daher meist hinten angereiht. Und obwohl mir diese Selbstständigkeit Freude bereitete, litt ich doch mehr darunter.

    Ich sag` mal so: "Ein Rucksack, prall gefüllt, zwar mit vorwiegend "schmackhaften" Sachen - dennoch ein Balast."

    Ich weiß inzw. sehr gut, vieviel ich mir aufladen kann ;-)

    Alles Liebe "zartgewebt"
  3. zitierenpicture_it schreibt am 02.03.2008 um 17:31 Uhr:Oh - ich kann das auch sehr sehr gut nachvollziehen...
    Aber es sind nicht nur die anderen, für die es angenehm ist, mich jederzeit in Anspruch nehmen zu können - oder zu "haben" - sondern auch ich verzettel mich gern.
    Schnell sind doch noch ein paar Bilder fertig zu machen, oder eine Maschine Wäsche anzustellen, oder oder oder...
    Dazu gehört eine gewaltige Postion Selbstdisziplin - alles hintereinander zu bringen.

    Liebe Grüße an Dich,

    p_i
  4. zitierenDarkHoneyLady schreibt am 03.03.2008 um 17:43 Uhr:Ja, es "menschelt" und das ist gut so ... finde ich.

    Ich übe gerade, den Rucksack mit den wichtigen Dingen zu füllen und ihn trotzdem noch anheben und längere Zeit tragen zu können - ohne unter dem Gewicht in die Knie zu gehen und hoffe, dass mir das gelingt. Und auch ich "verzettele" mich gern mal mit allerlei anderen Dingen, die mir Spaß machen oder meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ärgere mich dann manchmal hinterher darüber ... aber auch das scheint mir etwas Menschliches zu sein - ich übe mich daher auch in Geduld mit mir selbst, denn ich wollte nie nur "funktionieren" ...

    Ich danke euch für euren Zuspruch! Es tut gut, zu wissen, dass ich mit diesem Unbehagen und dem Versuch der Bewältigung nicht allein bin.

    Liebe Grüße
  5. zitierenRabenflug schreibt am 17.03.2008 um 00:52 Uhr:gut geschrieben

    http://rabenflug.myblog.de/
  6. zitierensternenschein schreibt am 04.04.2008 um 02:51 Uhr:Es ist oftmals nicht einfach. Besonders dieses dann auch wirklich präsent sein, kaum angekommen. Voll da zu sein.
    Kreativität geht nicht auf bestellung, jedenfalls nicht wirklich gut.
    Es ist und bleibt ein Spagat.
    Liebe grüsse und lasse es weiter menscheln.
    sternensschein

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