Wohin ich schaue …
…überall finde, sehe, fühle ich im Moment Tränen. Nein, es sind nicht meine Tränen - diesmal nicht.
Es sind ungeweinte Tränen, die schon lange einen Ausweg suchen, die tapfer, stolz oder trotzig runtergeschluckt werden. Sie sind doch aber so schwer verdaulich! Sie bestehen nicht nur aus Wasser und Salz: Sie enthalten Schmerz, Trauer, Enttäuschung und Ohnmacht, sie umhüllen Verzweiflung, Einsamkeit und Verletzungen.
Es sind geweinte Tränen, die sich wie Sturzbäche plötzlich ergießen, obwohl der Anlass dazu nichtig erscheinen mag – aber es war eben buchstäblich oft der letzte Tropfen, der das innere Fass zum Überlaufen bringt.
Die Aussage, dass Tränen heilsam sind, das aufmunternd gemeinte „Kopf hoch“, die sicher gut gemeinte Versicherung, dass es wieder besser und leichter werden wird, die Aussicht auf einen neuen Anfang, auf eine Tür, die sich öffnet, wenn sich hinter einem eine schließt und all die anderen tröstenden Worte erreichen einen dann meistens gar nicht.
Wie sollten sie auch?
Sie sind auf die Zukunft ausgerichtet; aber Tränen weint man ausschließlich in der Gegenwart!
Sie sind der Ausdruck eines Gefühls und gegenwärtige Traurigkeit lässt sich nicht durch noch so rosige Zukunftsaussichten beeinflussen, sie braucht ihre Zeit zum Sein, zum Ausbreiten und erst dann kann sie abklingen – sie schwebt noch eine Weile im Raum, wie der letzte Ton eines Konzerts, verklingt und die Tränen können versiegen.
Meistens fühlen wir uns dann erleichtert und das liegt ganz sicher nicht am Gewicht der Fluten, die aus unseren Augen kamen; es hat wohl eher damit zu tun, dass ein Gefühl in uns nicht mehr unterdrückt wurde, sondern mal ans Licht kam. Die Quelle der Tränen, ihr Ursprung, ist ein wichtiger Wegweiser für das, was in uns brodelt, was zukünftig anders sein und werden sollte.
Tränen sind tatsächlich heilsam, aber sie allein heilen nichts. Sie sind nur ein Indiz, ein Indikator für etwas, was wir verdrängt, erduldet oder versäumt haben.
Die Spur der Tränen, die wir auf unserem Gesicht einfach wegwischen können, führt tief in unser Innerstes und dort finden wir auch die Lösung, wenn wir uns denn in diese Tiefe wagen.

Leider treffen wir immer wieder auf Menschen, die das Verdrängen, Erdulden und Versäumen so tief eingeschliffen haben, daß sie noch nicht einmal weinen können.
Insofern ist das Weinen bereits der zweite, der besser Schritt...
und solang die tränen kommen, solln se halt kommen, ne!!
ganz liebe grüße,
inge
Ganz liebe Grüsse
sternenschein
Ich empfinde sie erleichternt. danach ist etwas >Platzin mir und ich kann wieder Luftholen. Nur manchmal, da ersticken sie mich auch, weil sie diesen weiten Weg von innen nach außen gegangen sind und ich genau weiß, woher sie kommen...ich schaue nach innen. Und dann...sehe ich wirklich die lösung...
Du hast recht
LG anjuli
In zwischen ist alles ausgewogen und mein Weinen nicht mehr unbedingt Indiz für Trauer - sondern oftmals für tiefe Berührungen.
Manchmal aber - wenn das leben zu schnell rennt, komme ich gar nicht dazu - so scheint es mir - weil immer etwas anderes ist, warum ich jetzt gerade nicht weinen sollte. Dann staut es sich auf und wird zu einem Dammbruch, der nie enden zu wollen scheint - wenn es dann soweit ist...
Mein Weg, es zu lernen, war ein sehr steiniger - das wünsche ich niemandem.
LG,
p_i
Liebe Grüsse
Daki
Und welcher Erwachsene kann ohne am Ende zu schlucken einem Kind das Märchen
*Das Mädchen mit den Schwefelhölzern* vorlesen?
Es wurde einmal gesagt, jede Träne, die wir in solchen Zusammenhängen vergiessen, sie gilt nicht dem was wir sehen oder lesen, sondern uns selbst. Ob es so ist, ich weiss es nicht. Doch ein Mensch, der nicht fühlen, nicht mitfühlen kann, dem würden bei solchen Dingen die Augen nicht vor Rührung feucht werden.
Und doch mögen wir, jedenfalls viele, solche Filme und Geschichten sehr gerne.
Weil sie anrühren, uns anrühren.
Liebe Grüsse
Vielleicht baruchen wir die "rührseligen" Filme, Geschichten und Märchen, um unsere, manchmal fest geschlossenen, inneren Schleusen zu öffnen? Damit wir weinen können, ohne über unsere eigenen Schmerzen reden zu müssen und/oder uns dadurch zu "entblättern"?
Mir kam dieser Gedanke beim Lesen deiner Worte, lieber Sternenschein.
Ich wünsche euch allen eine (möglichst) glückliche Zeit!
Liebe Grüße
Ich denke, dass das Verlernen, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, eine schreckliche und sehr schmerzhafte Entwicklung ist, die auf einen Weg führt, den wohl niemend freiwillig geht ...
Deshalb ist es eine besonders wichtige und heilsame Veränderung, wenn man den Zugang dazu wiederfindet, was verdammt schwer ist - hinter TRänen liegt meist auch ein Lachen oder zumindest ein Lächeln.
Ich wünsche dir viel von diesem positiven, warmen Gefühl!
Liebe Grüße