Ich hab beschlossen, meine Gefühle zuzulassen. Wenn Du sie als Vorwürfe siehst, ist das Dein Problem. Meines ist die Verarbeitung dessen, was geschehen ist.
Falls es Dich nicht interessiert, höre hier bitte auf zu lesen.
Ich hätte Dich im Krankenhaus so dringend gebraucht. Hab aber Verständnis dafür gezeigt, dass Du dich nicht so lange dort aufhalten willst. Klar bist Du jeden Tag gekommen - ca. 30 Minuten lang - dann musstest Du wieder gehen. Und ich war alleine.
Während ich versucht habe mich wieder aufzurappeln, hast Du dich mit D. getroffen. Sie geküsst, obwohl wir noch fest zusammen waren und von Trennung keine Rede war! Natürlich hatten wir Probleme, aber die lösen sich nicht, indem man sich einen anderen Partner sucht. Ich weiß, Du hast nicht gesucht, aber zugelassen hast Du es!
Am Tag der Diagnose, konntest Du mich nicht schnell genug zuhause absetzen um Dich mit D. zu treffen. Selbst in einer schweren Krise ist das kein menschliches Verhalten.
Gegen den Krebs kämpfe ich allein, mit ein paar Freunden an meiner Seite. Mit wem kann ich denn reden, wenn es mir schlecht geht?
Wie sehr hab ich mir ein Wochenende alleine mit Dir gewünscht, dass wir mal wieder Zeit für uns haben, dass wir vielleicht wieder zueinander finden. Mit mir wolltest Du nicht mehr weg, mit D. schon. Ein ganzes Wochenende in Prag und ich saß hier, alleine, krank und einsam.
Im Strahlenbunker hab ich mir Deine Sorgen wegen D. angehört. Das hab ich gerne für Dich gemacht, würde ich auch jederzeit wieder tun. Aber was ist mit meinen Gefühlen und Sorgen? Wo soll ich hin damit?
Wenn ich zu Dir komme, hab ich das Gefühl, ich bin Dir lästig. Aber in mir ist noch so vieles unverarbeitet, wie soll ich es verarbeiten, wenn ich nicht darüber reden kann?
Was hab ich alles "ertragen" in den letzten Monaten? Stillschweigend, weil ich ja versprochen habe, Dir keine Vorwürfe zu machen. Aber ich habe das Recht Dir Vorwürfe zu machen, weil Du dich schäbig benommen hast.
Du hast dieser Tage erst zu mir gesagt, dass Du keinen Grund siehst, Dich wegen D. bei mir zu entschuldigen (sinngemäß, möchte nicht die ganze Unterhaltung hier aufschreiben).
Seit Wochen schwankst Du zwischen Deinen Aussagen hin und her. Mal empfindest Du nichts für mich, mal doch noch ein bisschen, sonst würdest Du es ja nicht noch probieren wollen. Neu verliebt in mich warst Du auch schon wieder. Gerade überwiegen Deine Zweifel... Mir sagst Du, ich hätte Gefühlsschwankungen?
Ich bin gerne mit Dir zusammen, ich hab Dich auch noch lieb, aber es muss sich vieles ändern, bevor ich wieder mit Dir zusammen sein kann.
Du kommst in unsere Wohnung und sagst in einem Deiner ersten Sätze "Wenn ich nur unter den Tisch da schaue...." und wunderst Dich dann, wenn sich keiner richtig freut, dass Du da bist? Es sind Kinder, ok, wenn Du als Kind schon so reinlich warst, ist das schön, andere Kinder sind das nicht und das ist nicht schlimm. Man muss es ihnen eben immer wieder sagen. Sicher reicht es mir auch mal, aber warum reicht es Dir, der hier nur alle paar Tage rein kommt? Ist Dein Bild von uns so negativ, dass Dich der kleinste Anlass schon sauer macht?
Ja ich weiß, Du hast vieles geschluckt die letzten Jahre, aber hast Du es wirklich geschluckt? Ich hatte das Gefühl, dass Du deinem Ärger immer/meistens Ausdruck verliehen hast.
Gestern hast Du L. angemotzt, weil sie Dir etwas erklären wollte, was Du E. gefragt hast. Mit dem Großen war scheinbar etwas ähnliches als ich weg war. Die Kinder dürfen sich in keine Unterhaltung "einmischen". Man kann doch auch liebevoll sagen "Du L. ich hab E. gefragt, lass es ihn doch erstmal versuchen und wenn er nicht weiter kommt, dann erzählst Du es mir :o)". Ich vermisse die Liebe, wenn Du bei uns bist, schon lange. Das war auch immer wieder Thema zwischen uns. Ich weiß, Du bist kein großer Pädagoge, aber liebevoll kann man doch trotzdem sein.
Warum kannst Du nicht einfach froh sein, wenn die Kinder auf Dich zukommen? Sie haben Dir doch nichts getan. Die Distanz die inzwischen zwischen Euch steht, die hast zu einem großen Teil Du zu verantworten, weil Du so hart zu ihnen bist.
Warum darf hier keiner reden wann es ihm gefällt? Es ist wichtig, dass man sich in einer Familie miteinander unterhält. Warum bist Du nicht froh, dass die Kinder - trotz allem was war - immer noch Kontakt zu Dir suchen. Ist Dir der Kontakt zu den Kindern auch lästig?
Die Kinder und ich hatten ein sehr gutes Verhältnis als wir hier her gezogen sind. Im Laufe der Zeit hast sich das verändert. Ich wurde immer härter. Vielleicht lag es daran, dass Du mir immer wieder gesagt hast ist wäre nicht konsequent genug. Aber wir sind gut klar gekommen. Haben es uns schön gemacht, konnten offen und ehrlich miteinander reden. L. hat noch nicht gelogen, D. hat nicht ständig rumgemault. Sicher hat er vieles von seinem Vater übernommen, aber man kann doch ein Kind nicht soweit ausgrenzen aus der Familie, dass es sich nicht mehr wohlfühlt. Es geht hier nicht um einen Kampf wer stärker ist. Sondern darum dass eine Familie zusammenwächst und jeder den Anderen respektvoll behandelt.
Ich höre hier für heute auf.