Der gebackene Mann

10.02.2012 um 16:47 Uhr

Im Tal der Tränen

von: Anna_Kurz   Kategorie: das normale Leben

Es gibt schönere Orte im Leben als diesen hier, im Tal der Tränen. Aber die Reise geht weiter. Still. Manchmal langsam, manchmal schneller. Der Halt an den schönen Orten scheint immer zu kurz zu sein und dort wo es nicht so schön ist, ewig zu dauern. Das Leben ist eine Reise, das erkenn ich grade mal wieder.

Menschen steigen ein in Dein Abteil, und wieder aus. Manche bleiben länger, manche kürzer, und einige dürfen wir immer mal wieder sehen.

Es ist egal wie lange man jemanden kannte, um ihn lieben zu können. Es kommt auf die Intensität an. Und die, die wir besonders lieben hinterlassen diesen bittersüßen Schmerz wenn sie gehen.....


Heute kam ein Anruf von der Dame vom Hospizverein, die TDs krebskranke Tante auf ihre letzten Tage begleitet. Sie sei nun sehr schwach, da sie seit drei Wochen nichts mehr essen kann. Sie wird bald von ihrem Leiden erlöst sein, sagte sie. Wobei sie keine Schmerzen hat. Sie würde oft von uns sprechen und von der kleinen Maus hat sie ein Bild an der Wand. Sie sprach davon, wie bescheiden und demütig die Tante sei, und jede noch so kleine menschliche Geste mit so großer Verwunderung aufnimmt. Mir kamen die Tränen, denn ich hätte der Tante noch ein paar schöne Jahre mit erdlichen Freuden gewünscht. Sie hat ihr ganzes Leben für andere gelebt... Mit 18 bei einem Arbeitsunfall die rechte Hand verloren, weil der Chef zu geizig war für fünf Mark ein neues Teil zu kaufen. Dann hat sie ihrer Schwester geholfen, die drei Söhne, TD als jüngsten, groß zu ziehen. Hat ihre kranken Eltern gepflegt, bis diese gestorben waren, und sich dann um die mit 30 an Rheuma erkrankte Schwester gekümmtert und diese im letzten Jahr auch noch gepflegt, als diese schon bettlägrig war. Darüber hinaus hatte sie nie den Hauch einer Chance, ihre eigene Krankheit heilen zu lassen. Ich habe alles versucht - und verloren.
Wir hatten eine kurze, aber intensive Zeit miteinander. Und sie hat die kleine Maus vergöttert. Gott, was tut sie mir leid.
Ja, ich weine. Bittersüße Tränen über den bevorstehenden Verlust einer lieb gewonnenen Freundin.
Letzte Woche träumte ich, dass TD und ich an ihrem Bett saßen und ihre Hand hielten und sie sagte: "Ich mach jetzt meinen letzten Atemzug". Am Wochenende drauf fuhren wir alle zu ihr. 458 km trennen uns. Da kann man nicht mal so einfach vorbei schauen.... Das Altenheim in dem sie inzwischen liegt war genau wie in meinem Traum. Hilflos und klein war sie. Nur noch ein Schatten ihrer selbst. Keine Pflegekraft weit und breit. Im Krankenhaus konnte sie nicht bleiben. Man könne medizinisch nichts mehr für sie tun. Wie makaber: wenn man es nicht schafft innerhalb von drei Wochen im Krankenhaus zu sterben und nicht nach Hause kann* wird man ins Pflegeheim abgeschoben. *)Das wollte sie TDs Vater, der sich inzwischen mit einer Pflegehilfe um die Mutter kümmert, die kurz vor dem Nierenversagen steht, nicht antun.
A pros pros Mutter....wenn die Tante nicht mehr ist, müssen wir auch hier mit dem schlimmsten rechnen.

Nein, dieser Ort, an dem bald zwei lieb gewonnen Menschen aussteigen gefällt mir überhaupt nicht.
Willkommen im Tal der Tränen.....