Hochzeit.
Heiraten.
Egal wo man hinliest, hinschaut oder hinhört - irgendwie scheint es das Thema Nummer eins zu sein.
Hier in der Bloggemeinde:
Pelegrina hat es getan.
Frau Windkraft schon lange davor.
Frau und Herr Mausekind haben grade eine abgesagt, werden es aber irgendwie nachholen.
Trinidad will es niemals. (?)
In meinem Umfeld:
Meine Schwester würde gerne heiraten. Der Ihrige aber nicht. Weil er Angst hat, dass ihr Sohn (der beim Vater lebt und den er nicht mag) ihn beerben könnte. Dies offenbarte er unter Alkoholeinfluß (und Kinder und Betrunkene sagen ja bekannter Maßen immer die Wahrheit) vor nicht allzu langer Zeit auf einem Köln-Wochenende. Und seitdem weht irgendwie ein eiskalter Wind durch die eigentlich glückliche Beziehung.
Meine Stiefschwester wollte gerne heiraten. Der Ihrige aber nicht. Nun haben die beiden aber einen gemeinsamen Sohn und der Ihrige stimmte dann einer Heirat zu, damit sie abgesichert ist. Wirklich glücklich scheint sie mir nicht mit diesem Arrangement. (Wir haben uns gestern nach langer, langer Zeit mal wieder gesehen. Und dies entspricht nur meinem Eindruck....)
Ein guter Freund von TD hat am Samstag zum zweiten Mal zum zweiten Mal geheiratet. Nein, ich habe mich nicht verschrieben.
Es ist seine zweite Ehe. Die beiden haben vor 2 Jahren oder so schon standesamtlich geheiratet und nun wollte sie noch eine Märchenhochzeit. Mit sauteurem Kleid (5000 Euronen), Hallelujaparty im großen Tempel mit Chefs Segen und fetter Party hinterher. Der Steuerberater schätzt die Kosten auf 30000 Euronen gesamt und zaubert (weil es ihm finanziell alles andere als gut geht) ein Firmenevent aus dem Hut. Eigentlich hätte er/sie sich die Party nicht leisten können. Vom Kleid ganz zu schweigen, aber sie hat drauf bestanden. Hätte er nein gesagt wäre das wohl das Ehe-Aus gewesen. (Ey, wie krank ist das denn?!?!?) Und so machte er gute Miene zum bösen Spiel.
Wie-dem-auch-sei.Überall hört man irgendwelche Hochzeitsglocken.
Auch im Hause Kurz/TD.
Vorspiel.......
Ich war vor längerem auf einem Meditationsabend. Jede Frau sollte ihren Namen (alle Vor- und Nachnamen) aufsagen, und die anderen sollten dann sagen was für Energien damit verbunden sind, bzw. was sie dabei fühlten.
Es ging los und ich fühlte mich spontan versetzt in die Zeit als ich in der Turnhalle meiner Schule stand und ein Rad schlagen sollte. Ich konnte kein Rad schlagen und kann es bis heute nicht. Entsprechend mulmig wurde mir mit jedem Kind das vor mir weniger wurde weil es schon dran war.
Ich saß also da wie zur Salzsäule erstarrt. Anna Lang, Anna Lang Anna Lang, sagte ich mir in Gedanken immer wieder auf. Kurz ist nämlich mein Mädchenname, eigentlich heiße ich lang. Es hörte sich komisch an, es fühlte sich komisch an. Fremd. Mir wurde schlecht je näher die Reihe an mich heran rückte.
Anna! Forderte mich die Kursleiterin kurz darauf auf.
Anna Lang. Spie ich meinen Namen fast aus.
Ich bekam nette Rückmeldungen, was mich sehr wunderte. Aber ich ging mit der Erkenntnis aus dem Abend nach hause, dass ich etwas ändern musste. Lang gehörte nicht zu mir. Hat nie zu mir gehört. Ich hatte den Namen nach der Scheidung nur behalten, damit der MItbewohner sich in der Schule nicht komischen Fragen stellen musste, warum seine Mutter einen anderen Namen trägt und so.
Am nächsten Morgen beim Frühstück verkündete ich also meinen Entschluss:
Ich werde sofort losziehen und meinen Namen ändern lassen. Ich möchte nicht mehr Anna Lang heißen und werde meinen Mädchennamen wieder annehmen. Ob das okay sei?
Der Mitbewohner nickte nur. Alle gut.
TD jedoch sah mich komisch an.
Anna, nun warte doch noch etwas. Ich will Dich doch heiraten.
Ach wirklich? Wollte ich wissen.
Ja. Schon wegen meiner Alten. Die lassen mich doch nicht in Ruhe. Neulich meinte die Mutter, dass sie so eine Angst hätten, weil wenn ich Dich nicht heiraten würde, dann würden wir uns wieder trennen und das arme Kind (damals noch in meinem Bauch) müsste dann ins Heim.
Das meinten die Eltern von TD dann übrigens ernst. Die sind halt etwas schräg.
Ich sagte darauf, dass ich das schon schön fände, aber gerne einen Anrtrag von ihm hätte. Schließlich sei schon eine Ehe von mir keine mehr, vielleicht unter andrem auch weil wir damals einfach so beschlossen hatten zu heiraten, um den Hausstand für die gemeinsame Wohnung zusammen zu bekommen, und mein Ex mir keinen richtigen Antrag gemacht hatte.
Eigentlich hätte in dem Moment, später und überhaupt die Frage: Anna, willst Du mich heiraten?, völlig gereicht.
Sie kam nicht.
Statt dessen fragte TD: Wie denn? So vielleicht? Hoppna! Hei'an!
War das jetzt ein Antrag?, fragte ich zurück.
Na, Du bist mit einem Mittelfranken zusammen. Kam als Antwort.
Und schon war das Thema wieder aus der Welt. Irgendwie.
Ich übte mich also in Geduld. Schließlich gibt es wichtigeres auf der Welt als zu Heiraten. Der Hunger in der Dritten Welt, zum Beispiel. Oder die Verschwörungstheroie um die Chemtrails oder die Frage warum Holland niemals Fußballweltmeister wird.
Und muss ich wirklich heiraten? Hängt mein Seelenheil davon ab?
Reicht es nicht zu wissen, dass ich den richtigen Partner gefunden habe, der mich jeden Tag zum Lachen bringt, den ich von ganzen Herzen liebe und mit dem ich alt werden möchte?
Irgendwie ja.
Irgendwie nein.
Und dann ist da ja noch die Sache mit dem Nachnamen.
Es folgten dann (hier in nicht chronologischer Reihenfolge) einige Begebenheiten, bei denen folgende Äußerungen des Herzallerliebsten gemacht wurden.
Irgendwo in einem Restaurant:
Na, zukünftige Frau TD!? Äh...war das jetzt ein Antrag? Nö!
Am nördlichsten Punkt Deutschlands vor hunderten von Liebesschwüren auf Fliesen, TD leicht sauer weil ich drauf bestanden hatte zu laufen und nicht die Bahn deren Fahrgäste entweder massives Übergewicht hatten oder den Rentnerrabatt bekommen hatten, für 2 Euronen zu nehmen:
Anna, ich liebe Dich weil Du den gleichen Humor hast wie ich, weil Du.....Oh Shit....Bobo....komm sofort hierher.
Irgendwo bei Freunden:
Und?! Wollt Ihr heiraten?
Äh.....ich glaube schon.
Ja, aber Anna springt ja nicht darauf an wenn ich "Hoppna" rufe.
Irgendwann in unserer Küche.
Hoppna Anna!
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen. Mit klopfenden Herzen fragte ich: War das jetzt ein Antrag?
Nö. Weil meine hundert versteckten Anträge davor hast Du ja nicht verstanden. Und vielleicht möchte ja ICH von DIR gefragt werden.
Was? Aber Du bist der Mann!
TD drehte sich divenhaft zur Seite. Na und?! Ich möchte auch gefragt werden. Aber vielleicht sage ich ja auch nein.
Ich hatte mir also einen romantischen Antrag mit Rosen und Kniefall und Kerzen, vielleicht einem Ring in einem harten Ei eingekocht oder was-weiß-denn-ich schon abgeschminkt. Hätte ich mir eben keinen Mittelfranken angeln dürfen. Und auf der anderen Seite: Alles Gute ist eben nie bei einander. Was nützt mir der romantischte Antrag wenn ich dafür mit dem Mann nur halb so viel Spaß habe?!
Ich rang also mit mir, ob ich die Frage aller Fragen stellen sollte, oder es einfach dabei belassen sollte wie es ist und einfach wieder meinen Mädchennamen annehmen sollte.
Und wie sollte ich das machen mit dem Antrag?
Da kam mir beim Einkaufen neulich eine Idee, als ich Fruchtgummis in Buchstabenform fand. Kurzerhand kaufte ich zwei Tüten und nahm mir vor, bei einer passenden Gelenheit damit ein Herz zu legen und die Frage mit den den Buchstaben zu formulieren.
Doch dazu sollte es nicht kommen.....
Letzte Woche stand TD abends unvermittelt vom Sofa auf.
Ach, ich habe jetzt irgendwie Lust auf Gummibärchen!
Warte!, rief ich. Wir haben noch welche!
Das stimmte. Irgendwo hatte ich noch welche versteckt.
Ich weiß schon wo!, antwortet TD und verschwand in der Küche.
Kurz darauf kam er mit einer der beiden Tüten mit den Buchstabenfruchtgummis zurück.
Die sind ganz schön warm geworden im Küchenschrank, informierte mich TD. Ich habe die andere Tüte auf Eis gelegt.
Sprachs und riß die Tüte auf, ehe ich protestieren konnte.
Während TD sich Buchstaben für Buchstaben einverleibte brachte ich nur noch ein schwaches:
Du isst übrigens grade meinen Heiratsantrag auf!, raus.
TD schaute auf.
Was?
Ja, Du hast doch gesagt, dass ich jetzt dran bin, Dich zu fragen.
Und das wolltest Du mit Fruchtgummibuchstaben machen? Ach Anna!
Darauf fügte ich mich dem Schicksal. Dann eben nicht. Braucht eh kein Mensch! Ehr wird Holland Fußballweltmeister als dass Dame Anna Frau TD wird!
Und dann auch noch das:
Samstag vor einer Kirche in Nürnberg. Ein einsamer Pfarrer stand vor der Kirche und wartete auf die Hochzeitsgesellschaft. Wir waren grade aus dem Auto ausgestiegen und sahen wie neben uns ein Golf vorfuhr. Heraus kam der Albtraum einer jeden Frau. 24 Jahre, Beine vom Hals bis zum Boden, gertenschlank, wunderschön und mit perfekt gestyltem Haar, perfektem Makeup, perfekten Nägeln, den schönsten Pumps die ich je gesehen habe....kurz die perfekte Frau. Die Frau aus dem Steuerbüro die für uns die Löhne fertig macht.
TD ging auch sofort in Balzposition.
Sie sehen heute ganz bezaubernd aus Frau Lohnsteuer.
Boah-ey!
Gehört sich das? Dass ein Mann der grade Vater geworden ist und dessen Begleitung nach Babykotze riecht, noch nicht wieder die perfekte Figur hat und nicht mal fünf Minuten Zeit hatte, sich die Haare zu machen und zu schminken, sofort das nächste Sahnebaiser anspringt?
Ich war not amused.
Auch nicht über TDs: So einen Quatsch wie Heiraten machen Frau Kurz und ich nicht.
Wir gingen in die Kirche und die Balz ging weiter....
Ach Frau Lohnsteuer...darf ich mich auf ihren Schoß setzen?
Nein, Herr TD. Wenn Sie auf den Schoß wollen, dann bitte auf den von Frau Kurz.
Hach! Das war der Punkt an dem wir echte Freunde wurden Frau Lohnsteuer und ich. Die Frau war wirklich perfekt und ließ Mr. Balz abblitzen.
Und so hatte ich nichts dagegen, als der Mitbewohner ebenfalls auf Balz ging. Die Frau hatte wirklich Stil UND Klasse!
Die Trauung ging vorbei (die Gesellschaft kam übrigens mit 20 Minuten Verspätung an). Irgendwie muss TD meine Gedanken gelesen habe und flüsterte mir ein: Du siehst übrings Hammermäßig aus! Dein Kleid und Deine Augen und Dein Mund.....
Er hatte sein Faux-pas wohl selber bemerkt.
Und ich? Ich war bockig. Selbst wenn er mich in hundert Jahren fragen würde. Niemals würde ich Ja sagen. Und gleich nächste Woche würde ich losziehen und alles dafür tun, um wieder richtig Anna Kurz zu heißen.
Später saßen wir bei Champagner auf der Terasse der Location und lästerten über die Hochzeitsgäste und darüber, wie überflüssig wir diese zweite Hochzeit der beiden fanden.
Wenn wir mal heiraten sollten, dann auf Cap Arcona. In Strandkleidung, nur mit dem Mitbewohner, der Kleinen, den Trauzeugen und einer Flasche Wodka!, hörte ich mich sagen.
War das jetzt ein Heiratsantrag?, wollte TD wissen.
Ja. Sagte ich, eigentlich nur um zu sehen wie TD reagieren würde.
Er schaute mich ernst an und schwieg. Eine Minute. Zwei. Mir wurde schlecht. Mist! Das hatte er ernst genommen. Er räusperte sich und mir stockte der Atem.
Okay. Ja.
Wie jetzt?
Ich nehme Deinen Antrag an.
Shit, dachte ich nur. Jetzt würde ich niemals mehr einen Heiratsantrag bekommen. Hinfort ihr Hoffnungsschimmer von einem Bett aus Rosen.
Und Du wirst Frau TD heißen? fragte er noch nach.
Ja. War alles was ich sagen konnte.
Hast Du eine Terminvorstellung?
Stumm schüttelte ich den Kopf. Man muss ja nichts überstürzen!
Hey P! rief TD dem Mitbewohner zu. Deine Mutter und ich werden heiraten. Ist das okay?
Klar Mann.
Und jetzt! Was mach ich denn nun? Muss ich jetzt los rennen und Termine vorschlagen? Hach, da habe ich mir nun was schönes eingebrockt!