D-Day rückt näher. Ein Kommentar heute bei Trinidad von Jedde hat mich dezent daran erinnert, dass eine Schwangerschaft ja irgendwann mal zu Ende geht, und dass das nicht immer besonders nett ist.
Gibt es das wohl? Eine "schöne Geburt". Schön im Sinne von schmerzfrei?
Jedenfalls ging es mir beim ersten Mal haargenau wie Jedde. Ich hatte danach die Schnauze gestrichen voll und selbst wenn man mir einen Topf voll Gold angeboten hätte oder eine Yacht auf den Malediven - ich hätte jede nur notwendige Erklärung unterschrieben, um das nicht noch mal erleben zu müssen.
Nun ein kleiner Seitschwenk zur lieben Pelegrina, die in den Kommis bei Lille Details über einen mir zugelaufenen Betriebsarzt aus Rheine eingefordert hat. Es war übrigens der dritte und nicht der vierte Marathon, aber das nur für die Statistik.
Jedenfalls haben diese beiden Erinnerungen zu merkwürdigen Überlappungen in minem Gehrin geführt und dabei kam heraus, dass eine Geburt und das Laufen eines Marathon wirklich Gemeinsamkeiten haben.
Also, was soll ich sagen?! Eine Geburt ist tatsächlich ein wenig so wie Marathon laufen.
Beim ersten Mal denkst Du noch: okay, irgendwie schaff ich es. Und Du schaffst es tatsächlich, kommst auf allen vieren ins Ziel, bist stolz wie Bolle und schwörst Dir: NIE WIEDER!!!
Dann kommen die Endorphine.....die Bestzeit will verbessert werden. Alle anderen laufen auch wieder. Ach, so schlimm war es doch gar nicht, und eh man sich versieht, hat man sich wieder angemeldet. Man geht an den Start und denkt: Ach, es wird schon nicht so schlimm werden. Aber spätestens bei km 21 weiß man, dass es schlimm wird und man weiß ganz genau wie es sich die nächsten 10 km anfühlen wird (was man beim ersten Mal natürlich nicht wußte, weil woher denn?!)
Der einzige persönliche Unterschied: zwischen meinem ersten und zweiten Marathon lag nur ein Jahr. Zwischen meiner ersten und meiner zweiten Schwangerschaft liegen 16 Jahre.
Laufsüchtig nennt man das wohl beim Laufen.
Irre im Falle der Vermehrung.
Und an dieser Stelle - sidekick @Pelegrina: km 21 war die Stelle beim dritten Marathon, an der der Betriebsarzt aus Rheine in mein Leben lief. Verpflegungsstand. Er fragte "Ist das Dein erster Marathon?" und ich antwortete wahrheitsgemäß: "Nein, aber ich wünschte er wäre es, weil dann wüßte ich nicht, was jetzt noch alles kommt!" (Wir liefen den Rest des Marathon übrigens zusammen und ich musste mich mehr als ein Mal umsehen, um die versteckte Kamera zu suchen, weil der Typ nach eigenen Aussagen völlig untrainiert war, morgens noch 2 Liter Tee getrunken hatte, für seinen kranken Chef kurzfristig eingesprungen war und am Vortag - um zu sehen wie es sich so läuft - mal so eben 20 km gerannt war. Alle No-Gos auf einem Haufen vereint bei gelaufenen 10km/h - wer sieht sich da nicht nach der verstecken Kamera um?!)
Jedenfalls fühle ich mich im Moment genau so.
km 21.
Man weiß, Hach! Die Hälfte hab ich schon. Die nächsten paar Kilometer wird es noch gut laufen, aber dann kommt km 32. Die Stelle wo alle leiden und mit sich selber beschäftigt sind. Du selber auch. Aber es geht vorbei.... so bei km 38. Das Ziel vor Augen gibt man noch mal alles. Es tut weh, die Menschen jubeln, die Endorphine gewinnen.
Ja, km 21 ist ungefähr so wie der letzte Monat vor der Geburt.
Sex wird zur Mission impossible. Schuhe anziehen auch.
Ich bin heiß auf Sport, aber selbst auf dem Crosstrainer fängt es irgendwann im Unterbauch an zu ziehen. Bei Puls 120 schwitze ich schon wie ein Schwein. 30 Minuten wie eine Ewigkeit, aber ich fühle mich gut. Die Treppen in den vierten Stock werden zur Besteigung des Mount Everest. Aufgeben? Niemals!
Irgendwann werden die Wehen einsetzen. Ich weiß heute schon, es wird weh tun, und wenn es soweit ist, dass es bald vorbei sein wird. Ich werde es irgendwie überleben, so wie km 32 bis km 38, und dann wird es bald vorbei sein. Das Leben mit dem eigenen Körper wird wieder leichter, der süße Geruch des neuen Lebens, die kleinen Patschehändchen vor Augen, dieses großartige und einmalige Gefühl, wenn das kleine neue Leben auf ein Mal da ist - mehr Endorphine als bei allen Marathonläufen dieser Welt zusammen.
Da steckt frau auch locker das Wochenbett weg, die Hedwiga Vorlagen auch. Was anderes als breitbeinig laufen wird eh nicht gehen. Stoisch läßt frau die Sitzbäder über sich ergehen. Geht alles vorbei. So wie der Muskelkater nach dem Marathon.
Ja, es gibt viele Parallelen zwischen einem Marathon und einer Geburt, aber besonders diese:
Der Schmerz geht, aber der Stolz bleibt!