Das Leben der jungen J

25.09.2015 um 12:32 Uhr

Das Geheimnis der Ausgeglichenheit

Stimmung: ausgeglichen

Anna hat natürlich Recht: Nach mittlerweile 4 Monaten Trennung ist auch endlich in MEINER Wahrnehmung Mr. Right zu Mr. Wrong geworden.

Er hat einen neuen Job angefangen. Am Anfang hat er sich quasi täglich gemeldet hat, um mir von seinem Tag zu erzählen und dann irgendwann ist er einfach abgetaucht ist. Fast von einem Tag auf den anderen. Keine Nachrichten mehr, keine Anrufe und keine Treffen. Er sagt, es liegt daran, dass er wie ein Bekloppter schuftet und keine Freizeit hat. Ich glaube eher, dass er mich gegen seinen neuen besten Freund und Arbeitskollegen ausgetauscht hat.

Dieser krasse Schnitt von Mr. Wrong und sozusagen damit auch irgendwie ein Verlust meiner letzten sozialen Kontakte, hat zu einem unfassbaren Gefühl von Einsamkeit geführt. Anfangs habe ich sehr darunter gelitten, war ihm deswegen ziemlich böse, aber irgendwann habe ich die Chance genutzt, mich wieder neu aufzustellen, zu überlegen, was ich will und vor allem welche Art von Kontakten und Menschen ich in meinem Leben möchte. Das hat mich wieder mehr zu mir geführt.

Und zu einem neuen Hobby, was ich schon seit Jahren immer betreiben wollte: dem Klettern. Meine Mutter war total Fassungslos: „Waaas? Mit DEINEM GEWICHT?" Ja! „Und das geht? Mit DEINEM GEWICHT?" Ja, es ist anstrengend, aber es geht. „Aber, aber, aber...? Mit DEINEM GEWICHT?" Ja. Verdammt. Du tust ja gerade so, als wäre ich ein Klumpen Mehl. Auch wenn ich moppelig bin, heißt es nicht, dass ich unsportlich bin.

Es macht mir verdammt viel Spaß. Und ich treffe mich dazu mit dem Pferdeflüsterer. Wir haben beiden den Kletterkurs gemacht und gehen gerade in die nächste Runde. Auch ansonsten treibe ich mich 3x die Woche in der Boulder-Halle rum (hier im Norden ist halt nichts mit echten Bergen). Es tut mir wirklich sehr gut. Es erdet mich. Man tut mal, zur Abwechslung zur Bürotätigkeit, was mit den Händen, hat jedes Mal seine kleinen Erfolgserlebnisse, weil man plötzlich etwas schafft, was man beim letzten Mal nicht geschafft habe und es ist sehr gesellig. Man ist halt mal unter Leuten und redet übers Klettern.

Aber ich bin trotzdem noch viel mit mir selbst beschäftigt. Ich habe festgestellt, dass ich im Moment ohnehin nicht viel mehr Gesellschaft, als meine Arbeitskollegen und die Abwechslung in der Halle, ertragen kann. Auch den Pferdeflüsterer halte ich mir auf Abstand. Mit ihm zum Klettern treffen ist ok, Essen hinterher auch noch, aber ich will mich nicht zu sehr mit seinen Problemen befassen. Auch bei ihm ist beruflich einiges im Umbruch, einiges macht ihn sehr traurig und anderes macht ihn frei. Aber ich merke einfach, dass ich mich da nicht in dieser Form, wie früher um ihn kümmern kann und es auch nicht will. Hauptsächlich, weil ich mir nur das aufhalsen kann, was ich alleine verarbeitet bekomme. Denn im Moment habe ich keine beste Freundin, mit der ich meine Sorgen teilen kann. Und nein. Ich WILL das mit Nitida nicht wieder kitten. Dazu hat sie mich zu sehr enttäuscht.

Also interessanter Weise führte dieses "auf mich allein gestellt zu sein", doch tatsächlich dazu, dass ich endlich mal eine gescheite Grenze ziehen kann und sie auch einhalten kann. Dass ich darauf achte, was mir gut tut und dass ich dann auch nur das tue. Etwas, was ich seit meiner Therapie im Grunde schon weiß, aber es nie so wirklich hinbekommen habe.

Es gibt da noch etwas, was mir gerade wirklich gut tut. Seit ca. 6 Wochen treffe ich mich regelmäßig mit meiner Waage zum Sex. Ich hatte ihn angetriggert, weil ich einerseits Mr. Wrong aus meinem System haben wollte (und was hilft besser, einen Mann zu vergessen, als ein anderer Mann?) und anderseits wirklich rattig war. Ich kenne ihn schon eine Weile aus so speziellen „Clubs", die ich mit dem Pferdeflüsterer und auch mit Mr. Wrong besucht habe und deswegen wusste ich auch, dass er es drauf hat. (Ihr wisst schon was ich meine. Was bringt es mir, wenn ich mich mit jemanden zum Sex treffe und hinterher frustrierter bin als vorher... *g*) Er ist was das angeht wirklich ein Geschenk für an die Frauen. Es gibt wenige Männer, die sich so auf eine Sache konzentrieren können, so präsent sind, dass man denkt, man ist die einzige Frau auf der Welt und dann selbst auch noch so viel Spaß daran haben Lust zu bereiten...

Anfangs, muss ich gestehen, habe ich ihn benutzt. Ich wollte Befriedigung und habe sie bekommen. Aber so nach und nach, wurde aus „nur Sex", „Sex und Gespräch" und dann „Sex und Ausflug", kurze Zeit später „gemeinsame Freizeitaktivität und Sex" und schließlich „Vertrautheit, Zuneigung und Sex". Er ist eine echte Waage und damit perfekt ausbalanciert, ruhig und gelassen. Er ist eher leise und still, aber wenn man mit ihm redet merkt man, dass er wirklich witzig, intelligent und tiefgründig ist und wirklich was zu sagen hat. Er hat eine interessante Art die Welt zu sehen, denkt unfassbar Lösungsorientiert und regt sich (außer beim Autofahren) über nichts auf. Wie gesagt, es ist irgendwie mehr als Sex. Ich würde es noch nicht mal als Verliebtheit bezeichnen. Und ob er der Mann fürs Leben ist, weiß ich nicht. Vermutlich eher nicht. Er sagt, er kann es sich nicht vorstellen, länger als 2-3 Jahre mit einer Frau zusammen zu sein. Das ist auch irgendwie alles nicht wichtig.

Er hat irgendwie einen Heilungsprozess in Gang gebracht. Eben weil er so total anders ist als Mr. Wrong. Dafür gibt es zig Beispiele:

Wir sind unterwegs und eine Baustelle verhindert, dass wir weiter fahren können. Mr. Wrong hätte sich tierisch aufgeregt und am Ende mir Vorwürfe gemacht, weil ich es nicht vorhergesehen hätte und vor allem hätte er behauptet, dass jetzt schon der ganze Abend gelaufen ist, wo das doch, wegen [hier bitte beliebigen Grund einsetzen, z.B. das erste Mal diese Art von Veranstaltung oder das erste Mal in dieser Stadt oder das erste Mal mit diesem Outfit] ein besonders besonderer Abend sein sollte. Meine Waage und ich, haben uns daraus einen Spaß gemacht, einen alternativen Weg zu finden, haben die Männer-Art und Frauen-Art diskutiert, wie man zum Ziel kommt, haben schließlich die Frauen-Art gewählt, weil die Männer-Art nicht funktioniert hat und hatten unfassbar viel Spaß. Es war so toll und hat mich daran erinnert, dass das Leben kein einziger Kampf sein muss, sondern auch lustig und entspannt sein kann.

Dann hat Mr. Wrong IMMER hellbraune Schuhe und eine hellbraune Lederjacke angehabt. Klar... beruflich läuft er immer im Anzug rum und deswegen will er das in der Freizeit nicht. Ja. Sicher. Aber dennoch kann man doch mal was anderes anziehen, oder? Es ist ja nicht so, als könnte er sich nichts anderes leisten. Irgendwann konnte ich es nicht mehr sehen und habe mich öfter mal tierisch darüber aufgeregt. Er hat dann genau einmal was anderes angezogen und dann beim nächsten Mal wieder hellbraune Schuhe und die hellbraune Jacke. Überraschenderweise hatte meine Waage bei unserem ersten „wir machen mal Kultur, statt immer nur Sex"-Date auch hellbraune Schuhe und eine hellbraune Lederjacke an. Bei mir stieg schon wieder die Galle hoch, als ich das sah. Aber dann war es bei ihm irgendwie anders. Die Schuhe hatten eine sehr ungewöhnlichen Form, ein schicker Gürtel, Hemd statt T-Shirt. Alles viel modischer. Pfiffiger als bei Mr. Wrong. Und so legte ich im Laufe des Abends meine Aversion gegen diese Art des Outfit ab.

Dann ist mir durch diese Ausgeglichene Art meiner Waage und weil er mich eben nicht permanent versucht zu verändert oder durch Lob und Kritik in eine Richtung drücken möchte, aufgefallen, wie oft Mr. Wrong das gemacht hat. Und vor allem wie abhängig ich davon war. Er hat etwas gelobt und ich habe das aufgenommen wie ein Schwamm und mich in diese Richtung entwickelt. Oder er hat was kritisiert und ich habe es abgestellt und mich dafür auch noch selbst gegeißelt, dass ich diesen vermeintlich schlechten Charakterzug hatte. Das war am Anfang mit meiner Waage wirklich merkwürdig und hat mich sehr verunsichert. Ich wusste halt nie, ob ich ihm gefalle. Aber irgendwann habe ich das Hecheln nach Bestätigung abstellen können. Schließlich würde er sich ja nicht so oft mit mir treffen, wenn er keinen Spaß hätte. Er hat ja Auswahl. Und es ist für mich eine gute Gelegenheit mich mal nicht den Wünschen eines Mannes anzupassen, sondern mein eigenes Ding durchzuziehen. Meine eigene innere Stärke zu finden. "Ich" zu sein und zu bleiben.

Überhaupt haben die viele Regeln und Grenzen, die Mr. Wrong aufgestellt hat, mich unterschwellig immer wieder dazu angestiftet, dagegen zu rebellieren. Auch sein unfassbarer Egoismus und seine Nehmer-Mentalität haben meinen Sinn für Gerechtigkeit und Ausgewogenheit aufschreien lassen. Alles Gründe für meine exorbitanten Wutanfälle. Das habe ich damals alles nicht erkannt. Auch nicht, dass er einfach der Typ ist, Dinge heimlich zu machen, mich zu hintergehen und unehrlich zu sein. Mittlerweile glaube ich, dass er selbst der böse Mensch ist, den er immer überall hinter die Ecke lauern sieht.

Witziger Weise war es am Ende mit Mr. Wrong weit mehr eine reine Sex-Geschichte, obwohl es mit Ausblick auf eine gemeinsame Familie angefangen hat, als mit meiner Waage, die eigentlich „nur Sex" sein sollte. Während der Beziehung mit Mr. Wrong haben wir, außer zum Essen, nie den Sprung in die richtige Welt hinbekommen. Wir sind so oft in „Sex-Clubs" rumgelaufen, dass mir bestimmte Orte und vor allem die Leute dort immer noch regelrecht zuwieder sind. Aber auch das hat meine Waage wieder ausbalanciert. Wir hatten schon sehr viel Spaß auf einer solchen Veranstaltung, wo ich doch eigentlich nie wieder zu sowas hin wollte.

Und jetzt nach ca. 4 Monaten Trennung bin ich bereit auch die letzten Fäden zu Mr. Wrong abzuschneiden. Ich bin ihm auch nicht mehr böse. Er hat auch vieles in Gang gebracht, was dazu geführt hat, dass ich bestimmte Muster aufgeben konnte und letztlich mich selbst wieder finden konnte, dass ich keinen Groll gegen ihn mehr hege. Ich bin auch nicht mehr sauer auf mich, weil ich auf ihn reingefallen bin. Am Ende ist Gutes daraus entstanden und das ist das Einzige was zählt.

Wie gesagt, meine Waage ist irgendwie heilsam. Er bringt alles Mögliche wieder ins Gleichgewicht. Und das in genau der richtigen Zeit mit genau richtigen Mischung aus Nähe und Abstand. Zeit mit ihm zu verbringen tut mir wirklich gut. Ich glaube er weiß gar nicht, wie wertvoll er für mich ist. Vielleicht ergibt sich irgendwann mal die Gelegenheit, es ihm zu sagen. Aber bis dahin reicht es mir, das was ist zu genießen.

07.06.2015 um 00:37 Uhr

Von Trennungen und Veränderungen

Stimmung: ...

Nach der Trennung im Sommer letzten Jahres vom Pferdeflüsterer war ich hungrig. Hungrig nach Aufmerksamkeit und nach Sex. Damals war ich mir sicher, dass es da etwas geben muss. Etwas anderes. Jemand mit dem ich glücklich werden könnte. Es musste jemanden da draußen geben, der seine Zukunft mit mir verbringen wollte.

Also zog ich los. Getrieben von dem Wunsch nach einer Zukunft. Nach einer Familie. Nach einem Zuhause. Und ich fand es auch nach nur 6 Wochen in Mr. Right. Dachte ich damals jedenfalls. Es hat mich so heftig getroffen, dass ich kaum Herr meiner Gefühle wurde. Er war völlig anders als der Pferdeflüsterer und ich fand das großartig.

Anfangs fühlte es sich so an, als hätte ich in einem großen Katalog Dinge ankreuzt, die er alle verwirklicht hat. Ich wollte jemanden, der nicht die ganze Zeit auf dem Sofa sitzt - Bam! Ich wollte jemanden, der mich sexy findet - Wusch! Ich wollte jemanden mit mehr Struktur - Zack! Ich wollte jemanden, der wusste was er will. Jemanden zu dem ich aufsehen kann. Jemanden von dem ich lernen kann. Jemanden, der eine Familie mit mir will. Tata... Da stand er. Mit allen meinen Wünschen und noch mehr.

Das blöde mit dem Wünschen beim Universum: es ist wie ein „Gin" aus den Märchen. Wenn man Wünsche nicht klar formuliert, kommt am Ende Mist raus. Klar wollte ich wen, mit mehr Struktur, aber ich wollte nicht Monk. Klar wolle ich wen, der nicht permanent auf dem Sofa sitzt, aber nicht jemanden, der es gar nicht kann. Klar wollte ich jemanden, von dem ich etwas lernen kann, aber nicht jemanden der sich darauf so richtig was einbildet und permanent Dankbarkeit für seine guten Ratschläge will.

Und wenn wir schon mal davon reden, habe ich auch so viel vergessen auf die Liste zu setzen: einen ähnlichen Humor zum Beispiel oder Gemeinsamkeiten. Es ist schon echt Mist, wenn man selbst permanent Fernweh hat, besonders nach Urlaub mit dem Wohnmobil nach Schottland und er es sich nicht mal vorstellen kann, länger als 4 Tage an einem anderen Ort zu sein. Oder wenn man selbst, sein Herz nicht an Dinge hängt, schließlich sind es nur Gebrauchsgegenstände und er jedes Mal einen Anfall bekommt, weil man beim Tanzen einen Kratzer auf seinen Schuhen hinterlassen hat. Es ist auch wirklich blöd, wenn man selbst super gern total viele und unterschiedliche Filme und Serien guckt und er nur und absolut NUR Thriller gucken will. Ja, klar... mal ist das ja ganz nett - aber immer?

Oder auch andersrum. Habt ihr eigentlich eine Ahnung, an wie vielen Tagen Fußball läuft? An 6 Tagen in der Woche!!! In Worten SECHS Tage. Und ausgerechnet, der Mann, den ich für Mr. Right gehalten habe, muss sie alle sehen. ALLE. Und ständig muss man dann seine Freizeitplanung auf Fußball abstimmen.

Nein... es war nicht alles ideal mit Mr. Right. Aber besonders schlimm ist eigentlich, dass er ausgerechnet ein „Nehmer" (jemand, der viel nimmt, ohne etwas zurückzugeben) ist. Ich bin da eher ein „Tauscher" (also jemand, der etwas gibt und dafür gern etwas zurück hätte) und bisweilen sogar einer „Geber" (also jemand, der gibt ohne etwas zurück zu wollen). Also in Beziehungen gebe ich immer sehr viel. Besonders am Anfang. Beim Pferdeflüsterer war das auch nie das Problem, weil er immer etwas zurück gegeben hat. Meist ohne, dass man es speziell einfordern musste. Das klappte schon ziemlich gut zwischen uns. Ich habe seine Küche aufgeräumt und er hat mein Auto gewachst - oder so ähnlich.

Aber bei Mr. Right war das irgendwie anders. Er hat immer viel eingefordert. Und ich war nett und hab ihm Wunsch nach Wunsch erfüllt und mir immer in kleines bisschen mehr verbogen. Immer nur ein kleines bisschen. In Micro-Schritten sozusagen. So klein, dass es mir erst nach einer Weile aufgefallen ist, als ich schon nicht mehr ich selbst war. Und er hat nichts zurückgegeben. Das tut er immer noch nicht. Aber ich fing an, mich dagegen aufzulehnen. Erst innerlich und dann auch nach außen. Meist endete es in einem Wut-Ausbruch in dem ich ihn von mir weggestoßen habe. Immer ein kleines bisschen mehr. Er kam auch nie wieder auf mich zu. Er blieb dort einfach verletzt stehen. Und irgendwann waren wir zu weit von einander entfernt. Und jetzt ist es aus.

Es war nicht alles schlecht. Das ständige Fordern hat zumindest dazu geführt, dass ich jetzt einen neuen Job habe, in dem ich wirklich sehr glücklich bin. Besonders beruflich habe ich wirklich viel von ihm gelernt. Er kann auch super romantisch sein und tolle Geschenke machen. Ich habe mich stark mich mir selbst beschäftigt und unglaublich viele Muster in meinem Verhalten gefunden und aufgelöst. Ich habe mit Reiki angefangen und mich selbst dadurch gefunden. Und wir hatten eine Zeit, in der ich dachte, ich lebe den Himmel auf Erden.

Aber es hat auch Opfer verlangt. Ich habe mich seinetwegen mit dem Pferdeflüsterer und mit Nitida verworfen. Das mit meiner ehemals besten Freundin ist auch nicht mehr kittbar. Dazu haben wir uns gegenseitig zu sehr verletzt. Bei dem Pferdeflüsterer ist etwas anders. Leider ist ihm erst nachdem ich Mr. Right kennengelernt habe bewusst geworden, was er offenbar durch unsere Trennung verloren hat und hat vielfach versucht (sehr ungeschickt) mich zurückzugewinnen. Er schwankte zwischen „ich will dich zurück" und „du bist das größte Arsch, was auf der Erde wandelt". Das ging mir irgendwann so auf den Keks, dass ich ihn so richtig vor den Kopf stoßen musste, damit er aufhört und mich in Ruhe lässt.

Heute weiß ich es nicht mehr. Heute wünschte ich, es gäbe wieder einen Weg zum Pferdeflüsterer zurück. Zwischen uns lief so vieles gut. Wir mochten die gleichen Dinge, hatten einen super Umgang - wenn er doch bloß einen Weg gefunden hätte, mich so richtig in sein Leben zu lassen. Allerdings weint mein Herz vielmehr um Mr. Right. Jemanden von dem ich dachte, es wäre mein Seelenverwandter, aber bei dem der Kopf weiß, dass es einfach nicht funktionieren kann, das Herz es aber einfach nicht verstehen will. Auch weil das Herz die kleine Tochter nicht aufgeben kann, die es in der gemeinsamen Zukunft sehen kann.

Aber wir haben uns getrennt. Anfang Mai schon. Aber im Grunde führen wir seit Februar keine Beziehung mehr. Seitdem er ausgezogen ist. Oder anders, seit dem wir nicht mehr jeden Tag miteinander verbringen, denn offiziell hat er hier nicht gewohnt, er war halt nur immer da. Es ist uns auch klar, dass wir am Anfang alles überstürzt und übertrieben haben. Mit allem. Mit der Intensität, mit Sex, mit gemeinsamer Zeit, mit Quasi-Zusammenziehen, mit Plänen, mit allem. Und jetzt ist er weg. Und er hat viel von mir mitgenommen. Am schlimmsten ist, dass er meine Hoffnung mitgenommen hat. Wie gesagt, nach dem Pferdeflüsterer war ich hungrig und hab mich auf die Suche nach etwas besseren gemacht. Jetzt fühlt es sich wie Resignation an, weil ich einfach nicht weiß, was ich jetzt machen soll oder was jetzt noch kommen kann. Jetzt bin ich einfach nur einsam. So intensiv einsam, wie ich mich wohl noch nie gefühlt habe.

Und die Erkenntnis ist hart, aber ich habe wegen ihm nicht mal mehr eine beste Freundin, der ich davon erzählen kann.

20.03.2014 um 22:02 Uhr

Ein Weg?

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: hoffnungsvoll

Heute habe ich in meinem Blog gelesen. Ehrlich gesagt waren es meine Beiträge zu meinen Sexperimenten von vor vier Jahren und es hat mich an die Frau erinnert, die ich damals gewesen bin. Ich war jung, neugierig und unerschrocken. Ich fühlte förmlich meine Macht als Frau. Ich hatte die Göttin in mir gefunden. Ich ruhte in mir und strahlte pures Glück aus.

Ich schreibe es in der Vergangenheit, weil ich mich verändert habe. Ich bin diese Frau nur noch ansatzweise. Vier Jahre Müßiggang, Misserfolge und zu viele innere Mauern haben diese Frau unter einer dicken Fettschicht begraben. Profillosigkeit, Unzufriedenheit und Traurigkeit waren die Folge. Fakt ist, die beeindruckende Frau von damals gibt es so nicht mehr. Ich finde das merkt man auch an diesem Blog. Mein Ton und meine Themen haben sich verändert. Es fehlt ihm immer mehr an Hoffnung, an Esprit und an Humor. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich keine Lust mehr habe daran weiter zu arbeiten. Ich habe das Gefühl, ich bin sogar in meinem eigenen Blog eingefahren und eingeschränkt.

Ich weiß bis heute nicht, woran das genau liegt. Nach meiner sexuellen Erwachung habe ich einen neuen Job annehmen müssen, der mir zwar einerseits gefiel, aber mir auch viel Kraft abverlangt hat. Und bis heute ist es zwischendurch ein ziemlicher Kampf - den ich aber immer besser meistere. Ich habe in der Zeit viele Kontakte auch zu langjährigen Freunden abgebrochen, weil sie irgendwie nicht mehr passten und ich habe den Pferdeflüsterer kennengelernt. Ich weigere mich allerdings zu akzeptieren, dass die Beziehung die Wurzel allen Übels sein soll. Aber auch er ist oft eher jemand, der Energien abzieht, als welche zu geben. Im Grunde habe ich das von unserem ersten Date gewusst und mich trotzdem bewusst dafür entschieden - wie ich es auch jetzt immer noch wieder tue. Wir teilen so vieles miteinander und ergänzen uns gut. Und wir haben auch so viele Qualitätsmomente und uns verbindet eine unglaubliche Ehrlichkeit, Offenheit und Liebe.

Dennoch ist es am Ende immer mein Verhalten. Meine Wahl. Meine Entscheidung, wie ich mich bei einer Situation verhalte. Wie viel Energie ich investieren will. Ob ich es zulassen möchte, dass mir jemand Energie klaut. Da kann ich wohl kaum den anderen eine Schuld geben. Mich nervt dieser Zustand schon eine Weile. Dieser verdammte Stillstand. Diese verdammte Trostlosigkeit.

Aber es gibt gerade Veränderung. Hoffnung.

Im Grunde hat es mit der Fortbildung zu tun, die ich letzten Dezember gemacht habe. Es gab da viele Denkanstöße und Perspektivwechsel. Ich habe angefangen die Arbeit anders zu sehen und auch meine Rolle dort anders zu verstehen. Mir ist klar geworden, dass meine derzeitige Jobbezeichnung nur 20% von dem verkörperte, was ich tatsächlich für das Unternehmen beigetragen habe. Es ist schwierig mehr Geld zu verhandeln, wenn man eigentlich kein Profil hat. Wenn man weiß, dass man etwas leistet, aber es nicht erklären kann. Ich habe viel nachgedacht und mit meinem Chef geredet und mit ihm eine neue Jobbezeichnung gefunden. Im Grunde habe ich das dort die ganze Zeit gemacht. Jetzt ist es umgekehrt. Jetzt passen 80% und mehr in mein Profil. Jetzt habe ich eine klar umrissene Aufgabe. Einen Verantwortungsbereich. Ich kann auch sagen, dass irgendwas nicht in meinen Tätigkeitsbereich fällt. Früher wusste ich nicht, was ich sagen soll, wenn mich jemand gefragt hat, was ich dort tue. Jetzt ist es klar. Und neben mehr Geld hat das zu einer neuen Art Selbstbewusstsein geführt. Erst jetzt wo ich das habe, kann ich erkennen, was mir all die Jahre gefehlt hat, eine eindeutige berufliche Identität. Ich bin jetzt wieder wer.

Aber ich will noch mehr. Mir ist ein Buch in die Hände gefallen, das sich damit beschäftigt, den eigenen Polarstern zu finden. Eine Art übergeordnetes Ziel, dass einem hilft, sein Leben auszurichten. Mehr Freude zu haben, Dinge zu tun, die man wirklich gern macht, mehr Leichtigkeit zu empfinden.

Mir wird immer klarer, dass es mich nicht glücklich macht, ein Leben in Müßiggang zu verbringen. Dass ich nicht der Typ für Alltagseinerlei bin. Dass ich mir jahrelang etwas vorgemacht habe.

Ich bin nun tatsächlich auf der Suche. Auf der Suche nach mir selbst - und das ist nicht so leicht, wenn man sich erstmal wieder mühsam chirurgisch freilegen muss. Ich frage mich, immer wieder, was kann ich gut? Was sind Themen, die mich beschäftigen? Wobei vergesse ich die Zeit? Was macht mich aus? Was will ich?

Ich sammle gerade verschiedene Dinge und überlege, was ich damit anstelle, jetzt, wo ich das nun weiß. Ich will ein Image. Ich will zu bestimmten Themen ein Meinungsträger sein. Ich weiß noch nicht genau was. Aber fällt mir bestimmt bald ein.

Und Stück für Stück lege ich wieder die Frau von damals frei. Ich kann nicht zurück, aber ich gewinne immer mehr an Selbstvertrauen und Stärke zurück. Seltsamerweise kommt auch meine fast schon tot geglaubte Kreativität wieder zum Vorschein und ich fange an Dinge wieder zu tun, weil ich sie liebe. Wie zum Beispiel das Joggen. Wie konnte ich nur vergessen, wie toll ich es finde abends durch die Straßen zu laufen und an nichts anderes zu denken? Meine Umgebung neu zu entdecken und ständig von ihr aufs neue überrascht zu werden? Ich wusste es doch, dass mir Sport Spaß macht, aber warum habe ich es vergessen?

Vielleicht schreibe ich auch ein wenig über die Suche. Der Blog hat definitiv etwas mehr Hoffnung und Kraft verdient. Mal sehen, was bei meinen Überlegungen so raus kommt.

Manchmal fühle ich mich wie Sebastian aus der Unendlichen Geschichte (dem Buch, nicht die Filme!!!!) wo er aus einem Sandkorn eine neue Welt erschafft und sich dann darin vergisst. Bis er nur noch eine Idee von seinem wahren „Ich" hat, mit dem er wieder nach Hause kann.

Ich bin auf dem Weg.

 

06.11.2013 um 09:45 Uhr

Unerwartete Veränderungen

Stimmung: wieder richtig gut

So... ich habe wieder meine Freude am Leben gefunden. Und weil jetzt Schluss ist mit dem lamentieren über Beziehungskisten und dem Vergeben und Vergessen von all dem Leid, nutze ich einfach mal die Gelegenheit über meine Mutter zu sprechen. 

Wir erinnern uns, dass meine Mutter zu der Kategorie „schwierig" gehört. Es gibt hier schon den oder anderen Beitrag, der belegt, dass mir diese Frau wirklich den letzten Nerv geraubt hat. Aber seit dem letzten riesen Streit, ist es wirklich still in unserer Beziehung geworden. Mh... wenn ich so mal drüber nachdenke, haben wir auch mal alle Sorgen und Ängste angesprochen, so wie ich das sonst immer nur mit dem Pferdeflüsterer rede. Merkwürdig. Wird mir erst jetzt klar.

Aber ich schweife ab. Also meine Mutter ist jetzt friedlich. Und sie ist noch friedlicher, seit dem sie in Rente/Altersteilzeit ist. Eigentlich hatte ich ja befürchtet, dass sie dann permanent bei mir rumhängen will und ständig telefonieren und so, aber das war nicht so. Sie ist so friedlich, dass es schon beängstigend ist. Aber ich beschwere mich nicht, ich nehme, was ich kriegen kann. Und das tollste, sie hat jetzt viele tolle Ideen. Sie näht wieder, dekoriert alles mit Pflanzen und das beste, sie denkt nach. Ja, ist echt wahr.

Letztens als ich mit ihr telefoniert habe, ist ihr eingefallen, was für eine tolle Freundin Nitida bzw. Engelchen mir doch ist, und dass sie wirklich garstig die letzten Jahren zu ihr war Es täte ihr auch leid, dass sie nicht mal bei uns schlafen durfte. Vielleicht wäre sie etwas eifersüchtig gewesen, weil ich Nitida ja immer alles erzählt hätte und ihr nicht.

Ich dachte, ich höre in diesem Augenblick nicht richtig. Meine Mutter entschuldigt sich, wirklich und von Herzen gemeint? Und begründet das auch noch vernünftig? Was hat sie denn?

„Du erinnerst dich doch noch an die Begründung, oder?" Fragte ich sie.
„Äh ne, wieso? Was hab ich denn gesagt?" meinte sie.
„Du meintest, es wäre dir zu Hause unangenehm, weil sie doch Architektin ist und dann sehen könnte, was alles falsch ist. Deswegen dürfte sie nicht kommen. Und wenn ich jemals einen Architekten nach Hause bringen würde, würden wir uns immer nur im Restaurant treffen. Hab ich eh nicht so ganz verstanden. Was ist denn bei dir zu Hause alles falsch?"
„Naja... du weißt ja, dass es hier manchmal etwas ruschelig ist." (DAS ist ja wohl die Untertreibung des Jahrhunderts.)
„Aber sie ist doch keine Innenarchitektin."
„Aber das weiß man doch trotzdem."
„Also wenn Nitida irgendwas sagen würde, wofür sie definitiv zu nett wäre, dann wäre es nur, weil sie einen guten Geschmack hätte. Willst du jetzt alle ausladen, die einen guten Geschmack haben? Sonst sagst du immer, man muss auch zu seinen Fehlern stehen. Es ist doch sehr gemütlich - auf seine Art. Irgendwie urig. Kein Grund einen Komplex zu haben."
„Grml... Ich wollte nur sagen, dass du sie mal mitbringen kannst."

Nitida fiel ein wenig vom Glauben ab, als ich ihr das erzählt habe. Ich auch.

Aber jetzt wo unser Verhältnis wieder gut ist, schreiben wir uns auch mal hin und wieder eine Mail. In der aktuellen kam dies: „Liebes Feuerkind, bist Du interessiert an einem solchen Becher [A.d.V: damit meinte sie einen pinken Coffe-to-go Becher. Pink? Pink????? Ja! Pink!] Ich könnte Dir einen oder auch mehr besorgen. [A.d.V: und jetzt haltet euch fest, die Begründung ist... nunja... unerwartet:] Ist eventuell auch eine Option für den Weihnachtsmarkt, damit man sich die Finger an den Heißgetränken nicht verbrennt."

Bei der Aussage fiel mir bisher noch nichts anderes ein, als schallend zu lachen. Wie jedes Mal, wenn ich daran denke. Allein die Vorstellung, dass ich bei einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt mit einem pinken Coffee-to-go-Becher von Glühweinstand zu Feuerzangenbowlenstand laufe, mir immer wieder den Becher auffüllen lasse und nach dem Eierpunsch frage, ob ich den zwischendurch auch mal abwaschen könnte, ist wirklich zu komisch. Allerdings wäre es mir wahrscheinlich nach dem 3 Glas auch wirklich egal ob der Becher sauber ist oder nicht.

Und noch mehr musste ich lachen, weil meine Mutter genau das vermutlich durchziehen würde. Sie würde mächtig stolz mit dem Becher rumwedeln, weil ihr so eine tolle Idee gekommen ist. Und wenn es dann einen Dummen gäbe, der es wagen würde, an ihrem Verstand zu zweifeln, würde sie ihn streng ansehen und die praktische Handhabung erklären, während der arme Mensch gegenüber (für den ich im Geiste schon mal Kerze anzünde) immer kleiner wird und am Ende vermutlich sogar den Becher kauft, nur um weg zu können. Das wäre Spaß. Dafür würde ich es echt riskieren, sie zum Weihnachtsmarkt einzuladen. Dummerweise sind sie die meiste Zeit im Urlaub.

05.11.2013 um 08:46 Uhr

Warum ist es immer so heftig?

Stimmung: gefestigt

Die letzten Kommentare auf meinen letzten Beitrag haben mich nachdenklich gemacht. Warum streiten wir uns und bin ich zu nachsichtig mit ihm?

Warum wir uns immer verrennen weiß ich nicht. Liegt vielleicht auch daran, dass wir unterschiedliche Typen sind. Ich kämpfe offen, bis der Kampf entweder gewonnen oder verloren ist. Mein Gehirn funktioniert auch verdammt schnell. Ich kann blitzschnell umschalten und ich den Kampfmodus gehen. Ich verstehe eine Situation sehr schnell. Und genauso wie ich dann aufgeheizt und explodiert bin, genauso schnell komme ich auch wieder runter. Wie ein Gewitter. Es ist da, es tobt und dann legt sich der Sturm wieder. Danach ist bei mir ist alles vergessen.

Er ist halt jemand, der dem Kampf aus dem Weg geht und sich in seiner Höhle verkriecht, um sich erstmal eine Meinung zu bilden. Er macht das, weil er die Situation eben nicht so schnell erfassen kann. Weil er immer ein wenig braucht, bis er merkt, dass ihn irgendetwas so richtig getroffen hat. Weil er nicht unbedacht irgendetwas sagen will, dass er hinterher bereut. Und wenn er seine Meinung gebildet hat, kommt er raus und kann wir reden darüber.

Aber so ist er eben und ich kann ihn nicht ändern. Es ist auch nicht direkt meine bevorzugte Wahl einen Konflikt zu lösen - wie gesagt, ich bin das Gewitter. Andererseits zwingt er mich aber auch erstmal nachzudenken. Gut... ich brauche da bei weitem nicht so lange für. Und ja... das bringt mich immer an die Grenzen meiner Geduld, abzuwarten, bis er fertig ist. Aber wenn ich die Wahl habe, zwischen jemanden, der von Spirale zu Spirale hüpft und nicht nachdenkt, ist mir langsames denken immer noch lieber. Wenigstens tut er es. Und auch langsames Nachdenken bringt uns näher zusammen. Zwar nicht sofort, aber hinterher. Weil wir dann darüber reden und uns gegenseitig immer besser kennenlernen. Aber auch jeder für sich lernt sich besser kennen. Weil wir ganz offen über Ängste und Wünsche reden können. Auch über die Dinge, die uns voneinander trennen. Das schafft eine wirklich tiefe Verbindung.

Er kennt das nicht. Im Grunde habe ich ihm beigebracht die Dinge auch mal zu hinterfragen. Bevor wir zusammen gekommen sind, hatte er im Grunde keine nennenswerten sozialen Kontakte - jedenfalls nichts mit Tiefgang. Er hatte sogar eine ziemlich negative Grundeinstellung, weil er immer böses von anderen vermutet hat. Es war auch wirklich schlimm ihn irgendwo mithin zu nehmen, weil er geredet hat, ohne wahrzunehmen, dass der andere ihm nicht zuhört und und und... Das hat sich alles in den letzten Jahren geändert. Er kann mittlerweile zuhören, er bekommt mit, dass ihm keiner die Aufmerksamkeit schenkt, er schafft es seine Gedanken zu ordnen und zusammenzufassen, ohne abzuschweifen, er ist interessant etc. Das ist allen meinen Freunden aufgefallen, die ihn anfangs schwierig fanden, jetzt aber wirklich mögen. Das hat sogar sein Arbeitgeber gemerkt, weil er plötzlich auf eine ganz andere Art Kritik üben kann.

Es ist nicht so, dass ich ihn verändern wollte. Ich habe ihm nur einen Spiegel vorgehalten und ihn solange gefragt, bis er einen Sachverhalt so klar ausgedrückt hat, dass ich ihn verstanden habe. Diese ganz Sache, darauf zu achten, was er fühlt und es auch auszudrücken, ist im Grunde genommen neu für ihn. Damals als ich Therapie gemacht habe, habe ich das erste Mal, als meine Therapeutin gefragt hat, wie ich mich fühle überhaupt nichts sagen können. Es war nichts da. Das brauchte auch bei mir Zeit, bis ich ein Gefühl überhaupt als solches wahrnehmen konnte. Ich sage nicht, dass ich eine Therapeutin bin, aber der Effekt ist ähnlich. Vielleicht wird er es irgendwann schneller schaffen, sich eine Meinung zu bilden.

Aber nicht nur er hat sich verändert. Ich musste auch ständig meine Herangehensweise überdenken. Meine Reaktionen. Er hält mir da genauso einen Spiegel vor. Ständig müssen wir gucken, ob das mein Problem ist, was ich bearbeiten muss, oder seins, was er überdenken muss. Und so entwickeln wir uns beide weiter. Und ich glaube, unterm Strich ist es genau dass, was ich gerne von einer Beziehung hätte: jemanden, mit dem ich wachsen kann.

Es geht nicht darum, dass ich die ganze Schuld habe. Ich habe etwas unbedachtes gesagt und er hat überreagiert. Diese beiden Dinge sind Fakt. Aber sie sind auch nicht mehr. Und er wollte eigentlich nichts weiter, als in Ruhe nachdenken und sich eine Meinung bilden. Das ist legitim. Er darf das. Es steckt kein versteckter Versuch dahinter, mich zu verletzen oder der verzweifelte Versucht, einen Grund zu finden, die Beziehung zu beenden. Er wollte nur nachdenken. In Ruhe. Wenn ich es wirklich nur als das gesehen hätte, wäre ich die Woche nicht durch die Hölle gegangen. Alles was ich ihm in Gedanken unterstellt habe, hatte den einzigen Zweck, einen Grund zu finden, wie ich ihm die Schuld für das Scheitern der Beziehung geben kann, sollte es dazu kommen. Und das ist definitiv nicht richtig. Wir hätten beide einen gleichen Anteil gehabt. Aber es tut weniger weh, zu verlassen, weil der andere ein Idiot ist, als verlassen zu werden, weil man sich nicht wieder zusammenfinden kann. Das hat sich alles in meinem Kopf abgespielt

Also, werden wir uns wieder streiten. Ja, das werden wir. Ich werde auch in Zukunft unbedachte Dinge sagen und ihn damit vielleicht verletzten. Ich will es nicht, aber ich werde es auch nicht immer verhindern können. Ich bin eben wie ich bin und das ist gut so. Wird er in Zukunft Zeit zum nachdenken brauchen? Ja, das wird er. Er ist eben auch so wie er ist und das ist auch gut so. Es wird noch viele Situationen geben, in denen wir uns streiten. Und sie werden immer heftig sein, weil wir uns nur über die großen Dinge streiten. Es wird viele Situationen geben, wo wir die Reaktion des anderen nicht verstehen. Wo wir verletzt sind. Es wird immer wieder darauf hinauslaufen, dass er nachdenken muss. Für sich allein. Vielleicht geht es eines Tages schneller und er braucht keine Woche mehr, aber er wird die Zeit brauchen.

Ich kann das gut finden oder nicht, aber ich werde das nicht ändern können. Was bleiben mir denn nun für Möglichkeiten? Entweder ich lehne das Verhalten grundlegend ab oder ich finde einen Weg mit damit klar zu kommen. Da ich den Pferdeflüsterer wirklich sehr schätze und gern eine Beziehung mit ihm führe und auch weil wir schon eine deutlich tiefere Ebene erreicht haben, werde ich wohl die zweite Variante wählen. Das ist meine Hausaufgabe: einen Weg finden, wie ich das Warten, bis er eine Meinung gebildet hat, wirklich nur als das wahrnehmen kann, was es ist - ohne durch die Hölle zu gehen.

04.11.2013 um 08:35 Uhr

Entwarnung

Stimmung: Gut

Also wir haben gestern telefoniert und um das Ende diesmal vorweg zu nehmen (denn einige hier erwarten das wohl mit Spannung), wir führen unsere Beziehung weiter. Ansonsten war das Gespräch war irgendwie ziemlich merkwürdig.

Ich konnte es am Samstag doch nicht lassen. Weil ich mittlerweile echt mit meiner Geduld zu kämpfen hatte und mich fragte, was eine Beziehung, in der man nicht redet, überhaupt wert ist und drauf und dran war hinzufahren und meine Sachen abzuholen, habe ich ihm eine sms geschrieben, dass es jetzt mal Zeit wäre miteinander zu reden, wenigstens für einen Zwischenstand. Also rief er Sonntag Nachmittag an. Glücklicherweise für unsere Beziehung erwischte er mich in einer guten Phase.("Du bist ganz schön mutig, dass du dich trotz Kontaktverbot bei mir meldest." "Du bist ganz schön mutig, mich solange warten zu lassen.""Es war nicht mal eine Woche." "Kam mir länger vor"...)

Es war schnell klar, dass wir die Beziehung weiter führen wollten und dann war das alles plötzlich nicht mehr so wirklich wichtig und wir schweifen in unsere normalen Themen ab. Als wäre nichts gewesen und kamen dann aber immer zwischendrin wieder auf das zurück, was jeder von uns noch ansprechen wollte.

Dass ich ihm misstraut habe hat ihn stark an das Verhalten von seiner Mutter erinnert. Schließlich hat sie ihn ständig belogen und hintergangen, war nach außen eine andere Person, als zu Hause, hat ihm Schuldgefühle eingeredet, Tatsachen zu ihrem Vorteil verdreht... und so weiter. Er hat immer gedacht, dass er jemand anderes wäre. Mein Misstrauen hat ihn auf eine Stufe mit ihr gestellt, deswegen hat es ihn auch so verletzt. Er wäre doch mir gegenüber noch nie boshaft gewesen, meinte er,  wieso käme ich denn auf die Idee, dass er wirklich gemeine Sachen tut. Das stimmt auch - keine Ahnung. Eigentlich ist er wirklich lieb. Ganz ehrlich, meinte er auch noch, zwei Frauen zu haben, wäre ihm wirklich zu anstrengend. Er hätte ja nicht mal immer genug Energie für eine. Außerdem hätte er es doch auch gar nicht nötig, es heimlich zu machen, er darf das ja alles offen tun. Ja er wäre unglücklich, aber das hätte nichts mit mir zu tun - normalerweise jedenfalls nicht - und die Andockstelle, für Gefühle für eine andere Frau, ist gerade ziemlich belegt. Und dann tat es mir wirklich leid, dass ich das von ihm gedacht habe.

Ich erzählte ihm, dass ich die letzte Woche ein wenig durch die emotionale Hölle gegangen bin und wirklich jede Emotion durchlaufen habe, die das Spektrum zur Verfügung hat. Ich erzählte ihm von Engelchen und Teufelchen und er musste schmunzeln, vor allem weil er mit Engelchen zwischendrin telefoniert hatte. (Mhm.. jaja... sie wäre die Schweiz. Schon klar. Und ich hatte mich schon gewundert, was diese Aussage sollte) Und dann erzählte ich ihm, was ich zwischendrin alles gedacht habe, was er denken könnte: dass er absichtlich einen Grund gesucht hätte (naja... dann wäre ja wohl eher fies und gemein gewesen, meinte er), dass er sich extra eine Frau sucht, weil ich es ihm ja schon unterstellt hätte (hätte er zwar überlegt, aber es nicht gemacht, weil es ja am Ende mehr kaputt gemacht hätte), dass er mich mit dieser Aktion extra verletzten will (so boshaft wäre er wirklich nicht, es käme zwar vor, aber absichtlich? Nö!) und dass er sich gar nicht meldet und ich mir dann nach einem Vierteljahr es selbst ausmalen könnte, dass wir nicht mehr zusammen sind.

Auch diese Aussagen wunderten ihn schon, weil er ja wirklich keine fiesen Hintergedanken hat. Mich im nachhinein auch, wieso ich ihm so viel Gemeinheiten zugetraut habe. Da muss ich dann wohl noch mal drüber nachdenken. Und vor allem muss ich dies vielleicht als Regel festklopfen. Wenn schon nicht klar ist, ob wir die Beziehung nach dem Streit weiterführen, dann kann ja zumindest klar sein, was wir in der Wartezeit nicht machen. Er findet ich kann schlecht verlieren und er hat recht. Schlimmer als die Beziehung zu beeinden, wäre es, wenn er es tun würde. Auch darüber muss ich nachdenken. Wir sind uns auch einig, dass diese Art, erstmal eine Pause zum Nachdenken zu machen, keine so schlechte Idee ist. Dann schmeißen wir uns keine Dinge an den Kopf, den wir hinterher bereuen, sondern überlegen erstmal. Lassen die Emotionen erstmal abklingen. Außerdem haben wir wohl unbewusst den Rhythmus beibehalten, den ich sonst immer mit meiner Mutter hatte. Das finden wir beide komisch.

Also kein wirklich schlechtes Ergebnis, auch wenn es irgendwie komisch war. Jetzt müssen wir beide noch ein wenig Wunden lecken, bevor wir wieder ganz zur Tagesform übergehen können.

02.11.2013 um 11:21 Uhr

Langsam wächst die Ungeduld

Stimmung: Sehnsuchtig

Es ist nun Tag sechs nach unserem Streit und außer der kurzen Nachricht am Dienstag habe ich noch nichts weiter vom Pferdeflüsterer gehört. Ich war auch verdammt artig und hab ihm in der ganzen Zeit nur zwei Mails geschrieben. Ich muss ehrlich zugeben, so langsam bröckelt meine Selbstbeherrschung und zerfällt zu Staub.

Ich checke quasi alle 10 min meine Emails (zu blöd, dass man das mittlerweile auch überall tun kann), gucke ständig aufs Telefon, ob er mir nicht ne sms geschickt hat oder versucht hat anzurufen und bin mega enttäuscht, wenn ich nach Hause komme und der AB blinkt nicht. Es fängt an mich wirklich wahnsinnig zu machen. Ich weiß ja auch, dass man das nicht macht. Man sitzt nicht neben dem Telefon und wartet aufs Klingeln. Man geht raus und ist schwer erreichbar. Aber das kann man verdammt noch mal nur sein, wenn der andere es auch versucht. Sonst ist das wirklich witzlos.

Es ist was völlig anderes wenn man sich bewusst entscheidet, sich mal ein Wochenende nicht zu sehen, ansonsten aber alles gut ist, als wenn man gezwungen wird keinen Kontakt zu halten. Ich vermisse ihn so unheimlich. Er fehlt mir. Ich träume schon von Sex mit ihm. Er ist wundervoll leidenschaftlich und kann nicht genug bekommen. Plötzlich wache ich dann erschrocken auf, weil es gar nicht er ist, sondern mein Arbeitskollege, mit dem ich mich genüsslich im Bett räkle.

Ich weiß immer noch nicht, wie ich reagieren würde, wenn er sich meldet. Hängt auch ein wenig von seiner Gestik, Mimik, Stimmlage und auch davon ab, wie er das Gespräch einleitet. Aber in meinem Kopf gibt es ein paar Lieblingsszenarien, die ich toll fände. Er steht unangekündigt vor der Tür, hat Blumen und Frühstück dabei guck zerknirscht und sagt dass er ein Idiot war und ob ich ihm verzeihen würde. Ich würde die Arme öffnen, ihn darin aufnehmen und trösten und dann würden wir übereinander herfallen. Anschließend hätten wir dann ein klärendes Gespräch und alles wäre wieder gut. Nicht ganz so toll, aber immer noch ok, wäre eine lange Mail in der er erklärt, wieso er so reagiert hat, dass er mich doch verstehen kann und mir verzeiht und mich um Verzeihung bittet, weil er so ein riesen Rindvieh war. Das wäre super, aber im Moment würde ich mich auch über so was lächerliches wie eine sms freuen, in der er mich um ein Gesprächstermin bittet.

Meine beiden Freundinnen hier, die ich einbezogen habe und mit denen ich nun irgendwie immer abwechseln rede, sind zu Engelchen und Teufelchen mutiert die auf meiner Schulter sitzen und mir Dinge einflüstern. Engelchen ergreift natürlich Partie für ihn. Sie versucht Erklärungen zu finden und betont ständig, dass er langsam ist und Zeit braucht und dass wir es bisher immer geschafft haben. Wir haben eine so tolle Beziehung in der wir über alles reden können. Schließlich würde er mich doch lieben, darauf sollte ich einfach vertrauen. Teufelchen fragt mich stattdessen, ob ich nicht langsam wütend genug bin und wie lange ich mir seinen Scheiß noch bieten lassen möchte. Schließlich würde er ja auch sonst nicht aus dem Quark kommen, mir kein Stück Sicherheit bieten und zu allem Überfluss auch noch den Platz für jemanden blockieren, der mit mir wirklich eine Zukunft verbringen möchte.

Auch wenn ich ihm gern alle Zeit der Welt geben würde, weiß ich auch, wenn man nicht miteinander redet, dass es irgendwann einen bestimmten Punkt gibt, an dem irgendwie nicht mehr zusammen findet, weil man sich zu weit von einander entfernt hat. Ich möchte nicht, dass das mit uns passiert.

Ich will einfach nur, dass er nach Hause kommt. Warum braucht er nur so lange?

31.10.2013 um 15:42 Uhr

20 Fakten

Ich finde diese Art von Stöckchen total toll, weil man da irgendwie ein wenig mehr über den anderen erfährt. Deswegen will ich dabei sein - auch wenn ich voll der Nachzüglicher bin. Hier also 20 Dinge über mich, die bestimmt keiner wissen wollte. Ich weiß nicht, ob ich das schrägste rausgepickt habe.
  1. Ich hasse Zeitumstellung. Besonders die im Frühling, wenn man immer so viel früher aufstehen muss. Und im Winter, weil es dann immer so plötzlich dunkel ist.
  2. Ich stelle nie meine Wohnung um. Ich überlege mir beim Einzug wie alles stehen soll und so bleibt es. Ich habe das mal versucht, eine ganze Nacht geschuftet und dann festgestellt, dass ich an der neuen Schlafposition nicht schlafen kann und habe dann wieder alles zurückgestellt.
  3. Ich lasse in meinen Tassen/Gläsern immer zwei Fingerbreit Flüssigkeit übrig.
  4. Ich liebe es über Sex zu reden, auch wenn das für den Gegenüber befremdlich ist.
  5. Ich habe ständig Blähungen und kann einfach nicht herausfinden, was ich verdammt noch mal alles nicht essen darf. Wenn es doch bloß sowas einfaches, wie Laktoseintolleranz wäre.
  6. Ich esse wirklich gern etwas leckeres, deswegen fragen mich alle meine Freunde nach Restauranttips. Bisher war noch keiner enttäuscht.
  7. Ich kriege Panikattacken, wenn es zu eng ist und dann auch noch laute Musik mit viel Bass läuft.
  8. Ich bin nicht faul, ich bin effizient. Ich hasse es Dinge doppelt zu machen. Deswegen denke ich darüber nach und versuche sie einmal so gut wie möglich zu tun. Leider funktioniert das beim Putzen irgendwie nicht. Deswegen mag ich das am wenigsten.
  9. Ich stehe auf Esoterik. Ich habe haufenweise Sachbücher zu den unterschiedlichsten Themen zu Hause und übe mich ständig im Spüren von Chi, im Auffangen von Schwingungen, im Deuten von Karten.
  10. Ich hasse es wenn es beim Essen so ruhig ist, dass man die Kaugeräusche hört, deswegen läuft dann immer der Fernseher.
  11. Ich mache mein Großes Geschäft in öffentlichen Toiletten nur, wenn keiner zuhört.
  12. Ich bin gern in der Natur, da kann ich gut nachdenken, aber zu Hause gehen meine Zimmerpflanzen regelmäßig ein.
  13. Weil ich ohne scharfe Messer nicht kochen kann, nehme ich sie mit in den Urlaub.
  14. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe und mich nerven Leute, die das nicht haben. Noch schlimmer sind Leute, die langsam reden.
  15. Ich hasse (bis auf wenige Ausnahmen) Stoffe mit Mustern.
  16. Ich trinke eigentlich nur stilles Wasser und hatte schon die ein oder andere Diskussion im Restaurant weil Gourmet-Wasser nicht wirklich still ist.
  17. Ich kann allein von Wasser betrunken werden.
  18. Ich kann es nicht haben wenn Leute links von mir sitzen, stehen oder laufen.
  19. Ich habe einen Haartick. Ich fasse sie ständig an und habe wirklich Schwierigkeiten einen Frisör zu finden, der es so macht, wie ich es mag.
  20. Ich habe nie Taschentücher dabei, weil mein Papi früher immer welche hatte. Blöd ist nur, dass ich es dem Pferdeflüsterer nicht angewöhnen kann. Er sagt dann immer, er wäre schließlich nicht er.

Nachtrag, weil es mir durch Angelmagia wieder eingefallen ist und es einfach auf diese Liste muss. Ich glaube ich streiche dafür Punkt 8. Der ist so ungewöhnlich ja nun auch nicht.

21. Ich bin 34 und habe ein Schnuffeltuch. Eine Stoffwindel, an der ich als kleines Kind genuckelt habe. Wenn ich traurig bin oder Liebeskummer habe, krame ich das immer hervor und benutze es als großes Taschentuch. Als die alten Windeln vom vielen Waschen total kaputt waren habe ich mir zu dem Zweck extra neue gekauft

30.10.2013 um 23:08 Uhr

Aus dem Strudel in die Mitte

Stimmung: gelassen, ruhig, ausgeglichen

Ich merke, dass bei mir Ruhe einkehrt. Dass sich sowohl Wut als auch Traurigkeit legt und meiner Mitte wieder Raum gibt.

Ich kann ihn nicht ändern. Ich kann versuchen ihn zu verstehen. Ich kann versuchen ihm ein Spiegel zu sein und ihm zurückzuwerfen, wie er bei mir ankommt und wie ich mich dabei fühle. Vielleicht ist das ein Implus für ihn sein Verhalten zu überdenken. Aber das einzige was ich wirklich ändern kann, ist meine Reaktion auf ihn. 

Gut, er spielt Spielchen, aber es zwingt mich keiner mitzuspielen. Vielleicht will er mich so verletzen, wie ich ihn verletzt habe. Aber ich muss mich deswegen ja nicht zwangsweise schlecht fühlen. Ich kann mich auch einfach mal in meiner Mitte aufhalten und abwarten. Ich kann das von mir abperlen lassen. Ich kann auch einfach mal aufhören mir Sorgen zu machen und die Angst ihn zu verlieren loslassen. Er hat jetzt den Ball und den darf er auch mal haben. Er kann sich auch mal dafür einsetzen, dass es in dieser Beziehung weiter geht. Warum sollte das immer meine Aufgabe sein? Warum trage nur ich dafür Verantwortung?

Ich kann mich nur um mich kümmern. Ich kann nur mit meinen Taten im Reinen sein. Vielleicht kann er mir auch keine Sicherheit geben, weil sie aus mir heraus kommen muss. Vielleicht kann ich sie nicht bei ihm finden, sondern muss sie in mir suchen. Ich wollte ihn nicht verletzen, vielleicht hätte ich mit meinem jetzigen Wissen vorsichtiger gehandelt, aber zu dem Zeitpunkt hätte ich auch nicht groß anders reagieren können. Ich kann mich dafür entschuldigen und ich kann es versuchen zu erklären, aber er muss jetzt einen Weg finden, mir zu verzeihen. Das liegt nun nicht mehr in meinem Verantwortungsbereich. 

Also verbringe ich lieber die Zeit damit, mir Gedanken zu machen, was ich denn mit der vielen freien Zeit anstellen könnte, die ich dann eventuell in Zukunft haben werde. Und da kommen mir viele Dinge in den Sinn: endlich die berufliche Situation bereinigen, wieder mehr malen, mit öfter mit Freunden treffen, mehr meditieren, wieder meine Mitte finden... Und dann wird mir klar, dass das Quatsch ist. Warum sollte ich das nur machen, wenn ich wieder Single bin. Ich kann das ja auch in einer Beziehung tun oder zumindest sollte mich die Beziehung nicht abhalten..

Es tut gut, die Verantwortung abzugeben. Loszulassen. Ich finde gerade wieder zu meinem Urvertrauen ins Universum zurück. Egal, wie der Weg nun weiter geht, es wird ein guter Weg sein. Und die ganze innere Unruhe weicht plötzlich der Gewissheit, dass es mir gut gehen wird. Vielleicht einer mit Art Spannung und Neugierde verbunden, was denn dieser Weg für tolle Dinge für mich bereit hält und ob der Pferdeflüsterer ein Teil davon sein wird. 

Im Grunde ist das die Schottlandeinstellung. So haben wir den tollsten Urlaub aller Zeiten verbracht. Ich habe Verantwortung übernommen, wenn ich wollte und habe sie ihm mindestens genauso oft einfach kampflos überlassen. Ich bin doch nicht weniger wert, nur weil ich mal eine Entscheidung nicht treffe. Oder weil es mal nicht nach meiner Vorstellung geht. Der Pferdeflüsterer darf doch auch mal eine Chance haben. Ich habe gesagt, was mir wichtig war und mich ansonsten zurückgelehnt. Dort war es auch leicht, weil es mir dort sowieso besonders gut ging. Dort konnte ich großzügig und gelassen sein. Dort konnte ich loslassen. Vielleicht ist es nicht so einfach mit dem ganzen Alltag und den Sorgen. Aber ich kann mich hier daran erinnern, so oft wie ich kann und versuchen die Schottlandeinstellung zu bewahren. Denn die hat uns beiden gut getan.

30.10.2013 um 10:14 Uhr

Gestern hat meine Welt aufgehört zu existieren

Stimmung: Mies. Gibt es dazu eine Steigerung?

„Dein Misstrauen hat mich sehr verletzt. Egal welche Veränderung du gemerkt zu haben glaubst, du hattest kein Recht mir gleich eine andere Frau zu unterstellen. Dass du das von mir gedacht hast, macht mich unglücklicher, als ich sowieso schon bin. Nein, ich kann nicht schreiben, was mir alles durch den Kopf geht. Ich muss nachdenken. Bitte ruf mich nicht an und besuch mich auch nicht. Wenn, dann melde ich mich."

Mit diesen Worten ist gestern eine Welt zusammengebrochen. Ich stehe nun an einem Abgrund und weiß nicht, ob ich springen soll. Große Lust hätte ich. Ich schwanke zwischen Wut und Verzweiflung. Zwischen Panik und Leere. Zwischen Kämpfen und Aufgeben. 

Es ist mal wieder so weit. Unsere Beziehung steht auf der Kippe. Wie immer, wenn wir uns wirklich streiten. Das tun wir selten, aber wenn, dann ist es wirklich heftig. Ich kann das nicht mehr. Ich kann nicht jedes Mal Angst haben, dass wir nicht wieder zueinander finden. In meiner Welt läuft das so nicht. Da sagt man sich Dinge, die sind vielleicht blöd und verletzend und vielleicht wirklich unter der Gürtellinie gehen, schreit, knallt Türen, aber dann denkt man drüber nach, redet drüber und dann verzeiht man sich. Meine Freundin hat das mal als Gewitter beschrieben, das heftig tobt und danach wieder die Sonne raus kommt. Während ich mir mit meiner Mutter bis heute teilweise so heftige Wortwechsel gebe, dass ein Außenstehende nicht verstehen kann wieso wir überhaupt noch miteinander reden, aber nach denen wir uns immer vertragen, hat seine Mutter völlig anders reagiert. Es gab nur ein halbherziges Machtwort, wenn er wirklich Mist gebaut hatte. Ansonsten hat man ihm die Liebe entzogen.

In seiner Welt streitet man offenbar nicht. Er kann nicht streiten. Er hat es nicht gelernt. Die Worte, die im Streit fallen erschüttern ihn zutiefst. Ich bin dann nicht absichtlich verletzend, aber ich spreche dann Dinge so klar und deutlich aus, was dann den gleichen Effekt hat. Er zweifelt dann meist schon deswegen an der Beziehung, weil das bei ihm so ankommt, als würden wir keinen Respekt mehr voreinander haben. Das weiß ich alles. Und deswegen versuche ich Dinge die mich stören, nicht so aus mir herausplatzen zu lassen. Sondern erstmal nachzudenken und dann einen geeigneten Weg zu wählen. Ich kann das nicht immer. Und manchmal bin ich impulsiv. Da haue ich einfach etwas raus. Ohne nachzudenken. 

Und verdammt, er hat mich das komplette Wochenende provoziert. Er ist jeder meiner Fragen ausgewichen. Er hat mir keinerlei Alternative geboten. Und hat es mit seinem neuen Lieblingsspruch gekrönt. Der mich dann nach dem xten mal so sauer gemacht hat, dass es aus mir herausgeplatzt ist. Und nein, ich habe nicht nachgedacht. Meist reagiere ich in so einer Situation nur. Meist bin ich dann selbst überrascht, was ich dann da gesagt habe. Und nein, ich will nicht mehr die ganze Zeit auf rohen Eiern tanzen. Ich kann Dinge nicht immer so verpacken, dass sie bei ihm richtig ankommen. Das ist eben mein Charakter. Er weiß das doch auch. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich deswegen in Schwierigkeiten bin.

Weil ich mich dann selbst über mich erschrecke, versuche ich zu verstehen, was ich da gesagt habe und warum. Wieso ist es zu so einer heftigen Reaktion meinerseits gekommen? Dann gehe ich mich in, denke nach, schreibe einen Beitrag, telefoniere mit einer Freundin und habe dann irgendwann meine Reaktion verstanden. Das mache ich immer so und er hat es verdammt oft beobachtet. Es gab schließlich schon andere Dinge, die ich ihm in einer solchen Situation an den Kopf geknallt habe. Nicht immer Dinge, die ihn verletzt haben. Manchmal haben sie ihn sogar amüsiert. 

Aber diesmal scheint es, als hätte ich einen unverzeihlichen Fluch ausgesprochen. Wenn ich gewusst hätte, was das für Kreise zieht, hätte ich den Stein bestimmt nicht unbedacht ins Wasser gestoßen. Da ist er aber nun drin und die Wellen schlagen verdammt hoch. Und wie gesagt ich schwanke zwischen Wut und Verzweiflung. Wut, weil er mich wieder einmal ausschließt. Weil er wieder mal die Beziehung in Frage stellt. Weil er immer so tut als wäre alles gut und dann bricht es aus ihm heraus. Weil er unglücklich ist, aber nicht sagt, was ihm fehlt. Weil ich mit meiner Geduld am Ende bin und er mich soweit gebracht hat. Weil er sich offenbar ändern darf, aber ich nicht darauf reagieren? Verzweiflung, weil iich ihn wirklich sehr liebe. Weil ich nicht weiß, was bei ihm nicht stimmt. Weil er nicht drüber redet. Weil ich seine erste richtige Beziehung bin und er einfach nicht ausprobiert hat, was er nicht will. Weil ich Angst davor habe, dass ich ihm etwas nicht geben kann und dass dann plötzlich eine Frau aus einem Busch springt, die ihn in seinen Grundfesten erschüttert. Bei der er merkt, was er alles bei mir nicht hat. Weil ihn zu lieben und ihn glücklich machen zu wollen vielleicht nicht ausreicht. Weil er immer so bereitwillig alles aufgeben will, was wir haben. 

Dann steigt die Panik in mir hoch, dass er das alles auch endlich mal erkennen könnte. Dass er vielleicht wirklich versteht, was er braucht. Und das ich es nicht bin, die es hat. Und bei dem Gedanken dass er sich anders entscheiden könnte, bleibt bei mir nichts anderes zurück als Leere. Dann denke ich ans Aufgeben. Warum sollte ich mich noch weiter bemühen? Warum soll ich ihn nicht einfach ziehen lassen? Wenn er doch woanders glücklich wäre? Aber wenn er mir sagen könnte, was er braucht... Wenn er es doch nur selbst verstehen würde.... Wenn er es doch nur irgendwie einfordern könnte... Wir haben doch eigentlich eine gute Beziehung. Die schmeißt man doch nicht weg. Wir haben doch etwas was andere nicht haben, wir können reden. Wir finden Lösungen. Aber nicht, wenn er sich zurückzieht.

Und schon bin ich wieder bei Wut angelangt und der Kreis fängt von vorne an. 

Aber eigentlich kann ich sowieso nichts machen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Dieser Satz ist nicht einfach nur ein Spruch. Er ist wahr. Und auch der Pferdeflüsterer ist für sein Glück allein verantwortlich. Ich kann das fnicht abnehmen. Er muss selbst die Dinge anpacken, die ihn glücklich machen. Und wenn es dir Art und Weise war, wie er am Wochenende aufgetreten ist? Warum nicht. Er war viel maskuliner, viel gefestigter. Und ich habe alles zerstört. Statt ihn darin zu bestärken. Aber aus meiner Perspektive konnte ich auch nicht anders. Aber dass er es mir nicht verzeihen kann, hätte ich nicht gedacht.

Jetzt kann ich nur darauf hoffen, dass bei ihm die Gefühle stark genug sind. Dass das Nachdenken endlich mal zu einem Ergebnis führt. Dass ich ihm im Laufe unserer Beziehung genügend Fragen an die Hand gegeben habe, mit der er zum Kern vordringen kann. Vielleicht kommt er dann endlich mal an und sagt was er will und was er braucht. Nur wenn ich weiß, was er braucht, kann ich gucken, ob ich ihm das geben kann oder nicht. 

Und wenn nicht... Tja... dann habe ich wohl endlich Zeit für meine Weiterbildung.

Leider kann ich mich nicht auf mein Bauchgefühl verlassen. Ich war gestern nachdem ich eine wirklich schöne Mail verfasst habe in Hochstimmung. Ich dachte, das kommt wieder alles in Ordnung. Ich war fest davon überzeugt, dass das alles in Ordnung kommt. Schließlich hatten wir schon schlimmere Dinge gemeistert. Und dann kam seine Antwort. Und jetzt traue ich mich nicht mehr, auf mein Bauchgefühl zu hören.