Das Leben der jungen J

31.08.2010 um 14:41 Uhr

Er ist weg...

Stimmung: total gut

So jetzt ist er weg. Der Pferdeflüsterer. *schnüff*

Aber glücklicherweise nur bis Sonntag. Dann kommt er wieder.

Ich bin also nun so was wie ne Strohwitwe. Und das ist schon komisch. Erst muss man sich dran gewöhnen, dass jemand zumindest am Wochenende immer da ist und nun muss man sich irgendwie anders organisieren. Gut... es ist nicht so, dass mir das schwerfallen wird, es gibt haufenweise Dinge, die liegen geblieben sind, aber komisch ist es schon.

Die Woche über wird es mit der Sehnsucht auch bestimmt noch gehen, da sehen wir uns auch sonst selten. Aber das Wochenende wird bestimmt schwierig. Seit dem wir uns kennen haben wir uns immer irgendwie am Wochenende gesehen. Und seit 3,5 Monaten haben wir jedes Wochenende komplett miteinander verbracht. So lange waren wir noch nie getrennt.

Einerseits weiß ich nicht genau, was ich denn nun mit dieser vielen gewonnen Zeit anstellen soll und anderseits freue ich mich darüber, dass ich nun endlich mal wieder Zeit habe, am Wochenende Wäsche zu waschen, den Keller aufzuräumen, sonstige Dinge zu ordnen, den Urlaub vorzubereiten und Zeit für mich verwenden kann.

Am Montag sehen wir uns wieder und dann fahren wir für ein paar Tage nach Berlin. Wir freuen uns schon total auf unseren ersten Urlaub. Und eine Stadt zu besuchen, die so viel bietet, hielten wir für eine gute Idee. Das wird alles andere als langweilig.

Einen Tag wollen wir auf jeden Fall nach Potsdam fahren und einen Abend wollen wir dort in einen Swingerclub gehen. Das steht schon mal fest. Was wir die anderen Tage machen wissen wir noch nicht genau. Auf jeden Fall gibt es an min. einem Tag Sightseeing.

Ich freu mich so... und das tröstet so darüber hinweg, dass wir uns bis Montag nicht sehen.

30.08.2010 um 14:14 Uhr

Ausflug in die Vergangenheit

Stimmung: mittlerweile wieder gut

Letztes Wochenende war die Hochzeit. Die Hochzeit, zu der ich schon seit Wochen eigentlich keine Lust hatte (hier hatte ich sie schon mal erwähnt). DIE Hochzeit von meinem langjährigen Freund, von meiner Jugendliebe. Die Hochzeit, die ich nicht befürwortete (und immer noch nicht tue), weil er sie vor ca. zwei Jahren mit mir betrogen hat. Ich war auch nicht die einzige mit der er sie betrogen hat, aber die beiden führen def. keine offene Beziehung. Was ist denn das für eine Ehe, die schon mit Lügen beginnt.

Der Sex mit ihm war nebenbei total blöd. Wir hatten eine sehr unromantische Nummer bei mir in der Küche und ich habe mich erschrocken, wie gefühlskalt das Ganze ablief. Dafür, dass wir schon seit 1999 umeinander herumschleichen, all die Jahre auf Teufel komm raus geflirtet haben und das Knistern die ganze Zeit spürbar war, hätte ich mehr Emotion oder zumindest mehr Leidenschaft erwartet. Aber das war es nicht. Es war ein F***. Nicht mehr und nicht weniger. Eigentlich fühlte es sich eher wie ein Porno an. Ich habe mich weit mehr benutzt gefühlt, als bei meinen ganzen Sexperimenten im letzten Jahr. Ich war enttäuscht -  von dem Sex und von meinem Freund, dem ich wirklich besseres zugetraut hatte. Und ich beschloss gleich danach, dass es wirklich nur bei dieser einen Gelegenheit bleiben würde.

Kurz nach unseren Stelldichein hat er mir eröffnet, dass er sie nun endlich nach 8 Jahren Beziehung heiraten wird und dass sie ein Haus kaufen. Da hätte ich ihn gleich töten sollen. Aber nein... ich habe es nicht getan und jetzt war ich am Samstag zur kirchlichen Trauung. Standesamtlich sind sie schon seit 1,5 Jahren verheiratet. Wenigstens hatte ich eine Begleitung - ohne wäre ich auch nie hin gegangen.

Und ja, ich fand die Hochzeit blöd. Lag es daran, dass es mein Jugendfreund war, der sich an eine andere bindet und ich sozusagen schon vorher negativ beeinflusst war? Keine Ahnung. Jedenfalls ging mir alles auf den Keks, von der Einladung, über den Gottesdienst bis hin zur Party.

Vielleicht fand ich es auch deswegen so sau blöd, weil sie so unglaublich toll aussah: groß, schlank, mit langen Haaren (eben alles das was ich nicht bin oder habe)? Und dann sie hatte auch noch ein wundervoll passendes Kleid an. Sicher spielte Eifersucht an dieser Stelle definitiv eine Rolle. Ach menno... ich weiß sowas ist mies, aber ich bin eben nicht perfekt.

Vielleicht lag es daran, dass der Pferdeflüsterer und ich gefühlt am Katzentisch in der Ecke saßen. Dem Auffangbecken für Singles und andere Gestrandete oder anders: SEINEM Anhang. Ein Tisch mit acht Personen von insgesamt 7 Tischen. Dort saßen sein solo-Halbbruder, seine solo-Schwester, seine Ex-Tanzpartnerin von vor 11 Jahren (die Zeit bevor er zur Marine gegangen ist) - ohne Begleitung, sein ehemals bester Freund ebenfalls von vor 11 Jahren - ebenfalls ohne Begleitung -, der es nicht mal zum Treuzeugen geschafft hatte, SEIN Vater mit Frau und wir beide. Muss ich erwähnen, dass wir kaum Gesprächsthemen fanden? Bis auf sein Vater saßen alle nur so da und frusteten vor sich hin.

Die Tischordnung fand ich auch sowieso ein wenig komisch. Ich kenne das so, dass die Eltern des Brautpaars mit den Trauzeugen und dem Brautpaar an einem Tisch sitzen, aber so war es da nicht. Auf jeden Fall gab es ne strenge Trennung zwischen ihren und seinen Leuten. Die Party wurde eh von IHREN Leuten bestimmt. IHRE Pferdefreunde, IHRE Verwandten und IHRE sonstigen Freunden. Er hatte neben unserem Tisch nur noch ein paar Arbeitskollegen im Schlepptau. Er meinte, sein Job lässt es nicht so zu, Freundschaften zu pflegen. Mich wunderte es ein wenig. Als ich ihn vor 11 Jahren kennenlernte, war er ein Mensch  mit einem sehr großen Freundeskreis und jetzt waren es fast nur ihre Leute da. Und schon wundert es mich ein bisschen weniger, dass ich eine Einladung bekommen habe. Ich bin eine von drei Freunden von damals, zu denen er noch Kontakt hat. Oder anderes: eine von drei Kontakten, die nicht als Arbeitskollegen durchgehen.

Vielleicht war es aber auch die Tatsache, dass es einfach stumpf langweilig war. Das lag nun nicht ausschließlich daran, dass wir mit den totalen Schnarchnasen an einem Tisch saßen, sondern auch daran, dass es kein Programm gab.

Es gab ein - zugegebenermaßen - sehr leckeres Buffet. Das ist zwar total toll für die Gäste, weil jeder das essen kann, was er/sie möchte, aber es bietet eben auch nicht die Pausen, um die obligatorischen Reden unterzubringen. Diese wurden dann irgendwie zwischen das Besteckgeklapper dazwischen geschoben. Buffet hat auch den Nachteil, dass es schneller geht, als ein Gänge-Menü. Das heißt um 20h waren alle schon mit Essen fertig. Und dann passierte fast 2h gar nichts. Tanzen ging nicht, weil das Hochzeitspaar die Tanzfläche noch nicht eröffnet hatte und auch weil die Musik zu leise und nicht tanzbar war. Und ansonsten passierte auch nichts. Keine Showeinlage, kein Gag, kein Spiel.

Ich habe da mal den Trauzeugen gefragt ob noch was geplant wäre und die Antwort war „Nein, das Hochzeitspaar wollte keine Spielchen!" Ich finde es gibt noch breite Gestaltungsfläche zwischen „keine Spielchen" und „kein Programm" bzw. Langeweile - und die machte sich mittlerweile an allen Tischen breit. Ich fand es schon unmöglich von mir, dass ich nicht daran gedacht habe Karten oder so mitzubringen.

In der Menükarte stand drin, dass es um Mitternacht noch die Torte geben sollte. Ich weiß auch nicht, ob das so üblich ist, aber ich fand es irgendwie unfair. Sie zwingen damit die Masse der Gäste bis min. Mitternacht auf einer langweiligen Party rumzulaufen.

So um 21:45h wurde dann auch endlich die Tanzfläche eröffnet, die Musik wurde etwas lebendiger und es kam tatsächlich ein wenig Stimmung auf. Aber der Pferdeflüsterer und ich waren so langsam an dem Ende des für uns erträglichen angekommen. Ich schwelgte noch ein wenig mit meinem Jugendfreund in der Vergangenheit - mit der Braut redete ich gar nicht (keine Absicht, es ergab sich einfach nicht). Außerdem tanzte ich noch einen Tanz mit ihm, auch nur der alten Zeiten wegen.

Kurz nach 23h konnte ich den Pferdeflüsterer nicht mehr bändigen, das Hufescharren wurde lauter und wir fuhren los. Ich fand, ich hatte auch das Mindestmaß an Höflichkeit geliefert. Wir sind nicht direkt nach dem Essen gegangen, obwohl es uns in den Fingern gejuckt hat, wir haben ein Geschenk dagelassen, Ich habe mit dem Bräutigam geredet und getanzt und der Pferdeflüsterer und ich hatten KEINEN Sex in der Garderobe... obwohl wir beide in Stimmung waren.

Zu Hause sind wir dann noch auf ne Gothikparty gegangen, die wenigstens nicht langweilig war.

Sonntag kam ich doch ein wenig ins Grübeln. Klar war es komisch, ihn nach langer Zeit wieder zu sehen. Es war auch komisch Ihn mit der anderen Frau zu sehen und es war auch komisch, dass er mir ca. 100 mal den Abend über flirtenderweise zugezwinkert hat (was der Pferdeflüsterer - die Vorgeschichte wissend - schon ziemlich unverschämt fand).

Aber es ist mir auch einiges klar geworden. Im Nachhinein hätte ich das Leben, das SIE geführt hat, nie führen wollen und ich hätte es auch so nicht geführt. Ich wäre ihm mit meinem Job hinterher gezogen, besonders da er ortsgebunden ist. Ich hätte mich nicht auf diese Fernbeziehung eingelassen, um dann festzustellen, dass es mich einsam macht und ich hätte auch nicht versucht diese Einsamkeit erst mit einem Pferd, dann mit einer Katze und schlussendlich mit einem Kind zu stillen. Ich wäre auch nicht zweimal umgezogen, während mein Partner im Ausland ist. Das hätte ich andersorganisiert.

Im Grunde ist sie nicht zu beneiden. Sie hat einen Partner, der nicht treu ist, der nur aus Bequemlichkeit mit ihr zusammen ist, weil er zu faul ist, sich jemanden neues zu suchen und weil er für seine Karriere geordnete Familienverhältnisse braucht und dessen Job ihn nie lange an einem Ort binden wird. Sie wird auch in Zukunft viele Auslandseinsätze monatelang zu Hause absitzen müssen. Ich bin auch froh, dass ich seinen Liebhaberqualitäten nicht hinterher trauern muss. Dass ich mich nicht mein Leben lang fragen muss, wie das mit uns beiden gewesen wäre, eben weil ich es hatte und es doof war. Aber ich konnte danach schon verstehen, warum sie ihn nur um des lieben Friedens will hin und wieder ran gelassen hat. Wie das Kind entstanden ist... Keine Ahnung.

Nein... Eifersucht ist nicht angebracht.

Mir wurde auch klar, dass ich mich all die Jahre in das Idealbild des Marineoffiziers verliebt hatte. Ein Ideal, das vor 10 Jahren aufgehört hat zu existieren, als er zur Marine ging. Alle meine früheren Partner mussten irgendwie mit diesem Ideal mithalten - und versagten. Ich bin froh, dass wir diesen furchtbaren Sex hatte, weil er damit das Idealbild von einem Mann zerstört hatte und ich frei wurde, um mich realen Männern zuzuwenden. Er hat sich auch verändert und ich mag den Menschen nicht, zu dem er geworden ist. Klar mag ich immer noch die Art wie er redet und seinen Humor und seinen Charme. Ich würde ihn auch immer noch als meinen Freund bezeichnen. Aber bei seiner Einstellung zu ihr und zu seiner Ehe kriege ich eher ds Grausen. Und vor allem kriege ich nun kein Herzklopfen mehr. Ich bin also endlich über ihn hinweg. Von daher war es gut hingegangen zu sein.

Trotzdem war ich ein kleines bisschen traurig. Es fühlte sich eben wie Abschied an. Aber ich habe mich auch unglaublich darüber gefreut, in Begleitung eines so wahnsinnig tollen Menschen gewesen zu sein.

Der Mensch, der mich heute (vielleicht auch künftig) glücklich macht.

21.08.2010 um 10:07 Uhr

Eine Beziehung ist dummerweise kein Super-Heilmittel!

Stimmung: mal wieder nachdenklich

Ich habe den tollsten Freund der Welt. Er ist super lieb und total aufmerksam. Er sorgt sich um mich. Eigentlich ist er genau der Freund, den ich immer haben wollte. Immer. Und trotzdem... Irgendwie... Aber ist vielleicht genau das das Problem? Geht es mir ZU gut? Ist es ZU leicht?

Nein... leicht ist es nicht. Wir müssen schon manchmal mit den Phasen des anderen klar kommen. Nach der Arbeit darf man ihn am besten gar nicht ansprechen. Er hat dann auch oft schlechte Laune, weil es dort nicht so läuft wie er es sich vorstellt.

Und ja... ich weiß nicht was ich ihm dazu sagen soll. Was ich raten soll. Im Grunde bin ich Ratlos. Wieso wissen eigentlich immer andere, was man in solchen Situationen sagen soll? Warum weiß Nitida eigentlich immer die richtigen Worte? Keine Ahnung, aber mir ist leider diese Gabe nicht in die Wiege gelegt worden.

Und ihm auch nicht. Er steht im Grunde auch immer hilflos da, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Wenn mir der Boden unter den Füßen wegbricht. Wenn ich ein harmloses Problem habe, das für mich allerdings gleich einen Rattenschwanz nach sich zieht. Wie z.B., dass mein W-Lan nicht geht, während es bei ihm funktioniert. Statt zu sagen, dass es bestimmt ein Provider-Problem ist oder dass es bestimmt nur vorrüber gehend ist oder sonst irgendwas tröstendes, sagt er so was wie „dann ist jetzt wohl deine Netzwerkkarte kaputt!" und ich kriege Panik. Was, wenn er recht hat... Wenn die meinen Rechner einschicken müssen... Wenn das nicht in der Apple-Car drin ist... dann kommen wieder Kosten auf mich zu... Ich kann tagelang nicht arbeiten... was soll ich denn ohne Rechner tun? Blabla... und so weiter. Das totale Kopfkino. Am Ende war es total nutzlos, weil es doch nicht an meiner Karte lag. Einen Tag später, hatte sich der Rechner abgekühlt oder der Provider sein Problem behoben und die Karte machte keine Probleme.

Aber wir hatten eine ernstzunehmende Auseinandersetzung, die darin endete, dass ich ihm vorwarf, nicht das richtige zu sagen und er mich fragte, ob er lügen solle, wenn es nun mal seine meine Meinung und aus seiner Sicht die einzig logische Erklärung wäre? Nein, das wolle ich auch nicht. Ich war wirklich maulig. So maulig, dass ich darüber hinaus beinahe vergessen habe, dass ich etwas großartiges gerade getan hatte. An seinem Rechner. Ich hatte unseren ersten Urlaub gebucht. Ein Grund sich zu freuen und nicht um sich zu streiten.

Ich fühle mich in solchen Situationen immer hilflos. Ich weiß dann auch nicht, wie ich aus diesen Situationen wieder rauskommen soll.

Vielleicht liegt es generell an meiner momentanen Unsicherheit. Ich bin auf Jobsuche. Dafür brauche ich all meine Kraft, weil es mich wirklich anstrengt. Wirklich. Dieser Teil saugt mir gerade alles an Energie und Kraft auf. Er bringt mich dazu in meinen Grundfesten zu wanken. Wobei ich natürlich auch ein bisschen anfange Kraft daraus zu schöpfen. Wenn man anderen immer sagen muss, wie toll man eigentlich ist, dann glaubt man es selbst eben irgendwann auch. Beruflich steigt also mein Selbstwertgefühl, während es privat sinkt.

Ich kämpfe immer mehr mit dem Hüftgold. Ich kann mich im Moment überhaupt nicht maßregeln. Ich esse und esse und esse. Und ich fühle mich immer schlechter deswegen. Aber ich kann es überhaupt nicht stoppen. Zu sehr habe ich das Gefühl dass ich es brauche. Ich weiß, dass Nahrung oft eine Ersatzbefriedigung ist. Ich weiß, dass ich oft Traurigkeit mit Essen kompensiere. Und wenn ich genau nachdenke, bin ich irgendwie unglücklich.

Aber warum?

Ich habe doch alles, oder nicht? Ne tolle Beziehung, ein Dach über dem Kopf...Ich sollte glücklich sein. Aber warum bin ich es nicht? Stelle ich mir da selbst ein Bein? Erlaube ich es mir nicht glücklich zu sein? Verdiene ich es vielleicht nicht?

Dabei weiß ich auch, dass ich mit dem vielen Essen meine Beziehung gefährde. Der Pferdeflüsterer ist mit mir zusammen, eben weil ich stark bin. Eben weil ich das tue, was ich mir in Kopf setze. Und in seinen Augen zeigt es Schwäche, wenn ich es nicht schaffe abzunehmen.

Ich fand diese Erkenntnis auch nicht witzig. Zeigt es doch, auf welche Fundamente unsere Beziehung gebaut zu sein scheint. Als ich es ansprach, was so eine Äußerung in mir auslöst, hat er es abgeschwächt. Nein... er wolle sich nicht wegen so was trennen. Nein, er verliert nicht den Respekt vor mir. Dazu liebt er mich zu sehr. Ja.. ich ihn auch. Doch. Das tue ich. Ich will nicht, dass er aufhört Teil meines Lebens zu sein. Aber soll ich deswegen - wegen ihm - abnehmen? Ne... auf keinen Fall. Wenn, dann tue ich es, weil ich es für mich will.

Und das will ich doch, oder? Ich will doch wieder schlanker sein. Ich will wieder in alle meine schönen Sachen reinpassen. Ich will mich wieder total sexy fühlen. Ja, doch das will ich.

Aber ich tue es nicht. Ich bin lieber selbstdestruktiv. Ich esse und fühle mich hinterher Scheiße. Weil ich schon wieder schwach war. Weil ich schon wieder nachgegeben habe.

Aber vielleicht esse ich auch, weil ich nicht erkennen will, dass ich trotzdem, obwohl ich eine super Beziehung führe, selbst für mein Glück verantwortlich bin. Dass er nichts sagen kann, damit ich mich besser fühle, wenn ich gerade down bin. Dass ich meinen eigenen Weg finden muss, wie ich selbst stark sein kann ohne die Verantwortung dafür auf den anderen abzuwälzen. Dass eine Beziehung eben kein Heilrezept für ein grundsätzliches psychisches Problem ist. Dass ich eben auch weiterhin Verantwortung trage. Für mein Glück bin eben nur ich verantwortlich.

Aber verdammt, wie macht man das eigentlich? Wie hört man auf die Verantwortung für das eigene Glück auf den Partner abzuwälzen? Wie hört man auf, darauf zu hoffen, dass man vom anderen gerettet wird? Darauf zu hoffen, dass der andere etwas sagt oder tut, dass man sich besser fühlt?

Ich weiß es nicht. Und es verwirrt mich. Und mich macht der Gedanke irgendwie traurig. Und ratlos. Und hilflos. Und schon wieder will ich eigentlich eher mein Gehirn mit Endorphinen aus Schokolade füttern, statt mich damit auseinander zu setzen und für echte lang anhaltende Endorphine zu sorgen.

11.08.2010 um 12:01 Uhr

Bewerbungen schreiben ist blöd!

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Pferdefüsterer, Nitida

Stimmung: geht so...

Ja... ich habe tatsächlich angefangen mehr Energie von anderen Projekten abzuziehen und meine berufliche Situation in Angriff zu nehmen. Ja... ich schreibe Bewerbungen. Und ja, ich habe meine Steuererklärung fertig gemacht und meine Finanzen geordnet etc... Es hat also doch etwas gebracht sich mal diese Gedanken letzte Woche zu machen.

Aber es frustriert mich trotzdem. Ich will ja eine Veränderung. Und nun muss ich mich durch die Flut von Stellenangeboten durchkämpfen. Klar gibt es in meinem Bereich viel, das angeboten wird, aber nicht alles ist passend. Ich habe nicht für jede Stelle die richtige Vorerfahrung und ich will auch nicht jede Stelle machen. Ich habe z.B. überhaupt keine Lust Marketing für Lebensmittel zu machen. Ich will auch gern hier in der Nähe bleiben. Und ich will keine schlecht bezahlte HiMi-Stelle haben. Das macht es doch irgendwie nicht leicht.

Und weil sich dann doch einige wenige Stellen finden lassen, für die ich perfekt wäre und zu denen ich auch Bock hätte, will ich dafür dann auch ne gute Bewerbung schreiben. Also dann jedes Mal wieder übern Anschreiben brüten und sich aus den Fingern saugen, dass man so super toll ist und genau das ist, was sie suchen.

Ich hasse das.

Und es dauert lange. Mehr als zwei Bewerbungen in der Woche sind ohnehin nicht drin, aber dann kann man sich wenigstens die Vielversprechenden raussuchen.

Ich habe auch ein bisschen Angst davor, dass es so läuft, wie nach dem Studium. Da hatte ich auch Schwierigkeiten. Aber das lag auch daran, dass ich für die Jobs, die ich machen wollte, die falschen Praktika hatte und da wo die Praktika passten die falschen Schwerpunkte im Studium. Das hatte ich damals nicht wirklich gut überlegt.

Diesmal sollte es besser funktionieren. Aber man weiß es eben einfach nicht. Das erfährt man eigentlich auch nie. Man legt seine ganze Seele in so ein blödes Papier und dann kriegt man ne Absage, bevor man überhaupt zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. Der Markt ist eben verdammt groß. Nicht nur, dass es viele Stellen gibt, es gibt auch viele (auch sehr gute) Mitbewerber. Alle mit Traum Lebensläufen, Einser-Abschlüssen, etc...

Vielleicht sollte ich mal anders ran gehen und überlegen mit welchen Argumenten die anderen kommen und was ich dagegen halten kann.

Aber ich brauch überhaupt noch nicht den Mut verlieren, bis jetzt hat erst ein Unternehmen eine Absage geschickt. Und die anderen sind eben von letzter Woche. Das heißt gar nichts. Manche Unternehmen sammeln auch erstmal und laden dann gebündelt zu Gesprächen ein.

Nitida hat da letztes Mal auch noch was zu gesagt. Sie meint, dass ich mir keine Sorgen muss, weil es doch immer gut ausginge. Dass ich es schon öfter geschafft hätte, aus einer Auswegslosen Lage herauszukommen. Sie hätte es auch schon selbst miterlebt. Sie glaubt, dass ich noch bis zum Ende des Jahres, entweder einen neuen Job habe oder ne andere Möglichkeit gefunden habe meine Firma zu finanzieren.

Und sie hat Recht. Irgendwie läuft mein Leben in ca. 2-Jahres-Rhythmen ab. Ich habe ungefähr alle zwei Jahre mal so ein richtiges Tief. Entweder ist es beruflich oder privat. Es ist sowieso selten, dass es beides gut läuft.

Es braucht ca. ein bis eineinhalb Jahren, bis ich feststelle, dass ich mit der Situation, so wie sie ist unzufrieden, bin. Entweder weil der Job stagniert oder die Beziehung doof läuft oder so. Die letzten Jahre war es der Job. Dann braucht es noch ein viertel Jahr, in dem mich selbst bemitleide und total durchhänge. Ich weiß dann schon die Lösung, aber ich kann mich noch nicht richtig bewegen.

Aber dann gibt es den ausschlaggebenden Punkt an dem ich richtig aktiv werde. Auslöser kann alles mögliche sein. Wenn dieser Punkt da ist, fängt es an irgendwie aufwärts zu gehen. Irgendwie passt dann alles zusammen. Irgendwie passieren dann irgendwelche tollen Dinge. Jobangebot oder Finanzmöglichkeiten tun sich auf.

Dann dauert es noch ein viertel Jahr, bis das Ergebnis da ist. Die tolle, meist weitreichende Veränderung!

Das Problem dabei ist, dass es oft wirklich ne weitreichende Veränderung ist. Quasi wie ein Neuanfang. Es gibt Freundschaften, die dann einfach aufhören, Orte, die wechseln, Umzüge, verändertes Aussehen... Diese Veränderung hat, obwohl es eigentlich nur ein neuer Job war, auf mein ganzes Leben einen Einfluss. Das ist nicht immer schlecht. Eigentlich waren diese gefühlten Neuanfänge eigentlich gut. Oftmals sind diese Veränderungen auch ein Prozess und passieren nicht von einem Tag auf den anderen.

Es gibt schon Menschen, die mich durch viele dieser Krisen begleitet haben und zu denen ich immer noch Kontakt habe. Ich habe z.B. noch ne Freundin aus der Schulzeit. Aber manche haben nur zwei Zyklen mitgelaufen und andere drei oder sie haben es nicht über die erste geschafft. Das waren dann auch nicht immer irgendwelche besonderen Brüche, sondern es passierte einfach.

Tja.. und das ist irgendwie ne blöde Zeit, um ne Beziehung zu starten. Weil ich eben gerade in dieser Umbruchphase bin. Ich will eigentlich nicht, dass das mit dem Pferdeflüsterer und mir auch so passiert. Ich will nicht, dass er wegen irgendetwas einfach wegrationiert wird, weil ich mich völlig verändere. Ich weiß ja im Vorfeld nicht, wie die Veränderung aussieht.

Bei meinem letzen Freund war es so, dass ich ca. ein Vierteljahr nachdem ich den Job angefangen habe, mich getrennt habe, weil es eben einfach nicht mehr gepasst hat. Gut.. er hat noch studiert und wir stellten fest, dass wir unterschiedliche Ziele im Leben hatten...

Ich bin sowieso gerade in einer kritischen Beziehungsphase. Es sind jetzt gute zwei Monate, die wir zusammen sind. Das ist immer die Phase, in der ich schon viele Beziehungen abgebrochen habe, weil ich erkannte habe, dass es irgendwie keinen Sinn macht. Das wir uns nun häufiger mal anzicken hilft nicht viel.

Im Moment nervt mich weniger sein Job, sondern mehr die Tatsache, dass er manchmal so ewig rumbummelt und wir vorgenommene Dinge nicht in meiner favorisierten Geschwindigkeit schaffen, er selten die Aufmerksamkeit mal bei dem Gegenüber lassen kann, sondern einen Satz anfängt mit „bei MIR ist das anders..." oder „ICH hab das Problem nicht..." *setzte genaue Beschreibung seiner Situation ein*, wobei er dann auch völlig vom Thema abkommt und ständig haufenweise Details liefert, die gerade unpassend sind.

Dafür gibt es bestimmt auch ne Lösung. Ich habe ja schon angefangen die detailreichen Ausführungen (leider noch unsanft) zu unterbrechen und ihn mit der Aufmerksamkeit wieder auf das Thema zurückzulenken. Mit der Bummelei kann ich auch umgehen lernen. Wir schaffen es ja. Aber eben nicht in meiner Geschwindigkeit. Es ist sowieso manchmal schwer mit meinem Thempo mitzuhalten. Es ist ja auch noch der Anfang der Beziehung. Da muss man sich eben auf den anderen einstellen lernen. Das kann auch gar nicht vom ersten Moment funktionieren. Solche Dinge brauchen Zeit und Geduld.

Klar, logisch... deswegen ist es auch gut, wenn man eben nicht sofort zusammenzieht, sondern für solche „nervigen" Dinge erstmal ne Lösung findet. Außerdem ist er ja auch nach wie vor sehr motiviert und so ein wundervoller Freund. Wir sind auch gut darin, diese Dinge anzusprechen und ne Lösung zu finden. Wir finden auch immer wieder zusammen und die Zeit ist unglaublich schön.

Aber es ist trotzdem nicht gut in meiner momentanen Lebenssituation genervt zu sein. Ich tendiere dann dazu vorschnelle Entscheidungen zu treffen. Eben zu schnell die Geduld zu verlieren.

Vielleicht reicht es ja schon, sich dessen bewusst zu sein und eben besonders über die Entscheidungen nachzudenken und aus welcher Motivation sie gerade heraus kommen.

03.08.2010 um 16:25 Uhr

Wii-so hab ich das nicht vorher gemacht?

Stimmung: siegreich

Am Wochenende habe ich das erste Mal ausgiebig eine Wii in den Händen gehalten. Ok... nicht ganz das erste Mal. Ich habe schon mal auf irgendeinem Event zwei Löcher Golf gespielt.

Selbstverständlich hat mein Technik verliebter Freund so was. Der hat doch irgendwie alles. (wir erinnern uns, sogar digitale Bügeleisen...)

Ich hatte also das Ding in der Hand und er starte Bow-ling. Das ist ein Spiel, was ich in der Realität total ätzend finde. Ich finde die Kugeln zu schwer, die Löcher zu groß, treffen tu ich auch nichts und nach spätestens 5 Würfen tut mein Handgelenk weh... (das Problem hab ich auch beim Fahrradfahren - deswegen mach ich das auch nicht)

Also mit Bow-ling macht man mir eigentlich keine Freude. Aber in diesem Fall machte es tatsächlich ein bisschen Spaß, weil ich das Prinzip doch ziemlich schnell raus hatte. Ich gewann 2 Spiele und dann kamen meine Handgelenkprobleme.

Als nächstes kam Tisch-tennis. Auch etwas, dass ich eigentlich überhaupt nicht kann, aber diesmal hatte ich wirklich keine Chance. Und so richtig wurde ich auch nicht warm damit.

Beim Kanu-fahren war es eher ausgewogen. Aber da merkte ich das erste Mal, dass bei der Wii ganzer Körpereinsatz gefragt ist. Und vor allem, das ganzer Körpereinsatz auch wirklich anstrengend sein kann.

Den meisten Spaß hatten wir beide beim Wake-boarden. Das haben wir mittlerweile fast bis zum Exzess gespielt. Es war super. Allerdings taten mir dann irgendwann von der Bewegung nach oben die Muskeln in der Schulter weh.

Schwert-kampf war super. Da kam es mehr auf Reaktionsschnelligkeit als auf Technik an. Das ist mein Ding. Das hat meine Freundin früher immer schon bewundert, dass ich so schnelle Reaktionen habe. Ich fange auch oft fallende Dinge auf, bevor sie zerbrechen. Aber es war total anstrengend. Wir waren hinterher beide total fertig und völlig aus der Puste.

Also beendeten wir den Sportabend mit einer Party Fris-bee. Da hatte ich anscheinend auch das Prinzip schnell raus und so lag ich da meist vorne.

Es war so lustig. Wir haben beide unglaublich viel gelacht, uns angestachelt und uns prächtig amüsiert. Ich war auch völlig fertig. Wie kann man nur vom Computerspielen so kaputt sein. Das war ich früher nie... Ich hatte sogar am nächsten Tag Muskelkater.

Der Pferdeflüsterer war total erstaunt, dass es so gut für mich lief, weil er dachte, er könnte mich mal in Grund und Boden spielen und er hätte einen leichten Gegner. Pustekuchen.

Aber ich hatte ihm auch nicht gesagt, dass wir damals bei meinem früheren Arbeitgeber eine vergleichbare tragbare Technologie an die Industrie für die Wartung von schwerzugänglichen Maschinen verkaufen wollten und dass ich die einzige war, die Armbänder und Handschuhe auf Messen vernünftig präsentieren konnte. Unsere Techniker sind auch damals, als die Wii rauskam, die ersten gewesen, die in einen Store liefen, um sie zu kaufen und zu zerlegen. Auch wenn es vorher nie die Wii war, die Technik kannte ich. Tütülü...

Ach... wenn man keine Geheimnisse mehr hat und den anderen nicht mehr überraschen kann ist es doch auch langweilig.

02.08.2010 um 13:13 Uhr

Auf der Suche nach dem Sündenbock

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Pferdeflüsterer

Stimmung: Aufbruch

Ich konnte letzte Nacht nicht schlafen, also hatte ich viel Zeit nachzudenken. Ich habe über meine momentane Situation nachgedacht. Beruflich und finanziell und wie das alles mit meiner Selbstständigkeit und meinem Freund zusammenpasst.

Ich wundere mich ein wenig, warum ich mittlerweile vor einem kleinen finanziellen Scherbenhaufen stehe und wie es so weit kommen konnte. Klar ist, dass mich die halbe Stelle überhaupt nicht weiter gebracht hat. Sie ist eher wie ein schwarzes Loch, das alles aufsaugt. Besonders die Energie, mich weiter um meine Firma zu kümmern. Im Grunde ist dort seitdem ich die Stelle habe, überhaupt nichts mehr passiert. Keine Kraft und keine Energie mehr dafür übrig.

Aber weil ich da nicht wirklich viel Geld bekomme, gerade genug um zu überleben, wird dadurch der finanzielle Berg nicht kleiner. Alle wollen irgendwas von mir haben. Krankenkasse, Firmenhaftpflicht, ich brauche neue Reifen, Bremsen...etc....Oftmals auch nur Kleinigkeiten, die sich astronomisch aufsummieren... Keine Sorge, ich kann noch meine Miete zahlen, also kann es so schlimm nicht sein. Aber es fühlt sich total doof an. Klar, könnte ich meine Eltern fragen. Besonders, weil ich mit dem Pferdeflüsterer in den Urlaub fahren will. Sie haben mir ja schon Unterstützung zugesichert.

Aber wenn ich die annehme, hilft es eigentlich nur im ersten Moment. Das Geld, was ich im Monat verdiene reicht nicht, um das Leben zu genießen. Eigentlich führt es nur zu mehr Sorgen. Und die würden nicht weggehen, wenn ich ein Loch stopfe. Nächsten Monat wäre ein neues da. Es geht um eine nachhaltige Lösung!

Klar scheint der Ausweg einfach: Entweder suche ich mir einen 400€ Job (Zeit hätte ich ja noch), einen neuen richtigen Job (40h und anständig bezahlt) oder ich stecke Energie in meine Selbstständigkeit rein.

Aber da kommen wir nun zu meinem Dilemma: Anstatt nun wenigstens in einer Richtung aktiv zu werden, wenn schon nicht in allen drei, tue ich gar nichts. Nichts. Ich schreibe keine Bewerbungen (jedenfalls nicht ernsthaft), ich habe gerade mal an einer Stelle wegen einem 400€ Job nachgefragt und bei meiner Firma liegen haufenweise Ideen, wie man das Geschäft ankurbeln könnte, brach rum (hauptsächlich weil ich finanziell einfach überhaupt nicht beweglich bin, um sie umzusetzen).

Ich stehe also da und sehe förmlich dabei zu, wie der Berg immer größer und immer unbezwingbarer wird. Und die Angst, sich dem zu stellen wächst stetig. Sie lähmt mich und macht mich machtlos.

Im Grunde gefällt mir nämlich an meiner Situation ein wesentlicher Faktor: Die Tatsache, dass ich nur eine drei-Tage-Woche habe. Es gefällt mir quasi zwei Tage Zeit zu haben um mich meinen anderen Projekten zu widmen, auch wenn ich da gerade nicht vorwärts komme.

Ich genieße es, sehr VIEL Zeit mit dem Pferdeflüsterer verbringen zu können. Ich finde es super Mittwoch Abend oder im Laufe des Donnerstags zu ihm zu fahren und bis Montag zu bleiben - und jetzt kommt der Witz an der Sache - obwohl er arbeitet. Ich genieße es Zeit für meine Freunde zu haben, obwohl ich das teilweise schon ein wenig habe schleifen lassen.

Das ist alles ist aber ein Luxus, den ich mir langsam nicht mehr leisten kann. Es macht natürlich mehr Spaß, wenn man Geld für Essen gehen oder Kino oder zum shoppen oder den Sprit für Besuche locker hat. Und wenn man keine anderen Sorgen in der Hinterhand hat.

Und dann hat ausgerechnet Unheilig mir die Augen geöffnet. Diese eine Zeile „wir sind geboren um zu leben"!

Das tue ich doch, oder? Ich lebe! Ich genieße meine Zeit!

Aber eigentlich stimmt es nicht. Ich kann meine Zeit nicht genießen, weil es eigentlich nur eine Flucht ist. Ich flüchte vor meinen Sorgen in mein privates Leben. Ich schiebe die Schuld an meinem Problem von der halben Stelle zum unüberwindbaren Finanzberg zur verdorrten Firmenidee. Ich suche einen Sündenbock und drehe mich dabei im Kreis. Ich verwirkliche mich nicht selbst. Ich lebe gar nicht für mich. Ich lebe für meine sozialen Kontakte und vor allem - ich muss es leider zugeben - für den Pferdeflüsterer.

Ich tu es schon wieder. Ich fange an mein Leben auf eine Beziehung auszurichten. Mich selbst zurück zu nehmen. Und - es geht mir nicht gut dabei.

Ihn trifft keine Schuld. Es ist ja meine Entscheidung. Und eigentlich leidet er da eher mit.

Es ging mir immer gut, wenn ich etwas erreicht habe. Wenn ich mich erfolgreich gefühlt habe. Wenn ich wusste wo mein Platz ist. Dieser Platz ist nicht das Hausmütterchen an der Seite eines Mannes zu sein (was der Pferdeflüsterer nicht mal im Ansatz haben wollte). Das war es nie und dafür habe ich nicht studiert.

Außerdem sind Dinge, die mir gut tun, auch für meine Beziehung gut! Es ist also auch für meine Beziehung wichtig, dass ich etwas ändere. Nicht nur wegen des Geldes, sondern damit ich wirklich ernsthaft langfristig glücklich sein kann.

Aber wie könnte eine Lösung aussehen? Im Grunde habe ich es oben schon beschrieben.

Klar ist, dass ich unbedingt das schwarze Loch „halbe Stelle" los werden muss. Und das dringend. Also ist die 400€-Stellen-Alternative wenn überhaupt nur eine nur eine Notlösung. Eine Übergangsgeschichte. Um Löcher zu stopfen und wieder finanziell beweglicher zu werden. (Ich sollte mal beim Arbeitsam nachfragen, was passieren würde, wenn ich arbeitslos werden würde. Nur um zu wissen, wie die Optionen aussehen. Und ob ich dafür meine Selbstständigkeit aufgeben müsste.)

Die zweite Möglichkeit wäre, wieder mehr Drive in meine Selbstständigkeit reinzukriegen. Ich würde dann zwar mehr arbeiten müssen, aber ich würde mir einen gewissen Rahmen Flexibilität erhalten können. Z.B. mal einen Tag später anzufangen oder eben von zu Hause aus zu arbeiten. Ich könnte kreativ sein und wäre weiterhin mein eigener Herr. Ich müsste nur mir selbst, und eben auch dem Pferdeflüsterer, öfter mal sagen, dass ich nicht kann, weil ich arbeiten muss. Diese Möglichkeit würde mir schon gefallen, aber da muss ich ernsthaft über eine Finanzierung nachdenken. Außerdem ist mein Turbodrive gerade eher auf Schneckenantrieb gesunken. Ich weiß ehrlich nicht, ob ich das packe. Aber diese vielen Ideen, die auf Umsetzung warten und habe so Bock auf Coaching (auch wenn ich nicht weiß, wie ich die Kurse bezahlen soll)...

Die dritte Möglichkeit ist, mir einen regulären Job zu suchen. Allerdings besteht dort auch immer das Problem, dass die Jobs, die mir langfristig Spaß machen würden, keine wirklichen nine to five Jobs sind. Ich würde da vermutlich auch mehr arbeiten, was zu weniger Zeit mit dem Pferdeflüsterer führen würde. Andererseits wäre es eine sicherere Geschichte, um mal über Familienplanung nachzudenken. Ich kann ja später noch mal einen weiteren Versuch mit der Selbstständigkeit machen. Aber dann unter anderen Vorraussetzungen: bessere Vorbereitung, ausgereiftes Konzept, vorbereitete Kontakte, etwas dickere Kapitaldecke... (Natürlich würde ich mich so auch ein wenig anpassen, aber es wäre aus verschiedenen Gründen - auch ohne den Pferdeflüsterer - eine clevere Idee.)

Dem Pferdeflüsterer war das alles die ganze Zeit viel klarerer als mir. Er wusste, dass es nur vorübergehend diesen Luxus mit der vielen Zeit geben kann. Er hat sich auch schon darauf eingestellt, dass es wohl auch Zeiten geben wird wo ich eher eine 60h Woche als eine 40h Woche haben werde. Ich glaube er würde es auch gern sehen, wenn ich da mein Ding finden würde, nicht weil er mich dann seltener sieht, sondern weil er weiß, dass es mir damit gut gehen würde. Er weiß scheinbar auch, dass es gut für unsere Beziehung wäre. Er glaubt auch an mich, dass ich das auch schaffe, egal für welchen Weg ich mich entscheide. Und er steht hinter mir. Er ist und bleibt eben der weltbeste Freund.

Also sollte ich auch wieder anfangen an mich zu glauben. Ich sollte wieder anfangen Dinge zu tun, die für mich gut sind. Es anpacken. Schließlich gehen Probleme leider nicht weg, wenn man sie ignoriert. Zu dumm auch. Nein. Im Gegenteil, sie werden immer schlimmer.

Es ist Zeit aus dem Kreis auszubrechen.