Das Leben der jungen J

30.06.2011 um 15:57 Uhr

Abschied

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: melancholisch

Am Montag Abend hat meine Tante angerufen, dass meine Oma im sterben liegt. Im ersten Moment dachte ich, dass dies ja nichts neues wäre, schließlich ist sie im Grunde seit 50 Jahren ständig krank und oft auch so, dass wir schon gedacht haben, dass sie sich diesmal nicht mehr berappelt. Diesmal schien es aber anders. Sie wollte die letzten Tage nichts mehr essen, weil ihr im Bauch alles weh getan hatte. Im Krankenhaus sollte sie eigentlich operiert werden, weil die Ärzte nicht genau bestimmen konnten, was es denn ist. Die OP sollte Klarheit schaffen. Doch schon bei den Vorbereitungen verschlechterte sich der Zustand so rapide, dass es keinen Sinn mehr machte. Also bekam sie nur eine Morphin-Infusion, damit sie wenigstens die Schmerzen nicht spürte.

Wie gesagt, dass es schlimm um meine Oma stand, war nichts neues, aber diesmal schien es wirklich ernst zu sein. Diesmal überkam mich auch ständig Traurigkeit und ich musste mit den Tränen kämpfen.

Die Situation war nicht einfach. Ich wohne 160km weit weg, meine Mutter war im Urlaub und meine Tante mit der Situation ein wenig überfordert. Meine Mutter ist die Starke, die die immer alles im Griff hat, die weiß wie man mit so einer Situation umgehen soll. Meine Tante ist im Grunde genauso kränklich und schwächlich wie meine Oma. Also machte ich mich Dienstag auf den Weg nach Hause, um mich einerseits von meiner Oma zu verabschieden und andererseits um meiner Tante den Rücken zu stärken.

Schon auf der Autobahn merkte ich, dass Autofahren keine wirklich gute Idee ist. Ich war abgelenkt. Nicht bei der Sache. Also hab ich beim Pferdeflüsterer angehalten und ihn gefragt, ob er mich fahren kann, was er dann auch gemacht hat. Er ist eben ein wundervoller Freund.

Meine Oma war nicht mehr die, die ich kannte. Auch wenn sie in den letzten Jahren geistig nicht mehr so fit war, sich nicht immer alles merken konnte, hat sie einen doch registriert und reagiert. Jetzt sah sie eher aus, als wäre sie im Wachkoma. Sie hat die Decke angestarrt und hin und wieder schwer geatmet. Sie hat sich auch anders angefühlt. Ihre Hand war nicht kalt und faltig und trocken, wie sonst, sondern heiß und glatt. Irgendwie aufgedunsen. Komisch. Aber nicht so typisch alt oder fiebrig. Es fühlte sich nicht mal sterbend an. Kein Ahnung.

Der Pferdeflüsterer war übrigens sehr tapfer. Ich hatte ihm gesagt, dass er auch gern draußen warten könnte. Ich hätte es ihm keineswegs übel genommen. Schließlich hat er meine Oma zweimal gesehen. Und einem sterbenden Menschen gegenüber zu stehen ist nicht einfach. Selbst wenn man keinen Bezug hat. Aber er kam mit rein und stand dann die ganze Zeit an meiner Seite. Meine Tante war noch da und eine Cousine meiner Oma.

Wir blieben nicht lange. Vielleicht eine halbe Stunde. Als wir gehen wollten reagierte meine Oma tatsächlich auch ein bisschen. Sie murmelte etwas unverständliches und alle verabschiedeten sich, als wäre es das letzte Mal, dass wir sie sehen würden.

Draußen liefen uns allen die Tränen die Wangen runter. Meinte Tante meinte später noch, dass sie ja nicht einfach Tschüß sagen kann, schließlich könnte es das letzte Mal sein. Und deswegen hat sich sich schon mehrfach so intensiv verabschiedet. Meine Mutter tat dies am Telefon, schließlich kam sie erst heute aus dem Urlaub zurück. Nachdem Krankenhausbesuch fuhren wir noch zu meiner Tante. Ich glaube sie brauchte da die Gesellschaft. Schließlich ist ihr Mann nicht gerade die Verkörperung des Einfühlungsvermögens.

Gestern ist sie dann um kurz nach neunzehn Uhr eingeschlafen. Meine Tante war bei ihr. Ich finde es schön, so war sie wenigstens nicht allein, als sie gegangen ist. Ich bin auch froh, dass es nicht mehr so lange gedauert hat.

Ich weiß nicht, für wen Abschiednehmen schwieriger ist. Für den der geht oder für den der zurückbleibt. Man wünscht sich ja, dass der andere nicht mehr lange leiden muss, weil wir alle glauben, dass genau das ganz schrecklich sein muss. Aber wir wissen ja nicht, wie es ist, wenn man sich an das Leben klammert, egal wie schrecklich es für Außenstehende zu sein scheint. Vielleicht will man den schnellen Abschied nur für sich selbst.

Ich war froh, dass der Pferdeflüsterer mir zur Seite stand. Mich in den Arm genommen hat und mich getröstet hat. Einfach für mich da war. Mir bedeutet das so unglaublich viel. Es ist so schön, jemanden gefunden zu haben, der auch in schlechten Zeiten da ist. Er ist eben wirklich der weltbeste Freund.

Tja... und nun? Ich fühle mich irgendwie leer. Ich schwanke zwischen Melancholie und nichts. Eigentlich fühle ich mich schlecht, weil ich eben nicht in Tränen ausbreche. Ich habe keine wundervollen Kindheitserinnerungen an sie. Sie hat mir keine wirklichen Lebensweißheiten vermittelt oder gute Ratschläge gegeben. Im Grunde habe ich gar keine Erinnerungen an sie, außer dem Gefühl, dass sie mich nie verstanden hat. Sie war halt irgendwie da und man musste Sonntags zum Kaffeetrinken dorthin, aber dann musste ich brav sein und auf meine Cousinen aufpassen. Ich war ja schließlich die Große. Und trotzdem habe ich immer die gleichen Geschenke bekommen, wie meine Cousinen, die 4 und 5 Jahre jünger waren als ich.

Als ich älter wurde, stand ich unfreiwillig zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite meine Mutter, die sich ständig über meine Oma aufregte (wegen den Männern, dem Haus, weil sie log, ne Therapie nötig hätte oder wieder irgendwas dummes getan hatte) und auf der anderen Seite meine Oma, die irgendwie wehrlos nicht gegen meine Mutter ankam. Es gab sogar 2 Jahre in denen die beiden gar nicht miteinander gesprochen haben, was mein Verhältnis zu ihr auch nicht gerade verbesserte. Im Grunde habe ich die schlechte Meinung meiner Mutter ohne zu hinterfragen übernommen.

Sie war halt nicht meine Lieblingsoma. Sie war überhaupt nicht so wie, ich mir eine Oma vorgestellt habe. Sie war einsam, unglücklich, wehleidig, ständig krank und ständig im Krankenhaus. Wegen den Nieren, der Diabetes, wegen Schlaganfällen und Bypässen. Ansonsten war sie immer so was wie ein schlechtes Vorbild. Immer wenn ich mal wieder von einem Mann getrennt hatte, kam von meiner Mutter „Du bist wie deine Oma, die konnte auch nie einen Mann halten!" „Du bist wie deine Oma!" kam ohnehin öfter, beispielsweise wenn ich sie angelogen habe. Aber ich bin nicht wie sie. Ich bin gesund und glücklich.

Das einzige, was Oma wirklich gut konnte, war backen. Es gab wundervolle Schokocreme, andere Cremtorten und wundervolle Kuchen. Und früher als sie noch die Hände richtig benutzen konnte, hat sie mir häkeln und stricken beigebracht.

Jetzt finde ich es schade, dass ich ihr keine Chance gegeben habe. Aber damals war ich selbst noch nicht so weit und dann war sie nicht mehr geistig fit genug. Andererseits muss man Menschen nicht deswegen mögen, bloß weil man vom gleichen Blut abstammt.

Trotzdem nimmt mich der Tod irgendwie mit. Ich bin froh über jede Ablenkungen wie Freunde oder Arbeit, weil das Leben eben doch weiter geht. Aber leider geht der Tag nicht um. Ich habe heute verzichtet schwarz zu tragen, weil ich eben nicht von jedem darauf angesprochen werden will. Ich will es auch nicht jedem erzählen. Ich will auch diese total alberne Floskel „Mein Beileid" nicht hören. Im Grunde wissen die andern doch gar nicht was sie sagen sollen und das sagt man dann eben so. Ein ehrlich gemeintes „Tut mir echt leid!" ist mir tausend mal lieber.

Und immer wieder schleicht sich die Melancholie ein. Im Grunde kenne ich das schon von dem Tod meiner anderen Oma (die zu der ich ein ganz anderes Verhältnis hatte). Irgendwie trauere ich eben so. Ich bin traurig, aber ich weine recht wenig. Da gehen mir Trennungen von Partner weitaus näher, weil ich mir da selbst Vorwürfe mache (Hättest du mal dies gemacht oder jenes) und mich dann selbst bemittleide. Ein Tod ist eben der Lauf der Dinge. Wir gehen eben alle irgendwann mal. Und egal an welche Form von Leben nach dem Tod man glaubt, ich bin davon überzeugt, dass es nicht schlimm ist.

Ich glaube, dass es ihr nun gut geht. Vielleicht das erste Mal seit 50 Jahren. Und vielleicht schafft sie es ja auch im nächsten Leben glücklich zu bleiben.

 

24.06.2011 um 13:52 Uhr

Die böse Schwiegermutter

von: VomFeuerkind   Kategorie: Das Schwiegermonster   Stichwörter: Pferdeflüsterer, Mutter

Stimmung: nachdenklich

Muss mir das zu denken geben, dass mein Partner meine Mutter für eine typische böse Schwiegermutter aus dem Märchen hält?

Ich finde es wirklich furchtbar. In meiner Wunschvorstellung nimmt meine Mutter meinen geliebten Freund wie ihren Sohn auf und wir sind ein große glückliche Familie, wo jeder jeden gern besucht und mag und überhaupt. Leider ist die Realität nicht ganz so.

In Realität ist meine Mutter ein furchtbare Ziege, die sich in alle Entscheidungen einmischt und nicht viel Herzlichkeit ausstrahlt. Manchmal. Nicht immer. Sie kann auch wirklich sehr umgänglich sein. Oder möchte sie jedenfalls. Ich glaube ihr gefällt die Rolle auch gerade nicht, die sie inne hat, aber sie kommt eben auch nicht aus ihrer Haut raus. Und ja wir streiten uns öfter. Im Moment ungefähr jedes Vierteljahr über meine Arbeit, meinen Partner, meine finanzielle Situation und mein Leben im Allgemeinen.

Wir streiten uns, weil ich eben nicht zu der Wusch- und Vorzeigetochter mit Vorzeige-Mann  und Vorzeige-Familie geworden bin, die sie sich vorgestellt hat. Sie hätte gern eine Tochter die jetzt in einem großen Unternehmen mindestens im mittleren Management arbeitet, zwei Kinder hat und irgendeinen gutsituierten Anwalt, Bänker oder Manager geheiratet hätte, in einem schönen Häuschen im Grünen wohnt um mit dem BMW zur Arbeit fährt. Dann hätte ich in ihrer Vorstellung ausgesorgt und sie müsste sich keine Sorgen mehr machen.

Aber im Grunde geht es mir gut und ich führe das Leben, was ich für mich richtig halte. Es ist nicht ganz so leicht, sich immer von den Idealen der Mutter loszusagen und den eigenen Weg zu wählen und dabei nicht aus Trotz einfach das Gegenteil zu machen. Ich habe auch keine Lust einen Partner zu haben, der wegen seines Jobs keine Zeit mehr für mich und meine Familie hat und ein spießiges Leben passt sowieso nicht zu mir. Für Kinder fühle ich mich ohnehin noch nicht reif und in großen Unternehmen kann man niemals so viele Freiheiten wie in diesem kleinen.

Ok... ein bisschen mehr Geld wäre schon schön. Aber meine Arbeit macht mir Spaß und der Pferdeflüsterer ist ein wirklich toller Freund. Das sehe ich immer dann, wenn mir andere von ihren Partnern erzählen.

Trotzdem fände ich es schöner, wenn er meine Mutter nicht komplett verteufeln würde. Ihr eine Chance geben würde. Nur weil ich mich immer beschwere, mich öfter streite heißt es nicht, dass er in dem Punkt solidarisch sein muss. Aber nein... nach der Geburtstagsfeier bei meinem Papi ist sie wohl scheinbar komplett unten durch. Da hat sie nämlich versucht ihn abzufüllen. Nicht dass ich ihn nicht gewarnt hätte und ihm nicht gesagt hätte, dass es bei unseren Feiern dazu gehört. Aber er wollte ja nicht hören.

Zuerst fand ich es total blöd, dass er versucht hat, sich durchzuschummeln. Dann dachte ich aber, dass es doch nicht schlecht ist, wenn mein Partner weiß wann bei ihm mit Alkohol Schluss ist. Weil meine Mutter (wieder mal) ein „Nein" nicht gelten ließ und er sie nicht verletzen wollte (wohl meinetwegen), hat er Wasser in sein Schnapsglas gefüllt. Blöd ist nur, dass er aufgeflogen ist.

Tja.. und jetzt wirft mir der eine Teil vor, dass es doch total albern ist, sich durchzumogeln und der andere dass es doch total bescheuert ist, sich derart betrinken zu müssen. Was soll man da machen? 

17.06.2011 um 08:20 Uhr

„Sorry seams to be the hardest Word“

Stimmung: üerrumpelt und mies.

Vermutlich stimmt es, was der Liedsänger da behauptet, dass ein ehrlich gemeintes „Tut mir leid" wirklich schwer rauszubringen ist. Aber mindestens ebenso schwer ist „Nein".

Ich könnte mich selbst Ohrfeigen, weil ich es selbst nicht rausbekommen habe. Ich habe mich bequatschen lassen. Letzte Woche schon.

Es war Freitag und ich freute mich, weil ich nur noch ein paar Stunden hatte bevor ich in den verdienten Pfingst-Urlaub gehen würde, als mein Telefon klingelte. Meine Cheffin aus der Boutique war dran und fragte ob ich Donnerstag, Freitag und Samstag arbeiten könnte. Ich war total perplex und überrumpelt. Und anstatt „Nein" zu sagen, sagte ich total erstaunt: „Ich habe Urlaub!" und dachte das erklärt doch wohl alles.

Aber sie meinte dann bloß „Das ist ja super, dann hast du ja Zeit." Ja stimmt, die hatte ich. Naja.. nicht wirklich. Ich hatte den Urlaub eingereicht, weil ich mich ausgelaugt und gestresst fühlte. Weil ich tausend Dinge erledigen wollte und vor allem mal ein paar Tage meine Ruhe haben wollte. Vor der Arbeit und meinem Freund. Trotzdem fiel mir auf die Aussage nicht ein. Das einzige was ich rausbrachte war: „Ich kann aber nur Donnerstag und Freitag!" „Och nö... der Samstag muss auch sein... bitte... los.. komm... bitte!"

Mein ganzer Körper schrie „Nein, sag nein... du brauchst deinen Urlaub und diese Arbeit ist anstrengend...Du brauchst die Kraft für deine richtige Arbeit... Sag nein!" Aber ich bekam es nicht raus. Ich hasse es, wenn Leute betteln. Ich blieb dabei, den Samstag könnte ich nicht. Also gab sie das Telefon an diesen Berater weiter, der die ganze Zeit bei uns rumgelaufen war. Das Dumme ist, dass ich ihn wirklich gut leiden kann. Er erinnert mich immer ein wenig an Sky DuMont. Attraktiv, charismatisch, charmant mit viel Klasse. Die Sorte alter Mann, von der ich mich gerne mal um den Finger wickle. Deren Charme ich gerne erliege.

Ganz der Verkäufer fragte er mich, was ich denn Samstag tun würde. Und nein... ich hatte keine gute Antwort parat. Ich meinte, ich hätte eine Wochenendbeziehung und dachte wieder, dass wäre eine ausreichende Aussage. „Aber den haben Sie dann doch auch noch am Samstag-Abend und am Sonntag. Da ist er ja immer noch ihr Freund!" Wie ich das hasse. Verkäufer. Das ist genau der Grund, warum ich schlecht in dem Job bin. Ich kann so was nämlich nicht. Und wieder schrie mein Körper nach einem „Nein." Aber wie nimmt man ein quasi „Ja" wieder zurück?

Ich schaffte es nicht. Auch der Einwand, dass ich in meinem Urlaub nicht gewerblich arbeiten darf wurde mit „Aber sie arbeiten doch nicht gewerblich, Sie tun einem Freund einen Gefallen!" weggewischt.

Ein Teilerfolg war, dass ich mich tatsächlich nur zwei Tage verpflichtete. Ich änderte es auf Freitag und Samstag, weil ich wirklich noch einen Tag länger für mich brauchte und der mir wichtiger war, als Zeit mit meinem Freund zu verbringen.

Aber seit dem ärgere ich mich so schwarz über mich. Ein einfaches „Nein, ich will nicht!" und dann dabei bleiben, hätte es getan und ich habe es nicht rausbekommen. Aber weil ich zu einem „Ja" stehe, wenn ich es gesagt habe, stehe ich jetzt da, stelle mir in meinem Urlaub einen Wecker, um zu arbeiten. Eine Arbeit, die ich unterbezahlt und furchtbar finde. Nur weil ich nicht „Nein" sagen konnte. Ich hasse es. Und mich auch.

Seit dem gehe ich ständig dieses verdammte Telefonat durch und frage mich, was ich hätte sagen können und wie, um aus dieser Nummer rauszukommen. Und ich ärgere mich schwarz über mich. Und weil die beiden so verdammt gute Verkäufer sind, dass ich nicht dagegen angekommen bin. Das ich so miese Argumente hatte. Ich bin nicht sein verdammter Freund. Und nein.. ich schulde denen keinen Gefallen mehr. Nein, Nein, Nein! So geht das. Verdammt!

Wenigstens bessere ich so noch ein kleines bisschen die Urlaubskasse auf. Ein kleiner Lichtblick.

07.06.2011 um 14:17 Uhr

Gedanken zur Kommunikation

Stimmung: in Rage

Kaum zu fassen, aber ... heute habe ich mich mittags schon in Rage geschrieben. Ich kann es einfach nicht fassen, dass unsere Gesellschaft zu einem kommunikationsfreien Raum mutiert und es anscheinend völlig normal ist.

Das kam heute einfach schon geballt: Ich habe von einer Unterhaltung zwischen einem Mann und einer Frau gelesen, bei der er keine Lust auf Unterhaltung hatte. Aber statt das klar und deutlich zu sagen, wurde anhand von knappen Antworten und abwertenden Tonfall vermittelt, dass man kein Interesse hat. Tja.. nun schien die Frau das nicht zu verstehen, was dazu führte, dass die Unterhaltung immer krasser und gemeiner wurde und die Unterhaltung mit Beschimpfungen ihrerseits endete. Was ja schon für sich genommen schlimm genug ist. Aber dann kamen noch Kommentare dazu, die das Verhalten nicht nur ok fanden sondern noch verbales Schulterklopfen dafür verteilte. So nach dem Motto: „Hast du gut gemacht." „Der hast du es aber gezeigt!" „Selbst schuld, schließlich hat sie sich aufgedrängt!"

Wieso muss man sich überhaupt so verhalten? Hätte der Typ nicht einfach mal sagen können: „Du ich hatte einen harten Tag und möchte meine Ruhe haben!" oder „Ich habe kein Interesse!" Und wenn der andere es nicht beim ersten Mal versteht den Satz einfach so lange wiederholen bis die Info eingesunken ist? Ganz bestimmt sagen, was man will, eine Grenze ziehen und sie verteidigen? Nein so was geht in unserer Gesellschaft offensichtlich nicht. Klar sagen, was man will, ist scheinbar out. Und man bekommt dann auch noch Schulterklopfen dafür, dass man sich arschig verhält!

Es kann doch eh kaum noch einer. Ganze Ehen, Freundschaften und sonstige Beziehungen gründen sich scheinbar darauf, dass der andere die Gedanken erraten kann. „Wenn du nicht weißt, was mit mir los ist, bist du offensichtlich der Falsche!" Man wünscht sich einen Partner, der Gedanken lesen kann. Man denkt, dass dies den wahren Seelenpartner ausmacht. Aber im Grunde ist man selbst einfach nicht in der Lage ist seine Gedanken und Gefühle klar und deutlich zu formulieren und schiebt die Schuld auf den anderen. Oder man will den anderen nicht verletzten. Aber man verletzt mit abwartenden Handeln den anderen viel mehr. Und es macht beide Seiten unglücklich. Die eine weil die Wünsche logischerweise nicht erfüllt werden und die andere, weil sie den anderen nicht glücklich machen kann. Was ist also an einer direkten Aussage so verkehrt?

Ist es eine Mut-Frage? Ne Freundin meint immer, dass sie es sich nicht getraute hätte so bestimmt zu sagen, dass ich nicht möchte, dass sich andere im überfüllten Restaurant an unseren Tisch setzten und dass sie meine Konsequenz dabei bewundert. Ich glaube eher, dass es eine Frage von sich selbst wichtig nehmen ist. Wenn man sich selbst wichtig ist, sind auch die Wünsche wichtig und dann kann man auch dafür einstehen.

Oder macht man das einfach nicht? Ist es unhöflich? Das ist doch totaler Quatsch. Es kommt auf die Art und Weise an. Man kann höflich und bestimmt sein.

Nur wenn man sagt was man will, kann man das auch bekommen. Nur dann hat der andere ne Chance etwas zu verändern. Hatte der Typ nun seine Ruhe? Nö. Überhaupt nicht. So wie es sich anhörte ging die Unterhaltung doch noch etwas länger. Aber hätte er eine Chance gehabt, wenn er es deutlich gesagt hätte? Ja, vermutlich.

Ein weiteres Problem ist diese „ist doch egal" Mentalität. Und die Haltung, wenn speziell Männer über die Strenge schlagen zu sagen „Das ist eben so!" „Wenn man den Job macht, wird man halt so!" Ignoranz führt immer dazu, dass das schlechte siegt. So ist H*itler an die Macht gekommen, weil die anderen nichts gemacht haben. Weggesehen haben. Wie viele von uns sehen zu und machen nichts. Akzeptieren frauenfeindliches Verhalten am Arbeitsplatz, weil der Chef eben so ist? Weil der Mann eben so ist? Aus Angst den Job zu verlieren? Aus Angst eine Beziehung zu verlieren? Allein zu sein? Ist es nicht wichtiger für seine Überzeugungen einzustehen? Man darf doch seine Meinung äußern. Auch einem Chef gegenüber. Da muss man es nur etwas diplomatischer verpacken. Aber wer will denn mit jemanden zusammensein, der einen nicht so akzeptiert, wie man ist? Wo man seine Meinung nicht sagen darf?

Und dann die überall beliebte Ausrede: „Ich habe keine Zeit!" Das ist doch die größte Lüge dieser Zeit. Natürlich hat man Zeit. Jeder von uns hat die. 24 Stunden jeden Tag. Aber was meinen wir wirklich wenn wir sagen „Ich habe keine Zeit!"? Dass man sich dafür keine Zeit nehmen will. Das andere Dinge wichtiger sind und eine höhere Priorität haben. Dass man die 24 Stunden täglich mit etwas anderes verbringen möchte. Und wer sagt denn schon ehrlich: „Ich möchte dies oder jenes nicht machen"? Niemand. Statt dessen verkünden wir keine Zeit zu haben und verbringen sie dann auf dem Sofa vorm Fernseher. Und wie bitte kann diese Zeit dann sinnvoll genutzt sein. Welcher Sterbende wird schon auf sein Leben zurückgeblickt haben und behaupten wollen, dass er/sie hätte mehr fern sehen sollen? Oder dass er/sie dadurch einen Beitrag zur Gesellschaft geleistet hat, weil man bei einer Quiz-Show angerufen hat.

Ich nehme mich da nicht aus. Mir rutscht es auch raus, dass ich keine Zeit habe oder das mir etwas egal ist. Ich versuche daran zu arbeiten und ich komme dem jeden Tag einen Schritt näher. Aber es ist schlimm, dass es mit uns allen so weit gekommen ist. Dass wir es OK finden die Meinung nicht richtig zu sagen und verbale Schulterklopfer dafür verteilen. Ich finde hier ist die Grenze.

06.06.2011 um 12:21 Uhr

Dinge, die offensichtlich nur mir passieren!

Stimmung: wechselhaft

Die letzten Tage waren mal wieder von diesen Dingen geprägt, die in dieser geballten Form scheinbar nur mir passieren..

 

Auf dem Parkplatz vorm Supermarkt:
Es war voll und ich die anderen fuhren schon Schlangenlinien, um den nächsten freiwerdenden Parkplatz zu ergattern. Und ich sah einen, den der vor mir nicht gesehen hatte aber um vorwärts einzuparken stand der Lieferwagen auf dem Parkplatz daneben einfach zu weit vor. Ich fahre also weiter, blinke, lege den Rückwärtsgang ein und wollte gerade losfahren, als sich eine Frau so blöd hinter mich stellte, dass ich nicht losfahren konnte. Ich hupe und winke und sie setzt tatsächlich wild gestikulierend zurück. Ich denke „oh toll sie hat es kapiert" und fahre los, als ich sehe, dass sie versucht mit viel Kurbelei vorwärts in die Parklücke zu kommen. Ich denke ich kann meinen Augen nicht trauen. Das ist doch wohl der Gipfel der Dreistigkeit. Da stehe ich da blinkend und mit Rückwärtsgang und die versucht mir den Parkplatz zu klauen. Ich hupe und gestikuliere weiter. Sie checkt es offensichtlich nicht. Bis meine Rettung auftaucht und ein netter Herr die Frau darauf hinweist, dass ich wohl offensichtlich schon vorher da war. Wieder wild gestikulierend lässt sie mich einparken und fährt dann weiter ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen. Schlimm. Unfassbar.

 

Im Buchladen:
Am gleichen Tag hatte ich noch ein paar andere Kleinigkeiten zu erledigen u.a. ein Besuch in einem Sexshop. Es war wirklich nur ne Kleinigkeit. Keine große Sache. Es war nur eine kleine Augenbinde. Also nichts schlimmes. Dummerweise sagte ich ja, als sie mir noch den Katalog anboten. Und so lief ich dann mit einer doch sehr unscheinbaren schwarzen Tüte, die es NUR in Sexshops gibt durch die Gegend u.a. in den Buchladen. Taucht da auf einmal mein Arbeitskollege auf. Zuerst hat er mich gar nicht gesehen und dachte, der Kelch geht an mir vorüber. Aber nein... er sieht mich, erkennt mich, grüßt mich und ich stehe mit dieser SUPER unauffälligen Tüte darum. Mein Gott hab ich mich ertappt gefühlt. Ich hab da ja sonst wirklich kein Problem mit. Ich habe das vorher sogar genossen, mit dieser Tüte durch die Gegend zu laufen, weil dann mit Sicherheit irgendjemand darüber nachgrübelt was ich denn gekauft haben könnte. Das sind aber alles Fremde. Aber mein Arbeitskollege? Wo ich doch so darauf bedacht bin, die ganzen Sexgeschichten zu Hause zu lassen? Ich grinse und versuche so unauffällig wie möglich zu sein. Funktioniert hat es nicht. Aber mein Arbeitskollege denkt jetzt, mir wäre das Buch unangenehm gewesen, was ich gekauft habe: „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags!" Damit kann ich leben.

 

Das Konzert am Samstag:
Wir hatten ja Karten für ein Konzert am Samstag Abend. Weil der Pferdeflüsterer arbeiten musste waren wir das ganze Wochenende bei ihm. Und wir hatten auch schon ne tolle Zugverabredung. Es war also alles schon geplant.

Ich sagte ja schon, dass ich noch einiges zu erledigen hatte und so fuhr ich Freitag in die Stadt und holte dann auch gleich noch ein paar Dinge von zu Hause, die ich dort vergessen hatte. Nur die Karten vergaß ich - erneut. Glücklicherweise fiel mir das am Samstag morgen auf und so musste ich dann noch mal in die Stadt fahren.

Das war dann auch tatsächlich ne wirklich gute Idee, weil ich plötzlich Samstag Morgen unglaubliche Schmerzen hatte. Eigentlich fingen sie schon am Freitag an, aber da dachte ich, dass sie mit meinen Tagen zusammenhängen könnten. Aber Samstag war es klar, so geht das nicht und ich muss unbedingt zum Arzt. Und wie das immer so ist, wenn man einen Freund hat, ist er trotzdem nicht da, wenn man ihn braucht. Er musste ja arbeiten und wenn er aufs Konzert wollte (und das sollte er, schließlich mag er den Sänger wirklich - ich nicht unbedingt - und es sollte der eingelöste Geburtstagsgutschein sein), musste er vorher mit seinen Pferdesachen fertig werden. Ich fuhr also allein. Das war wirklich furchtbar, weil es mit diesen Schmerzen sehr unangenehm war.

Man, wat für ne doofe Ärztin. Sie begrüßte mich nicht richtig, untersuchte mich nicht, sah sich nur die Testergebnisse an, fragte mich, was mir bei Blasenentzündung hilft und blätterte dann in ihrem Almanach der Medikamente rum, um mein Medikament zu finden, an dessen Namen ich mich NATÜRLICH nicht erinnern konnte. Ich war froh, als ich da weg war. Und ja.. mir muss mal einfallen, wie ich es hinbekomme, trotz ausgefüllten Sexlebens nicht ständig Blasenentzündung zu bekommen.

An Konzert war nun nicht mehr zu denken. Ich musste alle halbe Stunde aufs Klo, hatte Schmerzen und fühlte mich mies. Also telefonierte ich den ganzen Freundeskreis ab, um noch ne Begleitung für meinen Freund zu finden, was dann auch tatsächlich noch klappte. Uns so freute sich jemand wirklich sehr darüber zu diesem Konzert zu können und der Pferdeflüsterer hatte wirklich einen schönen Abend, den er lieber mit mir verbracht hätte, aber was soll man machen.

 

Auf der Kirmes:
Glücklicherweise stellte sich schnell heraus, dass es wirklich die Tabletten waren, die ich sonst auch nahm und sie halfen recht schnell, so dass ich mich im Laufe des Sonntags besser fühlte. Noch nicht ganz fit, aber so fit, dass ich mit dem Pferdeflüsterer auf die Kirmes konnte. Ich hatte mir vorher genau überlegt, was ich dann alles essen kann und will - wegen der Diät - was auch wirklich gut funktioniert hat.

Aber das eigentlich coole war, dass der Crepe-Stand, der immer am Weihnachtsmarkt in meiner Heimatstadt ist auch dort war. Der Typ hat so eine auffällige Nase, dass man ihn einfach wieder erkennen muss. Und natürlich ist er der beste. Jetzt in echt. Nicht nur, weil ich ihn von zu Hause kenne. Der Pferdeflüsterer wollte das natürlich nicht glauben und teste so alle Crepe-Stände aus um hinterher auch zu diesem Schluss zu kommen. *grinst*

Aber das ist doch eigentlich unfassbar. Jetzt geht der seit 10 Jahren IMMER auf dieses Fest und weiß immer noch nicht wo es die besten Champions, die besten Schokofrüchte, das beste Fischbrötchen etc. gibt. Wie geht das denn? Bei uns in der großen Stadt ist es immer so unübersichtlich. Da braucht man schon ne Weile um das alles auszuprobieren. Aber dort, in dem kleinen Nest, hätte ich das nach 3 Jahren schon herausgefunden. Es sind doch immer die gleichen! Diese Sachen gibt es soo selten. Da muss man sich doch nicht mit Mittelmaß abgeben! *schüttelt den Kopf*

 

Am Abend im Bett:
Nein.. jetzt kommt keine Sexgeschichte, sondern vielleicht ein Spoiler. Ich habe angefangen die Private Practice Staffeln zu gucken. Aber da ich nicht weiß, wo die im Fernsehen gerade sind, möge mir verziehen werden, wenn ich nun einen Spoiler schreibe.

Am Morgen hatte ich die letzte Folge der zweiten Staffel gesehen. Also diese Ärztin ist schwanger und behandelt diese durchgeknallte Person, die nicht glauben will, dass ihr Baby gestorben ist. In einem Wahn denkt sie, dass diese Ärztin ihr das Baby gestohlen hat und will es wieder haben. Sie betäubt also die Ärztin bei ihr zu Hause und schneidet ihr den Bauch auf, um das Baby zu stehlen. Man bekommt noch mit, wie ein Freund fast dazugekommen wäre, es sich dann aber anders überlegt. Und die Folge endet damit, dass sie da liegt und verblutet und man nicht weiß, was mit ihr ist.

Ich finde das sooo grausam. Eine Verrückte ohne medizinische Erfahrung macht einen Kaiserschnitt und lässt den Protagonisten verbluten? Und dann endet die Staffel? In der realen Welt soll man dann also Wochen, vielleicht Monate, warten, um mitzubekommen, ob sie doch noch gerettet wurde? Wie kann man so eine Staffel enden lassen? Wie kann man so einen Protagonisten umbringen? Ich lag da und konnte nicht schlafen. Immer wieder musste ich an diese grausame Tat denken. An die arme Frau. Jaja ich weiß, es ist nur ein Film. Trotzdem. Es macht mich wahnsinnig, wenn ich nicht weiß wie es endet.

Ich bin also noch mal aufgestanden und habe mir die nächste Folge angesehen. Und diese Folge startet mit einer Beerdigung. Wie kann man denn so was machen? Und dann gibt es einen Zeitsprung zu den aktuellen Ereignissen und es gibt die unglaubliche Rettungs-OP von Mutter und Kind (was glücklicherweise auftaucht) und sie überleben beide und die Verrückte wird gefasst. Und es klärt sich in fast letzter Minute auf, dass die Beerdigung gar nicht im Heute ist, sondern in der Vergangenheit liegt und sich der eine Typ nur daran erinnert.

Zu welchen Mitteln die Schreiber greifen müssen, um Spannung zu erzeugen. Grausam. Wirklich grausam. Und das schlimme ist, dass ich angebissen habe. Verdammt.

01.06.2011 um 16:05 Uhr

graue Energie

Irgendwie ist mein Leben gerade anstrengend und kostet mich viel Kraft. Ich weiß auch gar nicht wieso. Vielleicht habe ich zu viele Baustellen. Der Job, das Messsystem, der Stress mit meiner Mutter, die Beziehung, meine Diät und noch so ein paar kleine Dinge. Eigentlich ist jedes Ding für sich genommen eher unscheinbar. Aber zusammen, scheint es mich irgendwie zu schaffen. Irgendwie scheint nur ein gewisses Maß an Energie dazu sein und das verteilt sich auf so viele Dinge, dass für die einzelnen Dinge nicht genug übrig bleibt, um es wirklich richtig durchziehen zu können.

Nehmen wir die Diät zum Beispiel. Ich will wirklich abnehmen. Wirklich. Ich habe mich sogar bei den Weight Watcher angemeldet. Aber dann sitze ich abends da und kann doch nicht der Schokolade widerstehen. Oder den Keksen im Büro. Mir fällt Sport gerade auch so unglaublich schwer. Es fühlt sich so an, als wäre ich nicht mehr so richtig bei der Sache. Ich lebe nach Plan... ja... das schon. Ich bleibe auch im Programm. Ich habe auch schon abgenommen. Am Anfang als ich noch so richtig und motiviert und mit Elan bei der Sache war, hat es auch richtig gut funktioniert. Dieses Lari-Fari führt nur bedingt nach unten. Es plätschert nur so vor sich hin. Ich nehme zwar nicht zu, was ich vermutlich würde, wenn ich gar nichts machen würde. Aber die Energie ist eben weg.

Und so ist es bei vielen anderen Dingen auch. Es plätschert vor sich hin und das finde ich unbefriedigend. Es ermüdet mich. Nichts halbes und nichts ganzes.

Allein die Vorstellung, dass ich mich am Samstag Nachmittag aufraffen muss und zu diesem Konzert fahren muss stresst mich ungemein. Dabei sollte es doch etwas tolles sein.

Und was könnte wichtiger sein, als auf sich und den Körper zu achten? Sich selbst wichtig zu sein? Ich wünschte ich hätte da ein Rezept, wie ich diesen begeisterten Zustand wieder herstellen kann. Habe ich aber nicht. Und wenn dann nur ganz kurz und dann ist es wieder weg. Irgendwas saugt mir Energie ab.

In solchen Situationen muss ich immer an Momo und die grauen Herrn denken, die einem die Zeit absaugen und man dann nur noch eine Mumie seiner selbst ist. Wo sind meine Grauen Herrn?