Das Leben der jungen J

22.05.2012 um 13:45 Uhr

Ein Lichtblick

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Pferdeflüsterer, Far, Away

Stimmung: gut

Als ich heute morgen aufwachte wollte ich nicht aufstehen. Oder mich dem Tag stellen. Oder dem Projekt. Am liebsten wäre ich zu Hause geblieben und hätte die Kopfdecke über meinen Kopf gezogen. Niemanden sehen, niemanden hören. Mich überkam das Gefühl, was im Moment mein Leben durchzieht und nur selten einen Lichten Moment liefert: Ich bin unglücklich. Auf der Arbeit weiß ich das jetzt schon ein paar Wochen, in der Wohnung ebenfalls, mit meinem Kontostand, mit meiner Figur und in der Beziehung spätestens seit dem letzten Streit.

Alles scheint irgendwie fad geworden zu sein. Nichts kann mich aktivieren und motivieren. Meine Zukunft erscheint mir grau und leer. Es scheint als läge ein Nebel über allem, der mir meine Freude nimmt.

Ich hatte immer einen Weg. Ich wusste immer wo ich hinwollte. Ich wusste immer, wann für mich der richtige Zeitpunkt gekommen war (naja... vielleicht nicht immer, aber seit dem Studium auf jeden Fall). Und jetzt ist alles weg. Ich weiß nicht mehr wo ich hinwill. Ich weiß nicht, wann ich irgendwo sein muss. Alles ist trist und grau. Als hätte ich schon alles erreicht.

Ich fange an zu zweifeln. Ob der Job noch der richtige ist? Ob die Stadt in der ich wohne noch die richtige ist? Ob ich verzweifelt an der Beziehung festhalte, weil ich einfach nicht sehen will, dass es aus ist? Jederzeit denke ich, dass der Pferdeflüsterer nur noch nach den rechten Moment sucht, um die Beziehung zu beenden. Letztes Wochenende ging nicht, weil wir Jahrestag hatten. 2 Jahre. Nächste Woche geht es nicht, weil ER meine Eltern zu sich eingeladen hat. Danach geht es nicht, weil wir da mit Freunden verabredet sind.... Und dann wird er sich eines Morgens beim Frühstück hinsetzen und sagen, dass ihm das alles zu viel geworden ist. Dass er es nicht kann. Und ich versuche gute Miene zum Bösen Spiel zu machen. Irgendwas zwischen uns ist zerbrochen. Und trotzdem scheint diese Beziehung uns beiden noch irgendwie Halt zu geben. Aber bilde ich mir das eigentlich alles nur ein? Ist der Pferdeflüsterer gar kein Teil meiner Zukunft?

Und was ist mit meinem Job? Ich muss ihn nicht ewig machen. Ich kann gehen. Ich kann mir etwas anderes suchen. Nur was? Nur wo? So sehr ich mich anstrengte, der Nebel lichtete sich nicht. Gut, es gab vielleicht ein Aufblitzen, als ich an Berlin dachte. Den Ort, der für Faraway die Hoffnung darstellt. Vielleicht ist doch auch mein Weg. Einen kleinen Moment sah ich mich, wie ich in Berlin rumlief, nach Hause kam und der Pferdeflüsterer der auf mich wartete. Aber dann zog sich der Nebel schon wieder zu.

Ich stand trotzdem auf. Das Pflichtbewusstsein trieb mich an. Ich duschte, machte mich fertig und griff ein Shirt aus dem Schrank. Mir war egal, ob es für meine momentane Figur etwas zu eng war. Der Ausschnitt für die Arbeit etwas zu groß. Ich mochte die Farbe und deswegen zog ich es an. Und als ich mich im Spiegel betrachtet erkannte ich, dass der Nebel, den meine Zukunft umgibt auch etwas Gutes haben kann. Es heißt, dass meine Zukunft nicht feststeht. Ich kann sie verändern. Ich kann alles sein, was ich will. Ich kann meine Zukunft selbst gestalten. Nach meinen Wünschen.

Aber wer oder was will ich denn sein?

Ich will auf jeden Fall glücklich sein. Und schlank. Ich kann schlank sein, wenn ich will! Ich kann wieder zu der Frau werden, die in meinem inneren schlummert und die sich die letzten Wochen versteckt hat. Ich kann so viel Geld verdienen wie ich brauche um glücklich zu sein. Ich kann glücklich sein.

Und wenn ich den Weg im Moment gerade nicht sehe, ich weiß dass es gut sein wird, was mich erwartet. Ob es ein anderer Job ist, eine andere Stadt oder ein anderer Freund. Es wird gut so sein. Ich kann also abwarten, bis sich der Weg vor meinen Augen auftuen wird. Und ich werde es wissen und ihn gehen, weil er mich zu mehr Glück führt.

So stand ich vorm Spiegel und die Erkenntnis übermannte mich. Die Worte hallten in meinem Geist nach: Ich kann schlank sein, wenn ich das will. Ich kann wieder zu der Frau werden, die ich war. Und behielt das zu enge und zu weit ausgeschnittene Teil an, lief ins Bad und legte noch etwas Makeup auf. Was ich schon lange nicht mehr nur für mich getan hatte. Und mit der neugewonnenen Motivation ging ich vor die Tür.

Bei meinem Auto wartete eine Frau mittleren Alters, die mich fragte ob ich eine sichere Autofahrerin wäre und zeigte auf ihren C*orsa, der in einer ziemlich engen Straße verdammt dicht am nächsten Auto stand. Sie betohnte, dass sie nicht den Kopf frei genug hätte, um da wieder rauszukommen. Ich überlegte kurz, dachte daran, dass ich ohnehin schon etwas spät dran war und meinte schließlich, wenn sie mir helfen würde, würde ich sie da raus fahren. Das tat ich auch und machte so jemanden schon am frühen Morgen sehr glücklich.

Muss ich noch erwähnen, dass ich diesmal ohne Probleme einen Parkplatz fand? Manche Tage können einfach nur gut laufen... J

21.05.2012 um 13:49 Uhr

Traumwanderung

Stimmung: fraglich

In der letzten Zeit träume ich immer wieder etwas merkwürdiges. Ok... meine Träume sind immer schon etwas besonders gewesen. Meist sehr kreativ und phantasievoll. Manchmal habe ich schon gedacht, dass es eine super Grundlage für Computerspiele oder Romane wäre, würde ich mich regelmäßig hinsetzen und sie mitschreiben.Der Pferdeflüsterer zuckt schon gar nicht mehr, wenn ich sage: "Schatz, ich habe letzte Nacht etwas komisches geträumt."

Aber den letzten Wochen gab es eine kleine Wendung. Neulich zum Beispiel da träumte ich, dass ich die Nacht irgendwo festsaß, ich aber dort mit den Leuten nicht sein wollte und vor die Tür ging. Es war im Wald und dummerweise stand mir dann erst ein Bär und dann ein Löwe gegenüber. Ich hatte totale Angst und lief dann wieder zurück. Also zu Fuß laufen ging also nicht. Aber bleiben wollte ich definitiv nicht. Daraufhin rief ich bei einem Taxi Unternehmen an und die sagten mir, dass ich noch 6 Stunden warten müsste, was mir natürlich viel zu lange war. Ich wollte nach Hause. Ich musste nach Hause. Also versuchte ich es als nächstes am Taxistand. Dass ich dafür wieder raus zum Bären und zum Löwen vor die Tür und in den Wald musste, war mir in dem Moment nicht klar. Am Taxistand kam tatsächlich auch recht schnell ein Taxi - was eher wie ein langes Golfkart aussah und auch sehr zugig und kalt war. Ich stieg also ein und dazu kamen noch ungefähr 10 andere Personen. Und alle teilten mit, wo sie hinwollten, nur ich wusste nicht wie die Straße hieß. Als es schon fast morgens war, stieg ich aus und versuchte den Weg zu Fuß allein zu finden. Und dann hörte ich, wie der Pferdeflüsterer an mir vorbeifuhr und mich offenbar nicht sah und weiterfuhr. Auch winken hat nichts gebracht und ich wachte wütend auf.

Vorletzte Nacht habe ich geträumt, dass ich auf der Arbeit war und kurz ne Besorgung gemacht habe. Aber als ich wieder zurückkam, war alles weg: die Kollegen, die Rechner, meine Sachen. Ich stand also da und hatte weder Jacke, noch Schlüssel, noch Portemonaie, noch meine Handtasche. Ich verfiel also in Panik und glücklicherweise war da eine Frau vom Sport, die mich telefonieren ließ, meine Freundin, die mir Geld lieh und der Marineoffizier, der mich nach Hause brachte. Und ja... auch da verlief ich mich. Der Weg ging durch merkwürdige Geschäfte, durch leere und verlassene Parkhäuser und über düstere Hinterhöfe. Irgendwann ließ mich auch der Marineoffizier allein und auch das Anrufen des Pferdeflüsterers hat nichts geholfen. Er kam nicht. Später traf ich noch meinen Chef und der Traum bekam eine erotische Komponente (würg) die ich schnell mit den Worten abblockte: „Du... ehrlich, nach der Aktion vorhin, wirst du doch verstehen, dass ich du dir mein Vertrauen erst wieder erarbeiten musst. Mich so im Stich zu lassen, geht gar nicht." Als ich aufwachte war ich wieder wütend.

Letzte Nacht war dann wieder etwas anders. Ich konnte fliegen. Jedenfalls mit einem Gerät auf dem man stehen konnte. Ich klammerte mich verzweifelt daran fest und hatte Angst nicht herunter zufallen. Und ich flog über Häuser und Städte und das Meer. Aber auch da fand ich den Weg nicht. Ist schon blöd, wenn man den totalen Überblick hat und trotzdem nicht weiß wo man hinsoll. Allerdings machte es mir diesmal keine Angst. Dafür gab es ein komisches kleines Wesen, dass die Zeit anhalten konnte. Alles andere stand also still, aber ich konnte die Bewegung genau sehen. Es war irgendwas grünes, formloses mit einem großen Auge, das an einer Antenne aus dem Kopf hing. Und als die Zeit still stand, öffnete sich im oberen Teil eine kleine Tür und es kam eine Leiter heraus und eine Mini-Ausgabe von diesem Wesen kletterte raus. Außer mir sah es keiner. Es stellte auch irgendwie Unfug an, aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Meine Träume haben in der letzten Zeit viel gemeinsam. Es geht oft darum, dass ich etwas verliere und suche. Oft sehe ich mich mit Wut und Angst konfrontiert, die teilweise so extrem deutlich spürbar ist, dass ich mit diesem Gefühl auch oft aufwache. Oder ich irre oft herum und finde den Weg nach Hause nicht. Außerdem ist auffällig, dass der Pferdeflüsterer selten persönlich auftritt und wenn, dann nicht als Retter, sondern er übersieht mich oder nimmt mich nicht ernst. Manchmal spielt auch mein Chef eine Rolle

Keine Ahnung, wo das alles herkommt und es macht mir Gedanken, weil ich nicht weiß, was ich damit anfangen soll. . Was mich allerdings beruhigt, dass ich trotz der ganzen Wut und der vielen Angst nur selten panisch bin. Irgendwie fällt mir immer eine Lösung ein. Und ich gehe neugierig durch die Welt und stelle mich den Problemen.

16.05.2012 um 17:12 Uhr

Das Schwiegermonster auf Reisen

Stimmung: noch etwas wackelig

Nachdem nun das gröbste ungute Gefühl aus dem Weg geräumt ist, tanzen der Pferdeflüsterer und ich nun ein wenig auf Eiern rum. Jeder ist darauf bedacht dem anderen möglichst wenig auf die Füße zu treten, möglichst viel Rücksicht zu nehmen, möglichst wenig Sticheleien zu verteilen und möglichst viele Freiheiten zu lassen. Dabei versuchen wir tapfer, aus der wackeligen Holzhütte, zu der unsere Beziehung geworden ist und die beim geringsten Windstoß umzufallen droht, etwas Stabiles zu zimmern und dabei die Gradwanderung zu schaffen, trotzdem wir selbst zu bleiben. Glücklicherweise ist die Beziehungshütte noch nicht umgefallen und dabei hat am Wochenende ein heftiger Wind in Form meiner Mutter dagegen gepustet.

Super großzügig, hatte der Pferdeflüsterer (trotz seiner Stimmung gegenüber dem Schwiegermonster) gemeint, dass ich zum Muttertag meine Mutter zum Kaffe einladen könnte, dass er dabei wäre, ggf noch einen Kuchen backen würde und wir zu einer Besichtigung von seiner Wohn- und Arbeitsstelle fahren könnten. Meine Mutter war natürlich total aus dem Häuschen, weil ich mir sonst nicht die Mühe mit diesem kommerziellen Feiertag gebe und ein wenig enttäuscht, dass das Treffen bei mir wäre. Aber ich sagte ihr noch nichts über die Möglichkeit, dass sie vielleicht doch ne Einladung zum Pferdeflüsterer nach Hause bekommen würde. Warum ihr das so wichtig ist, weiß ich nicht.

Zu blöd nur, dass wir, also meine Mutter und ich, am Vortag noch eine kleine Auseinandersetzung hatten und er daneben saß und alles mitbekam. Die Autobahn war nämlich gesperrt und ich rief an um ihnen mitzuteilen, dass sie mehr Zeit einplanen sollten, weil sie einen Umweg fahren müssen und zu fragen, ob sie trotzdem bereit wären die Mühe auf sich zu nehmen. Dummerweise hatte ich aber Papi am Telefon und irgendwie ist bei der Übermittlung der Information irgendwas schief gelaufen.

Eine halbe Stunde später rief meine Mutter zurück und pampte mich ohne Ankündigung an: „WIE KOMMST DU EIGENTLICH DARAUF, DASS ICH MICH VON SO WAS LÄCHERLICHEM, WIE EINER AUTOBAHNSPERRUNG, DAVON ABHALTEN LASSE MEINE TOCHTER AM MUTTERTAG ZU BESUCHEN?" Irritiert wegen der plötzlichen und heftigen Reaktion, meinte ich nur, dass es bloß nett gemeint gewesen wäre, ihnen diese Informationen zu geben. Aber weil meine Mutter nicht locker ließ bekam ich langsam das Gefühl, dass sie mir vorwarf, ich wollte sie nicht dahaben und da war bei mir der Punkt erreicht wo ich sie zurückpampte. Daraufhin kam: „WIESO GEHST DU DENN JETZT SO AB?" und nach der Erklärung dass sie sich doch zuerst laut geworden ist: „ICH BIN GANZ RUHIG" und als ich meinte, dass ich diesen Vorwurf nicht auf mir sitzen lasse: „ICH HABE DAS NIE SO GESAGT!"Stimmt hatte sie nicht, aber vielmusste man zu diesem Subtext auch nicht hinzudichten.

So gab ein Wort das andere und nach einer Weile, war ich tatsächlich drauf und dran, sie wieder auszuladen. Besonders weil ich den Pferdeflüsterer beobachtete, der immer kleinlauter wurde und immer mehr bereute, dass er sich überhaupt auf diesen Deal eingelassen hatte.

Meine Mutter lenkte nicht ein, aber ich lud sie trotzdem nicht aus. Irgendwie einigten wir uns darauf, dass wir unterschiedlicher Meinung waren. Anstrengend war das Telefonat trotzdem. Der Pferdeflüsterer saß kopfschüttelnd da und murmelte unverständliches vor sich hin. Zwischendurch kam mal ein „ich habs ja gewusst" und ein „es bringt einfach nichts" und schließlich ein „jetzt brauch sie sich nicht einbilden, dass wir jetzt noch zu mir fahren" dabei raus.Damit war das also geklärt. Mir fiel auch nichts ein, um sie umzustimmen. 

Wider Erwarten war das Kaffeetrinken dann doch recht harmlos. Mein Papi spielte mit den neuen Magnetkugeln (nebenbei: ein toller Spaß. Man kann alles Mögliche daraus bauen und haptisch ist das voll der Hit). Jeder erzählte irgendwelche Annekdoten, meine Mutter war völlig aus dem Häuschen, weil der Pferdeflüsterer extra ihren Lieblingskuchen gebacken hat (er kann nur einen) und am Ende nahmen sich der Pferdeflüsterer und meine Mutter tatsächlich auch noch in Arm. Wir waren trotzdem froh, als die beiden am frühen Abend weg fuhren. Und für eine solche Tapferkeit hat er den Titel "Weltbester Freund" verdient.

 

PS: Übrigens auch für die Super Abholaktion am Freitag, als wir Firmen-Grilabend hatten. Da ist er mit dem Klapprad nachts um 23h zu meiner Arbeit gefahren und hat mich mit meinem Auto und dem Fahrrad wieder nach Hause gefahren. Mein Chef quitierte das mit „ach das ist ja lieb", als er am Montag fragte, ob ich gut nach Hause gekommen bin. Das fand ich auch. Zum Dank bekam er noch einen großen Grillteller, über den er sich wirklich freute.

 

PPS: Und natürlich dafür, dass er Samstag zwar unglaublich lange zum Brötchenholen brauchte, mir aber eben auch Blumen mitbrachte. Voll schön.

 

08.05.2012 um 15:47 Uhr

Nicht mehr ganz der Anfang vom Ende

Stimmung: besser

Das Wochenende war Anfangs sehr merkwürdig. Wir sind nach Berlin gefahren, weil Faraway ihren Geburtstag dort feiern wollte. Aber wir beide waren überhaupt nicht entspannt. Und der erste Kommentar, den Nitida machte, als wir am vereinbarten Treffpunkt aufeinander trafen, war: „habt ihr Euch eben gestritten?" Nein... eben nicht. Und dann schüttete ich ihr mein Herz aus. Eben schnell zwischen Tür und Angel. Sie meinte spontan, ich muss einfach Geduld mit ihm haben. Und ihr Freund meinte, dass es schon wichtig ist, eine Perspektive zu haben. Ja... da gab ich ihm recht. Wenn es mit der Perspektive nicht stimmt, kann man es knicken. Es bringt halt nichts, wenn man auf dem Wartegleis steht und immer darauf hofft, dass dieses Warteposition irgendwann mal aufgelöst wird und die Ampel wieder auf freie Fahrt schaltet.

Über uns beiden schwebte also dieses schier unüberwindbare Thema und was es für mich zumindest schwierig gemacht hat, dass auch das Gefühl ein Enddatum zu haben schien. Es fiel mir schwer mich da noch mal wieder darauf einzulassen. Geduld zu haben. So zu tun, als wäre nichts. Schließlich fühlte es sich so an, als wäre es schon das Ende. Es gab fast gar kein Gefühl mehr. Und warum sollte ich noch etwas investieren, wenn es doch ohnehin nächste Woche zu Ende ist. Oder spätestens übernächste Woche. Warum sollte man eine Lösung finden wollen, wenn man merkt, dass es ohnehin keine Zukunft hat.

Ich versuchte mich zusammenzureißen, was mir unterschiedlich gut gelang und versuchte mich nicht permanent von ihm zu verabschieden. Abends war es besonders schwer, weil mir überhaupt nicht nach feiern war. Nicht nach Berlin. Nicht nach Leuten. Nicht nach lauter Musik. Nicht nach guter Laune. Nicht danach, den ganzen Abend das verliebte Pärchen zu spielen, besonders weil alle meine Annäherungsversuche ins Leere liefen oder nur oberflächlich blieben. Zwischendurch war es etwas weniger schlimm, aber es kam immer wieder hoch. Am nächsten Morgen das gleiche Spiel. Nichts mit der typischen, schon fast legendären Feuerkind-guten-Laune.

Nachmittags saßen wir beide allein bei einer heißen Schokolade und redeten. Nicht über das Wohnproblem. Dafür hatten wir immer noch keine Lösung. Sondern über das nicht vorhandene Gefühl. Über meine Angst, mich wieder dem Gefühl hinzugeben, weil es ja morgen schon zu Ende sein könnte und darüber, dass ich mich von ihm so zurückgewiesen fühle. Und dass ich Angst habe um die Beziehung zu kämpfen, weil ich ihn nicht noch mehr unter Druck setzen will. Aber dass ich nicht so tun kann, als wäre nichts. Und er redete über meine Laune und dass er auch zweifelt, ob es noch etwas bringt und dass er schon fast ein Zugticket gekauft hätte, weil es ja meine Freundin ist und er will, dass ich mit ihr feiere. Und dass er zwischendurch schon das Gefühl hatte, es wäre unser Abschiedstrip. Und dass er diese Situation so schwer ertragen kann.

Was dann passierte, kann ich mir immer noch nicht erklären. Kaum hatten wir das alles auf den Tisch gelegt, änderte sich etwas. Plötzlich überkam uns wieder ein Schwall der Liebe, die wir immer für einander empfinden. Wir nahmen uns in den Arm und es gab da doch noch etwas Gefühl. Wir küssten uns und es war doch noch nicht vorbei.

Dieses Gefühl, doch noch zusammen zu gehören, hielt sich über den Rest des Wochenendes. Ich freute mich, dass der Pferdeflüsterer sich mit allen verstand. Der Ton war nicht mehr ganz so scharf, wir gingen einander nicht mehr aus dem Weg und guckten wieder verliebt in die Augen des anderen. Wir hatten sogar wieder Sex. Mehrfach. Und obwohl wir beim Kaffee beide meinten, dass es vielleicht gut wäre, wenn wir uns nächstes Wochenende nicht sehen, meinten wir am Montag beide schon, dass es wohl nicht notwendig ist.

Nein... es ist noch nichts geklärt. Und nein... ich weiß nicht wie es weiter gehen soll. Aber es fühlt sich wenigstens nicht mehr so an, als wäre es der Anfang vom Ende.

02.05.2012 um 17:57 Uhr

Am seidenen Faden

Stimmung: durcheinander

Darüber schreiben macht es irgendwie wahr und ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Zuerst fing das Wochenende gut an. Nach der Diskussion vor drei Wochen wegen meiner Mutter liefen die letzten Wochenenden sehr gut. Wir verstanden uns und das Gefühl war fast wieder wie vor dem SuperGau. Wir hatten auch wieder mächtig Spaß miteinander, bis wir Montag zusammen im Auto saßen und uns zweimal wegen dem totalen Scheiß in die Flicken bekamen. Ist sonst nie so.

Beim ersten Mal ging es um ein Haus und ob ich genau auf das Haus auf der Karte gezeigt hatte oder mich in der Parallelstraße verirrt hatte. Nein. Doch. Nein. Doch... und keiner gab nach und am Ende war ich stinkig, weil er mich als Lügnerin hinstellte und er war sauer, weil er Recht hatte und keins bekam. Und beim zweiten Mal war es genauso. Da bat mich der Pferdeflüsterer, ob ich nicht sein Handy neustarten könnte und dann passierte etwas merkwürdiges und ich fragte, ob es das schon mal so gemacht hatte. Aber offenbar kam es nicht so richtig bei ihm an und ich bekam die Schuld, weil ich ja offensichtlich irgendeine Taste gedrückt haben MUSSTE - weil es sonst ja nicht sein kann. Total bescheuert also. Jeder dieser Fälle. Und beide kamen aus der Luft und verflogen genauso schnell wieder, aber nicht ohne einen entsprechend schalen Nachgeschmack zu hinterlassen.

Und dann saßen wir am Dienstag zusammen und beim Frühstück brach es dann irgendwie aus uns raus. So geht das mit der Kommunikation irgendwie nicht. Dieses ewige Rechthaben ist sau anstrengend und manchmal eben nicht nachprüfbar und offenbar gibt es manchmal für uns beide keinen Ausweg ohne dass einer das Gesicht verliert. Und das können wir beide nicht haben. Aber schnell wurde klar, dass dies nur die Oberfläche eines verschütteten Eisberges ist. Eigentlich gab es ein echtes Problem unter dem Wasser. Diesmal war es nicht meine Mutter. Es ging um das Zusammenziehen. Dem Pferdeflüsterer ist offenbar klar geworden, dass er irgendwie ein Problem damit hat, wenn ich bei ihm einziehe. Und es ist noch mehr als das. Er kann es sich eigentlich überhaupt nicht vorstellen, mit irgendjemanden zusammenzuwohnen. Das ist nicht auf mich gemünst, sondern ein generelles Problem für ihn.

Es liegt daran, dass diese Wohnung seine erste Wohnung ist, in der Wohn- und Schlafzimmer getrennt ist und in der er sich wohlfühlt. Er wohnt nun schon 10 Jahre dort und das ist alles seins. Er hat sich alles was da drin steht selbst und allein erarbeitet. Freunde sind gekommen und gegangen aber die Wohnung ist geblieben. Das ist seine Beständigkeit, seine Zuflucht, sein Fels in der Brandung. Deswegen hatte er auch immer Schwierigkeiten, seinen Job aufzugeben, weil auch immer seine Zuflucht dran gehangen hat. Und er hat jetzt Schwierigkeiten, mich da reinzulassen. Es geht auch nicht um mich. Es geht um irgendwen. Und wenn er auch noch so enthusiastisch am Anfang gewesen ist, jetzt wo es langsam wahr wird, stellt er fest, dass er da sowas wie eine Mauer hat, immer wenn es darum geht, irgendwas dafür zu tun, dass wir schnell zusammenziehen können. Irgendwas, was ihn abhält.

Tja.. und ich stehe nun da und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich will einfach nicht mehr aus dem Koffer leben. Ich fühle mich entwurzelt. Ich bin bei mir nicht mehr so ganz zu Hause und bei ihm noch nicht angekommen. Ich habe diese Wohnung sogar schon angefangen als mein Zuhause zu betrachten und mich zu freuen, wenn ich da bin. Aber er fühlt sich jetzt unter Druck und hat das Gefühl ich klammere mich um Biegen und Brechen an diese Beziehung. Aus meiner Sicht stimmt das nicht so wirklich. Ich weiß auch nicht, wie ich ihm noch mehr gefühlten Freiraum geben kann.

Er hat Angst davor hat, dass er irgendwann grausam werden könnte, weil er sich zu dem Schritt gezwungen fühlt und es mir später vorwirft - genauso wie er fürchtet, dass ich es ihm vorwerfe, dass ich wegen ihm die Stadt verlassen habe. Er meint er kennt sich und er weiß, dass ich mich mit der derzeitigen Lösung nicht wohl fühle. Klar stand dann irgendwann auch Trennung im Raum. Ich weiß auch nicht, ob es da eine Lösung geben kann und die jetzige ist tatsächlich nicht meine Lösung. Er meint, er liebt mich zu sehr, um mich leiden zu sehen. Ihm wäre es lieber, wenn wir uns trennen, weil wir keinen Weg finden und dann uns noch nicht so überworfen haben, dass wir uns nicht mehr in die Augen sehen können. Er möchte schon gern in dem Fall der Fälle den Kontakt halten. Ich hatte da bisher noch kein so gutes Händchen mit meinen Ex. Meist hat es erst funktioniert und dann ist irgendwann im Nachhinein noch eine Katastrophe passiert, die zu dem totalen Bruch geführt hat. Und ich wüsste nicht, wie ich reagiere, wenn er drei Wochen nach mir schon ne neue hat und es mit ihr schafft zusammenzuziehen.

Es ist für ihn nicht leicht. Das weiß ich auch. Er war lange allein und er ist da ein wenig blauaugig an die Sache rangegangen. Und jetzt stellt er fest, dass das alles nicht so leicht ist, wie er immer dachte.

Aber offenbar will eine Trennung von uns beiden keiner so wirklich. Nach dem Hauptteil der Diskussion hat er mir sogar noch eine Lösung für das Schwiegermonsterproblem unterbreitet. Wer macht denn sowas, wenn er nicht mehr will? Es wirkt wirklich eingefahren. Wie soll man da denn einen Kompromiss finden? Der eine will nicht mehr allein wohnen und der andere nicht zu zweit? Aber es gibt so viele Paare, die das komischste Konstrukt leben und bei denen es funktioniert, warum sollte es nicht einen Weg für uns geben? Und nein. Ich kenne die Lösung leider nicht. Im Moment diskutieren gerade Kopf und Herz und ich weiß nicht, wer die Oberhand gewinnt. Beim letzten Streit konnte ich mich zurücklehnen und abwarten, weil ich wusste, dass er sich für mich entscheiden wird. Dass er unsere Beziehung nicht wegwirft. Aber jetzt weiß ich es einfach nicht. Der Weg ist nicht klar zu sehen. Meine Gefühle sind auch nicht klar. Ich stecke im totalen Chaos. Warum sollte ich jetzt schon wieder Geduld mit ihm haben? Warum sollte ich schon wieder mit meinen Wünschen zurückstecken? Und dann kommt diese andere Stimme, die mir Mut zuspricht und die mich zum weitermachen drängt. Und ich weiß nicht, welcher Stimme ich folgen soll.

Er will jetzt so weitermachen wie bisher. Nach Berlin fahren und heile Welt spielen. Ich kann das irgendwie nicht. Als mich gestern Abend Lust und Liebe übermannt haben und ihn sogar ansteckten, überkam mich der Gedanke, dass wir vielleicht zum letzten Mal Sex haben könnten. Dass es vielleicht sowas wie Abschied ist. Und da rollten mir leise Tränen die Wange runter, die dem Pferdeflüsterer auf das Gesicht fielen. Als ich es ihm erklärte, war bei ihm die Lust weg. Verabschieden wollte er sich auf keinen Fall.