Das Leben der jungen J

26.06.2012 um 16:39 Uhr

Ein Update

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Pferdeflüsterer, Mutter

Stimmung: geht so

Mensch... ist das lange her, dass ich mal einen Beitrag geschrieben habe. Nein ich bin nicht verschollen, es ist wirklich viel passiert. Hier mal eine kurze Übersicht:

Der Pferdeflüsterer versteht sich jetzt irgendwie mit meiner Mutter. Naja... jedenfalls mag sie ihn und er akzeptiert sie. Es gab auch sowas wie eine Aussprache und erist einige seiner Worte auch losgeworden und war überrascht, dass sie ihm zugehört hat. Er hört jetzt großzügig weg, wenn sie ihm den „du brauchst unbedingt Therapie, um deine schwere Kindheit aufzuarbeiten"-Vortrag hält. Nicht mehr zwischen den beiden vermitteln zu müssen ist irgendwie schräg.

Wir sind immer noch nicht zusammengezogen, aber der Pferdeflüsterer wirft es nicht mehr ganz so weit von sich. Er brauchte offenbar einfach Zeit. Außerdem fängt er an immer mehr Ecken an Ordnung zu schaffen. Wenn er mich lässt helfe ich auch. Leider sieht es dafür bei mir zu Hause nicht mehr ganz so toll aus. Zwei Haushalte ordentlich zu halten ist eben auch für mich zu viel. Ganz nebenbei fühlt sich meine Wohnung ohnehin nicht mehr ganz so wie mein zu Hause an. Derzeit bin ich sogar lieber bei ihm als bei mir. Da haben wir das tolle Bett und eine große Sofa-Landschaft und einen großen Fernseher und einen Garten. Und Ruhe. Mein Nachbar nervt mich gerade total an. Warum kann der einfach auch gar nichts leise? Nicht mal Meditieren?

Zwischen dem Pferdeflüsterer und seiner Mutter gab es nach 8 Jahren Funkstille oder so, auch irgendwie eine Annäherung, was wohl daran liegt, dass sie im Sterben liegt und ich ihm vielleicht ein bisschen unauffällig ins Gewissen geredet habe. Aber jetzt habe ich sie auch mal kennengelernt. Eine Meinung habe ich noch nicht. Dazu gibt es mittlerweile zu viele verstreute und verschiedene Puzzelteile von seiner Mutter in meinem Kopf - die müssen sich erstmal ordnen.

Den Zustand seiner Mutter verkraftet der Pferdeflüsterer augenscheinlich ganz gut. Sichtbar ist eigentlich nur sowas wie eine Midlifecrisis. Abgesehen davon, dass er ständig irgendwelche 20jährigen anschmachtet, kauft er jetzt ein Cabrio. Zwar ein kleines, mit Erdgas und einigermaßen großem Kofferaum, aber immerhin. Aber wenn er es sich leisten kann... warum sollte er sich den Spaß nicht gönnen? Außerdem bin ich in diesem Fall eindeutige Nutznießerin.

Mit meinem Job bin ich immer noch unzufrieden. Ok... das ist nicht so ganz richtig. Ich bin mit meiner Gehaltsentwicklung unzufrieden - der Job selbst und die Kollegen sind toll. Mittlerweile ist es so schlimm, dass ich mich immer öfter mit Egal-Haltung und innerlicher Kündigung erwische. Nachdem sie die Gehaltserhöhung (die nebenbei eher lächerlich ausgefallen ist) auch noch einen Monat verzögert haben, bekomme ich immer mehr den Eindruck nur einer Karotte hinterherzulaufen. Ich habe das Gefühl permanent in Vorleistung zu gehen und Sie wissen es aus meiner Sicht nicht genug zu schätzen. Sie wollen mir eine Zukunft verkaufen, die ich mir so wie der Job jetzt gerade bezahlt wird, nicht vorstellen kann. Es reicht zum Leben und um meine offenen Posten zu bezahlen, aber nicht für Urlaub, Golf, ein bißchen Luxus (wie Essen gehen oder mal eine Massage), die Familienplanung oder Altersvorsorge. Dafür habe ich nicht studiert. Ich finde das mehr als ungerecht, vor allem weil ich deren Image völlig umgestaltet habe (was man auch an der Auftragslage messen kann), mich ständig in neue Themen einarbeite, Projekte manage und teilweise sogar Mitarbeitern ins Gewissen rede.

Das Mega-Projekt auf der Arbeit ist nun auch endlich durch und ich kann wieder etwas durchatmen. Naja.. es gab ne Abnahme mit Abern. Trotzdem ist der Mega-Druck endlich raus und wir können die nachgeforderten Dinge ganz gemütlich umsetzen. Ich habe auch schon das nächste auf dem Tisch. Diesmal ist es eine Produkteinführung. Das klingt wirklich toll. Allerdings traue ich den Freiheitsgraden nicht, die sie mir da zugestehen - abgesehen davon, dass ich für so viel Verantwortung gefühlt nicht bezahlt werde. Ich kriege eher das Gehalt einer Sekretärin und nicht einer Produktmanagerin, deswegen fühlt es sich innerlich mehr nach Ausbeutung als nach Chance an.

Ich bin also intensiv auf der Suche. Allerdings ist mir noch nicht das richtige über den Weg gelaufen. Ich hoffe, das dauert nicht mehr so lange. Und dann - nach mir die Sinnflut... Eigentlich ist so eine Denkweise nicht meine Art, aber im Moment kann ich nicht anders. Dumm ist nur, dass ich eine schlechte Schauspielerin bin. Man wird es mir anmerken, dass ich nicht mit dem üblichen Engagement bei der Sache bin.

Leider führt die allgemeine Unzufriedenheit mit meinem dauerhaft leeren Portemonnaie zu einer generellen Unzufriedenheit und die dazu, dass ich nicht abnehmen kann. Außerdem ist langsam der Pferdeflüsterer angenervt, was mich wiederum annervt. Mittlerweile geht mir mein Gewicht wirklich ziemlich auf den Keks, besonders weil auch mein Knie sich ein wenig bemerkbar macht. Ich fühle mich schwerfällig und unattraktiv und überall stört es mich. Aber es ist so, als würde mein Körper sich verzweifelt an allem festhalten. Total nervig. Wenigstens hab ich nicht zugenommen. Aber von Bikinifigur bin ich meilenweit entfernt. Von daher ist es gar nicht so schlecht, dass das Wetter es gerade eh nicht so bringt.

Apropos Portemonnaie: Mein verschwundenes Portemonnaie ist doch tatsächlich wieder aufgetaucht. Mit Karten (die leider schon gesperrt waren) und man höre und staune: Bargeld. Nicht viel, aber immerhin 20 €. Und das Portemonnaie selbst. Was wirklich schön ist.

Unterm Strich ist es wohl Jammern auf hohem Niveau. Schließlich habe ich Arbeit und einen wunderbaren Freund. Vielleicht finde ich ja noch einen Weg, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Allerdings ist das für mich irgendwie schwierig zufrieden zu sein, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Vielleicht ist die Zeit einfach reif für etwas neues.