Das Leben der jungen J

30.07.2012 um 11:31 Uhr

Mir geht es "gut"

Stimmung: ist doch alles toll...

Eigentlich würde ich gern wieder ein paar lustige Geschichten aus meinem Leben preis geben, aber im Moment gibt es sowas offenbar nicht. Ich versuche mich die ganze Zeit zu erinnern, was mir als letztes nettes passiert ist, aber es fällt mir einfach nichts ein.

Statt dessen könnte ich Romane darüber schreiben, wie miserabel gerade alles ist. Der Job ist irgendwie nicht besser geworden und Jobsuche hat noch kein Ergebnis (nicht mal ne Einladung) und ich fange an, mich zu fragen, ob ich doch nicht so toll bin, wie ich geglaubt habe oder ob es ausreicht in der nächsten Bewerbung nicht ganz so ehrlich (und dumm) darauf hinzuweisen, dass ich verschiedenen Punkte, die in der Ausschreibung gewünscht waren, eben nicht vorweisen kann.

Oder wie ich es schaffen könnte, das eine Projekt auf der Arbeit doch noch so hinzubiegen, dass es sich lohnt es umzusetzen, einfach, weil ich es machen WILL. Schließlich würde es in der Liste, der Lieblingsanforderungen bei den Stellen, die ich gern haben will, einen wichtigen Haken setzen können.

Oder wie sehr ich damit beschäftigt bin, mich weniger total daneben und unmotiviert und traurig zu fühlen. Oder anders formuliert, wie ich auf die Frage, wie es mir ginge, eine ehrliches „Gut" antworten könnte. Denn mittlerweile weiß ich überhaupt nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn es einem „gut" geht. Mir steigen fast jedes Mal die Tränen in die Augen, wenn mich das jemand fragt, dem ich normalerweise eine ehrliche Meinung geben würde.

Es ist mir auch alles zu viel: Dass die Mutter vom Pferdeflüsterer krank ist, dass wir mit dem Zusammenziehen immer noch keinen Schritt weiter sind, dass ich mich auf der Arbeit ausgenutzt und schlecht bezahlt fühle und dass ich mein zusätzliches Gewicht nicht losbekomme. Der Job ist wirklich das schlimmste: der immer schärfer werdende Ton zwischen Führung und Mitarbeitern, die harten und kompromisslosen Verhandlungen, sie sie mit uns führen, die wachsende Unzufriedenheit bei den anderen langfristigen Mitarbeitern und meine miserable Bezahlung. Es ist mittlerweile nur noch die Frage, wer zuerst geht. Und auch wenn es wegen dem Spruch neulich eine Entschuldigung gab, geheilt ist das noch lange nicht. Und nein... es macht keinen Sinn das Geldthema noch mal anzusprechen.

Es geht mir so beschissen, dass ich nach 6 Jahren das erste Mal wieder meine Psychotante angerufen habe und einen Termin mit ihr hatte. Nein... natürlich nicht auf Rezept. Ich habe es dummerweise selbst bezahlt. Knapp 100 €??? Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Kann ich mir eigentlich auch nicht leisten, aber ich will, dass es mir wieder gut geht. Und ich weiß, dass sie bei mir den Knopf findet. Zu blöd, dass es immer ein wenig dauert, bis man zum Kern des Problems gekommen ist.

Gut es gab ein Teilergebnis: Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass mein Job an meinem Übergewicht schuld ist. Schließlich hatte ich es letztes Jahr geschafft, 7 Kilo abzunehmen, um dann in einer fiesen Projektphase wieder 10 zuzunehmen. Es fühlt sich auch immer mehr wie ein dickes Fell an, dass ich für diesen ganzen Kram hier brauche. Sie meint, dass unter dem Gewicht Gefühle liegen, die man nicht zulassen will. Das ist vermutlich auch so. Ich habe die ganze Zeit schon vermutet, dass das Gewicht eine psychische Ursache hat. Also gibt es da nur zwei Möglichkeiten, ich suche mir einen anderen Job (was ich tue, aber bisher noch nicht gefruchtet hat) oder ich versuche mir hier eine Möglichkeit der Existenz/Sichtweise zu schaffen, die mich nicht krank macht.

Und jetzt sag mir mal einer, wie ich bei einer derartigen inneren Kündigung noch so viel Motivation aufbringen soll, nicht alles so schwarz zu sehen? Wie ich das Gefühl des Ausgenutzt Werdens abstellen kann? Wie kriegt man eine lässigere Einstellung? Etwas mehr Scheiß egal?

02.07.2012 um 15:01 Uhr

Mir reichts langsam

Stimmung: kurz vorm Platzen

Ich glaube, ich bin heute nicht arbeitsfähig. Mir reichts. Nein, eigentlich habe ich mich noch nicht von der verbalen Keulen meines Geschäftsführers erholt. Letzte Woche Mittwoch ging ich hin und fragte, ob ich neben Freitag auch noch den Montag frei machen kann. Projekttechnisch wäre das durchaus drin. Ne…das ginge nicht, da müsste ich einen Tag Urlaub einreichen. Das sah ich überhaupt nicht ein. Ich sagte ihm, dass ich 90 Überstunden habe und nicht verstehen kann, wieso ich einen Tag Urlaub verwenden soll. Wie, fragte er. Ich hätte 90 Überstunden. Wir hätten doch vereinbart, dass ich sie abbaue. Ja… das hätte ich auch versucht, aber dann kam die Abnahme dazwischen und tausende Kleinigkeiten. Aber wir hatten doch vereinbart, dass ich mich melde, wenn ich weitere Überstunden machen muss.

Ja… das hatte ich auch getan. Gut. Ich bin nicht hingegangen und habe gesagt, dass es so aussieht, als müsste ich Überstunden anhäufen. Ich dachte es reicht, wenn ich sage, dass ich mit den 35 Stunden augenscheinlich nicht mehr klar komme. Ich dachte es ist offensichtlich, dass sich während der Abnahmezeit Stunden anhäufen. Besonders wenn man den einen Tag bis 3h im Büro ist. Oder wenn der Chef gesagt hat, es muss unbedingt fertig und wenn das nicht klappt muss man eben Überstunden machen. Wo ist denn dann bitte das Hexenwerk? Also meinte ich, dass ich kein Problem damit habe, ihm meine Stundenauflistung rüberzuschicken.

Nein er verstand nicht. Er regte sich nicht ab und meinte, dann müsse man eben mal über meine Effizienz reden.

WIE BITTE? Meine Effizienz? Ich glaube jetzt hackt es aus. Ich hänge mich in diesen Job voll rein, ständig landen irgendwelche Anfragen auf meinem Tisch, die bitte sofort erledigt werden sollen, ich übernehme teilweise die Aufgaben von meinen Chefs, wenn es um die Mitarbeiter geht, organisiere eben mal neben dem Projektmanagement von dem Riesen-Projekt noch einen eigenen Messestand und jetzt heißt es plötzlich, dass ich ineffizient bin? Und das sagt er? Der nun wirklich im Glashaus sitzt? Der überhaupt nichts auf die Kante bekommt? Der die schlechteste Arbeitsorganisation hat, die ich je bei einem Chef gesehen habe? Mal sehen wie weit das geht. Da reden die die ganze Zeit davon, dass sie das zu schätzen wissen, was ich alles tue und dann kommt so was? Wir können ja gern anfangen, dass ich in Zukunft meinen Stift um 17h fallen lasse.

Also rief ich den anderen GF an. Der konnte das auch überhaupt nicht verstehen. Aber es half um mal an der richtigen Stelle meinem Ärger Luft zu machen. Und ja… es wird wohl noch mal ein Gespräch geben.

Aber mich hat das schwer getroffen. So schwer, dass ich den Moment erstmal sprachlos war und im wahrsten Sinne keine Luft mehr bekam. Seitdem fällt mir arbeiten wirklich schwer und derzeit bin ich auch nicht effizient. Mich beschäftigt das immer mehr. Ich sitze hier und bin niedergeschlagen und fühle mich in meinen Grundfesten erschüttert. Es hängt mir noch sehr nach.

Dann schaue ich heute auf meinen Kontoauszug und stelle fest, dass das Gehalt am Ende des Monats noch nicht drauf war, sondern erst heute gebucht ist. Heute ist der zweite. Bonus gab es auch noch nicht, obwohl das Projekt jetzt quasi abgeschlossen ist. Also bin ich geplatzt. Das war vielleicht nicht die beste Lösung, aber irgendwie verständlich. Irgendwie habe ich heute wohl die Zicke gefrühstückt. Das ist für mich auch nicht soo einfach.

Im Moment bin ich auf der Rebellenschiene. Ich will mich während meiner Arbeitszeit hinsetzen und nichts machen. Surfen. Oder Bewerbungen schreiben. Aber das geht wohl nicht. Also werde ich heute eher gehen. Überstunden abbauen.