Das Leben der jungen J

28.01.2013 um 18:45 Uhr

Das Zen im Aufräumen

Stimmung: Gut

Die Sachen von jemand anderem wegzuschmeißen hat irgendwie etwas Befriedigendes. Wir waren am Wochenende wieder in der Wohnung von der Mutter des Pferdeflüsterers und haben ausgemistet. Diesmal sind 2 gelbe Säcke, 2,5 große Umzugskisten mit Papiermüll, ca. 30 weitere Kalender mit hübschen Bildchen und 2 Säcke mit Restmüll dabei rausgekommen.

Ich finde es nach wie vor schwer verständlich, wie man wirklich alles Papier aufheben kann. Mittlerweile gibt es auch Kontoauszüge von der schon seit Jahren toten Tante des Pferdeflüsterers. Man muss wirklich jede Kiste aufmachen und in jede Tüte reinschauen um herauszufinden, was da drin ist. Nur selten ist das drin, was drauf steht.

Aber wir kommen vorwärts. Ich finde es sind nur kleine Schritte, aber mittlerweile sind sie sichtbar. Und es hat auch viel Spaß gemacht. Die Freundin seiner Mutter hat auch mitgeholfen, jeder in seinem Raum und wir haben uns immer gegenseitig gezeigt, was wir so alles gefunden haben. Dann haben wir gelacht und es entweder in die Kiste mit dem Kuriosen oder in den Müll gepackt.

Erstaunlich finde ich, dass es doch ziemlich sauber überall ist. Natürlich ist es staubig, aber sie lag ja auch ein halbes Jahr im Krankenhaus, da ist das ja auch normal. Das einzig eklige, was ich in der Hand hatte, sind Kisten oder Dosen in denen sie getrocknete Blüten aufbewahrt hat. Und davon gibt es einige. Überall verteilt. Dann macht man eine Kiste auf und es kommt einem ein strenger Geruch entgegen. Aber es scheint, als würden wir sie mittlerweile alle gefunden haben, weil es im Wohnzimmer auch nicht mehr so merkwürdig riecht.

Am Ende des Tages konnten wir dann auf einen Haufen mit Sperrmüll, einer Kiste mit alten Spielen, einer Kiste mit Kuriosem und Erinnerungsstücke, einer mit brauchbaren Elektrogeräten, einigen Tüten mit Bastelkram, einer Kiste mit Näh- und Strickzeug, der Weihnachtsdeko, einem Haufen Steine, eine kleine Kiste mit Plastikdosen für die Küche und haufenweise leeren Schachteln und Tüten blicken.

Es ist halt echt cool, wenn man sich wieder bewegen kann und sich die Kisten und Tüten immer mehr leeren. Ich hatte dann am nächsten Tag zwar Muskelkater, aber Spaß hatte ich trotzdem.

15.01.2013 um 11:33 Uhr

Aufräumen und aufarbeiten

Stimmung: Stabil

Ich weiß, ich weiß. Ich bin abgetaucht. Das schlimme ist, es lag nicht daran, dass es nichts zu erzählen gab, sondern daran, dass es einfach zu viel war und wenn man dann nicht an einer Stelle mit dem schreiben anfängt, wird es ein riesiger Berg und man weiß gar nicht, wie man den wieder wegschreiben soll.

Anfang Dezember ist die Mutter des Pferdeflüsters gestorben. Wir sahen uns nun damit konfrontiert, eine würdevolle Beerdigung zu organisieren für eine Frau, von der immer mehr rauskam, wie egoistisch sie zu oft gewesen ist. Wie gut hätte es dem armen kleinen blauäugigen Jungen gehen können, wenn sich seine Mutter auch mal für sein Wohl interessiert hätte? Das ist wirklich bitter. Einmal weil man es kaum glauben kann, dass es wirklich so schlimm ist, dass eine so augenscheinlich nette Frau so arschig sein kann und zum anderen, weil es die ohnehin nicht heile Welt seiner Kindheit noch weiter erschüttert. Nachdem er nun erfahren hatte, dass wohl die Kollegin deutlich mehr wusste, als alle ihre „besten" Freundinnen, dass seine Mutter sehr wohl gewusst hat, dass er Angst für ihrem einen Freund hatte und trotzdem nichts getan hat und dass die Kollegin sich im Hintergrund dafür eingesetzt hat, dass es doch noch Lehrer gab, die an den Pferdeflüsterer glaubten und denen er es verdankt, dass nicht irgendein krimineller aus ihm geworden war, war er drauf und dran, statt wie versprochen die Asche zu verstreuen, sie einfach in den Müll zu kippen. Nein... ihn da mit seiner ganzen aufgestauten Wut wieder einzufangen, war nicht leicht.

Auch nicht leicht, ist die Bewältigung des von ihr hinterlassenen Chaos in dem sie nicht mal selbst den Überblick gehabt haben kann. Das beinhaltet sowohl die Strukturlosigkeit ihrer Wohnung als auch ihr nicht vorhandenes Ablagesystem. Was haben wir da schon an wichtigen und unwichtigen Papieren gesammelt und weggeschmissen. Ich glaube es reichen ca. 10 Kassenzettel auf einem Haufen, damit ich Amok laufe. Wir mussten sechs Banken anlaufen, um dort überall Konten aufzulösen. Dazu kommt noch, dass der Arbeitgeber jedes Jahr Überschüsse in Lebensversicherungen für die Mitarbeiter angelegt hat und dass die sich auch über sechs verschiedene Unternehmen verteilen. Manche waren schon zuteilungsreif, wurden aber nicht ausgezahlt, weil sie es versäumt hat, denen ihre Kontoverbindung mitzuteilen. Mittlerweile haben wir schon einen Überblick und wir haben ihr Papierchaos zumindest im Griff. Die Banksachen sind nun alle erledigt und die Versicherungen laufen gerade.

Trotzdem gestaltet sich ihre Wohnung als einzige Schatzkammer oder meinetwegen als „Raum der Wünsche". Neben dem vielen unnützen (zumindest für uns) wie Kalender der letzten 20 Jahre, getrocknete Blätter und Blüten und Kassenzettel von vor 15 Jahren, finden sich auch einige interessante Gegenstände wie alte Küchengeräte, Rezepte der letzten drei Generationen, alte Passe (damit meine ich aus 1858) aber auch Informationen über die Abstammung des Pferdeflüsterers. Wir wissen jetzt, dass sein Opa nicht sein Opa ist, was seine Oma in den 70ern als Ärztin verdient hat und so weiter. Nichts wegzuschmeißen ist in der Familie offenbar genetisch. Und was macht man mit alten Fotos, wo Leute drauf sind, die offenbar zur Verwandtschaft gehören, aber über die man nichts weiß?

Überhaupt müssen wir uns echt noch richtig organisieren damit wir die Wohnung leer bekommen. Manchmal stehe ich davor und weiß nicht, wie wir das anstellen sollen. Wo sollen denn, die Tonnen Bücher und Klamotten und Dinge hin? Da ist so viel dabei, was man eigentlich nicht wegwerfen kann/darf. Aber aufheben kann man auch nicht alles. Der Pferdeflüsterer redet es immer irgendwie klein und schiebt es vor sich her - hauptsächlich, weil er sich auch nicht allem stellen will.

Tja.... Und dann waren wir beide ziemlich blöd erkältet und der Pferdeflüsterer hatte eine Leistenbruch-OP. Kein Wunder, dass Weihnachten, Neujahr und mein Geburtstag irgendwie untergegangen sind.

Aber was mich nun so richtig mitnimmt ist, dass mein Lieblingschef als Geschäftsführer die Firma verlässt und keine Ahnung habe, wie ich in Zukunft mit dem anderen weiter arbeiten soll.