Das Leben der jungen J

23.06.2013 um 10:09 Uhr

Schottland - eine "kurze" Zusammenfassung

Stimmung: super entspannt

Schottland war wirklich toll. Ich weiß nicht, wann ich in meinem Leben schon mal so einen tollen Urlaub gemacht hatte. Das Gefühl, dass ein Teil von mir dort zu Hause ist, ist auch den restlichen Urlaub nicht weggegangen. Wo das herkommt, weiß ich nicht. Ich kenne niemanden aus meiner Verwandtschaft oder von meinen Vorgängern, der schottische Wurzeln hat. Ich habe mich da einfach geerdet und pudelwohl gefühlt.

Vielleicht war es auch meine Entspannung und Gelassenheit, die dazu geführt hat, dass es zwischen dem Pferdeflüsterer und mir so harmonisch war. Die Grundsatzdiskussion von vor dem Urlaub war bald völlig vergessen. Wir haben uns 2 Wochen lang richtig gut verstanden. Auf Streiten oder anzicken hatte ich überhaupt keine Lust und bin dem deshalb oft aus dem Weg gegangen.

Klar zwischendurch hat es mich schon genervt, wenn der Pferdeflüsterer als erstes, wenn wir irgendwo gehalten haben geguckt hat, ob eins der zwei englischen Internetnetze genügend Datenvolumen bot, damit er sein strategisches MMO weiterspielen konnte. Und ja... ich habe mich daher sehr über die Abgeschiedenheit gefreut, die Schottland mehr als einmal geboten hat, so dass er das Handy ohne etwas machen zu können weggelegt hat.

Es gab zwei kurze Momente die etwas kritischer waren: Der Tage als wir das Auto abgeholt haben, weil es am Anfang doch etwas anstrengend ist, wenn die Straßen eng sind, man auf der „falschen“ Seite fährt, das Fahrwerk nicht so richtig vertrauenerweckend ist, das Navi eine gefühlte Ewigkeit braucht, bis es neuberechnet hat und man darüber hinaus auch noch müde ist und der vorletzte Tag, weil wir uns nicht einigen konnten, wie wir packen. Aber ansonsten waren wir die Harmonie pur.

Apropos Auto: Campen ist toll. Die ganze Panik die ich hatte war nach einem Tag fast völlig vergessen. Ganz Schottland ist mit Campingplätzen überseht, die sich leider nicht alle auf einer Webseite, App oder Karte finden lassen - wir mussten deswegen manchmal etwas suchen, die aber durchweg in Ordnung sind.

Wir haben manchmal fast am Wasser geparkt und sind dann Abends mit dem tollsten Sonnenuntergang ins Bett gegangen und morgens mit einer Lagune und strahlend blauen Himmel wieder aufgewacht. Da nimmt auch in Kauf, dass man manchmal etwas weiter laufen muss, wenn man zur Toilette will (auch hier die Panik völlig umsonst, weil es wirklich überall Toilette gab, die auch in erstaunlich gutem Zustand waren). Nur mit dem Kochen war es nicht ganz so einfach, weil in dem Auto nur eine Mini-Pfanne (für ca. zwei Spiegeleier) und ein eher kleiner Topf ohne Deckel vorhanden war, in dem man gerade zwei Portionen Nudeln kochen konnte. Also musste ich improvisieren.

Aber die Investition in einen wirklich geräumigen Kulturbeutel, den man aufhängen kann (super Teil von Vaude; ich glaube er heißt Adonis), Mikrofaserhandtücher, die zwar auf der Haut gewöhnungsbedürftig ist, aber die praktisch nichts wiegen, sich super klein falten lassen (140x200 auf die Größe von einem Frottee 40x70) und die richtig schnell trocknen sowie eine Wäscheleine aus einem Expandergummi mit integrierten Klammern haben sich so richtig gelohnt. Auch dass wir uns im Vorfeld Gedanken gemacht haben, wie wir unseren Kaffee zubereiten wollten. Die Ersatz-Bodum war zwar schwer, hat aber den Kaffe auch tatsächlich etwas warm gehalten. Auch Topflappen und Messer haben sich bewährt. Und man braucht in Schottland unbedingt eine ausgedrucktes Navi und ich war sehr froh, dass die von der Vermietung ein gutes Exemplar beigelegt hatten.

Das Auto war aber aus unserer Sicht nicht in dem besten technischen Zustand und uns nach ca 9 Tagen auf der Pritsche schlafen auch echt zu unbequem. Es geht für ca. eine Woche aber alles darüber hinaus - dafür sind wir wohl schon zu alt. Dazu kam, dass das Bett nicht ausreichend lang für den Pferdeflüsterer war. Wir haben aber alles unterbekommen und dann manchmal auf hohem Niveau gejammert, weil doch ein wenig Platz bei der Planung verschenkt wurde. Aber wenn man sich ansieht, dass manche alte Leute im Zelt schlafen, sich junge Paare das Auto selbst umbauen und dann keine Küche drin ist und auch der T2 zwar kultiger aber nicht besser gewesen wäre, konnten wir ziemlich zufrieden sein. Ok... der Wassereinbruch durch das Aufstelldach hätte nun wirklich nicht sein müssen, aber wir hatten nur an einem Tag heftigen Regen und standen dann auch ungünstig zum Wind.

Trotzdem würden wir nächstes Mal (ja das wird es wohl geben) einen Camper wenigstens in Lieferwagengröße mit festen Bett (und festen Dach) nehmen und ihn vermutlich aus Deutschland mieten. Das ist doch wirklich günstiger, man hat die Pfannen und Töpfe dabei, die man will und man kann auch mal etwas mit zurückbringen. Da waren wir wirklich Gewichtstechnisch etwas eingeschränkt. Eine Kette für mich war dennoch drin. Jetzt habe ich mein Stück Schottland immer dabei.

Und wir lieben das Land. Edinburgh und Oban haben es uns so richtig angetan, Glasgow stinkt dagegen etwas ab. Wir lieben den wilden Rhododendron, die unterschiedlichen Wildblumen und die wechselhafte Landschaft. Manchmal fährt man durch einen Laubwald, biegt um eine Ecke und alles ist anders. Wir hatten das Gefühl im Schwarzwald zu sein und dann wieder in einer hügeligen Ausgabe der Lüneburger Heide. Die Küsten wechselten von sanften Stränden zu steilen Klippen und manchmal haben wir uns gefragt, warum die Herr der Ringe in Neuseeland gedreht haben und nicht in Schottland. Es gibt Inseln, auf denen die Camper eingezäunt waren und nicht die Schafe oder Strecken, auf denen man stundenlang keinen gesehen hat. Leider kommt man auf den Singletrack-Straßen nicht so vorwärts, wie wir gedacht haben, wegen wir manchmal froh waren 200km am Tag geschafft zu haben aber es lässt uns auch viel Spielraum für den nächsten Besuch.

Das tollste ist, dass Schottland auch noch fotogen ist, wenn das Wetter nicht so toll ist. Wir haben also nicht nur Sonnenuntergänge und Traumstände fotografiert, sondern auch wolkenverhangene Berge und phantastische Wolkenspiele. Aus den 2500 Bildern müssen nun die besten 200 rausgesucht werden. Eine schwere Aufgabe. 

Wir haben zwei Wiskey-Distillerien besichtigt und ich glaube, ich habe den Pferdeflüsterer nun so richtig zum Liebhaber bekehrt. Spätestens nachdem wir in der Hauptstadt in einem Restaurant so eine Art Tappas gegessen haben, zu denen sie auch ein Glas Wiskey gereicht haben und der Wiskey jedes Mal nach einem anderen Happen auch andere Aromen hervorgebracht hat. 

Apropos Essen. Ich weiß gar nicht, wieso immer alle über das Essen in England meckern, wir haben dort toll gegessen. Besonders an der Westküste (über was anderes können wir eh nichts sagen) haben wir in wirklich guten Fischrestaurants gespeist. Der Pferdeflüsterer hat leider nicht seine Lieblingsvariante von Fish and Chips gefunden. Die von zu Hause findet er irgendwie immer noch besser. Gefrühstückt haben wir meist im Camper. Das hatte auch etwas sehr gemütliches, wenn man dann die anderen dabei beobachten konnte, wie sie ihre Sachen einpacken und ob sie in der Lage sind ihren Anhänger anzuhängen. Manchmal sind wir auch ohne Frühstück losgefahren, weil wir keine Lust hatten uns zu stressen, wenn die vom Platz uns schon früh weghaben wollten. Das war auch schön. Außerdem haben wir schnell herausgefunden, dass die Schotten zwar kein Brot aber super leckere Brötchen backen können.

Die Sprache ist immer noch sehr gewöhnungsbedürftig und fühlt sich nicht wie die Sprache an, die ich mal in der Schule gelernt habe. „Douwanvigrr?“ „Excuse me?“ „Douwan Vinegar?“ Das aufschnappen eines Wortes inklusive Hochhalten einer Flasche ließ einen dann aber meist doch erahnen, was sie von uns wollten. Ja, wir wollten Essig auf unsere Pommes. Manche Schotten haben sich da etwas mehr Mühe gegeben und waren etwas verständlicher. Überhaupt haben wir nur nette Leute getroffen. Alle waren sehr hilfsbereit und die Camper auch sehr kommunikativ, wenn man sie vorsichtig gefragt hat, ob man mal deren Fahrzeug von innen ansehen kann. Deutsche gab es überraschend wenig, aber vermutlich reservieren sie alle auf Malle ihre Strandliegen.

Ich könnte bestimmt noch seitenweise vorschwärmen wie toll es da war und was wir alles erlebt haben. Vielleicht mache ich das auch noch. Aber für einen ersten Eindruck reicht es doch bestimmt.

Das Fazit: es war alles wirklich klasse und wir machen es bestimmt noch mal. Ein Rundherum gelungerer Urlaub, aus dem ich auf jeden Fall einiges mit in den Alltag nehmen kann.

 

04.06.2013 um 09:02 Uhr

Ich fühle mich sehr wohl

von: VomFeuerkind   Stichwörter: Schottland, Pferdeflüsterer

Stimmung: extrem gut

Schottland ist wirklich klasse. Das war zumindest mein erster Eindruck, als wir landeten und ich einen ersten Blick auf das Castle und die Berge dahinter werfen konnte. Auch die Bustour in die Stadt an den typischen Häusern vorbei und den ersten Dudelsack an der Waverly Station ließen mein Herz so hoch schlagen, dass mir vor  Heimatgefühl und einer tiefen Verbundenheit mit dem Land ein Paar Tränen die Wange runterkullerten. Es ist als hätte ich ein früheres Leben bereits hier verbracht und Ware nun nach Hause gekommen. Sofort wurde ich richtig ruhig und zufrieden. 

Ich muss auch eine Lanze für die Schotten zu mindestens in deren Hauptstadt eine Lanze brechen. Es gab welche, die uns halfen, als wir nicht wussten wohin und einer hat uns sogar Kleingeld für den Bus gegeben, der es nur passend haben will. Immerhin waren das fast 4€.

Nur der Pferdeflüsterer ist noch etwas zkeptisch, weil manche Häuser irgendwie schmuddelig aussehen. Das hat Sandstein beim älter werden nun mal an sich. Und er ist ganz enttäuscht, das unsere EURO-STECKER eben nicht in GB funktionieren. Ist ja nicht so, als hatte ich ihn nicht gewarnt und ihm dann leider doch irgendwann geglaubt. :-)