Das Leben der jungen J

23.07.2013 um 00:50 Uhr

Motivation

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: sprachlos

Warum gebe ich so viel von meinem Innersten preis? Warum teile ich meine Gedanken? Warum zeige ich hier Teile meines Charakters, den ich sonst nur meinem inneren Freundeskreis zeigen kann? Warum schreibe ich über meine Ideen, Gefühle und Eindrücke?

Ganz überrascht hat mich gestern die Nachricht, dass hier jemand unter uns Bloggern sich eine Lebensgeschichte zusammengezimmert hat und dann mit den Gefühlen eines anderen gespielt hat. Wie und warum so jemand so etwas tun kann, lässt mich seitdem, wie auch so manchen anderen von uns, nicht wirklich los. Vielleicht werden wir das auch nie klären können.

Was bleibt sind Fragen, haufenweise aufgebrachte und betrogene Blogger und ein Fake. Und eine Frage kommt nun immer wieder auf: Wer ist noch ein Fake? Wer sitzt da ganz still und heimlich in der Ecke und bereitet den nächsten Anschlag auf jemanden hier vor? Wer will sonst noch Böses?

Und daran schließt sich die Frage an, warum sollte ich hier weiterbloggen?

Die Anwort auf die Frage ist Solidarität. Diese Tat eines Einzelnen lässt hier viele Blogger aufstehen, ja regelrecht aufschreien. Viele hier solidarisieren mit der am meisten betrogenen. Stehen hinter ihr. Sprechen ihr Mut zu. Bestärken sie. Und das ist es was Macht hat. Es tut gut, wenn andere mit einem solidarisieren. Sich über gemeinsam über Ungerechtigkeit zu entrüsten. Sich hinter einen stellen. Mut zu sprechen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Deswegen werde ich auch nicht müde Gedanken zu teilen und einen Teil von mir zu zeigen, der sonst oft verborgen ist. Meine intimsten Gedanken und Gefühle formulieren und sie durch das Schreiben vielleicht besser zu verstehen. Macht es mich verletzlich? Vielleicht sogar angreifbar? Ja. Das tut es. Aber es hilft auch anderen und macht ihnen auch Mut. Und ich lerne hier sehr viel, auch durch Eure vielen Kommentare.

Ich möchte dies jetzt mal zum Anlass nehmen und mich bei allen bedanken, die mich bestärkt haben, die mir andere Blickwinkel aufgezeigt haben, die diesen Blog zu dem gemacht haben, was er ist: Toll!

Danke. Danke Euch allen. 

22.07.2013 um 15:07 Uhr

Es ist warm

Stimmung: Warm.

Wie definiert man zu warm? Wenn man mit dem Armen an der Tischplatte festklebt, der Kaffee auch nach einer halben Stunde nicht abgekühlt ist und der Ventilator nur warme Luft zufächelt. Also eigentlich das perfekte Wetter, um am See zu liegen und immer wenn es zu warm ist, schnell mal reinzuspringen. Aber ich habe heute Abend eine Trainerstunde.

Was habe ich mir nur dabei gedacht, ausgerechnet jetzt, wo gerade der Sommer angefangen hat, einen Probemonat im Fitnessstudio zu machen? Meine Freundin und ich sind an sich hoch motiviert. Der Plan waren 2-3 Abende, die wir uns dort treffen und dann entweder an den Geräten turnen oder bei einem Kurs mitmachen wollten. Was hat mich da bloß geritten? Das muss wirklich ein Anfall geistiger Umnachtung gewesen sein.

Draußen sind es 31°C und drinnen auch nicht gerade weniger und bei dem letzten Steppaerobic wo es nur 27°C waren bin ich schon regelrecht zerflossen und hätte spätestens hinterher ein Sauerstoffzelt gebraucht. Heute ist es definitiv zu warm für Sport.

Gehe ich trotzdem hin? Ja, aber nur weil ich verabredet bin. Und weil ich mir gerade beim Bücken die Hose zerrissen habe. Das ist doch das ultimative Signal, dass jetzt mal so richtig etwas passieren muss. Ärgerlich ist, dass es eine der wenigen leichten sommerlichen Hosen ist, die gerade passen, aber ich glaube man kann das flicken – zu Hause. Jetzt sitze ich hier und hoffe darauf, dass die letzte Stunde auch bald um geht, ich bis dahin nicht zerflossen bin und keiner merkt, dass meine Hose im Schritt nun ein Loch hat oder dass mein Gehirn schon seit 5°C nicht mehr funktioniert. Glücklicherweise habe ich die Beine ja meist unter dem Tisch.

18.07.2013 um 13:24 Uhr

Auf der Waagschale

Heute Morgen ist schon wieder so ein Tag. Ich bin aufgewacht, hatte super Laune, habe ein wenig rumgetüdelt, noch eine Folge meiner aktuellen Serie gesehen, dabei gemütlich einen Kaffee getrunken, habe mich fertig gemacht und dann ging es mit meiner Laune nur noch abwärts. Jetzt sitze ich auf der Arbeit und ich muss die ganze Zeit einen Wutanfall runter kämpfen, bin plötzlich so müde, dass ich fast mit dem Kopf auf die Tischplatte fallen könnte und habe eine Unlust, die man schon gar nicht mehr in Worte fassen will.

Ich glaube, ich habe zu viel nachgedacht. Mir fiel heute Morgen nämlich ein, dass mein Chef gestern gemeint hat, dass ich doch als Hauptkontakt für unseren wichtigsten Kunden fungieren könnte und dass ich dafür dann ein Smartphone bekommen könnte, damit ich immer gleich auf Emails und Anrufe reagieren kann – falls mal was ist. Eigentlich könnte ich mich über die Chance sehr freuen, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto schlechter wird mein Gefühl dabei.

Also ich habe hier eigentlich einen ziemlich lockeren Job. Ich kann fast kommen wann ich will, kann unglaublich vieler meiner Fähigkeiten einbringen und genieße gewisse Privilegien, weil ich unverblümt meine Meinung sagen kann. Weil es hier so vielseitig ist, macht es mir unglaublich viel Spaß, ich mag meine Kollegen und der doofe Chef und ich haben uns auch irgendwie miteinander arrangiert, so dass das Verhältnis einigermaßen funktioniert. Auch wenn ich hier unglaublich viele Freiheiten habe, leiste ich hier auch einiges. Ich kriege es hin, viele Bälle in der Luft zu halten, finde Lösungen, wo andere schon aufgegeben haben, denke mich in die technischsten Probleme ein (obwohl ich eigentlich BWLer bin), entwickle Vermarktungskonzepte und neue Ideen, gestalte User Interfaces, leite Projekte, organisiere Veranstaltungen und so weiter und so weiter. Es gibt sehr wenige Herausforderungen, die ich hier nicht gemeistert habe und dann meist nur, weil ich eben auch meine Grenzen habe.

Und fast jedes Mal, wenn ich den Gehaltscheck bekomme ärgere ich mich darüber. Ich habe studiert und mittlerweile 7 Jahre Berufserfahrung und bin auch schon 3 Jahre hier im Unternehmen und verdiene kaum mehr als ein Student, der frisch von der Uni kommt. Gut… sie haben mich damals gerettet, als ich keine anderen Alternativen hatte, aber so langsam sollten sie doch mal meinen Wert hier erkannt haben. Mal das Gehalt anpassen. Schließlich wären sie gar nicht in der Position am Markt in der sie sich jetzt befinden, wenn es mich nicht gegeben hätte. Sie sind dann zwar immer irgendwie dankbar, aber wirklich zugeben, wie wichtig ich bin, machen sie leider auch nicht. Ich bin hier genauso ein Genie wie die anderen, nur das sie messbare Ergebnisse in Form fertiger Software produzieren und mein Mehrwert immer nur indirekt wirkt. Und das ärgert mich, hauptsächlich weil ich mich ausgenutzt fühle. Dazu kommt, dass ich nun mittlerweile auch in einem Alter bin, wo man mal über seine Zukunft nachdenken muss und über die Rente und so.

Und nun schlagen zwei Herzen in mir. Einmal die Seite, die hier gern arbeitet und die andere Seite, die gern in der Weltgeschichte rumreisen, Golf spielen und sich schöne Sachen leisten möchte, die das auch im Alter noch möchte. Bisher hat die Seite, die Spaß an der Arbeit hat gewonnen. Aber jetzt kommt mein Chef mit dieser ich-könnte-ja-dann-mal-ständig-meine-Mails-lesen-Idee! Und ich sehe doch, was das aus den Jungs hier macht. Denkt er sich jetzt tatsächlich, dass er für das bisschen Geld auch noch Bereitschaftsdienst bekommt? Dass ich dafür auch noch meine Freizeit opfere? Vielleicht sogar meine Gesundheit? Das macht mich wirklich sauer. Neues Smartphone hin oder her. Ne. Das will ich so nicht.

Und jetzt denke ich die ganze Zeit schon über meine Optionen nach.

Option 1 ist eine Gehaltsverhandlung. Dummerweise, gehört Verhandeln (besonders, wenn es um meine Interessen geht) nicht zu meinen Stärken und dummerweise habe ich noch keinen Kniff gefunden, mit dem ich ihn um den Finger wickeln kann und so bekomme, was ich will. Ok… das stimmt nicht so ganz. Wenn es um eine Arbeit, Idee oder so was geht, bekomme ich das hin. Dann zeige ich ihm auf, welche Konsequenzen es hat, etwas anders zu machen als ich das gern hätte. Ich mache ihm die Vorzüge schmackhaft und die Nachteile madig. Oft entscheidet er sich dann für meinen Weg.

Aber da betrifft es mich ja nicht direkt. Wenn ich jetzt sagen würde, dass ich das mit der Bereitschaft nur mache, wenn ich mehr Geld bekomme, sagt er „ok, dann frage ich eben deinen Kollegen.“ Damit bleibt dann alles so wie es gerade ist, ich krieg nicht mehr Geld, nicht mehr Verantwortung und er ist auch noch sauer. Wenn ich sage ich suche mir eine Alternative, sagt er, „klar, geh doch, ich finde auch wen anderes, der Deinen Job will!“ Das ist vermutlich ein Bluff, weil es nicht so viele Leute da draußen gibt, die das alles können was ich kann oder mache und die das auch noch für das bisschen Geld machen würden. Ich könnte auch einfach warten, bis ich der Kontakt für den Kunden bin und dann sagen, dass es doch mehr Aufwand ist, als ich dachte und ich jetzt mehr Geld will. Aber da lässt er sich eben auch nicht drauf ein und dann habe ich den Teiljob am Hals und kriege immer noch nicht mehr Geld. Keine Ahnung, wie man das verpackt. Ich habe auch keinen im Bekanntenkreis, der das gut kann, den man fragen könnte. Ist auch nicht so, als wäre es hier üblich einmal im Jahr ein Personalgespräch zu führen. Oder zweit in so was rein zu gehen. Und einfach zu sagen, Chef ich will mehr Geld, traue ich mich auch nicht. Dann bin ich wieder so ein kleines Mäuschen, was das Licht unter den Scheffel stellt.

Option 2 ist natürlich den Job zu wechseln. Aber man weiß eben nicht, auf was man sich dann sonst noch so einlässt. Es kann ja sein, dass ich einen neuen Job habe, der mir weniger Spaß macht oder wo die Leute oder die Philosophie doof sind. Oder ich keinen finde. Oder ich weniger Freiräume habe. Oder ich umziehen muss. Oder es mich charakterlich verändert. Wenn ich wechsle müsste es das schon etwas sein, was mir wirklich gut gefällt. Aber wie findet man so was? Ist ja auch nicht so, als würde ich nicht schon immer zwischendurch mal gucken. Und wenn ich ehrlich bin, behagt mir ein neuer Job irgendwie nicht so richtig. Ich will den alten. Ich will nur mehr Geld.

Das ist doch alles blöd. Wie geht man das bloß an?

10.07.2013 um 17:32 Uhr

Wieder auf dem Boden

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: zuversichtlich

Mich hat ja die Frage, warum ich da am Wochenende wegen meiner Cousine so ausgetickt bin, nicht losgelassen. Auf die Lösung kam ich eigentlich, als ich über etwas ganz anderes nachgedacht habe.

Ich wollte nämlich herausfinden, warum ich gerne mehr Geld hätte. Was ist meine Motivation hinter diesem Wunsch und warum klappt es nicht? Da waren einige wirklich gute Motivationen bei, wie z.B. das ich gern wertgeschätzt werden möchte oder ich mehr (finanzielle) Sicherheit auch für später will. Aber dass ich mir davon Dinge kaufen will, ließ mich aufhorchen. Was für Dinge? Kleidung. Aha. Warum? Weil ich die anderen beeindrucken will. Wer sind denn die anderen?

Eine Frage nach der anderen poppte auf und immer wenn ich eine Frage beantwortet hatte, lag die nächste Frage ganz klar vor mir. Und so langsam verstand ich. Ich will die Leute aus meiner Heimatstadt beeindrucken. Ich will von Ihnen anerkannt und gesehen werden. Es sind nur die. Alle meine Freunde, Kollegen und Bekannte hier betrifft das nicht. Hier habe ich ein Umfeld, dass mich nimmt wie ich bin – was harte Arbeit war. Für die muss ich keine Statussymbole haben oder gesellschaftlichen Konventionen folgen. Hier erwartet keiner von mir, dass ich erfolgreich oder gutaussehend bin oder Ehemann und Kinder habe.

Tja. Und wenn ein Teil von mir Leute beeindrucken will, die mich oberflächlich beurteilen, ist es nur logisch, eben genau nach diesen (mir manchmal verhassten) Statussymbolen und gesellschaftlichen Konventionen zu streben. Darunter fällt eben ein toller Job, super aussehen (sprich abnehmen), ein toller Freund, Hochzeit, Kinder. So weit so gut. Gefällt mir nicht, kann ich für den Moment nicht ändern. Das ist so tief in mir drin verwurzelt. Aber muss ich denn wirklich heiraten oder den Job wechseln, um von denen anerkannt zu werden? Gibt es da denn keine andere Möglichkeit?

Was mach ich normalerweise mit Leuten, die ich beeindrucken will? Richtig, ich zeige ihnen, wie ich wirklich bin. Zeige ihnen wie denke, dass ich clever bin und viele Fähigkeiten habe. Und wenn sie es nicht verstehen, dann sind sie mir auch nicht mehr wichtig. Dumm ist nur, dass ich kaum Kontakt zu den Leuten dort habe. Alles was die über mich zu wissen glauben, kommt von meiner Mutter – die mit mir angibt – und von den paar Gelegenheiten im Jahr an denen wir uns über den Weg laufen. Meist ist dann immer Alkohol im Spiel. Also eigentlich kennen die mich nicht. So. Mit dieser Erkenntnis ist es schon etwas leichter zu ertragen, dass sie mich oberflächlich verurteilen. Sie kennen mich nicht. Macht man ja oft mit Leuten, die man nicht kennt: Schublade auf, Mensch rein, Schublade zu. Normalerweise kostet mich das ein Lächeln und ein Schulterzucken.

Bleibt noch das Thema mit meiner Mutter. Denn wie ich vor einer Weile erkannt habe, definiert sich meine Mutter eigentlich nur darüber mich geboren, aufgezogen und in die Welt geschickt zu haben. Das heißt auch, dass sie meine Erfolge, mein gutes Aussehen, meinen Beziehungsstatus braucht, damit sie sich gut fühlt. Es macht sie stolz eine tolle Tochter zu haben. Dann ist sie eben auch eine tolle Mutter. Das ist zwar arm, aber so ist es leider. Dumm ist nur, dass ich mich nun schon eine Weile gegen diese Denke auflehne. Ich sehe es nicht ein einen Job zu haben, nur um einen gewissen Status zu haben, ohne dass er mir Spaß macht. Ich will nicht heiraten, weil man es eben so macht. Ich habe da meine eigenen Motivationen. Und leider wirke ich da oberflächlich betrachtet eben nicht erfolgreich, gutaussehend mit dem Traummann an meiner Seite.

Ich mache also nicht das, was sie sich von ihrer Tochter wünschen würde, also kriegt sie das Gefühl, in ihrer Rolle als Mutter versagt zu haben. Dabei sieht sie nicht, wie toll ich eigentlich wirklich bin. Auf welche Art man noch „toll“ definieren könnte. Wie toll es z.B. ist, dass ich mein Ding mache. Wie großartig ihre Leistung als Mutter ist, eben weil ich gelernt habe, anders zu sein.

Ich versuche nun schon eine Weile, ihr das klar zu machen. Ganz langsam sinkt das auch bei ihr ein. Ganz langsam versteht sie, dass sie anders messen muss, dass sie eine tolle Tochter hat, als am Gehaltscheck, an der Kilozahl auf der Waage und an der Zahl der Kinder. Wenn sie das verstanden hat und wirklich voll hinter mir steht, dann trägt sie das auch nach außen und gibt dann auf andere Art mit ihrer Tochter an. Vielleicht verstehen mich dann auch die Leute in ihrem Umfeld in meiner Heimatstadt etwas besser und ich muss dann nicht mehr Konventionen folgen, als wäre es mein innerer Zwang.

Also, dass mein Verhalten am Wochenende die totale Katastrophe war, brauche ich nicht noch mal zu betonen. Ich war so was von nicht ich selbst. Fast schon fremdgesteuert. Aber dass ich von den Leuten in meiner Heimatstadt anerkannt werden will erklärt, warum es mir so nahe ging, dass ich nicht eingeladen wurde. Ich gehöre eben nicht dazu. Sie sehen mich nicht. Einen Teil von mir wurmt dieser Zustand bis er grün vor Neid ist, aber ein anderer freut sich darüber, weil ich dann doch in den letzten Jahren etwas richtig gemacht habe. Es erklärt, warum dieser Teil von mir nie wieder da zurück will und ich sogar einen Bannkreis um die Stadt gezogen habe, in den ich nie wieder ziehen werde. Es erklärt warum ich so unbedingt selbst heiraten wollte, nur um es denen zu beweisen oder um doch noch anerkannt zu werden. Aber kaum bin ich wieder zu Hause angekommen, ist DIESE Motivation dahinter verflogen.

Es bleibt nur noch der Wunsch danach, mit dem Pferdeflüsterer alt zu werden. Ob mit oder ohne Trauschein ist eigentlich egal.

09.07.2013 um 17:08 Uhr

Stell dir vor deine Cousine heiratet und du bist nicht eingeladen!!

Stimmung: immer noch ein wenig neidisch

Ist ja eigentlich nicht wirklich schlimm. Ich meine, es gibt haufenweise Leute da draußen, die keinen besonderen Wert darauf legen, eben nicht zu gesellschaftlichen Anlässen zu müssen und sie da mit Leuten auseinander zu setzen, die man nicht kennt, nicht mag oder lieber nicht sehen will. Aber in meinem Fall geht mir das ziemlich auf die Nerven.

Also meine Zicken-Cousine heiratet. Und der Ausdruck „Zicken-Cousine“ sagt ja schon alles. Aber ich hole da mal etwas aus und erkläre unser Verhältnis mal ein wenig.

Die Zicke ist 5 Jahre jünger als ich und hat noch eine Schwester die 4 Jahre jünger als ich ist. Als ich noch kleiner war, sind wir drei fast wie Geschwister aufgewachsen. Ich habe da gewohnt, als meine Mutter in Kur war, wir hatten die gleichen Kleidchen an, wir haben uns fast täglich gesehen, es gab jeden Sonntag diese Familienkaffeetrinken etc. etc. Und dann haben wir uns mit der Scheidung meiner Tante aus den Augen verloren und selbst als wir uns öfter über den Weg liefen, so richtig kam der Kontakt nicht wieder in Gang.

Abgesehen davon, dass sie auf sehr hässliche Art und Weise meine Tante ausnutzte, intrigierte sie auch noch gegen mich. Denn schließlich halte ich mich ja für sowas besseres, nur weil ich studiert habe (ich weiß - hat auch sonst keiner bemerkt). Und so kam es, dass man mich zur Konfirmation meines Cousins auslud. Nein, man lud mich nicht nur nicht ein, man lud mich regelrecht aus. Ich war Person non grata. Es gab ein wenig TamTam und ich drufte doch kommen. 

Gut… das, dachte ich, hätten wir hinter uns gelassen, aber jetzt bin ich auch nicht zu ihrer Hochzeit eingeladen. Anfangs fand ich das nicht schlimm. Braucht man kein Geschenk kaufen oder möglichst viel Geld möglichst ansprechend verpacken und das Beste an allem, ich müsste sie auch nicht einladen, wenn es dann bei mir irgendwann soweit ist. Aber dann war jetzt am Wochenende die B-Party. Der Polterabend. Die Party zu der alle eingeladen werden. Alle. Nicht nur der erlesene Kreis, der auch zur richtigen Hochzeitsfeier darf. Also flatterte 2 Wochen vorher (deutlich später als bei allen anderen) per sms (gut darüber kann man sich streiten) die Einladung zu ihrem Polterabend ins Haus. Und natürlich ging ich hin.

Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee war. Die Party selbst war noch ganz locker aber am nächsten Morgen und den nächsten Tag hatte ich so richtig schlechte Laune.

Sie hat diesen neuen wirklich sympathischen und netten Freund (Verlobten), der ihr nach ca. 1,5 Jahren Beziehung auch noch einen wunderschönen Heiratsantrag gemacht hat, sieht super schlank aus (was bei uns in der Familie immer selten ist und schon allein ein Grund grün zu werden), hat eine super Party in irgend so einer Scheune geschmissen (ha, wenigstens der DJ war Mist!) und als wäre das noch nicht genug, hatte sie super viele Gäste, die auch noch alle nett waren.

Ich dagegen bin gerade unförmig (vielleicht noch nicht so schlimm, wie eine andere Cousine, meine Mutter oder meine Tante), stecke in einer Beziehung fest, in der es aber auch gar keinen Schritt weiter geht (wir schaffen es ja noch nicht mal zusammenzuziehen, da kann ja von Hochzeit ja wohl nicht die Rede sein) und alle um mich herum heiraten. Jetzt sogar meine Zicken-Cousine die auch noch 5 Jahre jünger ist als ich. Warum haben immer alle einen Freund, der weiß was er will? Der auch zeigen kann, dass er hinter einem steht? Dass er mit einem das Leben verbringen will?

Ja, verdammt! Ich bin neidisch. Und zwar so richtig.

Und dann zeigte meine Mutter beim Mittagessen auch noch die Hochzeitseinladung von dem anderen Pärchen aus unserem Bekanntenkreis, die auch noch dieses Jahr heiraten und wo ich wohl auch nicht eingeladen bin. Bin ich denn jetzt Luft oder was? Nur weil ich nicht mehr in dem Dunstkreis wohne, werde ich nicht mehr einbezogen?

Wut kochte in mir hoch und entlud sich dann beim Essen. Ich hatte plötzlich die schlechteste Laune aller Zeiten. Jetzt bereute ich schon, dass ich mir für das Fucking Geschenk auch noch Gedanken gemacht habe. Dass ich keinerlei verbale Spitzen meiner Cousine gegenüber verteilt habe. Dass ich den ganzen Abend nett und gut gelaunt war.

Und eh ich es mich versah, heulte ich, hetzte unschön gegen die Zicke, machte Pläne, auf welche Art ich sie denn ausladen würde, wenn es denn bei mir endlich so weit sein würde, fuhr den Pferdeflüsterer vor meinen Eltern an, dass selbst ER mich nicht zu seiner Hochzeit einladen würde, erwähnte mehrfach das Thema Heirat höchst undiplomatisch und stand dann auch noch beim Spaziergehen vor dem Juwelier und deutete auf den ein oder anderen Ring.

Irgendwann setzte dann wieder mein Gehirn ein. Sag mal Süße, was tust du denn gerade? Spinnst du eigentlich? Den Pferdeflüsterer so fertig zu machen? Wegen einer Hochzeit? Und das auch noch vor deinen Eltern? Vor deiner Mutter? Geht es noch? Du kannst wirklich froh sein, wenn er jetzt nicht die Beine in die Hand nimmt und sich für immer verdrückt. Was zum Henker hat dich denn bitte da geritten?

Weiß ich nicht. Wirklich nicht. Immer noch nicht. Torschlusspanik! Anders kann ich mir das nicht erklären. Ist mir jetzt super peinlich. Ich hab mich auch für mein Verhalten entschuldigt – wenn das noch etwas geholfen hat.

Und der Pferdeflüsterer? Der fand das offenbar - putzig. Das ist glaube ich ein gutes Wort dafür. Aber es stachelte mich natürlich noch mehr auf - das ständige süffisante Grinsen. Er fragte mich, wen er denn heiraten solle, damit er mich zu seiner Hochzeit einladen könnte (was leichte Rauchwolken aus meinen Nasenlöchern hervorbrachte, die er einfach angriste), stand neben mir beim Juwelier und zeigte auch auf den ein oder anderen Ring (er meinte noch, dass ich das doch früher mal gesagte hätte, dass er erst dann einen Antrag machen muss, wenn ich ihm Ringe zeige, die mir gefallen) und betonte leicht verschmitzt lächelnd, dass der Hinweis alles andere als dezent gewesen wäre und das Brandenburger Tor im Vergleich zu meinen „dezenten Hinweisen“ ein Zahnstocher wäre. Er war den ganzen Tag super entspannt, verstand sich sogar mit meiner Mutter und war sogar im Auto auf der Rückfahrt guter Dinge.

Er war so entspannt und gut gelaunt, dass es mich fast misstrauisch macht. Warum findet mein lieber Freund, der sich so anstellt, wenn es um das Thema Zusammenziehen geht, es putzig (!), wenn ich wegen Torschlusspanik „ein wenig“ am Rad drehe?

Entweder habe ich nun tatsächlich einen wundervollen Freund oder er überlegt schon, wie er es verpackt, dass ich bei seiner Hochzeit tatsächlich nur als Gast und nicht als Hauptakteur dabei sein werde. Keine Ahnung. Ich check es nicht.