Das Leben der jungen J

19.08.2013 um 17:51 Uhr

Die große Unlust

Stimmung: mittelprächtig

Ich hatte so ein schönes Wochenende und bin heute Morgen mit super Laune aufgewacht und habe jetzt mittags schon einen völligen Tiefpunkt erreicht. Nach den letzten Wochen, in denen ich mit Ideen und Vorschlägen aktiv den Vertrieb unterstützt habe, dachte ich dass ich mich mal wieder um meine anderen Aufgaben kümmern könnte, nämlich bestehende Kunden glücklich zu machen. Aber nein, mein Chef kam schon wieder mit der nächsten Vertriebsaufgabe an. Normalerweise habe ich damit kein Problem. Ist ja völlig egal, ob man eine Idee für ein künftiges oder bereits bestehendes Projekt entwickelt. Und wenn ich wirklich noch hinter der Firma stehen würde, hätte ich da auch richtig Spaß dran und würde mich freuen, endlich mal nach 4 Jahren das machen zu können, wofür ich eingestellt wurde.

Aber im Moment raubt mir die Vorstellung, etwas tun zu müssen, was die Firma langfristig nach vorne bringt, die Luft. Ich merke förmlich, wie sich mein Magen umdreht und sich eine unglaubliche Unlust auf diese Aufgabe in mir aufsteigt. Ich komme mir so falsch vor, weil ich dann zwar nicke und versuche mein Bestes zu geben (auch wenn das ohne Herzblut etwas schwierig ist) aber im Grunde hoffe ich, dass ich nicht mehr lange genug da sein werde, um die Früchte zu ernten. (Selbst wenn das mit dem Job nicht klappt.) Und ich verstehe auch nicht, warum ich nicht trotzdem der Firma das Beste wünschen kann. Warum ich mich nicht dafür engagieren kann, dass sie hier erst mal eine Weile von meinen Früchten leben können. .

Aber es ist anders. Ich will nicht, dass es ihnen gut geht, wenn ich weg bin. Ich will, dass sie endlich merken, was ich alles geleistet habe. Ich will nicht, dass sie neue Projekte bekommen. Ich will unersetzbar sein und dennoch gehen und sie mit ihrem ganzen Kram im Stich lassen. Ich will bockig sein, wie ein kleines Kind. Schließlich haben sie mich schlecht behandelt und da ist es nur fair, wenn ich das auch tue. Ich will, dass sie leiden! Harharhar! .

Ehrlich gesagt, erschrecken mich diese Gedanken. Eigentlich bin ich nicht so. Das scheint wohl irgendwie meine dunkle Seite zu sein. Und vor allem, hat die Denkweise auch irgendwie einen Fehler. Denn wie sollen sie merken, dass ich fehle, wenn ich die ganze Zeit nicht mein bestes gebe? Also stecke ich in einem Dilemma. Die eine Seite, will der Firma bewusst schaden (wehrt sich gegen neue Projekte) und die andere will vermisst werden (versucht ihr Bestes zu geben). .

Und mit dieser inneren Zerrissenheit geht es mir hier noch schlechter als sonst. Dabei dachte ich, dass ich doch nun endlich einen Weg gefunden hätte, wie ich mit der Situation klar komme. Eben weil ich gehen aber trotzdem nicht innerlich kündigen will. Bevor ich die Bewerbung losgeschickt hatte, war es auch so. Und jetzt… jetzt macht mir Arbeiten weniger Spaß denn je. Hoffentlich finde ich bald einen Weg.

13.08.2013 um 13:30 Uhr

Und was nun?

Stimmung: mal wieder leicht panisch

Weil der Pferdeflüsterer wieder zurück in seine alte Heimat will und wir beide mit unserer Job-Situation nicht so richtig zufrieden sind, habe ich letztens aus einem spontanen Anfall und weil mir etwas Passendes über den Weg gelaufen ist einfach mal eine Bewerbung in die Region geschrieben. Offenbar habe ich nun doch mal den richtigen Ton getroffen und wurde auf ein Telefoninterview eingeladen. Natürlich habe mich darüber gefreut, weil ich in der letzten Zeit viele Bewerbungen geschrieben habe, auf die es kein positives Feedback gar und war schon leicht frustriert, dass nie etwas passiert.

Gut…damit hatte ich in dem Fall auch gerechnet und so war das alles zwar von der Argumentation durchdacht, aber ohne richtiges Herzblut und ohne, dass ich mir über die Auswirkungen wirklich Gedanken gemacht hatte. Und nun kam ich doch eine Runde weiter? Wo ich bei anderen Jobs, weit weniger halbherzig an die Sache rangekommen war? Dann kam auch noch hinzu, dass ich auf den zweiten Blick überhaupt nicht mehr wusste, ob ich das überhaupt machen wollen würde. Schließlich handelt es sich um eine ziemlich verstaubte Branche. Ohne Esprit, Elan oder gar Jugendlichkeit. Wie soll ich denn da einen Platz finden? Ich als Visionärin mit dem Mut mal was anzupacken und verändern?

Trotzdem dachte ich, könnte ich mir mal anhören, was die zu sagen haben. Nicht auch zuletzt, weil ich dadurch Bewerbungsgesprächspraxis bekomme und vielleicht mal meinen Marktwert abchecken kann. Wie das nun mal meine Art ist, fing ich an das Unternehmen mal genauer abzuchecken. Und staunte nicht schlecht, wie groß das im Hintergrund in Wirklichkeit ist. Und ja.. etwas eingestaubt, aber nicht so sehr, wie ich es mir vorgestellt habe.

Dann hatte ich heute das Gespräch und plötzlich ist die Stelle und das Unternehmen genau mein Ding. Es geht um etwas Neues. Eine Art Start-Up. Etwas, was noch mit vielen Ideen aus den Kinderschuhen gehoben werden soll. Etwas wo man was Bewegen darf und soll. Wo Verbesserungswünsche gewollt sind. Wo man einen Macher braucht. Und das Beste von allem, es steckt auch Geld dahinter. Anders als in normalen Start-Ups, können die mich auch tatsächlich bezahlen. (Und schon hat mich die Zahl geärgert, die ich in die Bewerbung reingeschrieben habe. Naja, ist ja nicht für immer.)

Auch wenn das Gespräch wirklich gut gelaufen ist und ich auch nach den Äußerungen stark damit rechne, dass ich in die nächste Runde darf, heißt es noch lange nicht, dass ich den Job auch wirklich bekomme und ihn dann auch annehme. Da sind noch viel zu viele Fragezeichen. Aber trotzdem. Was wäre denn nun, wenn ich ein Angebot bekommen würde, was ich nicht ablehnen kann? Wenn mich der Job so kickt, dass ich es wirklich gern machen will? Möchte ich wirklich umziehen? Was neues anfangen? Mein Umfeld verlassen? Das Fitnessstudio, was ich gerade entdeckt habe? Meine Sportfreundin? Bin ich wirklich mutig genug? Würde der Pferdeflüsterer nun endlich seinen Arsch hoch bekommen und sich auch bewegen? Oder hätten wir dann womöglich eine echte Fernbeziehung? Eine wo man nicht einfach so am Abend den anderen besuchen fährt und morgens wieder zurück? Was wenn ich dann in der anderen Stadt ohne Freunde, aber mit einem tollen Job festsitzen würde? Und was, wenn es mir da doch nicht gefällt? Wenn das Umfeld nicht passt? Wenn ich mich falsch entschieden habe? Wenn ich da nicht glücklich werde? Oder noch schlimmer: die schmeißen mich innerhalb der Probezeit raus, weil sie sich doch was anderes erhofft haben?

Ehrlich mal, die Geister, die ich rief. Klar immer einen Schritt nach dem anderen und ja es ist zu früh für Panik. Aber was mach ich denn jetzt?

05.08.2013 um 12:58 Uhr

Vom Fieber gepackt

von: VomFeuerkind   Kategorie: Geschichten vom weltbesten Freund   Stichwörter: rauchender, Schädel

Uns hat offenbar das Camping Fieber erwischt. Nein… wir haben nicht den nächsten Urlaub geplant. Im Grunde ist es schlimmer. Wir haben uns Wohnmobile angesehen. Der Pferdeflüsterer ist ja ohnehin ein Autonarr und die m*obile.de App ist die meistbenutzte App auf seinem Tablet (manchmal bin ich mir nicht sicher, ob er das Tablet nicht ausschließlich zu diesem Zweck gekauft hat). Jedenfalls kann er sich stundenlang damit aufhalten. Auch ohne Kaufabsichten. Aber seitdem letzten Urlaub ist auch das Thema WoMo und Wohnwagen stärker in den Fokus gerückt.

Also sind wir am Samstag früh aufgestanden und haben uns ein WoMo, das in der Nähe stand, mal angesehen. Nein – dies spezielle Fahrzeug kaufen wir bestimmt nicht. Das war überall dreckig, abgewohnt, beschädigt, haufenweise lose Schalter, nicht festgeschraubte Griffe und zu allem Überfluss min 5T€ zu teuer. Da half die geringe Kilometerzahl auch nicht, den Preis zu rechtfertigen. Und selbst wenn wir es schaffen sollten, unseren Wunschpreis für dieses Teil zu erzielen, könnten wir für den Wunsch-Preis auch etwas gut Gepflegtes bekommen. Zu blöd, dass die meisten ansprechenden WoMos irgendwo in Süddeutschland stehen und das Ansehen schon min. einen Wochenendtrip bedeuten würde.

Jedenfalls verbrachte der Pferdeflüsterer die restlichen Stunden des Wochenendes damit, seine Lieblings-App zu quälen und über die miese Internet-Verbindung bei ihm zu Hause zu mosern. Mit einer Ausdauer, die ich wirklich bewundernswert finde, sah er sich ein Foto nach dem anderen an, las Detail-Seite um Detail-Seite und präsentierte mir erst diese Raumaufteilung, dann jene. Was ich echt nicht verstehen kann, warum die auch in den neuen Modellen immer so furchtbare Stoffe verwendet werden. Vorherrschende Farbe für die Sitzmöbel scheint blau zu sein. Das kann dann wahlweise mit Blümchen, Punkten oder Streifen kombiniert werden. Besonders schrecklich finde ich diese großflächigen und bunten Muster, die mich an die Sofas meiner Tante aus den 90ern erinnern. Schlimm.

Das scheint für mich irgendwie Kleingärtnermentalität zu sein. (Entschuldigt bitte, falls ich mit diesem Vergleich irgendjemanden auf den Fuß trete.) Es muss alles sauber und ordentlich sein und der Norm entsprechen. Gut... vielleicht sind die WoMos deswegen alle weiß/beige von außen, weil das praktisch ist. Und vielleicht sind große Muster und speziell blaue Farben besonders fleckunempfindlich. Aber mir fehlt da die Individualität. Und wenn die sich von außen schon alle so ähnlich sehen, können sie sich doch auch wenigstens innen unterscheiden, oder? Nachdem was ich da jetzt über die Muster gelernt habe, bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass sich die Zielgruppe der WoMo Besitzer und der Kleingärtner nicht so groß unterscheidet. Ich stelle mir da spießige Omas und Opas vor, die irgendwas erleben wollen und auf jeden Fall das Muster, dass sie zu Hause die letzten 30 Jahren angesehen haben, auch unbedingt mit in den Urlaub nehmen wollen. Und nachdem was wir auf dem einen Campingplatz auf Skye erlebt haben, kann ich das Vorurteil auch teilweise bestätigen. („Nein, Sie dürfen da nicht parken, weil das dann keine 6m zum Nachbarn mehr sind!... Nein, 5,80m reichen nicht!... Tut uns leid, wenn Sie keine Keile haben und die Stelle überschwemmt und schief ist, es müssen 6m Platz sein. Nein… nicht zum Wohnwagen. Zum Vorzelt!“ Ehrlich mal. Da fahren wir nie wieder hin, auch wenn es der letzte Campingplatz der Welt wäre.) Ich habe mich also innerlich schon fast darauf eingestellt, für außen eine farbige Folie zu designen und für innen neue Bezüge zu nähen. Ich weigere mich nämlich, Teil des Einheitsbreis zu sein.

Allen guten Vorzeichen zum Trotz, gibt es also nach diesem Wochenende Dauerguckens noch kein konkretes WoMo, was wir ins Auge gefasst haben, aber wir haben eine Lieblingsmarke entdeckt. Eine, die von der Aufteilung her genau das bietet, was wir uns vorgestellt haben: nicht zu lang ist (meine Vorgabe sind <6m – wegen den Fähren), wirklich schöne Designelemente (Schränke, Lautsprecher, Dusche, Dunstabzugshaube sehen eben mal elegant aus und nicht wie Eiche brutal), ein bißchen technischen Schnickschnack (für den Pferdeflüsterer), super Raumaufteilung und Platzausnutzung (wenn man das von den Fotos überhaupt einschätzen kann), von außen tatsächlich ansprechend und das beste von allem: die Farben der Möbel tun nicht so doll in den Augen weh. Dazu gibt es auch viele sehr gut gepflegte gebrauchte Modelle in der Preisklasse, die uns so vorschwebt.

Dann mal sehen, vielleicht sind wir demnächst echte Camper. Ich stelle mir das wirklich nett vor. Da kann man mal für ein Wochenende irgendwo hin, braucht sich keine Gedanken wegen dem Schlafplatz machen, kann die Golfausrüstung mitnehmen, vor Ort kochen. Toll. Und das alles nur, weil uns der letzte Urlaub so gefallen hat. Wer hätte das gedacht?

Außerdem ist noch zu berichten, dass es mir wieder gut geht. Warum ich die komplette letzte Woche so richtig schlechte Laune hatte, weiß ich nicht. Naja… kann sein, dass schon wieder eine Blasenentzündung im Anmarsch ist. Schlechte Laune, gepaart mit Nachtschweiß und einem merkwürdigen Gefühl in der Blase könnte diesen Schluss zulassen. Offenbar habe ich jetzt Cranberry-Kapseln gefunden, die auch was für ihr Geld tun. Jedenfalls ist es jetzt deutlich besser. Ich mag auch wieder mit Leuten reden. Also ein „es tut mir an alle“, die noch auf Antwort oder Lebenszeichen von mir warten.