Das Leben der jungen J

31.10.2013 um 15:42 Uhr

20 Fakten

Ich finde diese Art von Stöckchen total toll, weil man da irgendwie ein wenig mehr über den anderen erfährt. Deswegen will ich dabei sein - auch wenn ich voll der Nachzüglicher bin. Hier also 20 Dinge über mich, die bestimmt keiner wissen wollte. Ich weiß nicht, ob ich das schrägste rausgepickt habe.
  1. Ich hasse Zeitumstellung. Besonders die im Frühling, wenn man immer so viel früher aufstehen muss. Und im Winter, weil es dann immer so plötzlich dunkel ist.
  2. Ich stelle nie meine Wohnung um. Ich überlege mir beim Einzug wie alles stehen soll und so bleibt es. Ich habe das mal versucht, eine ganze Nacht geschuftet und dann festgestellt, dass ich an der neuen Schlafposition nicht schlafen kann und habe dann wieder alles zurückgestellt.
  3. Ich lasse in meinen Tassen/Gläsern immer zwei Fingerbreit Flüssigkeit übrig.
  4. Ich liebe es über Sex zu reden, auch wenn das für den Gegenüber befremdlich ist.
  5. Ich habe ständig Blähungen und kann einfach nicht herausfinden, was ich verdammt noch mal alles nicht essen darf. Wenn es doch bloß sowas einfaches, wie Laktoseintolleranz wäre.
  6. Ich esse wirklich gern etwas leckeres, deswegen fragen mich alle meine Freunde nach Restauranttips. Bisher war noch keiner enttäuscht.
  7. Ich kriege Panikattacken, wenn es zu eng ist und dann auch noch laute Musik mit viel Bass läuft.
  8. Ich bin nicht faul, ich bin effizient. Ich hasse es Dinge doppelt zu machen. Deswegen denke ich darüber nach und versuche sie einmal so gut wie möglich zu tun. Leider funktioniert das beim Putzen irgendwie nicht. Deswegen mag ich das am wenigsten.
  9. Ich stehe auf Esoterik. Ich habe haufenweise Sachbücher zu den unterschiedlichsten Themen zu Hause und übe mich ständig im Spüren von Chi, im Auffangen von Schwingungen, im Deuten von Karten.
  10. Ich hasse es wenn es beim Essen so ruhig ist, dass man die Kaugeräusche hört, deswegen läuft dann immer der Fernseher.
  11. Ich mache mein Großes Geschäft in öffentlichen Toiletten nur, wenn keiner zuhört.
  12. Ich bin gern in der Natur, da kann ich gut nachdenken, aber zu Hause gehen meine Zimmerpflanzen regelmäßig ein.
  13. Weil ich ohne scharfe Messer nicht kochen kann, nehme ich sie mit in den Urlaub.
  14. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe und mich nerven Leute, die das nicht haben. Noch schlimmer sind Leute, die langsam reden.
  15. Ich hasse (bis auf wenige Ausnahmen) Stoffe mit Mustern.
  16. Ich trinke eigentlich nur stilles Wasser und hatte schon die ein oder andere Diskussion im Restaurant weil Gourmet-Wasser nicht wirklich still ist.
  17. Ich kann allein von Wasser betrunken werden.
  18. Ich kann es nicht haben wenn Leute links von mir sitzen, stehen oder laufen.
  19. Ich habe einen Haartick. Ich fasse sie ständig an und habe wirklich Schwierigkeiten einen Frisör zu finden, der es so macht, wie ich es mag.
  20. Ich habe nie Taschentücher dabei, weil mein Papi früher immer welche hatte. Blöd ist nur, dass ich es dem Pferdeflüsterer nicht angewöhnen kann. Er sagt dann immer, er wäre schließlich nicht er.

Nachtrag, weil es mir durch Angelmagia wieder eingefallen ist und es einfach auf diese Liste muss. Ich glaube ich streiche dafür Punkt 8. Der ist so ungewöhnlich ja nun auch nicht.

21. Ich bin 34 und habe ein Schnuffeltuch. Eine Stoffwindel, an der ich als kleines Kind genuckelt habe. Wenn ich traurig bin oder Liebeskummer habe, krame ich das immer hervor und benutze es als großes Taschentuch. Als die alten Windeln vom vielen Waschen total kaputt waren habe ich mir zu dem Zweck extra neue gekauft

30.10.2013 um 23:08 Uhr

Aus dem Strudel in die Mitte

Stimmung: gelassen, ruhig, ausgeglichen

Ich merke, dass bei mir Ruhe einkehrt. Dass sich sowohl Wut als auch Traurigkeit legt und meiner Mitte wieder Raum gibt.

Ich kann ihn nicht ändern. Ich kann versuchen ihn zu verstehen. Ich kann versuchen ihm ein Spiegel zu sein und ihm zurückzuwerfen, wie er bei mir ankommt und wie ich mich dabei fühle. Vielleicht ist das ein Implus für ihn sein Verhalten zu überdenken. Aber das einzige was ich wirklich ändern kann, ist meine Reaktion auf ihn. 

Gut, er spielt Spielchen, aber es zwingt mich keiner mitzuspielen. Vielleicht will er mich so verletzen, wie ich ihn verletzt habe. Aber ich muss mich deswegen ja nicht zwangsweise schlecht fühlen. Ich kann mich auch einfach mal in meiner Mitte aufhalten und abwarten. Ich kann das von mir abperlen lassen. Ich kann auch einfach mal aufhören mir Sorgen zu machen und die Angst ihn zu verlieren loslassen. Er hat jetzt den Ball und den darf er auch mal haben. Er kann sich auch mal dafür einsetzen, dass es in dieser Beziehung weiter geht. Warum sollte das immer meine Aufgabe sein? Warum trage nur ich dafür Verantwortung?

Ich kann mich nur um mich kümmern. Ich kann nur mit meinen Taten im Reinen sein. Vielleicht kann er mir auch keine Sicherheit geben, weil sie aus mir heraus kommen muss. Vielleicht kann ich sie nicht bei ihm finden, sondern muss sie in mir suchen. Ich wollte ihn nicht verletzen, vielleicht hätte ich mit meinem jetzigen Wissen vorsichtiger gehandelt, aber zu dem Zeitpunkt hätte ich auch nicht groß anders reagieren können. Ich kann mich dafür entschuldigen und ich kann es versuchen zu erklären, aber er muss jetzt einen Weg finden, mir zu verzeihen. Das liegt nun nicht mehr in meinem Verantwortungsbereich. 

Also verbringe ich lieber die Zeit damit, mir Gedanken zu machen, was ich denn mit der vielen freien Zeit anstellen könnte, die ich dann eventuell in Zukunft haben werde. Und da kommen mir viele Dinge in den Sinn: endlich die berufliche Situation bereinigen, wieder mehr malen, mit öfter mit Freunden treffen, mehr meditieren, wieder meine Mitte finden... Und dann wird mir klar, dass das Quatsch ist. Warum sollte ich das nur machen, wenn ich wieder Single bin. Ich kann das ja auch in einer Beziehung tun oder zumindest sollte mich die Beziehung nicht abhalten..

Es tut gut, die Verantwortung abzugeben. Loszulassen. Ich finde gerade wieder zu meinem Urvertrauen ins Universum zurück. Egal, wie der Weg nun weiter geht, es wird ein guter Weg sein. Und die ganze innere Unruhe weicht plötzlich der Gewissheit, dass es mir gut gehen wird. Vielleicht einer mit Art Spannung und Neugierde verbunden, was denn dieser Weg für tolle Dinge für mich bereit hält und ob der Pferdeflüsterer ein Teil davon sein wird. 

Im Grunde ist das die Schottlandeinstellung. So haben wir den tollsten Urlaub aller Zeiten verbracht. Ich habe Verantwortung übernommen, wenn ich wollte und habe sie ihm mindestens genauso oft einfach kampflos überlassen. Ich bin doch nicht weniger wert, nur weil ich mal eine Entscheidung nicht treffe. Oder weil es mal nicht nach meiner Vorstellung geht. Der Pferdeflüsterer darf doch auch mal eine Chance haben. Ich habe gesagt, was mir wichtig war und mich ansonsten zurückgelehnt. Dort war es auch leicht, weil es mir dort sowieso besonders gut ging. Dort konnte ich großzügig und gelassen sein. Dort konnte ich loslassen. Vielleicht ist es nicht so einfach mit dem ganzen Alltag und den Sorgen. Aber ich kann mich hier daran erinnern, so oft wie ich kann und versuchen die Schottlandeinstellung zu bewahren. Denn die hat uns beiden gut getan.

30.10.2013 um 10:14 Uhr

Gestern hat meine Welt aufgehört zu existieren

Stimmung: Mies. Gibt es dazu eine Steigerung?

„Dein Misstrauen hat mich sehr verletzt. Egal welche Veränderung du gemerkt zu haben glaubst, du hattest kein Recht mir gleich eine andere Frau zu unterstellen. Dass du das von mir gedacht hast, macht mich unglücklicher, als ich sowieso schon bin. Nein, ich kann nicht schreiben, was mir alles durch den Kopf geht. Ich muss nachdenken. Bitte ruf mich nicht an und besuch mich auch nicht. Wenn, dann melde ich mich."

Mit diesen Worten ist gestern eine Welt zusammengebrochen. Ich stehe nun an einem Abgrund und weiß nicht, ob ich springen soll. Große Lust hätte ich. Ich schwanke zwischen Wut und Verzweiflung. Zwischen Panik und Leere. Zwischen Kämpfen und Aufgeben. 

Es ist mal wieder so weit. Unsere Beziehung steht auf der Kippe. Wie immer, wenn wir uns wirklich streiten. Das tun wir selten, aber wenn, dann ist es wirklich heftig. Ich kann das nicht mehr. Ich kann nicht jedes Mal Angst haben, dass wir nicht wieder zueinander finden. In meiner Welt läuft das so nicht. Da sagt man sich Dinge, die sind vielleicht blöd und verletzend und vielleicht wirklich unter der Gürtellinie gehen, schreit, knallt Türen, aber dann denkt man drüber nach, redet drüber und dann verzeiht man sich. Meine Freundin hat das mal als Gewitter beschrieben, das heftig tobt und danach wieder die Sonne raus kommt. Während ich mir mit meiner Mutter bis heute teilweise so heftige Wortwechsel gebe, dass ein Außenstehende nicht verstehen kann wieso wir überhaupt noch miteinander reden, aber nach denen wir uns immer vertragen, hat seine Mutter völlig anders reagiert. Es gab nur ein halbherziges Machtwort, wenn er wirklich Mist gebaut hatte. Ansonsten hat man ihm die Liebe entzogen.

In seiner Welt streitet man offenbar nicht. Er kann nicht streiten. Er hat es nicht gelernt. Die Worte, die im Streit fallen erschüttern ihn zutiefst. Ich bin dann nicht absichtlich verletzend, aber ich spreche dann Dinge so klar und deutlich aus, was dann den gleichen Effekt hat. Er zweifelt dann meist schon deswegen an der Beziehung, weil das bei ihm so ankommt, als würden wir keinen Respekt mehr voreinander haben. Das weiß ich alles. Und deswegen versuche ich Dinge die mich stören, nicht so aus mir herausplatzen zu lassen. Sondern erstmal nachzudenken und dann einen geeigneten Weg zu wählen. Ich kann das nicht immer. Und manchmal bin ich impulsiv. Da haue ich einfach etwas raus. Ohne nachzudenken. 

Und verdammt, er hat mich das komplette Wochenende provoziert. Er ist jeder meiner Fragen ausgewichen. Er hat mir keinerlei Alternative geboten. Und hat es mit seinem neuen Lieblingsspruch gekrönt. Der mich dann nach dem xten mal so sauer gemacht hat, dass es aus mir herausgeplatzt ist. Und nein, ich habe nicht nachgedacht. Meist reagiere ich in so einer Situation nur. Meist bin ich dann selbst überrascht, was ich dann da gesagt habe. Und nein, ich will nicht mehr die ganze Zeit auf rohen Eiern tanzen. Ich kann Dinge nicht immer so verpacken, dass sie bei ihm richtig ankommen. Das ist eben mein Charakter. Er weiß das doch auch. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich deswegen in Schwierigkeiten bin.

Weil ich mich dann selbst über mich erschrecke, versuche ich zu verstehen, was ich da gesagt habe und warum. Wieso ist es zu so einer heftigen Reaktion meinerseits gekommen? Dann gehe ich mich in, denke nach, schreibe einen Beitrag, telefoniere mit einer Freundin und habe dann irgendwann meine Reaktion verstanden. Das mache ich immer so und er hat es verdammt oft beobachtet. Es gab schließlich schon andere Dinge, die ich ihm in einer solchen Situation an den Kopf geknallt habe. Nicht immer Dinge, die ihn verletzt haben. Manchmal haben sie ihn sogar amüsiert. 

Aber diesmal scheint es, als hätte ich einen unverzeihlichen Fluch ausgesprochen. Wenn ich gewusst hätte, was das für Kreise zieht, hätte ich den Stein bestimmt nicht unbedacht ins Wasser gestoßen. Da ist er aber nun drin und die Wellen schlagen verdammt hoch. Und wie gesagt ich schwanke zwischen Wut und Verzweiflung. Wut, weil er mich wieder einmal ausschließt. Weil er wieder mal die Beziehung in Frage stellt. Weil er immer so tut als wäre alles gut und dann bricht es aus ihm heraus. Weil er unglücklich ist, aber nicht sagt, was ihm fehlt. Weil ich mit meiner Geduld am Ende bin und er mich soweit gebracht hat. Weil er sich offenbar ändern darf, aber ich nicht darauf reagieren? Verzweiflung, weil iich ihn wirklich sehr liebe. Weil ich nicht weiß, was bei ihm nicht stimmt. Weil er nicht drüber redet. Weil ich seine erste richtige Beziehung bin und er einfach nicht ausprobiert hat, was er nicht will. Weil ich Angst davor habe, dass ich ihm etwas nicht geben kann und dass dann plötzlich eine Frau aus einem Busch springt, die ihn in seinen Grundfesten erschüttert. Bei der er merkt, was er alles bei mir nicht hat. Weil ihn zu lieben und ihn glücklich machen zu wollen vielleicht nicht ausreicht. Weil er immer so bereitwillig alles aufgeben will, was wir haben. 

Dann steigt die Panik in mir hoch, dass er das alles auch endlich mal erkennen könnte. Dass er vielleicht wirklich versteht, was er braucht. Und das ich es nicht bin, die es hat. Und bei dem Gedanken dass er sich anders entscheiden könnte, bleibt bei mir nichts anderes zurück als Leere. Dann denke ich ans Aufgeben. Warum sollte ich mich noch weiter bemühen? Warum soll ich ihn nicht einfach ziehen lassen? Wenn er doch woanders glücklich wäre? Aber wenn er mir sagen könnte, was er braucht... Wenn er es doch nur selbst verstehen würde.... Wenn er es doch nur irgendwie einfordern könnte... Wir haben doch eigentlich eine gute Beziehung. Die schmeißt man doch nicht weg. Wir haben doch etwas was andere nicht haben, wir können reden. Wir finden Lösungen. Aber nicht, wenn er sich zurückzieht.

Und schon bin ich wieder bei Wut angelangt und der Kreis fängt von vorne an. 

Aber eigentlich kann ich sowieso nichts machen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Dieser Satz ist nicht einfach nur ein Spruch. Er ist wahr. Und auch der Pferdeflüsterer ist für sein Glück allein verantwortlich. Ich kann das fnicht abnehmen. Er muss selbst die Dinge anpacken, die ihn glücklich machen. Und wenn es dir Art und Weise war, wie er am Wochenende aufgetreten ist? Warum nicht. Er war viel maskuliner, viel gefestigter. Und ich habe alles zerstört. Statt ihn darin zu bestärken. Aber aus meiner Perspektive konnte ich auch nicht anders. Aber dass er es mir nicht verzeihen kann, hätte ich nicht gedacht.

Jetzt kann ich nur darauf hoffen, dass bei ihm die Gefühle stark genug sind. Dass das Nachdenken endlich mal zu einem Ergebnis führt. Dass ich ihm im Laufe unserer Beziehung genügend Fragen an die Hand gegeben habe, mit der er zum Kern vordringen kann. Vielleicht kommt er dann endlich mal an und sagt was er will und was er braucht. Nur wenn ich weiß, was er braucht, kann ich gucken, ob ich ihm das geben kann oder nicht. 

Und wenn nicht... Tja... dann habe ich wohl endlich Zeit für meine Weiterbildung.

Leider kann ich mich nicht auf mein Bauchgefühl verlassen. Ich war gestern nachdem ich eine wirklich schöne Mail verfasst habe in Hochstimmung. Ich dachte, das kommt wieder alles in Ordnung. Ich war fest davon überzeugt, dass das alles in Ordnung kommt. Schließlich hatten wir schon schlimmere Dinge gemeistert. Und dann kam seine Antwort. Und jetzt traue ich mich nicht mehr, auf mein Bauchgefühl zu hören.

28.10.2013 um 15:20 Uhr

Wie zerstört man eine gutlaufende Beziehung?

Stimmung: ein einziges Chaos

Seitdem der Pferdeflüsterer und ich zusammen sind, haben wir fast jedes Wochenende miteinander verbracht. Klar, unter der Woche sind wir eben auch getrennt, jeder in seiner Wohnung (manchmal sehr zu meinem Leidwesen). Aber vorletztes Wochenende wollte ich mal nur für mich haben. Es ist eben doch etwas anderes, wenn man morgens aufstehen kann, wann man will, sich nicht leise verhalten muss, sich einen Kaffee machen kann und dann wieder ins Bett krabbeln kann…

Eigentlich wollte ich das Wochenende nutzen, um mal Papierkram zu machen, der schon seit Wochen liegen geblieben ist – eben weil ich ihn dann nicht machen will, wenn wir unsere kostbare Zeit miteinander verbringen. Doch dann wurde ich weggetragen von der Freiheit und genoss meine Zeit in vollen Zügen und tat – richtig – nichts. Jedenfalls nichts produktives. Naja… fast nichts. Ich traf mich am Samstag mit dem Pferdeflüsterer zum Golfspielen und dann ging jeder wieder in sein eigenes zu Hause.

Dennoch stiegen Zweifel in mir hoch. Was sagt es denn über mich aus, wenn ich die Freizeit so sehr schätzte? Was sagt es über unsere Beziehung aus? Ich hing irgendwie zwischen den Stühlen: Dem Wunsch nach freier Zeit und der Sehnsucht nach dem Pferdeflüsterer, die sich bei mir schon am Donnerstag vor dem Wochenende einstellte. Das Wissen ihn nicht richtig zu sehen, nahm mir fast den Atem.

Uns beiden war schnell klar, dass es uns mit dem freien Wochenende ähnlich ging. Wir beide genossen die freie Zeit in vollen Zügen. Scherzhaft meinte ich, dass wir dann vielleicht doch nicht zusammenziehen können, weil wir beide unsere Zeit allein so gern haben. (Nein, hier habe ich unsere Beziehung noch nicht zerstört.) Er antwortete daraufhin, dass wir dann wohl doch ein Wohnmobil kaufen müssen, damit immer mal wieder einer von uns sich vom anderen absetzen kann. Die Idee fand ich wirklich klasse. Wenn wir Bock auf das Alleinsein haben, schnappt sich einer von uns das Wohnauto und fährt damit an einen See oder so und ist allein.

Gut, wir überstanden das Wochenende und auch die darauffolgende Woche – trotzt Sehnsucht – aber als der Pferdeflüsterer dann am Freitag zu mir kam, konnten wir es fast nicht abwarten und liebten uns fast wie ein frisch verliebtes Pärchen. Und am Samstag gleich noch mal. Der Pferdeflüsterer wirkte wie ausgewechselt. Wer sind Sie und was haben Sie mit meinem Freund gemacht? Denn anders als sonst, hatte er offenbar diesmal keine Probleme seinen Kopf auszuschalten. Es war so anders, dass ich das merkwürdig fand und mich ernsthaft fragte, was mit meinem Freund los war. Seine Antwort darauf war: „Darf ich das nicht?“ Keine Erklärung, nur eine Gegenfrage. Natürlich darf er. Was auch immer.

Trotzdem bliebt dieser Satz sein Standardsatz für dieses Wochenende. Dieser Satz fiel so häufig, dass ich mich wieder fragte, was da mit meinem Freund los war. Schließlich gab es diesen Satz vorher nicht in seinem Wortschatz. Denn dieser Satz kam sogar bei total normalen Fragen. „Hast du genug Handtüchern, für die Sauna?“ „Nein, ich habe nur eins mit. Darf ich das nicht?“; „Soll ich dir noch etwas aus der Küche mitbringen?“ „Nein, ich esse das was mir auf dem Tisch steht. Darf ich das nicht?“; „Was hältst du denn davon, wenn wir Film xy gucken?“ „Ist mir egal, ich kann ja dann immer noch etwas mit dem Tablet machen oder darf ich das etwa nicht?“ Nein… verdammt, ich wollte keine Rechtfertigung, ich wollte eine Erklärung oder nur die Beantwortung meiner Frage und jedes Mal, wenn „Darf ich das nicht?“ kam war ich ein wenig genervter und wurde immer misstrauischer. Was sollte das?

Dann erzählte er, wie nebenbei, dass er die letzten Wochen viel mit seinem Auto durch die Gegend gefahren ist. Ja... klar, er hatte das Cabrio den gesamten Sommer nicht bewegt und jetzt war es wieder repariert und hatte TÜV und das Wetter war nicht so schlecht. Ich weiß, dass er gern fährt. Aber er ist nicht der Typ, der ohne Ziel durch die Gegend fährt. Wenig glaubwürdig, nachdem ich mich von „Darf ich das nicht?“ nicht habe abwimmeln lassen, erklärte er, dass er es so eingerichtet hat, dass er jeden Tag (JEDEN TAG, wo er sonst nur 2 mal die Woche geht?????) irgendetwas einkaufen musste und sich nicht direkt den Laden vor der Tür dafür ausgesucht hat. Was sollte das? Und warum hat er keine Landstraße finden können, die auch mal in meine Richtung führte? Warum war er für einen Besuch bei mir zu müde???? Mein Misstrauen wuchs. Leider.

Und als sich in der Sauna dann bei ihm etwas regte, was definitiv nichts mit mir zu tun hatte, erklärte er mir, dass er an jemanden gedacht hätte. An niemanden bestimmtes. An eine Mischung aus vielen Frauen. Gekrönt von „Darf ich das nicht?“ Da war dann leider bei mir das Maß voll. Was zum Teufel ist los? Erst das merkwürdige Verhalten im Bett, sein neuer Lieblingsspruch, der mir mittlerweile den letzten Nerv raubte, seine Feldzüge mit dem Auto??? Das waren ein paar neue Dinge zu viel. Und dann tat ich es. Ich machte einen großen Fehler und fragte ihn direkt ob er eine Affäre hätte.

Leider fing er dann nicht das Lachen an, wie sonst immer, wenn wir über dieses Thema redeten, weil es eigentlich nichts Abwegigeres gibt, als das einer von uns eine Affäre hat. Heimlich. Wo wir doch ein offenes Beziehungskonzept haben. Wenn er mit wem anders schlafen will, kann er das doch sagen. Wie gesagt er lachte nicht. Nicht mal ein bisschen. Ich auch nicht. Er tat aber etwas, was ich nicht erwartet hätte und was ich so auch nicht von ihm kenne: Er rastete aus. Er war stinksauer, dass ich ihm sowas unterstellen könnte.

Ich glaube ich weiß jetzt, wie das damals mit der Hexenverfolgung kam. Es gibt eine Art von Zweifel, die sich nicht so leicht wieder ausräumen lassen lässt. Und wie damals wo man Hexen zweifelhaften Proben unterzog, die man weder als Hexe noch als Normalsterbliche überleben konnte, bzw. deren Ergebnis man so oder so auslegen konnte, so ging es mir dieses Wochenende mit dem Pferdeflüsterer. Die verdammte Saat des Misstrauens. Erst ganz klein und unscheinbar gab es diese leise Stimme, die mir einflüstert, dass etwas nicht stimmt. Und dann kommen immer mehr Teile dazu und bieten der Stimme weitere Argumente. Und nichts was er sagte, könnte diesen Zweifel wieder beheben. Eher im Gegenteil

Natürlich ist es nach wie vor abwegig, dass er ein Verhältnis hat. Aber seine Reaktion fühlte sich nicht wie ernstgemeinte Entrüstung an, als würde er etwas Abwegiges abstreiten, sondern wie der Versuch etwas zu vertuschen. So als hätte ich ihn bei etwas ertappt. Das führte nun leider nicht dazu, dass sich bei mir der Zweifel legte. Ich war mittlerweile überzeugt, dass er mir etwas verheimlichte. Gut… vielleicht keine andere Frau. Aber etwas anderes. Irgendjemand hat ihm irgendwelche Gedanken eingeflüstert. Gedanken, die ihn einerseits zum dem tollsten Liebhaber machten, die machten ihn auch gleichzeitig zu der größten Nervensäge.

Weil ich ein Idiot bin, der immer alles was ich denke auch sagen muss, schließlich hatten wir mal Ehrlichkeit untereinander vereinbart, sprach ich es nochmal an. Und bekam wieder keine Antwort. Er sei sich keiner Schuld bewusst. Ja… auch dieser Satz war wahr. Und dennoch! Damit so endete ein wirklich schönes Wochenende damit, dass ich heulend im Wohnzimmer saß, wo ich bedauerte kein Teil seiner Gedankenwelt zu sein und wo ich mich bemitleidete, weil ich mit dem falschen Satz zur falschen Zeit alles kaputt gemacht habe. Ich habe damit mehr kaputt gemacht, als er mit seinem Geheimnis. Wenn deswegen die Beziehung in die Brüche geht, bin ich Schuld, weil ich Misstrauen und Zweifel gesät habe. Weil ich zu ungeduldig bin, um abzuwarten, bis sich das Geheimnis von allein lüftet.

Ich glaube ihm, dass es keine Frau ist und dass er sich keiner Schuld bewusst ist. Aber ich glaube ihm nicht, dass er sich die letzten Wochen mit niemanden getroffen hat. Dass er kein Aha-Erlebnis hatte. Dass er über nichts nachgedacht hat. Was auch immer. Und ich finde es schade, dass er mich nicht einbezieht. Dass er mich nicht Teil einer Entwicklung sein lässt. Dass er mir nicht erklärt, was bei ihm den Sinneswandel ausgelöst hat. Ich fühle mich ausgeschlossen. Ich fühle mich mit dem Ergebnis konfrontiert, mit dem ich leben muss, ohne dass ich ein Wort Mitsprachrecht habe. Ich kenne so eine Reaktion auch nicht von mir. Ich bin nicht der eifersüchtige Typ und es ist auch keine Eifersucht. Es ist eher das Gefühl ausgeschlossen zu sein. Es muss ja auch nicht zwingend was schlechtes sein, dass er vor mir geheim hält. Er könnte sich ja auch einen Therapeuten gesucht haben. Oder mit einem Freund geredet haben… Und warum um Himmelswillen, kann er mich dann nicht gescheit beruhigen? Sagen, dass es da tatsächlich etwas gibt, er aber noch nicht darüber reden will? Dass er mich liebt und ich mir keine Sorgen machen soll, sondern ihm vertrauen soll? So macht es mich nur kirre.

Ich brauche da nun echt mal einen Rat von euch: Habt ihr auch schon mal so ein Gefühl gehabt? Ein Hier-stimmt-was-nicht-Gefühl? Ist das normal? Hat man das manchmal? Löst sich sowas von allein auf? Lehnt man sich einfach zurück und genießt die positiven Aspekte und versucht den negativen so gut wie es geht aus dem Weg zu gehen?