Das Leben der jungen J

06.11.2013 um 09:45 Uhr

Unerwartete Veränderungen

Stimmung: wieder richtig gut

So... ich habe wieder meine Freude am Leben gefunden. Und weil jetzt Schluss ist mit dem lamentieren über Beziehungskisten und dem Vergeben und Vergessen von all dem Leid, nutze ich einfach mal die Gelegenheit über meine Mutter zu sprechen. 

Wir erinnern uns, dass meine Mutter zu der Kategorie „schwierig" gehört. Es gibt hier schon den oder anderen Beitrag, der belegt, dass mir diese Frau wirklich den letzten Nerv geraubt hat. Aber seit dem letzten riesen Streit, ist es wirklich still in unserer Beziehung geworden. Mh... wenn ich so mal drüber nachdenke, haben wir auch mal alle Sorgen und Ängste angesprochen, so wie ich das sonst immer nur mit dem Pferdeflüsterer rede. Merkwürdig. Wird mir erst jetzt klar.

Aber ich schweife ab. Also meine Mutter ist jetzt friedlich. Und sie ist noch friedlicher, seit dem sie in Rente/Altersteilzeit ist. Eigentlich hatte ich ja befürchtet, dass sie dann permanent bei mir rumhängen will und ständig telefonieren und so, aber das war nicht so. Sie ist so friedlich, dass es schon beängstigend ist. Aber ich beschwere mich nicht, ich nehme, was ich kriegen kann. Und das tollste, sie hat jetzt viele tolle Ideen. Sie näht wieder, dekoriert alles mit Pflanzen und das beste, sie denkt nach. Ja, ist echt wahr.

Letztens als ich mit ihr telefoniert habe, ist ihr eingefallen, was für eine tolle Freundin Nitida bzw. Engelchen mir doch ist, und dass sie wirklich garstig die letzten Jahren zu ihr war Es täte ihr auch leid, dass sie nicht mal bei uns schlafen durfte. Vielleicht wäre sie etwas eifersüchtig gewesen, weil ich Nitida ja immer alles erzählt hätte und ihr nicht.

Ich dachte, ich höre in diesem Augenblick nicht richtig. Meine Mutter entschuldigt sich, wirklich und von Herzen gemeint? Und begründet das auch noch vernünftig? Was hat sie denn?

„Du erinnerst dich doch noch an die Begründung, oder?" Fragte ich sie.
„Äh ne, wieso? Was hab ich denn gesagt?" meinte sie.
„Du meintest, es wäre dir zu Hause unangenehm, weil sie doch Architektin ist und dann sehen könnte, was alles falsch ist. Deswegen dürfte sie nicht kommen. Und wenn ich jemals einen Architekten nach Hause bringen würde, würden wir uns immer nur im Restaurant treffen. Hab ich eh nicht so ganz verstanden. Was ist denn bei dir zu Hause alles falsch?"
„Naja... du weißt ja, dass es hier manchmal etwas ruschelig ist." (DAS ist ja wohl die Untertreibung des Jahrhunderts.)
„Aber sie ist doch keine Innenarchitektin."
„Aber das weiß man doch trotzdem."
„Also wenn Nitida irgendwas sagen würde, wofür sie definitiv zu nett wäre, dann wäre es nur, weil sie einen guten Geschmack hätte. Willst du jetzt alle ausladen, die einen guten Geschmack haben? Sonst sagst du immer, man muss auch zu seinen Fehlern stehen. Es ist doch sehr gemütlich - auf seine Art. Irgendwie urig. Kein Grund einen Komplex zu haben."
„Grml... Ich wollte nur sagen, dass du sie mal mitbringen kannst."

Nitida fiel ein wenig vom Glauben ab, als ich ihr das erzählt habe. Ich auch.

Aber jetzt wo unser Verhältnis wieder gut ist, schreiben wir uns auch mal hin und wieder eine Mail. In der aktuellen kam dies: „Liebes Feuerkind, bist Du interessiert an einem solchen Becher [A.d.V: damit meinte sie einen pinken Coffe-to-go Becher. Pink? Pink????? Ja! Pink!] Ich könnte Dir einen oder auch mehr besorgen. [A.d.V: und jetzt haltet euch fest, die Begründung ist... nunja... unerwartet:] Ist eventuell auch eine Option für den Weihnachtsmarkt, damit man sich die Finger an den Heißgetränken nicht verbrennt."

Bei der Aussage fiel mir bisher noch nichts anderes ein, als schallend zu lachen. Wie jedes Mal, wenn ich daran denke. Allein die Vorstellung, dass ich bei einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt mit einem pinken Coffee-to-go-Becher von Glühweinstand zu Feuerzangenbowlenstand laufe, mir immer wieder den Becher auffüllen lasse und nach dem Eierpunsch frage, ob ich den zwischendurch auch mal abwaschen könnte, ist wirklich zu komisch. Allerdings wäre es mir wahrscheinlich nach dem 3 Glas auch wirklich egal ob der Becher sauber ist oder nicht.

Und noch mehr musste ich lachen, weil meine Mutter genau das vermutlich durchziehen würde. Sie würde mächtig stolz mit dem Becher rumwedeln, weil ihr so eine tolle Idee gekommen ist. Und wenn es dann einen Dummen gäbe, der es wagen würde, an ihrem Verstand zu zweifeln, würde sie ihn streng ansehen und die praktische Handhabung erklären, während der arme Mensch gegenüber (für den ich im Geiste schon mal Kerze anzünde) immer kleiner wird und am Ende vermutlich sogar den Becher kauft, nur um weg zu können. Das wäre Spaß. Dafür würde ich es echt riskieren, sie zum Weihnachtsmarkt einzuladen. Dummerweise sind sie die meiste Zeit im Urlaub.

05.11.2013 um 08:46 Uhr

Warum ist es immer so heftig?

Stimmung: gefestigt

Die letzten Kommentare auf meinen letzten Beitrag haben mich nachdenklich gemacht. Warum streiten wir uns und bin ich zu nachsichtig mit ihm?

Warum wir uns immer verrennen weiß ich nicht. Liegt vielleicht auch daran, dass wir unterschiedliche Typen sind. Ich kämpfe offen, bis der Kampf entweder gewonnen oder verloren ist. Mein Gehirn funktioniert auch verdammt schnell. Ich kann blitzschnell umschalten und ich den Kampfmodus gehen. Ich verstehe eine Situation sehr schnell. Und genauso wie ich dann aufgeheizt und explodiert bin, genauso schnell komme ich auch wieder runter. Wie ein Gewitter. Es ist da, es tobt und dann legt sich der Sturm wieder. Danach ist bei mir ist alles vergessen.

Er ist halt jemand, der dem Kampf aus dem Weg geht und sich in seiner Höhle verkriecht, um sich erstmal eine Meinung zu bilden. Er macht das, weil er die Situation eben nicht so schnell erfassen kann. Weil er immer ein wenig braucht, bis er merkt, dass ihn irgendetwas so richtig getroffen hat. Weil er nicht unbedacht irgendetwas sagen will, dass er hinterher bereut. Und wenn er seine Meinung gebildet hat, kommt er raus und kann wir reden darüber.

Aber so ist er eben und ich kann ihn nicht ändern. Es ist auch nicht direkt meine bevorzugte Wahl einen Konflikt zu lösen - wie gesagt, ich bin das Gewitter. Andererseits zwingt er mich aber auch erstmal nachzudenken. Gut... ich brauche da bei weitem nicht so lange für. Und ja... das bringt mich immer an die Grenzen meiner Geduld, abzuwarten, bis er fertig ist. Aber wenn ich die Wahl habe, zwischen jemanden, der von Spirale zu Spirale hüpft und nicht nachdenkt, ist mir langsames denken immer noch lieber. Wenigstens tut er es. Und auch langsames Nachdenken bringt uns näher zusammen. Zwar nicht sofort, aber hinterher. Weil wir dann darüber reden und uns gegenseitig immer besser kennenlernen. Aber auch jeder für sich lernt sich besser kennen. Weil wir ganz offen über Ängste und Wünsche reden können. Auch über die Dinge, die uns voneinander trennen. Das schafft eine wirklich tiefe Verbindung.

Er kennt das nicht. Im Grunde habe ich ihm beigebracht die Dinge auch mal zu hinterfragen. Bevor wir zusammen gekommen sind, hatte er im Grunde keine nennenswerten sozialen Kontakte - jedenfalls nichts mit Tiefgang. Er hatte sogar eine ziemlich negative Grundeinstellung, weil er immer böses von anderen vermutet hat. Es war auch wirklich schlimm ihn irgendwo mithin zu nehmen, weil er geredet hat, ohne wahrzunehmen, dass der andere ihm nicht zuhört und und und... Das hat sich alles in den letzten Jahren geändert. Er kann mittlerweile zuhören, er bekommt mit, dass ihm keiner die Aufmerksamkeit schenkt, er schafft es seine Gedanken zu ordnen und zusammenzufassen, ohne abzuschweifen, er ist interessant etc. Das ist allen meinen Freunden aufgefallen, die ihn anfangs schwierig fanden, jetzt aber wirklich mögen. Das hat sogar sein Arbeitgeber gemerkt, weil er plötzlich auf eine ganz andere Art Kritik üben kann.

Es ist nicht so, dass ich ihn verändern wollte. Ich habe ihm nur einen Spiegel vorgehalten und ihn solange gefragt, bis er einen Sachverhalt so klar ausgedrückt hat, dass ich ihn verstanden habe. Diese ganz Sache, darauf zu achten, was er fühlt und es auch auszudrücken, ist im Grunde genommen neu für ihn. Damals als ich Therapie gemacht habe, habe ich das erste Mal, als meine Therapeutin gefragt hat, wie ich mich fühle überhaupt nichts sagen können. Es war nichts da. Das brauchte auch bei mir Zeit, bis ich ein Gefühl überhaupt als solches wahrnehmen konnte. Ich sage nicht, dass ich eine Therapeutin bin, aber der Effekt ist ähnlich. Vielleicht wird er es irgendwann schneller schaffen, sich eine Meinung zu bilden.

Aber nicht nur er hat sich verändert. Ich musste auch ständig meine Herangehensweise überdenken. Meine Reaktionen. Er hält mir da genauso einen Spiegel vor. Ständig müssen wir gucken, ob das mein Problem ist, was ich bearbeiten muss, oder seins, was er überdenken muss. Und so entwickeln wir uns beide weiter. Und ich glaube, unterm Strich ist es genau dass, was ich gerne von einer Beziehung hätte: jemanden, mit dem ich wachsen kann.

Es geht nicht darum, dass ich die ganze Schuld habe. Ich habe etwas unbedachtes gesagt und er hat überreagiert. Diese beiden Dinge sind Fakt. Aber sie sind auch nicht mehr. Und er wollte eigentlich nichts weiter, als in Ruhe nachdenken und sich eine Meinung bilden. Das ist legitim. Er darf das. Es steckt kein versteckter Versuch dahinter, mich zu verletzen oder der verzweifelte Versucht, einen Grund zu finden, die Beziehung zu beenden. Er wollte nur nachdenken. In Ruhe. Wenn ich es wirklich nur als das gesehen hätte, wäre ich die Woche nicht durch die Hölle gegangen. Alles was ich ihm in Gedanken unterstellt habe, hatte den einzigen Zweck, einen Grund zu finden, wie ich ihm die Schuld für das Scheitern der Beziehung geben kann, sollte es dazu kommen. Und das ist definitiv nicht richtig. Wir hätten beide einen gleichen Anteil gehabt. Aber es tut weniger weh, zu verlassen, weil der andere ein Idiot ist, als verlassen zu werden, weil man sich nicht wieder zusammenfinden kann. Das hat sich alles in meinem Kopf abgespielt

Also, werden wir uns wieder streiten. Ja, das werden wir. Ich werde auch in Zukunft unbedachte Dinge sagen und ihn damit vielleicht verletzten. Ich will es nicht, aber ich werde es auch nicht immer verhindern können. Ich bin eben wie ich bin und das ist gut so. Wird er in Zukunft Zeit zum nachdenken brauchen? Ja, das wird er. Er ist eben auch so wie er ist und das ist auch gut so. Es wird noch viele Situationen geben, in denen wir uns streiten. Und sie werden immer heftig sein, weil wir uns nur über die großen Dinge streiten. Es wird viele Situationen geben, wo wir die Reaktion des anderen nicht verstehen. Wo wir verletzt sind. Es wird immer wieder darauf hinauslaufen, dass er nachdenken muss. Für sich allein. Vielleicht geht es eines Tages schneller und er braucht keine Woche mehr, aber er wird die Zeit brauchen.

Ich kann das gut finden oder nicht, aber ich werde das nicht ändern können. Was bleiben mir denn nun für Möglichkeiten? Entweder ich lehne das Verhalten grundlegend ab oder ich finde einen Weg mit damit klar zu kommen. Da ich den Pferdeflüsterer wirklich sehr schätze und gern eine Beziehung mit ihm führe und auch weil wir schon eine deutlich tiefere Ebene erreicht haben, werde ich wohl die zweite Variante wählen. Das ist meine Hausaufgabe: einen Weg finden, wie ich das Warten, bis er eine Meinung gebildet hat, wirklich nur als das wahrnehmen kann, was es ist - ohne durch die Hölle zu gehen.

04.11.2013 um 08:35 Uhr

Entwarnung

Stimmung: Gut

Also wir haben gestern telefoniert und um das Ende diesmal vorweg zu nehmen (denn einige hier erwarten das wohl mit Spannung), wir führen unsere Beziehung weiter. Ansonsten war das Gespräch war irgendwie ziemlich merkwürdig.

Ich konnte es am Samstag doch nicht lassen. Weil ich mittlerweile echt mit meiner Geduld zu kämpfen hatte und mich fragte, was eine Beziehung, in der man nicht redet, überhaupt wert ist und drauf und dran war hinzufahren und meine Sachen abzuholen, habe ich ihm eine sms geschrieben, dass es jetzt mal Zeit wäre miteinander zu reden, wenigstens für einen Zwischenstand. Also rief er Sonntag Nachmittag an. Glücklicherweise für unsere Beziehung erwischte er mich in einer guten Phase.("Du bist ganz schön mutig, dass du dich trotz Kontaktverbot bei mir meldest." "Du bist ganz schön mutig, mich solange warten zu lassen.""Es war nicht mal eine Woche." "Kam mir länger vor"...)

Es war schnell klar, dass wir die Beziehung weiter führen wollten und dann war das alles plötzlich nicht mehr so wirklich wichtig und wir schweifen in unsere normalen Themen ab. Als wäre nichts gewesen und kamen dann aber immer zwischendrin wieder auf das zurück, was jeder von uns noch ansprechen wollte.

Dass ich ihm misstraut habe hat ihn stark an das Verhalten von seiner Mutter erinnert. Schließlich hat sie ihn ständig belogen und hintergangen, war nach außen eine andere Person, als zu Hause, hat ihm Schuldgefühle eingeredet, Tatsachen zu ihrem Vorteil verdreht... und so weiter. Er hat immer gedacht, dass er jemand anderes wäre. Mein Misstrauen hat ihn auf eine Stufe mit ihr gestellt, deswegen hat es ihn auch so verletzt. Er wäre doch mir gegenüber noch nie boshaft gewesen, meinte er,  wieso käme ich denn auf die Idee, dass er wirklich gemeine Sachen tut. Das stimmt auch - keine Ahnung. Eigentlich ist er wirklich lieb. Ganz ehrlich, meinte er auch noch, zwei Frauen zu haben, wäre ihm wirklich zu anstrengend. Er hätte ja nicht mal immer genug Energie für eine. Außerdem hätte er es doch auch gar nicht nötig, es heimlich zu machen, er darf das ja alles offen tun. Ja er wäre unglücklich, aber das hätte nichts mit mir zu tun - normalerweise jedenfalls nicht - und die Andockstelle, für Gefühle für eine andere Frau, ist gerade ziemlich belegt. Und dann tat es mir wirklich leid, dass ich das von ihm gedacht habe.

Ich erzählte ihm, dass ich die letzte Woche ein wenig durch die emotionale Hölle gegangen bin und wirklich jede Emotion durchlaufen habe, die das Spektrum zur Verfügung hat. Ich erzählte ihm von Engelchen und Teufelchen und er musste schmunzeln, vor allem weil er mit Engelchen zwischendrin telefoniert hatte. (Mhm.. jaja... sie wäre die Schweiz. Schon klar. Und ich hatte mich schon gewundert, was diese Aussage sollte) Und dann erzählte ich ihm, was ich zwischendrin alles gedacht habe, was er denken könnte: dass er absichtlich einen Grund gesucht hätte (naja... dann wäre ja wohl eher fies und gemein gewesen, meinte er), dass er sich extra eine Frau sucht, weil ich es ihm ja schon unterstellt hätte (hätte er zwar überlegt, aber es nicht gemacht, weil es ja am Ende mehr kaputt gemacht hätte), dass er mich mit dieser Aktion extra verletzten will (so boshaft wäre er wirklich nicht, es käme zwar vor, aber absichtlich? Nö!) und dass er sich gar nicht meldet und ich mir dann nach einem Vierteljahr es selbst ausmalen könnte, dass wir nicht mehr zusammen sind.

Auch diese Aussagen wunderten ihn schon, weil er ja wirklich keine fiesen Hintergedanken hat. Mich im nachhinein auch, wieso ich ihm so viel Gemeinheiten zugetraut habe. Da muss ich dann wohl noch mal drüber nachdenken. Und vor allem muss ich dies vielleicht als Regel festklopfen. Wenn schon nicht klar ist, ob wir die Beziehung nach dem Streit weiterführen, dann kann ja zumindest klar sein, was wir in der Wartezeit nicht machen. Er findet ich kann schlecht verlieren und er hat recht. Schlimmer als die Beziehung zu beeinden, wäre es, wenn er es tun würde. Auch darüber muss ich nachdenken. Wir sind uns auch einig, dass diese Art, erstmal eine Pause zum Nachdenken zu machen, keine so schlechte Idee ist. Dann schmeißen wir uns keine Dinge an den Kopf, den wir hinterher bereuen, sondern überlegen erstmal. Lassen die Emotionen erstmal abklingen. Außerdem haben wir wohl unbewusst den Rhythmus beibehalten, den ich sonst immer mit meiner Mutter hatte. Das finden wir beide komisch.

Also kein wirklich schlechtes Ergebnis, auch wenn es irgendwie komisch war. Jetzt müssen wir beide noch ein wenig Wunden lecken, bevor wir wieder ganz zur Tagesform übergehen können.

02.11.2013 um 11:21 Uhr

Langsam wächst die Ungeduld

Stimmung: Sehnsuchtig

Es ist nun Tag sechs nach unserem Streit und außer der kurzen Nachricht am Dienstag habe ich noch nichts weiter vom Pferdeflüsterer gehört. Ich war auch verdammt artig und hab ihm in der ganzen Zeit nur zwei Mails geschrieben. Ich muss ehrlich zugeben, so langsam bröckelt meine Selbstbeherrschung und zerfällt zu Staub.

Ich checke quasi alle 10 min meine Emails (zu blöd, dass man das mittlerweile auch überall tun kann), gucke ständig aufs Telefon, ob er mir nicht ne sms geschickt hat oder versucht hat anzurufen und bin mega enttäuscht, wenn ich nach Hause komme und der AB blinkt nicht. Es fängt an mich wirklich wahnsinnig zu machen. Ich weiß ja auch, dass man das nicht macht. Man sitzt nicht neben dem Telefon und wartet aufs Klingeln. Man geht raus und ist schwer erreichbar. Aber das kann man verdammt noch mal nur sein, wenn der andere es auch versucht. Sonst ist das wirklich witzlos.

Es ist was völlig anderes wenn man sich bewusst entscheidet, sich mal ein Wochenende nicht zu sehen, ansonsten aber alles gut ist, als wenn man gezwungen wird keinen Kontakt zu halten. Ich vermisse ihn so unheimlich. Er fehlt mir. Ich träume schon von Sex mit ihm. Er ist wundervoll leidenschaftlich und kann nicht genug bekommen. Plötzlich wache ich dann erschrocken auf, weil es gar nicht er ist, sondern mein Arbeitskollege, mit dem ich mich genüsslich im Bett räkle.

Ich weiß immer noch nicht, wie ich reagieren würde, wenn er sich meldet. Hängt auch ein wenig von seiner Gestik, Mimik, Stimmlage und auch davon ab, wie er das Gespräch einleitet. Aber in meinem Kopf gibt es ein paar Lieblingsszenarien, die ich toll fände. Er steht unangekündigt vor der Tür, hat Blumen und Frühstück dabei guck zerknirscht und sagt dass er ein Idiot war und ob ich ihm verzeihen würde. Ich würde die Arme öffnen, ihn darin aufnehmen und trösten und dann würden wir übereinander herfallen. Anschließend hätten wir dann ein klärendes Gespräch und alles wäre wieder gut. Nicht ganz so toll, aber immer noch ok, wäre eine lange Mail in der er erklärt, wieso er so reagiert hat, dass er mich doch verstehen kann und mir verzeiht und mich um Verzeihung bittet, weil er so ein riesen Rindvieh war. Das wäre super, aber im Moment würde ich mich auch über so was lächerliches wie eine sms freuen, in der er mich um ein Gesprächstermin bittet.

Meine beiden Freundinnen hier, die ich einbezogen habe und mit denen ich nun irgendwie immer abwechseln rede, sind zu Engelchen und Teufelchen mutiert die auf meiner Schulter sitzen und mir Dinge einflüstern. Engelchen ergreift natürlich Partie für ihn. Sie versucht Erklärungen zu finden und betont ständig, dass er langsam ist und Zeit braucht und dass wir es bisher immer geschafft haben. Wir haben eine so tolle Beziehung in der wir über alles reden können. Schließlich würde er mich doch lieben, darauf sollte ich einfach vertrauen. Teufelchen fragt mich stattdessen, ob ich nicht langsam wütend genug bin und wie lange ich mir seinen Scheiß noch bieten lassen möchte. Schließlich würde er ja auch sonst nicht aus dem Quark kommen, mir kein Stück Sicherheit bieten und zu allem Überfluss auch noch den Platz für jemanden blockieren, der mit mir wirklich eine Zukunft verbringen möchte.

Auch wenn ich ihm gern alle Zeit der Welt geben würde, weiß ich auch, wenn man nicht miteinander redet, dass es irgendwann einen bestimmten Punkt gibt, an dem irgendwie nicht mehr zusammen findet, weil man sich zu weit von einander entfernt hat. Ich möchte nicht, dass das mit uns passiert.

Ich will einfach nur, dass er nach Hause kommt. Warum braucht er nur so lange?