Das Leben der jungen J

07.06.2015 um 00:37 Uhr

Von Trennungen und Veränderungen

Stimmung: ...

Nach der Trennung im Sommer letzten Jahres vom Pferdeflüsterer war ich hungrig. Hungrig nach Aufmerksamkeit und nach Sex. Damals war ich mir sicher, dass es da etwas geben muss. Etwas anderes. Jemand mit dem ich glücklich werden könnte. Es musste jemanden da draußen geben, der seine Zukunft mit mir verbringen wollte.

Also zog ich los. Getrieben von dem Wunsch nach einer Zukunft. Nach einer Familie. Nach einem Zuhause. Und ich fand es auch nach nur 6 Wochen in Mr. Right. Dachte ich damals jedenfalls. Es hat mich so heftig getroffen, dass ich kaum Herr meiner Gefühle wurde. Er war völlig anders als der Pferdeflüsterer und ich fand das großartig.

Anfangs fühlte es sich so an, als hätte ich in einem großen Katalog Dinge ankreuzt, die er alle verwirklicht hat. Ich wollte jemanden, der nicht die ganze Zeit auf dem Sofa sitzt - Bam! Ich wollte jemanden, der mich sexy findet - Wusch! Ich wollte jemanden mit mehr Struktur - Zack! Ich wollte jemanden, der wusste was er will. Jemanden zu dem ich aufsehen kann. Jemanden von dem ich lernen kann. Jemanden, der eine Familie mit mir will. Tata... Da stand er. Mit allen meinen Wünschen und noch mehr.

Das blöde mit dem Wünschen beim Universum: es ist wie ein „Gin" aus den Märchen. Wenn man Wünsche nicht klar formuliert, kommt am Ende Mist raus. Klar wollte ich wen, mit mehr Struktur, aber ich wollte nicht Monk. Klar wolle ich wen, der nicht permanent auf dem Sofa sitzt, aber nicht jemanden, der es gar nicht kann. Klar wollte ich jemanden, von dem ich etwas lernen kann, aber nicht jemanden der sich darauf so richtig was einbildet und permanent Dankbarkeit für seine guten Ratschläge will.

Und wenn wir schon mal davon reden, habe ich auch so viel vergessen auf die Liste zu setzen: einen ähnlichen Humor zum Beispiel oder Gemeinsamkeiten. Es ist schon echt Mist, wenn man selbst permanent Fernweh hat, besonders nach Urlaub mit dem Wohnmobil nach Schottland und er es sich nicht mal vorstellen kann, länger als 4 Tage an einem anderen Ort zu sein. Oder wenn man selbst, sein Herz nicht an Dinge hängt, schließlich sind es nur Gebrauchsgegenstände und er jedes Mal einen Anfall bekommt, weil man beim Tanzen einen Kratzer auf seinen Schuhen hinterlassen hat. Es ist auch wirklich blöd, wenn man selbst super gern total viele und unterschiedliche Filme und Serien guckt und er nur und absolut NUR Thriller gucken will. Ja, klar... mal ist das ja ganz nett - aber immer?

Oder auch andersrum. Habt ihr eigentlich eine Ahnung, an wie vielen Tagen Fußball läuft? An 6 Tagen in der Woche!!! In Worten SECHS Tage. Und ausgerechnet, der Mann, den ich für Mr. Right gehalten habe, muss sie alle sehen. ALLE. Und ständig muss man dann seine Freizeitplanung auf Fußball abstimmen.

Nein... es war nicht alles ideal mit Mr. Right. Aber besonders schlimm ist eigentlich, dass er ausgerechnet ein „Nehmer" (jemand, der viel nimmt, ohne etwas zurückzugeben) ist. Ich bin da eher ein „Tauscher" (also jemand, der etwas gibt und dafür gern etwas zurück hätte) und bisweilen sogar einer „Geber" (also jemand, der gibt ohne etwas zurück zu wollen). Also in Beziehungen gebe ich immer sehr viel. Besonders am Anfang. Beim Pferdeflüsterer war das auch nie das Problem, weil er immer etwas zurück gegeben hat. Meist ohne, dass man es speziell einfordern musste. Das klappte schon ziemlich gut zwischen uns. Ich habe seine Küche aufgeräumt und er hat mein Auto gewachst - oder so ähnlich.

Aber bei Mr. Right war das irgendwie anders. Er hat immer viel eingefordert. Und ich war nett und hab ihm Wunsch nach Wunsch erfüllt und mir immer in kleines bisschen mehr verbogen. Immer nur ein kleines bisschen. In Micro-Schritten sozusagen. So klein, dass es mir erst nach einer Weile aufgefallen ist, als ich schon nicht mehr ich selbst war. Und er hat nichts zurückgegeben. Das tut er immer noch nicht. Aber ich fing an, mich dagegen aufzulehnen. Erst innerlich und dann auch nach außen. Meist endete es in einem Wut-Ausbruch in dem ich ihn von mir weggestoßen habe. Immer ein kleines bisschen mehr. Er kam auch nie wieder auf mich zu. Er blieb dort einfach verletzt stehen. Und irgendwann waren wir zu weit von einander entfernt. Und jetzt ist es aus.

Es war nicht alles schlecht. Das ständige Fordern hat zumindest dazu geführt, dass ich jetzt einen neuen Job habe, in dem ich wirklich sehr glücklich bin. Besonders beruflich habe ich wirklich viel von ihm gelernt. Er kann auch super romantisch sein und tolle Geschenke machen. Ich habe mich stark mich mir selbst beschäftigt und unglaublich viele Muster in meinem Verhalten gefunden und aufgelöst. Ich habe mit Reiki angefangen und mich selbst dadurch gefunden. Und wir hatten eine Zeit, in der ich dachte, ich lebe den Himmel auf Erden.

Aber es hat auch Opfer verlangt. Ich habe mich seinetwegen mit dem Pferdeflüsterer und mit Nitida verworfen. Das mit meiner ehemals besten Freundin ist auch nicht mehr kittbar. Dazu haben wir uns gegenseitig zu sehr verletzt. Bei dem Pferdeflüsterer ist etwas anders. Leider ist ihm erst nachdem ich Mr. Right kennengelernt habe bewusst geworden, was er offenbar durch unsere Trennung verloren hat und hat vielfach versucht (sehr ungeschickt) mich zurückzugewinnen. Er schwankte zwischen „ich will dich zurück" und „du bist das größte Arsch, was auf der Erde wandelt". Das ging mir irgendwann so auf den Keks, dass ich ihn so richtig vor den Kopf stoßen musste, damit er aufhört und mich in Ruhe lässt.

Heute weiß ich es nicht mehr. Heute wünschte ich, es gäbe wieder einen Weg zum Pferdeflüsterer zurück. Zwischen uns lief so vieles gut. Wir mochten die gleichen Dinge, hatten einen super Umgang - wenn er doch bloß einen Weg gefunden hätte, mich so richtig in sein Leben zu lassen. Allerdings weint mein Herz vielmehr um Mr. Right. Jemanden von dem ich dachte, es wäre mein Seelenverwandter, aber bei dem der Kopf weiß, dass es einfach nicht funktionieren kann, das Herz es aber einfach nicht verstehen will. Auch weil das Herz die kleine Tochter nicht aufgeben kann, die es in der gemeinsamen Zukunft sehen kann.

Aber wir haben uns getrennt. Anfang Mai schon. Aber im Grunde führen wir seit Februar keine Beziehung mehr. Seitdem er ausgezogen ist. Oder anders, seit dem wir nicht mehr jeden Tag miteinander verbringen, denn offiziell hat er hier nicht gewohnt, er war halt nur immer da. Es ist uns auch klar, dass wir am Anfang alles überstürzt und übertrieben haben. Mit allem. Mit der Intensität, mit Sex, mit gemeinsamer Zeit, mit Quasi-Zusammenziehen, mit Plänen, mit allem. Und jetzt ist er weg. Und er hat viel von mir mitgenommen. Am schlimmsten ist, dass er meine Hoffnung mitgenommen hat. Wie gesagt, nach dem Pferdeflüsterer war ich hungrig und hab mich auf die Suche nach etwas besseren gemacht. Jetzt fühlt es sich wie Resignation an, weil ich einfach nicht weiß, was ich jetzt machen soll oder was jetzt noch kommen kann. Jetzt bin ich einfach nur einsam. So intensiv einsam, wie ich mich wohl noch nie gefühlt habe.

Und die Erkenntnis ist hart, aber ich habe wegen ihm nicht mal mehr eine beste Freundin, der ich davon erzählen kann.