Das Leben der jungen J

26.10.2011 um 12:22 Uhr

Das Familiengeheimnis

Stimmung: kopfschüttel

Tja... gestern rief meine Mutter an und erzählte mir eine ungeheuerliche Familiengeschichte. Vermutlich will das außer mir keiner wissen, aber ich erzähle es trotzdem.

Also meine Tante hat sich vor Jahren von ihrem ersten Mann scheiden lassen, vermutlich weil der neue Mann schon irgendwie vor der Typ stand. Diese Umstände sind halt nach wie vor schwammig, was aber jetzt auch nicht so wichtig ist. Aber niemand von dem Rest kann den neuen Typ leiden, ihre Kinder eingeschlossen.

Er ist anstrengend, hat ne komische Meinung, die er lautstark vertritt, lässt sich auch durch Argumente nicht abbringen, trinkt wohl mittlerweile deutlich mehr als ihm guttäte und ist wirklich kein sympathischer oder angenehmer Mensch. Wie gesagt keiner kann ihn leiden. Mittlerweile hat nun auch meine Tante gecheckt, dass er ihr nicht unbedingt gut tut, konnte sich bisher aber nicht vorstellen sich zu trennen, weil sie dann große finanzielle Einbußen hätte und es ohnehin schon sehr knapp bei denen ist.

So und gestern kam nun meine Mutter an und meinte, dass meine Tante sich wohl doch scheiden lassen würde. Sie hätte ihn gestern wohl auch schon rausgeschmissen. Warum das so plötzlich? Wo sie sich doch seit Jahren mit diesem Gedanken quält? Ja... weil meine Cousine, die sonst nie was sagt damit rausgerückt ist, dass sie ihn als sie 16 war beim w*ichsen erwischt hätte und er sie dann gebeten hat zuzusehen - was sie auch gemacht hat. Danach ist das wohl häufiger passiert und auch so, dass sie ihm dann wohl irgendwie geholfen hat. Und jetzt hätte er sie gefragt, ob die beiden sich zusammen Pornos ansehen wollen.

Und damit hat sie sich wohl bei meiner Tante verquatscht, die natürlich gebohrt hat und sofort reagiert hat. Sie hat ihm gesagt, dass sie davon weiß, dass sie das nicht gutheißen kann und dass er gehen soll. Daraufhin meinte er: „Wann?" Sie sagte: „Sofort!" und er verschwand ohne Schlüssel, Geld, Zigaretten oder Kleidung. Kein Stress, kein Abstreiten... Nichts dergleichen.

So und nun ist er weg. Glauben wir jedenfalls. Vielleicht bringt er sich auch um, weil er irgendwann mal gemeint hat, dass ihn niemand findet, wenn er sich umbringt. Was ohnehin schon eine schräge Aussage ist. Aber was will er denn schon ohne Sachen, Schlüssel und Geld anstellen? Anderseits halte ich ihn für so clever, dass er seine Flucht irgendwie geplant hat und Vorkehrungen getroffen hat. DAS traue ich ihm durchaus zu.

Meine Mutter war total geschockt und hat den Ausdruck „Missbrauch" benutzt, dass ihr meine Cousine sooo leid tut, das arme Kind, und dann hat sie diese Begebenheit benutzt, um damit zu begründen, dass sie deswegen ihr abartiges Sexualverhalten entwickelt hat und deswegen in Swingerclubs geht. Mein Gott, Swingerclubs sind ja ach so abartig. So was macht mich schon etwas sauer. Mich hat niemand „missbraucht" und ich gehe da trotzdem hin. Ich fühle mich auch nicht abartig.Aber das nur am Rande.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz, was ich davon halten soll. Irgendwas an dieser Sache ist für nicht stimmig. Ich kann mir nicht vorstellen, das der Typ, so widerlich wie ich ihn finde, meine Cousine gezwungen hat.

Dazu muss man folgendes wissen. Meine Cousine ist nun nicht gerade eine charakterstarke Persönlichkeit die es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Wenn sie unter Druck gesetzt wird, würde sie auch einen Mord zugeben, den sie nicht getan hat. Sie macht sich auch nicht so die Gedanken über alles Mögliche. Ich will nicht sagen, dass sie nicht nachdenkt, aber sie ist schon sehr naiv. Manchmal bezweifle ich, dass sie wirklich allein überlebensfähig ist. Sie ist auch nicht so der extrovertierte Typ oder jemand der klar eine Meinung vertritt. Im Grunde redet sie gar nicht und das schon weit länger als die 12 Jahre, die das nun gehen soll. Außerdem hat sie ein mächtig angeschlagenes Selbstwertgefühl. Niemand hat ihr jemals gesagt, dass sie hübsch oder attraktiv ist und sie hat auch nichts getan um sich wenigstens so zu fühlen. Der Konsens in der Familie ist, dass sie einfach nichts aus sich macht.

So... und nun kommt zu einer Zeit, wo sie geschlechtsreif ist, ein Mann daher, mit dem sie nicht verwandt ist und sie bekommt einerseits Aufmerksamkeit und er macht Dinge, die sie vermutlich neugierig machen. Und natürlich sagt sie nicht nein, wie ihre kleinere Schwester es getan hätte. Die hätte sich hingestellt, gelacht und ihm einen Vogel gezeigt und er hätte sie nicht gezwungen. Dazu ist er nun auch wieder nicht der Typ.

Der Typ stellt also fest, dass er bei meiner Cousine leichtes Spiel hat, weil sie sich vielleicht auch einlässt und dann spinnt sich das weiter. Bis sie vielleicht irgendwann keine Lust mehr hat und keinen Ausweg findet. Das wäre ein Szenario, dass ich mir auf Basis der unterschiedlichen Charaktere vorstellen könnte.

Für mich ist das nun nicht direkt "Missbrauch". Es gab, so wie ich es rausgehört habe, nicht so direkt Zwang und sie war mit 16 alt genug es selbst zu entscheiden. Hat sie nicht. Und wenn er sie gezwungen hätte, hätte sie sich bestimmt gewehrt. Das traue ich ihr schon zu. Wenn er sie gezwungen hätte, hätte sie das nur ihrem Vater gegenüber erwähnen müssen und der hätte ihn als Polizist persönlich eingebuchtet oder eigenhändig umgebracht. Das ist klar. Das wusste sie auch.

Aber wo fängt Missbrauch an? Ich habe also mit diesem Ausdruck mühe. Schlimm finde ich es trotzdem. Hauptsächlich tut sie mir leid. Eigentlich eher deswegen, weil ihre Eltern vorher schon verpasst haben, ihr Nein-sagen beizubringen und Selbstwertgefühl einzutrichtern. Niemand hat sie beachtet und sie hat so vor sich hingemokelt. Was erwartet man dann? Eine Charakterstarke Persönlichkeit die in allen Lebenslagen ihre Frau steht? Wo soll sie es denn auch herhaben. Ihre Mutter macht ihr seit Jahren vor, dass man still hält und die Klappe hält. Aber vielleicht hat sie es auch versucht, aber stand hilflos davor, weil sie nicht wusste, wo sie Selbstbewusstsein hernehmen sollte. Und immer wenn sie eine Meinung vertreten hat, würde sie von irgendjemanden runtergebuttert. Was sie meist trotzdem nicht davon abgebracht hat, es so durchzuziehen. Dass sie nun angefangen hat, eine Therapeutin zur Hilfe zu nehmen war eine völlig logische Konsequenz. Die Ursache ihrer Probleme liegt nämlich schon weit vor dem Alter von 16.

Und ja... ein Scheidungsgrund ist es auch. Ein guter Grund.Und endlich hat meine Tante den Arsch in der Hose ihn rauszuschmeißen. Alles andere hätte mich auch schwer erschüttert. Das ist ein Grund völlig hinter der Tochter zu stehen. Dem armen Kind.

Ja... wer hat sie denn dazu gemacht?

Und jetzt bin ich verdammt dazu, Mitleid zu haben und den Typen die Pest an den Hals zu wünschen. Also ja.. ich finde es schlimm. Wie gesagt, dass sie nicht nein sagen kann und dass der Typ das ausgenutzt hat. Schließlich war sie eine hilflose Schutzbefohlene. Aber wenn ich anfangen würde, in der Familie zu äußern, dass ich vermute, dass es kein direkter Zwang war, sondern eine Mischung aus Freiwilligkeit und nicht mehr Zurückkönnens, kann ich meine Sachen packen und genau dahin verschwinden, wo sich der Typ auch hin verkrochen hat.

Das macht mich auch wütend.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlinarina schreibt am 26.10.2011 um 13:59 Uhr:ich glaub schon, dass sich 16 jährige gibt die sich nicht wehren können.. mein gott, wie oft bin ich in situation gesteckt auf einmal, aus denen ich rauswollte und es nicht geschafft hab... nichts derartiges wie oben beschrieben aber trotzdem ungute sachen...
    wenig selbstwert kann ein wahninniges hindernis sein sich selbst zu verteidigen..
    kann natürlich auch so sein wie du sagst... oder eine mischung aus beiden..
  2. zitierenCurlie schreibt am 27.10.2011 um 07:48 Uhr:mir fehlen gerade echt die Worte !!!

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