Das Leben der jungen J

20.03.2014 um 22:02 Uhr

Ein Weg?

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: hoffnungsvoll

Heute habe ich in meinem Blog gelesen. Ehrlich gesagt waren es meine Beiträge zu meinen Sexperimenten von vor vier Jahren und es hat mich an die Frau erinnert, die ich damals gewesen bin. Ich war jung, neugierig und unerschrocken. Ich fühlte förmlich meine Macht als Frau. Ich hatte die Göttin in mir gefunden. Ich ruhte in mir und strahlte pures Glück aus.

Ich schreibe es in der Vergangenheit, weil ich mich verändert habe. Ich bin diese Frau nur noch ansatzweise. Vier Jahre Müßiggang, Misserfolge und zu viele innere Mauern haben diese Frau unter einer dicken Fettschicht begraben. Profillosigkeit, Unzufriedenheit und Traurigkeit waren die Folge. Fakt ist, die beeindruckende Frau von damals gibt es so nicht mehr. Ich finde das merkt man auch an diesem Blog. Mein Ton und meine Themen haben sich verändert. Es fehlt ihm immer mehr an Hoffnung, an Esprit und an Humor. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich keine Lust mehr habe daran weiter zu arbeiten. Ich habe das Gefühl, ich bin sogar in meinem eigenen Blog eingefahren und eingeschränkt.

Ich weiß bis heute nicht, woran das genau liegt. Nach meiner sexuellen Erwachung habe ich einen neuen Job annehmen müssen, der mir zwar einerseits gefiel, aber mir auch viel Kraft abverlangt hat. Und bis heute ist es zwischendurch ein ziemlicher Kampf - den ich aber immer besser meistere. Ich habe in der Zeit viele Kontakte auch zu langjährigen Freunden abgebrochen, weil sie irgendwie nicht mehr passten und ich habe den Pferdeflüsterer kennengelernt. Ich weigere mich allerdings zu akzeptieren, dass die Beziehung die Wurzel allen Übels sein soll. Aber auch er ist oft eher jemand, der Energien abzieht, als welche zu geben. Im Grunde habe ich das von unserem ersten Date gewusst und mich trotzdem bewusst dafür entschieden - wie ich es auch jetzt immer noch wieder tue. Wir teilen so vieles miteinander und ergänzen uns gut. Und wir haben auch so viele Qualitätsmomente und uns verbindet eine unglaubliche Ehrlichkeit, Offenheit und Liebe.

Dennoch ist es am Ende immer mein Verhalten. Meine Wahl. Meine Entscheidung, wie ich mich bei einer Situation verhalte. Wie viel Energie ich investieren will. Ob ich es zulassen möchte, dass mir jemand Energie klaut. Da kann ich wohl kaum den anderen eine Schuld geben. Mich nervt dieser Zustand schon eine Weile. Dieser verdammte Stillstand. Diese verdammte Trostlosigkeit.

Aber es gibt gerade Veränderung. Hoffnung.

Im Grunde hat es mit der Fortbildung zu tun, die ich letzten Dezember gemacht habe. Es gab da viele Denkanstöße und Perspektivwechsel. Ich habe angefangen die Arbeit anders zu sehen und auch meine Rolle dort anders zu verstehen. Mir ist klar geworden, dass meine derzeitige Jobbezeichnung nur 20% von dem verkörperte, was ich tatsächlich für das Unternehmen beigetragen habe. Es ist schwierig mehr Geld zu verhandeln, wenn man eigentlich kein Profil hat. Wenn man weiß, dass man etwas leistet, aber es nicht erklären kann. Ich habe viel nachgedacht und mit meinem Chef geredet und mit ihm eine neue Jobbezeichnung gefunden. Im Grunde habe ich das dort die ganze Zeit gemacht. Jetzt ist es umgekehrt. Jetzt passen 80% und mehr in mein Profil. Jetzt habe ich eine klar umrissene Aufgabe. Einen Verantwortungsbereich. Ich kann auch sagen, dass irgendwas nicht in meinen Tätigkeitsbereich fällt. Früher wusste ich nicht, was ich sagen soll, wenn mich jemand gefragt hat, was ich dort tue. Jetzt ist es klar. Und neben mehr Geld hat das zu einer neuen Art Selbstbewusstsein geführt. Erst jetzt wo ich das habe, kann ich erkennen, was mir all die Jahre gefehlt hat, eine eindeutige berufliche Identität. Ich bin jetzt wieder wer.

Aber ich will noch mehr. Mir ist ein Buch in die Hände gefallen, das sich damit beschäftigt, den eigenen Polarstern zu finden. Eine Art übergeordnetes Ziel, dass einem hilft, sein Leben auszurichten. Mehr Freude zu haben, Dinge zu tun, die man wirklich gern macht, mehr Leichtigkeit zu empfinden.

Mir wird immer klarer, dass es mich nicht glücklich macht, ein Leben in Müßiggang zu verbringen. Dass ich nicht der Typ für Alltagseinerlei bin. Dass ich mir jahrelang etwas vorgemacht habe.

Ich bin nun tatsächlich auf der Suche. Auf der Suche nach mir selbst - und das ist nicht so leicht, wenn man sich erstmal wieder mühsam chirurgisch freilegen muss. Ich frage mich, immer wieder, was kann ich gut? Was sind Themen, die mich beschäftigen? Wobei vergesse ich die Zeit? Was macht mich aus? Was will ich?

Ich sammle gerade verschiedene Dinge und überlege, was ich damit anstelle, jetzt, wo ich das nun weiß. Ich will ein Image. Ich will zu bestimmten Themen ein Meinungsträger sein. Ich weiß noch nicht genau was. Aber fällt mir bestimmt bald ein.

Und Stück für Stück lege ich wieder die Frau von damals frei. Ich kann nicht zurück, aber ich gewinne immer mehr an Selbstvertrauen und Stärke zurück. Seltsamerweise kommt auch meine fast schon tot geglaubte Kreativität wieder zum Vorschein und ich fange an Dinge wieder zu tun, weil ich sie liebe. Wie zum Beispiel das Joggen. Wie konnte ich nur vergessen, wie toll ich es finde abends durch die Straßen zu laufen und an nichts anderes zu denken? Meine Umgebung neu zu entdecken und ständig von ihr aufs neue überrascht zu werden? Ich wusste es doch, dass mir Sport Spaß macht, aber warum habe ich es vergessen?

Vielleicht schreibe ich auch ein wenig über die Suche. Der Blog hat definitiv etwas mehr Hoffnung und Kraft verdient. Mal sehen, was bei meinen Überlegungen so raus kommt.

Manchmal fühle ich mich wie Sebastian aus der Unendlichen Geschichte (dem Buch, nicht die Filme!!!!) wo er aus einem Sandkorn eine neue Welt erschafft und sich dann darin vergisst. Bis er nur noch eine Idee von seinem wahren „Ich" hat, mit dem er wieder nach Hause kann.

Ich bin auf dem Weg.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlousalome schreibt am 21.03.2014 um 06:56 Uhr:"Was sind Themen, die mich beschäftigen? Wobei vergesse ich die Zeit? Was macht mich aus? Was will ich?"

    Ich denke, diese Fragen weisen dir den richtigen Weg. Ich denke auch, du wirst nicht mehr bei der Frau von damals ankommen, denn das bist du nicht mehr. Nicht wegen ein paar Jahren Müßigganges, sondern einfach, weil wir uns beständig fort und weiter entwickeln. Die Fragen werden dich aber zu dem führen, was dich ausmacht und ausfüllt und das ist etwas sehr wichtiges und wertvolles. Ich bin gespannt darauf, darüber zu lesen. : )
  2. zitierenVomFeuerkind schreibt am 22.03.2014 um 01:31 Uhr:Ich bin auch gespannt. Wir werden sehen.
  3. zitierenJOblogt schreibt am 31.03.2014 um 14:06 Uhr:Jedenfalls freue mich nicht nur alleine, wieder etwas von dir zu lesen liebe feuer.
  4. zitierenseppal0815 schreibt am 16.10.2014 um 18:10 Uhr:Du bist auch irgendwie verschwunde. Schade. Habe immer gerne bei dir gelesen.

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