Das Leben der jungen J

03.11.2011 um 08:55 Uhr

Verzeihen.

von: VomFeuerkind   Kategorie: Das Schwiegermonster   Stichwörter: Pferdeflüsterer, Mutter

Stimmung: traurig

„Verzeihen." Das waren die Worte von HApart zu meinem letzten Beitrag.Verzeihen soll ich ihr.

Verzeihen? Wie zum Teufel soll ich ihr denn verzeihen, dass sie mich mit der von ihr bezahlten Ausbildung erpresst? Mit dem Auto? Wie soll ich denn verzeihen, dass sie mich ständig mit Vorwürfen und Vorurteilen konfrontiert? Wie soll ich ihr denn verzeihen, dass sie mir nicht zuhört und mich ständig verletzt? Und selbst wenn ich dafür einen Weg finden würde, wie soll ich ihr denn verzeihen, dass der Streit vom Wochenende den Pferdeflüsterer dazu gebracht hat, zu überlegen, ob ich diese Art von Stress wirklich wert bin?

Aber was noch schlimmer ist, mir geht es nicht anders. Ich denke auch darüber nach. So... jetzt hat sie also erreicht, was sie wollte. Sie hat einen Keil zwischen uns gedrängt. Wir grübeln beide, ob der Kampf mit ihr es wert ist. Ob unsere Liebe stark genug für diesen Mist ist. Ob es das wert ist, dass ich vielleicht mit meiner Mutter den Kontakt abbrechen muss, damit ich mit dem zusammen sein kann, den ich liebe.

Wie soll ich ihr denn so was verzeihen?

Der Pferdeflüsterer ist das Beste, was mir seit langem passiert ist. Er ist ein wundervoller Partner: liebevoll, fürsorglich, macht sich viele Gedanken, wie er mich glücklich machen kann. Ständig überlegt er sich irgendetwas süßes, überrascht mich nach auf dem Rückweg einer Geschäftsreise auf dem Bahnhof, bringt mir Blumen mit, kümmert sich um mein Auto und wenn ich ihn brauche ist er da. Er nimmt mich in den Arm, wenn ich traurig bin und freut sich mit mir, wenn ich mich freue. Er kann mit meinen Zickereien und Eigenarten umgehen und läuft vor Problemen nicht davon. Er ist ehrlich auch wenn es verletzend ist und wenn man Kritik äußert, denkt er drüber nach und ändert etwas. Er ist einfach wundervoll. Und ich liebe ihn.

Wir haben viel Spaß miteinander und finden immer wieder eine neue Freizeitbeschäftigung, die uns beiden Spaß macht. Wir lachen viel, wir reden viel und wir kuscheln viel. Wir können uns sagen, was wir im Moment brauchen und uns gegenseitig Freiräume geben. In vielen Bereichen scheint es einfach so zu harmonieren. Immer wenn mir jemand von seinem Partner und den Streits berichtet freue ich mich immer über die Qualität unserer Beziehung. Wir haben viele Streitthemen, die andere Paare haben, einfach nicht. Ich muss mich nicht über mangelnde Aufmerksamkeiten oder zu viel Eifersucht beschweren. Mein Partner ist das, was sich viele Frauen, wünschen.

Wie oft habe ich in der letzten Zeit schon gedacht, dass ich ihn so schnell nicht wieder loslassen werde? Wo werde ich denn so jemanden wieder finden? Jemand, der nicht perfekt ist, aber dessen Eigenarten ich wirklich gut ertragen kann? Jemand der sich so um mich kümmert? Jemand bei dem ich nach wie vor ein gutes Gefühl habe, wenn wir zusammen sind? Jemand mit dem das Leben leichter läuft? Jemand der mich glücklich macht?

Ich habe meinen Prinz zwischen den Fröschen gefunden. Und ich habe eine Entscheidung getroffen. Wenn ich mich nun zwischen meinem persönlichen Prinzen, Harmonie und dem besten Freund, den ich je hatte und zwischen Streit, Erpressung und Kampf mit meiner Mutter entscheiden müsste, dann ist das zwar schwierig, weil es schließlich immer noch meine Familie, meine Wurzel ist, aber die Wahl würde auf den Pferdeflüsterer fallen. Hauptsächlich, weil sie nicht aufhören würde, wenn ich mich trenne. Mit ihr würde sich das Verhältnis vermutlich nicht ändern. Ich hätte immer noch den falschen Job, ich würde mich immer noch zu wenig melden und ich würde sie immer noch nicht meinen Freunden vorstellen.

Und was macht der Pferdeflüsterer? Der hat ein schlechtes Gewissen, weil er dafür sorgt, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, mit meiner Mutter zu brechen. Er meint, wenn wir uns dann doch irgendwann mal trennen würden, wäre ich ganz allein. Er will dafür die Verantwortung nicht tragen. Genauso wenig, wie er nicht daran „Schuld" sein will, dass ich mein geliebtes Stadtleben aufgebe und zu ihm auf Land ziehe. Er glaubt nicht, dass er das Wert ist. Er hält sich nämlich nicht für so einen tollen Freund. Er glaubt ich übertreibe, wenn ich ihm das sage. Er hat Angst davor, dass ich es ihm eines Tages vorwerfe, was ich alles für ihn aufgegeben habe. Und ich kann es verstehen. Aber ich versuche die Entscheidung nicht von ihm abhängig zu machen, damit das nicht passiert. Normalerweise kann ich gut mit meinen Entscheidungen leben und bereue sie nicht oder werfe jemanden etwas vor. Ich entscheide mich, weil ich es gut überlegt habe. Weil sie für mich in diesem Moment das einzig Richtige war. Und ja... verdammt. Er ist es wert.

Und ich habe wirklich Angst davor, dass der Pferdeflüsterer sich gegen die Beziehung entscheidet. Vor allem überlege ich, ob ich wirklich genug getan habe. Ob ich wirklich das alles zurückgegeben habe, was er mir gibt. Ob ich zu viel gefordert habe und zu wenig selbst gegeben habe. Ob ich zu zickig und zu wenig liebevoll gewesen bin. Ob ich genug versucht habe, ihm das  Leben in einer Beziehung einfach zu machen, weil ich ja weiß, dass das alles neu und schwierig für ihn ist. Ob ich verständnisvoll genug war. Ob ich oft genug für ihn da war. Ob es genug Aufmerksamkeiten und liebevolle Gesten waren. Ob ich ein ebenso toller Partner war, wie er.

Ich hoffe jeden Tag, dass es ausgereicht hat. Dass er sich die letzten 1,5 Jahre genauso wohl gefühlt hat wie ich. Dass er das alles nicht wegwerfen will. Aber er muss sich genauso für diese Beziehung entscheiden, wie ich. Die Entscheidung kann ich ihm nicht abnehmen. Aber wenn wir uns beide für die Beziehung entscheiden, werden wir zusammen einen Weg finden, mit der Schwiegermonster Situation umzugehen. Es ist doch nur ein Test. Ein Test aus dem man nur gestärkt hervorgehen kann - wenn man ihn besteht. Und ich traue ihr durchaus zu, dass sie uns in voller Absicht in so eine Situation geschubst hat, um zu testen, ob unsere Beziehung so was überlebt.

Und ja. Ich habe Schwierigkeiten, ihr zu verzeihen, dass sie sich so in unser Leben gedrängt hat. Ich kann ihr nicht verzeihen, dass sie unsere Beziehung vor so eine Zerreißprobe stellt. Ich kann ihr nicht verzeihen, dass sie nicht mal versucht hat ihn zu mögen. Dass sie ihm nicht mal eine Chance gegeben hat. Wie kann sie den tollsten Freund der Welt so falsch einschätzen.

Ja... klar... wenn er geht, dann hat meine Mutter Recht damit, dass seine Liebe nicht ausgereicht hat... dass nur eine Mutter, wie sie kommen musste, um uns auseinander zu bringen...blabla... Aber ich wüsste es besser und ich könnte ihn verstehen und ich würde ihr bis ans Ende meiner Zeit Vorwürfe machen und würde ihr nie wieder einen Freund vorstellen. Und das würde sie am allerwenigsten verstehen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlinarina schreibt am 03.11.2011 um 11:15 Uhr:ich hoffe das beste für dich...
  2. zitierenHedera schreibt am 03.11.2011 um 11:54 Uhr:schwierig schwierig. meine mutter würde auch da sitzen und sagen: hättest du doch direkt auf mich gehört, ich hab es dir doch gleich gesagt...
    ich verstehe voll und ganz dieses gefühl eines keils...natürlich ist der mensch, den man liebt nicht ganz perfekt...diese frauen wissen genau, welchen punkt sie drücken müssen.....
    aber andererseits: was mögliche "vorwürfe" betrifft, die ein partner dem anderen machen könnte, wenn die beziehung zu ende ist... Ich bin wegen einer vermeindlich großen liebe 600 km weit gezogen, habe meinen relativ gut bezahlten job aufgegeben, meine freunde um in der pampa zu leben (erstmal). die beziehung hielt zwar irgendwie 3 jahre...wenn die größte zeit davon nur räumlich....gefühlstechnisch war mit meinem eintreffen hier eigentlich nach kurzer zeit alles vorbei....aber ich habe ihm nie vorwürfe gemacht, schuld zu sein, dass ich jetzt hier lebe. und ich neige schon dazu, im nachhineine schuld zu verteilen. wenn einer von euch zum anderen ziehen würde, dann ist er hoffentlich erwachsen genug, nicht wie ein kleinkind "hinterher" - wenn es denn eins gäbe, zu sagen: du bist schuld, das sich jetzt hier wohne, wo ich nie wohnen wollte...wenn 2 zusammenziehen und sich trennen muß eh immer einer ausziehen...dann könnte man ja auch wieder, wenns gar so schrecklich war, zurück...
    das ist aber eigentlich nicht das thema, ich weiß, es fiel mir nur so auf. ich würde den kontakt erstmal aufs nötigste einschränken. besser würde es ja auch nicht, wenn du ihr nach dem mund reden und nach ihren wünschen handeln würdest und das weißt du selbst.
    insofern bin ich froh, dass mich seit vielen jahren die vielen kilometer trennen....
  3. zitierenJOblogt schreibt am 03.11.2011 um 11:59 Uhr:alles was ich bisher von dir über den pferdeflüsterer lesen durft klang eindeutig nach 100 pro! du hast deinen partner gefunden, mit dem du durchs leben gehen willst. klar gibt es immer ein risiko. aber euer glück festzuhalten, sollte eure erste aufgabe sein. es macht euch beide stark - alles andere braucht zeit - nimm vorerst wie gesagt abstand - und macht euch keine vorwürfe, das es so ist wie es ist. wichtig seid zunächst ihr beide.
  4. zitierenaloneone schreibt am 03.11.2011 um 16:15 Uhr:Ich weiß, wie sich das für deinen Pferdeflüsterer anfühlt... meine "Quasi-Schwiegermutter" hat auch alles Menschenmögliche getan, um einen Keil zwischen uns zu treiben. Und ich habe auch damals überlegt, ob es das überhaupt wert ist, oder ob ich nicht besser gehen sollte.

    Nun, ich bin geblieben, nach etlichen langen Gesprächen (die erst mal nötig waren, um ihm klar zu machen, was da läuft und mit welchen Mitteln seine Mutter kämpft) hat mein Freund sich klar auf meine Seite gestellt, der Kontakt zu seiner Mutter war kurzzeitig weg, aber so langsam hat sie dann kapiert, dass ihre Meinung hier nicht gefragt ist. Seitdem hat es sich zwischen ihr und mir auf ein höfliches Miteinander eingependelt.

    Wenn du also sicher bist, dass der Pferdeflüsterer ein guter Partner für dich ist (und zwar JETZT ist! Es geht nicht darum, was irgendwann sein könnte!) - dann ergreif Partei für ihn und zeig ihm, dass du klar auf seiner Seite bist. Deine Mutter hat kein Recht, deine Beziehung zu bewerten - und wenn sie meint, es doch tun zu müssen, dann ignorier das. Aber zeig deinem Freund jetzt ganz klar, dass du nicht wegen dieser Sprüche von ihr ins Wanken gerätst! Und bring ihm um Himmels Willen bei, dass er keine Verantwortung für DEINE Entscheidung zu übernehmen hat!

    Und ganz wichtig ist das, was Jo gesagt hat: Macht euch keine Vorwürfe, dass es so ist, wie es ist! Fragt euch einfach, was ihr für die Zukunft wollt! Zweifel gehören immer mal dazu.

    Toi, toi, toi!!!


  5. zitierenVomFeuerkind schreibt am 03.11.2011 um 17:33 Uhr:Vielen Dank für Eure Kommentare. Meine Kollegin hat mich heute auch schon ein wenig runtergeholt. Sie meinte dass meine Mutter einfach manipulativ ist und offenbar keine andere Freizeitbeschäftigung hat, die sie geistig fordert, als mich zu nerven. Und allein die Tatsache, dass ich mich gedanklich schon den ganzen Morgen mit ihr befasst habe, hat sie eigentlich nicht verdient. Außerdem sind wir über den Vater meines Ex gestolpert, der auf seine Familie einen ähnlichen Einfluss hatte, wie meine Mutter auf mich und bei dem ich einfach cool bleiben konnte. Es ist ja auch viel einfacher cool zu bleiben, wenn man nicht emotional beteiligt ist.

    Aber es stimmt. Der Pferdeflüsterer und ich müssen uns erstmal für uns wissen inwieweit wir weitermachen und dann überlegen wir uns einen Weg um mit der Schwiegermonster Situation umzugehen.

    Im Moment sieht es tatsächlich so aus, dass mit sinkender Abhängigkeit auch meine Bereitschaft, diesen Mist zu ertragen, gesunken ist. Bei mir ist das Maß voll. Mir reichts. Klar hat sie auch ihre guten Seiten und ja... zwischendurch rede ich auch gern mit ihr. Aber der Preis ist mir entschieden zu hoch. Und die guten Momente wiegen die schlechten schon länger nicht mehr auf. Besonders weil sie die Infos aus den guten Momenten in den schlechten benutzt.

    Irgendwie muss ich einen Weg finden, diese emotionale Abhängigkeit und das Hecheln nach Annerkennung los zu werden. Vielleicht ist dann ein Miteinander möglich. Weil es mir dann egal sein kann, was sie denkt und meint.
  6. zitierensternenschein schreibt am 10.11.2011 um 04:21 Uhr:Liebes Feuerkind,
    deine Mutter hat dir damals schon immer das Leben oftmals schwer gemacht, als du den Pferdeflüsterer noch garnicht kanntest. Hat an allem möglichen herumkritisiert was du machtest. Konntest es ihr oftmals nicht Recht machen in ihrer selbstgerechten Art. Sie versucht dich zu halten, an dir zu zerren. Kommtnicht ihren mütterlichen Aufgaben nach, loszulassen, dich deinen Weg finden und auch leben zu lassen.
    Finde ich fürchterlich.
    Und auch wenn du DAMALS nicht gerade unzufrieden warst mit deinem Leben, so war doch immer diese deine Sehnsucht aus deinen Zeilen zu spüren, diesen Mann zu finden, der zu dir passt. Den du akzepieren kannst, so wie er auch dich.
    Und manchmal glaubtest du, du wirst ihn niemals findenm bist nicht für eine Partnerschaft geschaffen. Führtest lange Despräche mit dem alten Mann darüber, auf euren Spaziergängen.
    Dann trafst du ihn. Den Pferdeflüsterer. Es dauerte eine Weile bis ihr euch annähertet. Viele Fragen waren da, ist er es wirklich, willst du das wirklich.
    Und du sowie auch er, ihr habt euch für einander entschieden, er ist für dich der Weltbeste Freund geworden.
    Das solltest du und auch er nicht, dir von deiner Mutter zerreden oder kaputtreden lassen. Es mag ja sein, dass sie ihren Zeiten als heissen Feger hinterhertrauert, dich beneidet um deine Möglichkeiten, was sie natürlich niemals zugeben würde, aber es gibt ihr noch lange nicht das Recht, aufgrund ihrer eigenen Unzufriedenheit dir das Leben und deinen Freund zu vermiesen.
    Du hast so lange gesucht und endlich gefunden. Lasst es euch nicht kaputtmachen. Steht zueinander, auch gegen diese Widerstände.
    Liebe Grüsse
  7. zitierenVomFeuerkind schreibt am 18.11.2011 um 10:54 Uhr:Vielen Dank Sternenschein. Das war im Grunde genau das Richtige. Das haben wir auch getan. Wir haben zusammengehalten.

    Inzwischen habe ich mich mit meiner Mutter wieder versöhnt (ist wohl so ein Dauerding bei uns, dass wir uns zoffen wie die Kesselflicker). Meine Mutter ist auch nicht mehr ganz so negativ dem Pferdeflüsterer gegenüber eingestellt. Im Grunde fand sie es doch sehr mutig von ihm sich da so einzumischen. Aber er weiß trotzdem nicht, wie der mit dieser Situation umgehen soll. Er muss ihr nun nichts mehr vorspielen - aber er weiß nicht wie er das machen soll.

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.