Das Leben der jungen J

08.07.2011 um 14:16 Uhr

Wer sind Sie? Und was haben Sie mit meiner Mutter gemacht?

von: VomFeuerkind   Kategorie: Das Schwiegermonster   Stichwörter: Pferdeflüsterer, Mutter

Stimmung: müde

Ich weiß nicht ob der Tod meiner Oma oder die Tatsache, dass meine Mutter im Urlaub jemanden getroffen hat, der scheinbar einen bleibenden Eindruck mit seiner Sichtweise bei ihr hinterlassen hat, der Auslöser war, aber meine Mutter ist gerade wie ausgewechselt.

Indiz 1: Meine Mutter ist sehr streng gläubig und so bin ich auch erzogen worden. Als ich für mich feststellte, dass das in der Kirche vermittelte Verständnis von Gott nicht meinem entspricht und ich deswegen nicht mehr hingehen möchte, hat sie das als persönliche Beleidigung aufgefasst. Offenbar hat nun im Urlaub der Mensch an der Kanzel genau ihren Nerv getroffen. ‚Wir hätten nicht das Recht, darüber zu urteilen, warum jemand zur Kirche kommt oder nicht!' meinte er und plötzlich ist es OK für sie, dass ich nicht mehr zur Kirche gehe. Schließlich ist es ja meine Entscheidung! (Achja? Das versuche ich ihr seit Jahren zu vermitteln!)

Indiz 2:Auf der Karte, die sie aus dem Urlaub geschrieben hat, stand der Pferdeflüsterer mit vollen Namen in der Adresszeile drauf. Er wurde nicht nur am Ende mitgegrüßt, sondern explizit in der gesamten Karte mit angesprochen. Die Karte war an uns beide gerichtet. So was hat sie noch nie gemacht.

Indiz 3:Offenbar hat die Tatsache, dass der Pferdeflüsterer mir und meiner Tante zur Seite gestanden hat, als meine Oma im Sterben lag, auch einen Anteil, an ihrer Verhaltensänderung. Jetzt steht er als Angehöriger in der Zeitungsanzeige und sie kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus, wie toll er denn nun ist. (????)

Das ist schon auffällig. Sie ist anders. Rege ich mich darüber auf? Nein. Ich wäre ja schon schön blöd. Ich wundere mich bloß. Natürlich weiß ich nicht, wie lange es anhält, aber es würde mich schon freuen, wenn es möglichst lange wäre.

Ansonsten hängt sie wegen dem Tod ihrer Mutter sehr durch. Sie hat sich auf Grund von Depressionen bis nächsten Freitag (da ist die Urnenbeisetzung) krank schreiben lassen. Sie meint, sie kriegt überhaupt nichts auf die Reihe und ist mit allem überfordert. Es nimmt sie doch stärker mit, als wir alle gedacht haben. Dass meine Tante durchhängt war klar, aber dass es meiner Cousine auch so schlecht geht, hätte ich nicht erwartet Sie kann überhaupt nicht mehr allein schlafen und bricht ständig in Tränen aus. Ist mit mir irgendwas falsch, weil ich mich irgendwie normal fühle und Spaß am Leben habe?

Naja... ganz normal ist es dann nun auch wieder nicht. Ich bin im Moment schon wieder super schnell gestresst. Gestern hab ich morgens am Telefon angefangen zu heulen, weil der Pferdeflüsterer wissen wollte, ob wir denn nun in zwei Wochen nach München fahren, weil er sonst einer anderen Sache zusagen würde und ich es einfach nicht wusste.

Ich war total überfordert. Mit allem. Vor allem damit, dass ich Abends zu diesem Businessding sollte, dass bei mir zu Hause ein schier unüberwindbares Chaos herrscht, dass ich dem Frisör absagen muss weil ich zur Beerdigung muss, dass Auto so viel kostet, dass es keine günstige Zug-Verbindung nach München mehr gibt, weil das alles super spontan ist und schon die Vorstellung 7 Stunden im Auto zu sitzen mich unglaublich anstrengt. Auch damit, dass auf der Arbeit ständig jemand kommt, der ne Grafik will oder ich muss zig mal hinter meinem Chef hinterher laufen, damit er endlich eine Freigabe macht. Das Messsystem ist auch schon wieder an einem neuen schier unlösbaren Problem angekommen und raubt mir derzeit super viel Kraft. Und als wäre das nicht schon alles genug, kommt meine Mutter noch an und will dass ich wildfremde Menschen im Ausland anrufe um ihnen zu sagen, dass meine Oma gestorben ist. Ich wusste es war ein Fehler Englisch zu lernen. Ich hasse es mit fremden Menschen zu telefonieren. Ich habe da regelrecht Panik vor.

Das schlimme ist, dass ich wirklich gern nach München fahren würde, aber der Zeitpunkt gerade unglaublich schlecht ist. Und dann ist ein Wochenende auch einfach zu kurz. Besonders wenn die 1,5 Tage, die man dann da ist, schon fast völlig verplant sind. Und dann 7h Autofahrt! Warum kommen Leute auch immer so super kurzfristig mit ihren Geburtstagseinladungen rüber. Deswegen fiel mir die Entscheidung auch so unglaublich schwer. Aber als ich mich dann gestern abend gegen dieses Businessding entschieden habe und lieber zu Hause geblieben bin und dagegen nach München zu fahren, um das Geld für einen anstrengenden 2 Tages-Trip lieber in eine nette kleine Ferienwohnung auf einer Ostfriesischen Insel im September zu investieren, ging es mir besser.

Schon komisch, wie einen manchmal das was man gern machen würde, so weit davon weg bringt, was gut für einen ist.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenJOblogt schreibt am 10.07.2011 um 17:11 Uhr:blick net ganz durch. fährste jetzt nach münchen oder nicht?
    wie dem auch sei - die entscheidung für die kleine ferienwohnung auf einer ostfriesischen insel scheint, angesichts deiner stresssituation die richtige zu sein.
  2. zitierenVomFeuerkind schreibt am 11.07.2011 um 09:49 Uhr:Ich würde wirklich gern nach München fahren. Es ist schön da. Ich mag auch meine Freunde da, die ich wirklich selten sehe. Aber mir waren 170€ für den Zug (Sparpreis??) und 180€ für den Flug zu viel. Das ist eben das blöde, wenn es so wahnsinnig spontan ist. Hätte ich es länger im Vorraus gewusst, hätte man da ein wirklich günstiges Angebot abgreifen können. Da bleibt dann nur noch Autofahren und da sind mir die 7h Stunden Fahrt hin und zurück für 1,5 Tage Aufenthalt zu lang. Ich hasse Autofahren, wenn es länger als 4h Stunden ist. Es strengt mich an. Selsbt wenn ich nicht mal selbst fahre. Und wenn ich fahre dann auch. ist egal. Also fahre ich nicht. Und ich fühle mich besser damit.

    Tja... ostfriesische Inseln sind wohl noch nicht ganz durch. Der Pferdeflüsterer will unbedingt dahin wo es warm ist. Außerdem findet er die Preise dort leicht überteuert.
  3. zitierenYaimm schreibt am 17.07.2011 um 11:58 Uhr:Die Veränderung meiner Mutter mir gegenüber nach dem Tod meiner Oma hat bis heute angehalten, das hat sie grundlegend verändert.
    Der Tod eines geliebten/nahestehenden Menschen bringt Gedanken hervor, mit denen man sich zuvor nie beschäftigt hat und beschäftigen musste, vielleicht rückt ihr nun auch etwas näher zusammen.
    Ich würde es euch sehr wünschen.

    Daß Du nicht so zusammenbrichst oder betroffen bist, ist aufgrund Deiner schlechten Bindung zu Deiner Oma doch völlig legitim, nichts Falsches.
    Mein Cousin war von dem Tod meiner Oma auch kaum betroffen, während es mich völlig zerrissen hat - wenn die Schwester meiner Oma stirbt, wird es genau andersrum sein - alles ganz \"normal\" :)
  4. zitierenAnna_Kurz schreibt am 24.07.2011 um 14:54 Uhr:Wenn ein Elternteil stirbt, dann ist das Leben einfach nicht mehr das was es war - und: Jeder hat eine andere Art, zu trauern. Mich hat es vor 20 Jahren übrigens auch total aus den Latschen gehoben als mein Opa gestorben ist, während meine Schwester gut damit klar zu kommen schien.

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