Das Leben der jungen J

02.04.2010 um 13:30 Uhr

Hochzeitsdilemma

von: VomFeuerkind   Kategorie: aus dem Geschichtenfundus   Stichwörter: Marineoffizier

Stimmung: geschockt und hin und hergerissen

Es ist was ganz furchtbares passiert. Der Marineoffizier hat mich zu seiner kirchlichen Hochzeit eingeladen. Die nächste gesellschaftliche Katastrophe! Ja... sicher, Hochzeiten sind doch etwas schönes. Klar... Aber nicht wenn die Jugendliebe jemanden anderes heiratet.

Es ist ganz furchtbar. Wir beide kennen uns nun schon seit 11 Jahren. Wir haben zwar immer nur sporadischen Kontakt aber wir schleichen immer noch um einander rum. Damals war ich total verschossen in ihn.

Rückblick:
Es war um die Zeit als ich mein Abi gemacht habe. Wir gingen beide noch zur Schule. Ich war mit jemanden aus seinem Freundeskreis zusammen und als ich mich trennte, wurde irgendwie der Kontakt zu ihm immer enger. Wir hatten immer ne tolle Gesprächsebene und ich fand ihn ausgesprochen süß. Er begleitete mich auch zu meinem Abiball. Er war charmant und hat mit seinen guten Umgangsformen meine Eltern ziemlich um die Finger gewickelt.

Von dem eigentlichen Ball hab ich kaum was mitbekommen. Wir haben zwar auch miteinander getanzt (DAS hatte er nämlich hervorragend drauf) aber wir haben uns ständig rausgeschlichen, um in Ruhe miteinander zu knutschen und zu quatschen. Es war toll. Außerdem hat er mich vor meinen Klassenkameraden ein wenig gerettet. Weil wir einfach viel Zeit miteinander verbracht haben, musste ich mich nicht mit den anderen auseinander setzen.

Wir haben auch öfter mal eine Nacht miteinander verbracht, aber Sex hatten wir nie. Entweder wollte er nicht oder ich nicht oder wir hatten Schwierigkeiten mit dem Kondom (das kann ziemlich stimmungskillend sein, wenn es beide nicht hinbekommen.) oder meine Mutter kam irgendwie dazwischen. Allerdings hat noch niemals jemand vorher oder nachher derartig an meinem Ohr geknabbert.*gänsehaut krieg*

So ganz bin ich an ihn auch nie rangekommen aber auch nicht drüber weggekommen. Wir verstanden uns gut. Aber richtig gefunkt hatte es bei ihm nicht. Den einen Tag wollte ich alles auf eine Karte setzen. Er hat auf dem hiesigen Schützenfest Bier ausgeschenkt. Also zog ich mir High Heels an, ein schwarzes Kleid, malte mir meine Lippen rot an und ging mit Handschuhen und Hut auf das Fest. Ich saß also an seiner Theke und sah einfach nur phantastisch aus.

Es war ein cooler Abend. Ich hab einige Heiratsanträge bekommen, wurde mehrfach gefragt ob ich die Schützenkönigin von jemandem sein wollte und bin mit einigen Telefonnummern nach Hause gegangen. Nur den Marineoffizier ließ das alles kalt. Es war hart den Abend allein nach Hause zu gehen, aber ich wusste, dass es das war.

Später zog ich zum Studieren weg und er ging zur Marine. Er hat sich auf 12 Jahre verpflichtet. Der Kontakt wurde sporadischer und wir beide haben uns verändert. Er bildete härtere Charakterzüge aus, fand Dinge lustig, über die ich nicht lachen konnte und vor allem hatte er dann irgendwann eine Freundin.

Diese Freundin war komisch. Ich kenne sie zwar kaum, aber ich mag sie nicht. Sie hat haufenweise Probleme. Sie ist selbstmordgefährdet, geht aber nicht zum Therapeuten, sie hasst seinen Job, sie kann nicht allein sein und ist unglaublich eifersüchtig. Ein weiteres Problem ist die Sache mit dem Sex. Im Grunde hatten sie keinen. Und wenn, dann langweiligen Blümchensex. Wir hatten damals ähnliche Vorstellungen, was wir alles ausprobieren wollten und ich hab es ausprobiert und bei ihm ging es in der Beziehung nicht.

Diese Beziehung hat ihn trotzdem nie davon abgehalten. Er hatte diverse Affären nebenbei. Was ich moralisch verwerflich finde. Und vor ca. 1,5 Jahren hatten auch wir beide endlich Sex. Das hätte ich damals mal nicht machen sollen. Nicht, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte. Warum sollte ich mir seinen Kopf zerbrechen? Sondern weil es unsere Freundschaft ruiniert hat.

Wir sind immer um einander rumgeschlichen. Wir haben uns öfter mal getroffen und miteinander rumgeknutscht. Irgendwann war es dann unvermeidlich. Allerdings war der Sex nicht so wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ich habe mich noch nie so sehr wie ne Sache beim Sex gefühlt, wie den einen Tag. Nach kurzer Zeit war mir alles zu Wieder: sein Gesichtsausdruck, das was er gesagt hat, die Art, wie er sich in mir bewegte... DAS hätte ich von dem Meister der Verführung und meinem besten Freund nicht erwartet. Wenn er so auch mit IHR schläft - kein Wunder, dass sie keine Lust hat.

Ich nahm ihm die ganze Sache irgendwie übel. Jedenfalls die Art wie er mich beim Sex behandelt hat. Und der Kontakt wurde immer weniger - hauptsächlich, weil ich mich nicht mehr meldete.

Tja... irgendwann bekam ich dann eine Nachricht, dass die beiden standesamtlich geheiratet hatten, dass sie ein Haus bauen wollten wusste ich ja schon und dass sie dann kurz vor Weihnachten letztes Jahr einen Jonathan bekommen haben.

So. Und jetzt heiraten sie kirchlich und ich bin eingeladen. Absagen kommt nicht in Frage, weil er nach wie vor mein ältester und bester Freund ist. Das kann ich echt nicht bringen. Aber es ist trotzdem furchtbar. Irgendwie gehört er mir. Auch für meine Eltern ist er nach wie vor der perfekte Partner.

Ich halte nichts von dieser Ehe. Ich halte nichts davon, dass er sie oft betrogen hat. Und auch wenn ich weiß, dass sie schon ewig zusammen sind, hab ich irgendwo tief in meiner Seele geglaubt, dass er sie verlässt. Aber das hat er nicht. Und Jetzt soll ich in der Kirche sitzen, mir die Frage anhören, ob ich etwas einzuwenden hab und bis an mein Lebensende schweigen?

Also werde ich schweren Herzens zu der Hochzeit gehen. Ich werde gute Miene zum bösen Spiel machen und auch ansonsten lieb und nett sein.

Aber ganz ehrlich, diese Hochzeit steh ich nicht ohne Begleitung durch. Ich kenne außer dem Marineoffizier schließlich niemanden da. Ich brauche da echt Rückendeckung. Das Gute ist, dass ich da einfach irgendwen mitnehmen könnte. Stern89 z.B. Strolch oder SM-Er... Irgendeinen Mann, mit dem man sich gut unterhalten kann, mit dem man viel Spaß hat und der vielleicht wenn ich Glück habe auch noch das Tanzbein schwingt. Aber vielleicht frag ich auch einfach Legolas. Das wäre auch nicht anders als bei ner gewöhnlichen Party, nur das man schickere Klamotten an hat. Da wird auch hinterher kein Psychoterror ausgeübt, Es gibt keine peinlichen Geschichten von damals..

Gut ist auch, dass die Hochzeit erst Ende August ist (sprich noch ca. 5 Monate), dass die Anreise nicht weit ist, man also am gleichen Tag wieder nach Hause kann und dass es nicht in meiner Heimatstadt ist - sprich man ohne peinliche Familienbesuche aus der Sache rauskommt. Also mal sehen, was ich daraus mache...

01.04.2010 um 16:47 Uhr

Aprilscherz

Stimmung: heiter

Eigentlich wollte ich mir heute für Euch einen Aprilscherz einfallen lassen, aber was Blödsinn ausdenken betrifft bin ich gerade irgendwie unkreativ. Also muss ein Aprilscherz herhalten, den ich mir vor einigen Jahren mal mit meinen Eltern erlaubt habe. 

Ich war gerade für mein Austauschjahr in den USA. Meine Mutter war natürlich besorgt um mich und hat mir eine Kreditkarte mitgegeben (für den Fall der Fälle) und mir bevor ich geflogen bin gesagt, dass ich jederzeit wieder nach Hause fliegen könnte, wenn es ganz arg kommt.

Meinen Scherz hatte ich schon wochenlang vor dem ersten April geplant. Ich rief also deutscher Zeit 15h Nachmittags bei meinen Eltern an. Da rechnet man nicht mehr mit so was.

 

„Hi Mum," fing ich zerknirscht an. „Du, es ist was ganz furchtbares passiert. Ich hab mich ganz schlimm mit meiner Gastmutter gestritten. Und dann hab ich ein Flugticket gekauft und bin nach Deutschland geflogen. So, und jetzt sitze ich in Frankfurt am Flughafen und komme hier nicht weg. Kannst du Papi nicht losschicken, damit er mich abholt?"

Es folgte auf der anderen Seite eine lange Pause.

„WAS hast du gemacht?" fragte sie schließlich.

„Ich hab mich mit Ethylene gestritten und sitze jetzt in Frankfurt am Flughafen fest." antwortete ich.

„Aber wie kommt denn das so plötzlich? Wir haben doch erst vor wenigen Tagen telefoniert und da war doch noch alles in Ordnung!" sagte sie.

„Ja, aber jetzt haben wir uns richtig gefetzt. Ist ja auch egal.. ich sitze jedenfalls hier fest. Kommt Papi nun?" beharrte ich.

„Aber warum hast du denn nicht vorher angerufen. Das hätten wir doch bestimmt irgendwie regeln können!" Sie wurde langsam sauer.

„Ich hab jedenfalls keinen anderen Ausweg gesehen. Wir sind geschiedene Leute. Ich wollte nach Hause. Und du hast immer gesagt, ich kann jederzeit nach Hause kommen." Ich schluchzte.

„ABER DAS HAB ICH DOCH GAR NICHT SO GEMEINT. WIE KOMMST DU DENN NUN AUF SOWAS? DAS HÄTTEN WIR DOCH ALLES REGELN KÖNNEN. ABER STATT DESSEN FLIEGST DU MIR NICHTS DIR NICHTS EINFACH SO NACH HAUSE? GIBST DA ALLES AUF? BIST DU DENN VERRÜCKT GEWORDEN?...." schrie sie mich an. Nach ner Pause meinte sie dann: „Natürlich kommt dich Papi abholen. Der sucht schon ne Zugverbindung raus."

„Du... Mutti.... April April...! Es war alles nur ein Scherz. Ich bin immer noch wohlbehütet in den Staaten und mit Ethylene ist alles in Ordnung" grinste ich.

„JA BIST DU DENN VERRÜCKT GEWORDEN? MIR HIER SO EINEN SCHRECKEN EINZUJAGEN? UND MICH DANN SO LANGE DARIN SCHMOREN ZU LASSEN... DEIN VATER IST SCHON FAST IN HANNOVER!!!..." sie kriegte sich gar nicht mehr ein. „Aber es ist gut, dass alles in Ordnung ist." meinte sie schließlich.

 

Nach dem sie sich wieder abgeregt hatte lachten wir beide über diese Begebenheit. Und mein Vater lachte und Ethylene lachte, nachdem ich ihr die Reaktion meiner Mutter übersetzt hatte und alle Verwandten, denen meine Eltern das zu Hause erzählten auch. Auch heute noch könnte sich meine Mutter über diesen Aprilscherz wirklich stundenlang aufregen und dann darüber lachen. DAS war es alles auf jeden Fall wert gewesen.

07.01.2010 um 15:32 Uhr

Prägende Personen aus der Vergangenheit

Stimmung: in der Vergangenheit schwelgend

Gestern kurz vorm Schlafen ist mir eingefallen, dass meine Oma gestern 89 Jahre alt geworden wäre. Ich musste ein wenig an die Personen denken, die etwas besonderes für mich waren und die mich mittlerweile verlassen haben.

Meine Oma war eine wundervolle Frau. Eigentlich war ich gar nicht blutsverwandt mit ihr. Sie ist die Mutter meines Stiefvaters. Meine Mutter hat ihn geheiratet, als ich drei war und so ist er irgendwie zu dem Vater geworden, der mein Bio-Papa nie sein konnte. Sie hatte ein Haus mit einem riesigen Garten, in dem sie Gemüse und Obst anpflanzte. Ich hab öfter Karotten aus der Erde gezogen und sie in der Regentonne abgespült. Auch heute erinnert mich der Geschmack einer ungeschälten Karotte an damals. Hinten im Garten war so was wie ein Verschlag. Meine kleine Hütte. Von den Blicken abgeschirmt konnte ich dort als Kind machen was ich wollte. Meist habe ich Blüten eingesammelt und irgendwelche Tränke draus gebraut. Wir haben oft Gesellschaftsspiele miteinander gespielt oder sie hat gestrickt während wir vorm Fernseher saßen. Immer wenn ich kam, bekam ich eine Tafel Yoghurette geschenkt. Sie war eine herzensgute Frau, die mich über alles liebte und wahnsinnig großzügig war. Vor 6 Jahren fing sie dann an senil zu werden und starb kurze Zeit später. Ich vermisse sie immer noch sehr.

Früher in meiner Jugend (wie gesagt, ich bin religiös erzogen worden) fing ich an, so was wie ne Patenschaft zu einer anderen älteren Frau aus der Gemeinde aufzubauen. Frau von Rotterdamm war zwar alt und klapprig aber auch irgendwie cool. Früher hatte sie als Lektorin für einen Verlag gearbeitet und hat dort viele interessante Menschen getroffen und interessante Bücher gelesen. Einige diese Jugendbücher hatte sie noch und ich durfte sie lesen. Sie rochen meist sehr alt, waren aber sehr lustig. Sie hat in einer großen Stadt gewohnt und war sehr gebildet, was ihr einen weiteren Horizont gegeben hatte. Ich besuchte sie öfters. Ich brachte dann Schokolade und Weintrauben mit und wir saßen bei einem Tee zusammen und sie erzählte mir Geschichten aus ihrer Vergangenheit. Später, als sie dann in einem Heim war, fuhr ich auch noch hin und wieder hin. Allerdings war das nicht so einfach, weil ich damals noch keinen Führerschein hatte und immer jemanden brauchte der mich fuhr. Sie starb dann irgendwann, da war ich so 16/17. Die Beerdigung war die erste, wo ich wirklich um jemanden getrauert habe. Besonders nett fand ich, dass ihre Nichte sich dort noch mal ganz lieb dafür bedankte, dass ich mich so um sie gekümmert hätte, weil es ihr immer so viel Freude gemacht hat. *lächel*

Ethylene war meine Gastmutter, als ich mein High School Jahr in den USA verbrachte. Eigentlich ist es ungewöhnlich, dass man das bei einer alten Frau ohne Familie verbringt, ich fand es erst blöd und dann richtig toll. Als ich ankam war sie 74. Topfit, total kreativ und mit einem großen Freundeskreis. Sie war früher Kunstlehrerin und verbrachte ihre Zeit immer noch damit, Steinskulturen zu machen und zu handarbeiten. Sie hatte sich auf mit Erbsen gefüllte Frösche spezialisiert und fertige sie fast am Fliesband in allen Farben und Formen. Sie hatten alle ein Thema oder Motto. Zu Halloween gab es Hexen- und Kürbis-Frösche. Zu Weihnachten gab es Weihnachtsmann- und Engel-Frösche und ansonsten noch welche für alle möglichen Sportarten und Anlässe. Die Engel hatten dann kleine Flügel oder Hexen kleine Besen. Es gab ein Geschäft, wo nur Hand gefertigte Dinge verkauft wurden, wo sie die Frösche hinbrachte und die dort reizenden Absatz fanden. In diesem Jahr war ich auch sehr kreativ. Sie steckte einen einfach an. Ansonsten war sie auch einfach zauberhaft. Total lieb und sie kümmerte mich rührend um mich. Und alle ihre Freunde waren genauso herzensgute Menschen wie sie. Sie besuchte mich sogar einmal in Deutschland. Dann bekam sie plötzlich Speiseröhrenkrebs, der tödlich endete. Leider konnte ich da nicht zur Beerdigung fahren, weil mich der Brief von ihrer Freundin erst zwei Wochen später erreichte. Tja.. damals (um die Jahrhundertwende) war Email noch nicht wirklich weit verbreitet. Seit dem war ich nicht wieder in den Staaten, weil mir irgendwie der Anlaufpunkt fehlt.

Alle drei Frauen haben mich ziemlich geprägt und mir einiges für die Zukunft mitgegeben. Auch wenn mir das zu dem Zeitpunkt meist nicht bewusst war. Aber ich bin froh, dass ich sie kennenlernen durfte.

04.01.2010 um 13:17 Uhr

Ins Auge gegangen

Stimmung: totale Panik

So ganz will ich noch nicht wieder im Alltag ankommen. Aber eigentlich habe ich heute und morgen ja auch noch Urlaub. Zumindest in meiner einen Identität wurde ich die letzten zwei Wochen dazu zwangsverpflichtet. Ich fand jetzt einfach, dass ich auch in der anderen Identität Urlaub machen könnte. Man, hab ich das genossen! Nichts tun... rumgammeln... In Ruhe mal alle Gedanken ordnen... Unsinnige Filme gucken...

Wäre da nur nicht diese ätzende Augengeschichte gewesen. Wobei ich dadurch eine prima Ausrede hatte, warum ich selten das Haus verlassen habe. Aber jetzt sehen meine Augen wieder super aus. Ist auch fast alles wieder völlig normal. Ich glaube ich nehme die Tropfen sicherhaltshalber noch ein paar Tage. Bei Antibiotika muss ja vorsichtig sein.

Aber man kriegt schon ein kleines bisschen Panik, dass die Augen so angeschwollen bleiben. Früher in der Kindheit haben wir uns immer bei irgendwelchen Faxen aufgezogen und hinten auf den Rücken geschlagen und dann gerufen: „das bleibt jetzt so für immer und ewig!" Ich kann mich auch noch gut an die eine Geschichte im Urlaub erinnern:

Ich war 12 oder 13 oder so. Und da gab es diesen einen Typen den ich irgendwie toll fand, der sich aber nicht für mich interessierte. Wir waren in einem Hotel in Alcudia auf Mallorca. Und wer schon mal dort war, weiß, dass es dort sehr seicht ins Meer reingeht. So dass man da auch weit draußen gut stehen kann. Außerdem ist der Sand dort recht fein, aber besteht hauptsächlich aus winzig kleinen Muschelsplittern. Jedenfalls ist er für Matschspiele prima geeignet.

Eines schönen Tages traf ich den Typen in diesem seichten Wasser. Und aus irgendeinem Grund, an den ich mich nicht erinnern kann (vermutlich weil ich was blödes gesagt habe - damals hab ich öfter was blödes gesagt), fingen wir an, uns mit nassem Schlamm zu bewerfen. Sich runterbeugen, eine Handvoll vom Grund hoch holen und werfen. Das war ne Zeitlang auch noch sehr lustig. Bis ich auf einmal eine volle Ladung in die Augen bekam. Ich sah diesen Matschball auf mich zukommen, drehte mich weg, schloss die Augen - aber zu spät. Das war dann gar nicht mehr witzig.

Ich schob die totale Panik. Es tat höllisch weh. Ich konnte überhaupt nichts sehen. Ich konnte nicht mal die Augen aufmachen. Und ich stand mitten im Meer. Der Typ war natürlich verschwunden. Glücklicherweise gab es da das eine Mädel, das die ganze Sache irgendwie beobachtet hatte und mich und meine Eltern kannte. Sie führte mich zu meinen Eltern zurück.

Meine Mutter tat etwas, was ich ihr bis heute nicht verzeihen werde. Ich stand schluchzend vor ihr, weil ich dachte, dass ich nie wieder etwas sehen werde, war total verzweifelt und einer Panikattacke nahe. Aber anstatt mich in den Arm zu nehmen und mich zu trösten, gab sie mir ne schallende Ohrfeige und sagte ich sollte mich endlich abregen.

Und dann verbrauchte sie den gesamten Trinkwasservorrat, den sie mit an den Strand gebracht hatte um den Sand wieder aus meinen Augen zu schwemmen. Das dauerte eine Weile und tat immer noch höllisch weh. Aber langsam, ganz langsam konnte ich wieder so was wie blinzeln und sehen konnte ich auch fast wieder. Naja.. verschwommen eben. Es war natürlich noch lange nicht wieder gut. Und es tat immer noch höllisch weh. Aber meine Mutter meinte dann, dass man auch wieder weißes im Auge sehen konnte. (natürlich hatte sie auch Panik... man stelle sich das mal vor: Da steht das eigene Kind vor einem öffnet die Augen und es ist nur Sand sichtbar. Das muss wohl wie im guten Horrorfilm gewesen sein, nur dass es kein Trick war.)

Wir riefen also einen Arzt, der dann mit einem Wattestäbchen noch lächerliche 10 Sandkörner aus den Augen holte und sich dann noch über die Menge Sand wunderte. Ich bekam Augentropfen, lief 3 Tage mit Sonnenbrille rum und kam langsam über den Schock weg. Der Typ kam dann auch noch an und entschuldigte sich und so wurde wieder alles gut. Trotzdem war ich danach ein wenig vorsichtiger, wenn es um das Werfen von Dingen ging, die ins Auge gehen könnten.

18.12.2009 um 19:08 Uhr

Feuerkinds Gefühl für Schnee

von: VomFeuerkind   Kategorie: aus dem Geschichtenfundus   Stichwörter: Diplom, CopyCat

Stimmung: Schnee, Schnee!!!!

Heute morgen, als ich das Haus verließ, war es weiß. Nicht viel. Nur ein bisschen. Aber selbst das ist schon ne Menge für den Norden. Dazu sind wir hier zu dicht am Golfstrom. Hier kriegt man sonst eher selten Schnee. Eigentlich nie. Aber das war ja nicht das einzig ungewöhnliche: Das Wetter war mal richtig schön und nicht so musselig, wie sonst. UND es schneite im Laufe des Tages noch ein wenig weiter. Mittlerweile sind es wohl so 5cm. Die liegen da so rum... Ich bin ganz buff, jedes Mal wo ich aus dem Fenster gucke.

Die Tatsache, dass es hier nie schneit und es auch nie liegen bleibt, erinnert mich an das andere Mal, wo es auch so war.

Es war der 27.11.2005. Ein ansonsten total gewöhnlicher Donnerstag. Ich weiß das deswegen noch so genau, weil ich an dem Tag meine Diplomfeier hatte. Meine Mutter rief morgens an und meinte:

„Hier schneit's, bei euch auch?"

„Ja." Meinte ich,

„Soll ich Stiefel mitbringen?"

„I wo... das bleibt hier doch eh nicht liegen!"

Später waren wir also auf meiner Diplomfeier. Nebenbei war die echt nichts besonderes. Da macht man 6 Jahre rum, um dieses doofe Papier zu bekommen, dann bekommt man es zunächst mit der Post zugeschickt und dann wirklich langweilig und unfestlich überreicht. Das hat ja kaum fürs Fotoalbum getaucht. Da war meine Abi-Fete und die Auszeichnung in den USA, für besonders tolle Leistungen in der Schule, viel spektakulärer. Gut, es gab noch 1-2 Häppchen Fingerfood, man konnte noch dem einen anwesenden Professor „hallo" sagen und wir haben 3 Flaschen überteuerten Jahrgangssekt mit Diplom-Etikett gekauft (eine für mich, eine für meine Eltern und eine für meinen Bio-Papa - die wartet da jetzt auf den besonderen Anlass, wie z.B. meine Hochzeit (also NIE), um getrunken zu werden).

Hinterher sind wir (meine Eltern, meine Tante, mein Bio-Papa (ohne Frau), mein damaliger Freund und meine engsten Freunde, wie CopyCat und so) in mein damaliges Lieblingsrestaurant. Während wir dort saßen und das leckere Essen genossen, konnte man an der großen Fensterfront ein äußerst ungewöhnliches Schauspiel beobachten: Es scheite! Und wie! Dicke Flocken flogen vom Wind verweht quer am Fenster vorbei. Wenn ich nicht schon mal in den Bergen Urlaub gemacht hätte, hätte ich mir bei diesem Schauspiel schon die Augen gewischt. Aber ich tat es trotzdem, weil ich so was in den ganzen 6 Jahren, die ich zu dem Zeitpunkt hier verbracht hatte, noch NIE gesehen hatte.

Innerhalb kürzester Zeit lagen tatsächlich 10cm.

Nach dem Essen sind wir dann noch weiter gezogen. Hier gibt es so eine Kneipenstraßen am Wasser. Im Sommer ist es dort echt schön. Im Winter... naja... man kann ja drin sitzen. Weil ich dort in der Nähe wohnte, gingen wir also zu Fuß dahin. Ja, es lag viel Schnee. Und ja, es war rutschig.

Ich kann mich noch wie heute daran erinnern, dass meine Mutter die ganze Zeit rummoserte.

Sie: „Du hast doch gesagt es bleibt nicht liegen!"

Ich: „Ja, dachte ich ja auch. Das ist hier niiiiieeeeeee so. Wirklich."

Sie: „Aber ich hab extra deswegen Trittchen angezogen und es ist so saumäßig glatt. Ist es denn noch weit?"

Ich: „Nein, es sind nur fünf min."

Sie: „FÜNF MINUTEN? Warum sind wir denn nicht mit dem Auto gefahren?"

Ich: „Weil das Auto dann auch genau dort stehen würde, wo es jetzt auch parkt, weil man einfach nicht dichter dran parken kann."

 

Sie murmelte dann die ganze Strecke noch was, wie ‚ich werde nie wieder auf dich hören' oder ‚Trittchen... ich hab Trittchen an!' oder ‚Schnee... ich glaub es nicht!'....

Wir saßen dann kurze Zeit später in einem netten Lokal, blickten von innen auf die zugeschneite Straße, die wegen des Mittelalter-Weihnachtsmarktes blau beleuchtet war und tranken leckeren Kakao. Aber wegen des Schnees werde ich den Tag wohl nicht vergessen. Hier der Beweis:

 

 

17.12.2009 um 13:08 Uhr

Nichts mit ...und Frieden auf Erden!

von: VomFeuerkind   Kategorie: aus dem Geschichtenfundus   Stichwörter: Gitarist, Nitida

Stimmung: den Tag...?? Sommersturm!

(Spoilerwarnung an CopyCat: Achtung, jetzt kommt die Geschichte, von der Du nichts mehr hören willst.)

Aber hier kommt die Geschichte, die ich lieber nicht durchlebt hätte. Jedenfalls das Finale nicht. Allerdings muss ich ein wenig ausholen...

 

Der Gitarist ist ein Freund von Nitida. Ich fand ihn schon ne ganze Weile irgendwie großartig. Also haben wir Mädels einen Plan ausgeheckt und ein wenig am Schicksal gedreht. Wir haben einfach mehr Spieleabende als normal organisiert, damit der Gitarist und ich uns dabei über den Weg laufen konnten. Das hat auch an sich total gut funktioniert. Wir hatten letztes Jahr im August ein paar Dates und haufenweise nette Telefonate und tolle Küsse. Er kann wirklich toll küssen. Es wirkte so, als würde sich da zwischen uns etwas anbahnen.

Dann passierte etwas wirklich merkwürdiges. Von einen Tag auf den anderen, war er nicht mehr wirklich zu erreichen und irgendwie nicht mehr präsent. Ich hatte damals so ein merkwürdiges Gefühl, so wie Abschied. 100 Punkte für das Bauchgefühl, denn beim nächsten Spieleabend war er plötzlich wieder mit seiner Ex zusammen. Die Ex, die ihn eine Woche zuvor noch umbringen wollte.

Ich konnte sie auch fast verstehen, weil der Gitarist schon ein Frauenheld ist und sich auch nicht gut um sie gekümmert hat. Da sind plötzlich Geschichten zu Tage gekommen.... Das glaubt man schon gar nicht mehr. Ich war also irgendwie sauer, weil er so unsportlich war. Das zog sich dann ne Weile hin. Bis zu dem Tag, wo seine Band in meiner Stadt einen Auftritt hatte.

Toller Abend. Und er sah so scharf auf der Bühne aus... Wie kann man nur in seinem Instrument so dermaßen aufgehen? Wir kamen wieder ins Gespräch, ich kaufte ne CD und er ignorierte meinetwegen einen Groupy. Wie der Zufall so spielt, war am nächsten Abend spontan ein Spieleabend, den wir dann um-die-Häuser-ziehenderweise ausklingen ließen. Irgendwann waren nur noch wir beide übrig und es gab einen ausgedehnten Abschiedskuss. (An sich wäre das schon fast einen eigenen Eintrag wert, aber ich kürze das mal (auch wenn es nicht viel hilft), um zum Punkt zu kommen. Schön war es auf jeden Fall). In der Nacht folgte noch Sex. Nur Sex. Ohne Verpflichtungen. Und es war großartig. Toll. Unglaublich. Er geht total darin auf, jemanden anderes Lust zu bereiten und in Extase zu bringen. Ich konnte das super gut genießen und er umgekehrt genauso. Eine Wellenlänge... (fast so toll wie mit AWL). Geschlafen hab ich die Nacht nicht.

Aber damit war es ja nicht gut. Wir trafen uns weiterhin, Telefonierten regelmäßig und hatten wundervollen Sex. Ich fand ihn einfach toll. Er war einfach jemand, bei dem man so richtig die Seele baumeln lassen konnte, mit dem sich Zeit wie Urlaub angefühlt hat. Wenn man mit ihm Zeit verbrachte, war er vollkommen da. Ist doch dann vollkommen egal, ob er es noch mit anderen Frauen treibt. Mein Geburstagssex hatte ich letztes Jahr mit ihm. *grins*

Perfekt ist der Junge natürlich nicht. Eigentlich niemand mit dem man sich längerfristig einlässt. Kann er auch nicht. Er braucht viel zu sehr den Reiz des neuen... Außerdem muss immer alles spontan sein. Aber wenn man meinen und seinen Terminplan über einander legt, bleibt nicht viel Raum für Spontaneität. Nicht einfach...

So und dann passierte damals die Katastrophe mit dem Teufel und ich war am Boden zerstört. Hoffnungslos sozusagen. Und ich konnte nicht anders und heulte mich bei ihm aus. Er war da. Ließ mich heulen, nahm mich in den Arm, tröstete mich, fing mich auf. Das war so schön... und vermutlich der Moment in den ich mich in ihn verliebte.

Damit fing alles an. Ich war ein emotionales Wrack und brauchte ne Schulter und er zog sich immer weiter zurück. Wir gingen dann noch am Valentinstag romantischerweise ins Theater und hinterher ins Bett. Und danach war Funkstille. Fast. Bis auf hin und wieder eine sporadische SMS. Ich fand ja, dass er abgetaucht ist. Vermutlich wieder mit seiner Ex zusammen. (War dann auch so) und ich wurde immer pissiger.

Auf die eine SMS mit „wir treffen uns bestimmt in kürze" rastete ich total aus. Ich rief ihn an, und weil er nicht ranging nölte ich seinen AB voll. Was ihm denn einfiele so einen Scheiß zu schreiben, dass sein verdammtes „in kürze" schon mehrere Wochen lang wäre, dass es eine aktive Handlung von ihm voraussetzen würde, dass er doch sagen könnte, wenn er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, dass ich das alles blöd finde, vor allem weil ich ihn wirklich gern hab.... und endete damit, dass er sich sein verdammtest „in kürze" in die Haare schmieren könnte.

Geändert hat es an seinem Verhalten nichts, aber ich fühlte mich auf jeden Fall besser. Ich hatte meinem Ärger Luft gemacht. Das war ok. Es folgte eine ziemlich lange Funkstille.

Ca. 2-3 Monate später (mittlerweile war es Sommer 2009) hatte ich meinen Ausbruch schon längst bereut. Ich vermisste die Gespräche mit ihm. Er kam mir auch noch hin und wieder in den Sinn. Irgendwann ließ Nitida ihm gegenüber einfach mal fallen, dass ich mich inzwischen verliebt hätte. Das stimmte nicht wirklich, aber es führte zu einer Reaktion von ihm. Promt (naja... 4 Tage später) rief er an. Er wolle einfach mal wieder mit mir reden und hätte sich gefragt, ob wir uns mal wieder treffen könnten. Stern89 war gerade zu Besuch und ich war entsprechend kurz angebunden. Außerdem nervte mich der Zeitpunkt. Warum interessiert er sich nun ausgerechnet jetzt für mich? Das musste was mit Nitidas Aussage zu tun haben. Wieso kommt er ausgerechnet dann an, wenn ich mich vermeintlich frisch verliebt habe???? In mir grummelte es. Weil er sich so doof verpisst hatte, weil er wieder mit seiner Ex zusammen und jetzt wieder auseinander war und weil der Zeitpunkt einfach zum kotzen war.

1-2 Wochen später war, welch Zufall, Depeche Mode Party in Nitidas Stadt. Ich bin hingefahren und war total gut drauf. Flirtete... Tanzte... Feierte...

Bis er auftauchte.

Ja ich hätte es wissen müssen. Ist ja auch seine Stadt und seine Musik. Aber irgendwie hatte ich mich keinen Plan gemacht, wie ich nun damit umgehen sollte. Ich fragte also Nitida und sie sagte:

„Mach doch das wonach dir ist. Wonach ist dir denn?" (Diesen Satz würde sie bis an ihr Lebensende bereuen....)

„Ihm mal gehörig in den Arsch zu treten!" Alle Wut sammelte sich in meinem Bauch. Und bevor ich sie wieder schön klein verpacken konnte, stand er plötzlich vor mir.

Er: „hi!"

Ich: „Hi...." Ich fasste einen Entschluss und wollte mit ihm noch mal über das gewesene reden, es aus dem Weg räumen...!

Ich: "Sag mal... können wir beide uns mal eben kurz draußen unterhalten?"

Er: „Ach du... heute nicht!"

Ich dachte nur, das ist doch jetzt nicht wahr. Ich platze, wenn ich das nicht aus der Welt schaffe. Wenn ich dass nicht löse. Und dann weicht er mir SCHON wieder aus? Lässt ein klärendes Gespräch SCHON wieder nicht zu...? Das ging nicht. Gar nicht. Wieso traut der sich so was? Ich war sooo stinkig und sooo sauer und die Tatsache, dass ich mir keine Luft machen darf gärte in mir. Ich fing an zu zittern, die Wut breitete sich aus und es brach plötzlich und unaufhaltsam aus mir hervor. Als hätte jemand mein Gehirn ausgeknipst und mich nur noch mit meinen Emotionen allein gelassen.

Ich: „gut dann eben hier! SAG MAL TICKST DU NOCH GANZ RICHTIG? WAS FÄLLT DIR EIGENTLICH EIN? BIST DU NOCH GANZ FRISCH?"

Er: „Was ist denn jetzt los? Was hast du denn für ein Problem?"

Ich: „WAS ICH FÜR EIN PROBLEM HABE? DU BIST MEIN PROBLEM! ERST TUST DU SO, ALS WÜRDEN WIR WAS MITEINANDER ANFANGEN UND DANN BIST EINFACH WEG UND KOMMST PLÖTZLICH WIEDER AN, WENN NITIDA SAGT, DASS ICH MICH VERLIEBT HÄTTE?"

Er: „Ach komm schon. Du bist doch selbst daran schuld!"

Und das war der ausschlaggebende Satz! Keine Einsicht! Keine Entschuldigung! Nichts! Es wäre meine Schuld??? (teilweise mag er da ja recht haben, aber so sah ich das in dem Moment gar nicht). Eh ich es mich versah ging ich auf ihn los. Schubste ihn mit den Händen vor mich her und boxte ihn hart auf die Schulter. Bei jedem Fragezeichen gab es einen erneuten Schubser: „ICH BIN SCHULD? ALLEIN? UND DU HAST DAZU GAR NICHTS BEIGESTEUERT?" Bis jemand (ich glaube er selbst) meinte, dass jetzt gut wäre. Es war ja nicht so, dass er mir körperlich etwas entgegenzusetzen hatte.

 

Mittlerweile war er auch richtig sauer.

Er: „WAS FÄLLT DIR EIGENTLICH EIN? MIR HIER SO EINE SZENE ZU MACHEN? DA HAST UD ÜBERHAUPT KEIN RECHT ZU! WIR HATTEN DOCH KEINE BEZIEHUNG. DAS HÄTTE ICH VON DIR AM ALLERWENIGSTEN ERWARTET. DU BIST DOCH SONST SO BESONNEN!" Ich hatte noch nie Wut in seinen Augen gesehen, aber es war beeindruckend. Und es holte mich erstaunlicherweise runter.

Ich meinte dann nur so was, dass ich sein Verhalten zum kotzen fand und dass er auch was dazu beigesteuert hat. Er gab auch zu, dass er auch nen Fehler gemacht hat etc...

Für mich endete das Gespräch mit „für mich ist das jetzt damit erledigt. Ich kann mit der Situation jetzt prima leben. Und ich werde dich nicht irgendwie angiften, wenn wir uns bei Spieleabenden über den Weg laufen." Er war davon noch nicht so überzeugt. Wirkte nicht besänftigt.

Ich war jedenfalls total fertig. Plötzlich ging mir auf, was ich denn nun eigentlich getan hatte. Ich hatte jemanden geschlagen. In der Öffentlichkeit. Hatte völlig meine Beherrschung verloren. So, wie schon ewig nicht mehr. Ich stand da und schüttelte über mich selbst den Kopf. War total geschockt von meiner eigenen Reaktion. Ich konnte es nicht fassen. Schämte mich vor mir selbst und vor meinen Freunden. Was denken die jetzt wohl von mir? Ich würde mir die Freundschaft kündigen, wenn ich meine Freundin wäre.

Also verschwand ich erstmal für ne Weile und ging um den Block. Als ich wiederkam, verpasste Nitida mir einen Einlauf, wie ich ihn von ihr noch nie erlebt hatte. Was mir denn einfiele, nach dieser Aktion, einfach zu verschwinden und dass sie sich Sorgen gemacht hätte. Dass sie befürchtet hätte, ich würde mich verlaufen, schließlich kenne ich mich da überhaupt nicht aus oder vergewaltigt werden, durchaus wahrscheinlich, bei dem ganzen Gesockse was da vor dem Club rumläuft, oder noch schlimmer, dass ich mich auf der Autobahn umbringen wollen würde... Und warum ich nicht ans Handy gegangen wäre (lag im Auto) Natürlich wäre das ne total blöde Aktion gewesen, sau dumm und super bescheuert, aber deswegen kündigt sie mir noch lange nicht die Freundschaft. Sie hätte mich immer noch lieb. 

Das tat mir noch mehr leid. Ich wollte nicht, dass Nitida auch noch sauer auf mich ist. Ich brach in Tränen aus und heulte mich ne halbe Ewigkeit bei ihr aus. Den Rest des Abends verbrachte ich mit Trübsal blasen und meinen Daumen kühlen, der bei der ganzen Rangelei auch noch was mitbekommen hatte und die nächsten drei Wochen getaped war. 

 

Später tat mir meine Reaktion immer noch leid und ich schrieb eine Entschuldigungsmail. Aber es kam keine Antwort. Und bisher haben wir uns auch nicht wiedergesehen oder gesprochen.

11.12.2009 um 14:36 Uhr

Neulich am Feuerzangenbowlenstand

von: VomFeuerkind   Kategorie: aus dem Geschichtenfundus   Stichwörter: Nitida, derAlteMann

Stimmung: Sonnig

Nitida, ihr Freund, der Alte Mann und ich standen auf dem Weihnachtsmarkt, tranken Feuerzangenbowlen und freuten uns über unsere heiße Bowle, die beim zweiten Versuch auch richtig lecker war. Besonderes Happening war, dass der Weihnachtsmarkt wie alle Geschäfte bis Mitternacht offen hatte. Super... kein Stress beim Saufen. Wir witzelten ein wenig rum, freuten uns des Lebens und dann kam Johanna.

Johanna fiel schon von weitem auf. Nicht weil sie eine so unglaubliche Ausstrahlung hatte (hatte sie nicht. Sie war ganz süß, aber das war es dann auch. Vermutlich wusste sie nicht mal wie man „clever" schreibt - war sie nämlich auch nicht.). Nein, weil sie schon so aussah, als wäre sie schon bei ihrem 5. Becher. Dauergrinsen über beide Backen. Man gut dass sie Ohren hatte, sonst wäre das Grinsen ringsrum gegangen. Und sie fiel schon von weitem auf, weil man sie hörte. Über die Distanz und die ganzen Hintergrundgeräusche hinweg. Sie hatte eine sehr furchtbare Stimme. Eine Quäkstimme, die in den Ohren weh tat. Und sie fiel auf, weil sie sich an jeden Mann (der halbwegs nach was aussah) ransoftete. Ne.. moment „ransoften" hat ja irgendwas graziles. Das war es nicht. Anspringen trifft es besser.

Dummerweise redeten die Jungs, die sie interessierten gerade mit uns. Also kam Johanna einfach mal dazu, was ich schon ziemlich nervig fand. „Hallo ich bin Johanna. Und wer seit ihr?" Quäkte sie super laut und lallte dabei. Die Jungs waren anscheinend nett und smaltalkten mit ihr auf niedrigsten Niveau - höher ging wegen ihres Intellektes nicht. Allerdings nervte mich auch, dass die überhaupt mit ihr redeten. Aber wir wissen ja: Dumm fickt gut. Irgendwann kam das Thema aufs Alter. Sie drehte sich um, sah Nitida und mich an und sagte: „na ihr seid doch auch schon min. 35. Du (sie zeigte auf Nitida) vielleicht 32." Sie checkte, dass wir sichtlich irritiert waren. Noch nie in meinem Leben hat mich jemand auf deutlich über 30 geschätzt. „Was denn? Ist ja jetzt nicht so, dass ich euch gerade schön trinken würde." Quäkte sie als Antwort.

Mir platzte der Kragen. So eine blöde Kuh. Was fällt der eigentlich ein. Ich meinte also zu den Jungs: „seht mal zu, dass ihr dem Mädel mal was in den Mund steckt, dann muss ich mir das dämliche Gequatsche nicht mehr länger anhören." Das fand Johanna überhaupt nicht witzig. Wir anderen alle schon. Wenigstens verzog sich Johanna ne Weile. Irgendwann kam sie zurück, guckte mich an und fragte mich: „Du magst mich nicht, oder?" „Ne", sagte ich. „Wer aufdringlich ist, mich zu alt schätzt und sich dann nicht entschuldigt, sondern auch noch nen blöden Spruch macht, den mag ich nicht!" Naja ihr täte das alles leid und überhaupt hätte ich die tollste Ausstrahlung, die sie je irgendwo gesehen hätte. Blabla... Und dann ging sie aufs Klo und ward glücklicherweise nie wieder gesehen. Vielleicht ist sie reingefallen. *freu*

Aber wir bekamen Gesellschaft von Monika. Ganz anderes Kaliber. Viel eher mit Tiefgang, aber vor allem war sie ein Luder. Der Alte Mann hatte einen offensichtlichen Faible für sie. Sie stellte fest, dass sie mich irgendwie sexy findet und meinte, dass sie und ihr Freund, der übrigens kein Hemd unter 200€ trägt und ein totaler Macho wäre, noch eine Hausfreundin suchen. Ob ich nicht Interesse hätte. Aber im Grunde bin ich schon die Hausfreundin von Susi & Strolch. Und bei meiner derzeit nicht wirklich funktionierenden Libido geht ja nicht mal da was. Außerdem, sie war ja ganz süß, aber wer will denn schon jemanden mit Boddybuilderformat und Armaniklamotten. Ich glaube nicht, dass ich den scharf finden könnte. (Da bin ich irgendwie schwierig - und wählerisch.) Vor allem brauch ich da noch den Brainfuckfaktor. Also nein. Ich will nicht deren Hausfreundin sein. Sie schien da nicht so wählerisch, weil sie Nitida und ihrem Freund später das gleiche Angebot machte.

Jedenfalls erfuhren wir so manches von Monika und ihren Vorlieben. Wir redeten über Dominanz und Unterwürfigkeit, über die Wirkung von High Heals auf Männer, erfuhren, dass sie ein Profil beim Joyclub und bei der Sklavenzentrale und poppen.de hat. Außerdem hat sie eine eigene Firma und überhaupt war sie sehr gesprächig. Aber auch irgendwie lustig. Durchgeknallt eben. Naja. Nitida ging sie mindestens so auf den Keks wie vorher Johanna. Aber Nitida swingt auch nicht. Das sei nichts für sie, sagt sie.

Aber das war mal wieder typisch - so was passiert mir ständig. Ich gehe Feuerzangenbowle trinken und werde gefragt, ob ich nicht jemandes  Hausfreundin sein will. Wobei ich diesmal nicht mal genau weiß, ob das wirklich an mir gelegen hat, dass wir die beiden am Hals hatten.

Am Ende hatten wir alle doch irgendwie unseren Spaß, haufenweise Storrys für die nächsten kalten Tage und natürlich auch ordentlich einen im Tee.

28.11.2009 um 12:29 Uhr

Die Suche nach der Romantik

von: VomFeuerkind   Kategorie: aus dem Geschichtenfundus   Stichwörter: Stern89

Stimmung: sonnig

Stern89 ist, obwohl er erst 20 ist, mein bester Freund. Er ist in manchen Punkten erstaunlich weit für sein Alter, hat eine gute Beobachtungsgabe, eine tolle Allgemeinbildung, er ist super clever, ist gradlinig und ehrlich. Bei ihm weiß man immer woran man ist. Darüber hinaus ist er auch noch extrem gutaussehend und hat die besten Umgangsformen, die ich jemals an einem Mann gesehen.

Natürlich merkt an manchen Punkten, dass er erst 20 ist. Er würde niemals aus Vorsicht seine Meinung nicht sagen. Die ist manchmal nämlich ein wenig drastisch und hat ihn schon so manches Mal in Schwierigkeiten gebracht. Er kann auch super gut mit Leuten klarkommen, so er sie denn irgendwie respektieren kann, was leider bei vielen Menschen nicht der Fall ist. Irgendwie respektiert er mich, hat eine wirklich hohe Meinung von mir. Und so bin ich einfach so zu seiner Mentorin geworden, die ihm Sachen sagen darf, die er sich sonst von niemanden sagen lassen würde. Für mich ist er ein super verbaler Sparingspartner, wenn ich mal Klarheit in meinen Gedanken brauche und als Ratgeber eignet er sich auch super.

So nun ist Stern89 auf der Suche nach einer Frau, weil er sich in den Kopf gesetzt hat, dass er in den nächsten 2 Jahren heiraten und dann Kinder will. Das ist aber nicht so leicht. Zum einen weil sein Charakter in manchen Punkten eben nicht ganz einfach ist und zum anderen weil seine Vorstellungen... naja... sehr konservativ sind. Er will eine Frau, die sich ihm unterordnet (ihm aber trotzdem verbal gewachsen ist und nicht vor ihm kuscht), mit guten Umgangsformen, hübsch, intelligent, gebildet (aber trotzdem nicht Karrieregeil) und aus gutem Hause. Klar ist, dass sie zu Hause bleibt, wenn die beiden Kinder haben. Sie darf nicht rauchen, nicht trinken und er will nicht, dass sie allein mit ihren männlichen Freunden weggeht.... Klingt nicht westlich! Ist es auch nicht. Er ist Araber und Moslem und nachdem er festgestellt hat, dass es mit den westlichen Frauen für ihn nicht funktioniert, konzentriert er sich nun auf arabische Frauen. (Diese ganzen Punkte sind ihm auch alle nicht auszureden... hab ich schon versucht!)

Aber er ist nun auch aktiv und lässt sich nicht so leicht aus dem Konzept bringen. Er hat sich also bei einer Moslem-Plattform (keine Datinplattform!!!) angemeldet, natürlich nur um da zu diskutieren (klar!!). Bis er dann herausfand, dass dort genau seine Zielgruppe Frauen rumläuft. Also traf er das eine Mädel, 25, genau sein Typ, Studentin in Hamburg. Aber wie der Zufall es nun will, konnten die beiden sich nicht privat über das Forum anschreiben, weil Stern89 kein zahlender Kunde war. (Wir erinnern uns, es ist keine Datingplattform (!!!), aber jeder Mann muss zahlen, wenn er privat werden will...) Stern89 meldete sich also an und - war zu spät! Sie hatte sich gerade 2 Stunden vorher abgemeldet.

Er wäre nun nicht Stern89, wenn er das einfach so auf sich sitzen ließe. Er hat keine „es soll wohl nicht sein"-Aussagen gelten gelassen und ist nach Hamburg gefahren, um sie dort an der Uni zu suchen. (Süß, oder?) Natürlich ist er ihr nicht einfach so über den Weg gelaufen. Aber er hatte einen Brief an sie in der Tasche und hat jemanden an der Zulassungsstelle, dem Einwohnermeldeamt UND im Immatrikulationsbüro der Uni eloquent und mit viel Charme darum gebeten, Namen und Adresse auf den Brief seiner Auserwählten zu ergänzen und einzuwerfen. Und von einer Stelle wissen wir auch, dass es tatsächlich so passiert ist. Sie hat also wenigstens einen der drei Briefe bekommen.

Das ist jetzt fast 2 Wochen her. Aber die gute Dame meldet sich nicht. Ich bin ehrlich erschüttert! Wo ist denn bitte die Romantik in unserer Welt hin???

Also wenn mich jemand so dringend mich kennenlernen wollte, wäre ich irgendwie beeindruckt. Ich hätte es sehr romantisch gefunden und wäre geschmeichelt gewesen. UND hätte mich selbstverständlich gemeldet. Vor allem, weil Stern89 keine schlechte Partie ist. Wenn er etwas älter wäre... dann.... naja, nichts wäre dann, weil ich so alles andere bin, als das was er sich so vorstellt.

 

Wobei ich sein 100%iges Vertrauen genieße und alle meine männlichen Freunde behalten und weiterhin Alkohol konsumieren dürfte....  (Was ich mir nebenbei eh von niemanden verbieten lassen würde.) Fröhlich

25.11.2009 um 14:29 Uhr

Um 'Haar'esbreite

von: VomFeuerkind   Kategorie: aus dem Geschichtenfundus   Stichwörter: AWL, Haartyp

Stimmung: wechselhaft

Heute morgen musste ich an den einen Typen denken, mit dem ich im Frühjahr so was wie eine Affäre hatte.

Also um es kurz zu machen... er war eigentlich nicht mein Typ. Nicht unsympatisch, aber eben nicht mein Typ. Außerdem hatte ich bei ihm immer irgendwie das Gefühl, bei ihm auf dem Prüfstand zu sein. Er hat mich ganz schön gerastert, abgecheckt und versucht in eine Schublade zu stecken.Trotzdem hatten wir uns einiges zu sagen und zwischendurch, wenn er nicht gerade an mir rumkrittelte oder mich ins Kreuzverhör nahm, hatten wir wirklich auch Spaß miteinander.

So, jetzt hatte dieser Typ aber auch noch einen Makel (mit dem er übrigens erst nach einigen Dates rausrückte): Er hatte noch ne Freundin. Nein, er war nicht glücklich mit ihr. Er überlegte die ganze Zeit, wie und ob er sie denn verlassen wollte. Ich war nett und hörte zu und beobachtete wie er mich trotzdem anbaggerte. Aber weil ich eben nichts von ihm wollte, störte es mich auch nicht, dass er vergeben war (und dass er es nicht erzählt hatte). Ich wollte ja nur Freundschaft.

Bis zu dem einen Morgen, an dem er mich wegen irgendwas in den Arm nahm und ich plötzlich scharf auf ihn wurde. Glubschaugen hin oder her - ich wollte ihn. (Schon merkwürdig, auf was für Typen ich manchmal abfahre). Was dann losging, machte wirklich Spaß. Wir schlichen um einander herum, flirteten, als gäbe es kein Morgen und ich entdeckte zum ersten Mal in meinem Leben, wie cool es ist, einen Mann um den Finger zu wickeln, der etwas von einem will. Ich spielte mit ihm als wäre ich die Katze und er meine Maus. Oder war es doch umgekehrt? Es machte uns beiden jedenfalls mächtig Spaß.

Es kam, wie es kommen musste, wir landeten im Bett. Mehrfach. Nein, es war nicht die Erfüllung. Das Spiel hatte Spaß gemacht, der Sex selbst... war... naja... maximal durchschnittlich. Und weil er an allem rumkrittelte, dachte ich, könnte ich das auch mal machen. Also sagte ich ihm gerade heraus, was mir alles nicht gefiel und was er verbessern könnte. Er probierte es auch aus - mit seiner Freundin! Und sie war begeistert! Da kann man als Affäre doch nur noch den Kopf schütteln!

Jedenfalls verlief es dann immer so: Wir hatten Sex, er hatte ein schlechtes Gewissen, behandelte mich ziemlich mies, ich war sauer, kramte das Biest raus, er hatte wieder ein schlechtes Gewissen, diesmal mir gegenüber, dann kam er wieder angekrochen und wir landeten im Bett... Wir spielten dieses Spiel zwei bis drei Mal. An sich hatte ich dann irgendwann wirklich die Schnauze voll, aber immer wenn ich ihn anfasste wurde ich wieder scharf. Und das ließ sich damals irgendwie nicht vermeiden: Begrüßungsumarmungen, Verabschiedungsumarmungen, kuscheln beim DVD gucken...  Treffen, wollte ich ja schon noch irgendwie.

Es endete erst, nachdem er sich bei seiner Freundin verquatscht hatte. Er hatte ihr natürlich nichts von mir erzählt (entgegen meines Ratschlages). Auch nicht, dass wir seit 3 Monaten, täglichen Kontakt hatten, uns regelmäßig trafen, mit einander essen gingen, DVDs guckten... Sie wusste also nicht, dass ich existiere - bis zu dem einen Samstag, an dem ich anrief und sie zufällig daneben stand. Wir können uns alle denken, welcher Dialog zwischen den beiden stattgefunden hat. Alles angefangen mit der harmlosen Frage: „Wer war das denn?", bis hin zu einer 80%igen Beichte von ihm. Den Teil mit dem Sex hat er weggelassen. Er war halt nicht der hellste. Keine Frau auf der Welt glaubt, wenn ihr Typ ihr drei Monate lang eine Frau verschweigt und plötzlich Veränderungen im Bett auftreten, dass da nichts gelaufen ist. Sie hat natürlich Schluss gemacht. Man sollte jetzt annehmen, dass er darüber froh gewesen wäre, schließlich war er ohnehin nicht glücklich mit ihr. Weit gefehlt. Statt dessen brach er den Kontakt zu mir völlig ab und versuchte bei ihr zu retten, was zu retten war.

Aber bevor er das tat erklärte er mir auch, warum er sich gegen mich entschieden hat:

  1. ich könne nicht küssen (Jaja... Geschmackssache... Aber da hat sich weder vorher noch hinterher jemals jemand drüber beschwert - eher im Gegenteil)
  2. Ich wäre zu laut im Bett (??? Geht das überhaupt??)
  3. Und jetzt kommt es: MEINE HAARE WÄREN ZU KURZ!!!! (sie sind Kinnlang, dafür sehr schön! Gut... keine Polange Mähne - gebe ich zu!)

Aber alles in allem, waren meine Freundinnen und ich uns einig, diese Gründe gehen überhaupt nicht. Jeder einzelne an den ‚Haar'en herbeigezogen. ;)

Trotzdem. Im Nachhinein betrachtet, war selbst diese ‚Haar'spalterei irgendwie tröstlich. Man wusste bescheid. Man hatte ein Feindbild. Man konnte sauer sein und fluchen und sich wem anderes zuwenden. Es hatte ein Ende. Und ich trauerte ihm erstaunlich kurz hinterher.

Und jetzt stehe ich da und kann AWL einfach nicht aus meinem Kopf bekommen. Es hat nicht richtig angefangen und es ist nicht richtig zu Ende. Irgendwie gehe ich ständig Eventualitäten durch und überlege, ob ich nicht doch ein wenig verständnisvoller sein kann. Ihm mehr Zeit geben könnte. Leider fällt mir dann auch jedes Mal wieder ein, dass sein Einsatz wirklich gegen Null geht. Ich bin also hin und her gerissen. Mein Gefühl gibt mir da leider auch keinen Aufschluss. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, um für mich Klarheit zu bekommen, (und die Sache ggf. abzuschließen) wäre ihn gerade heraus zu fragen und so lange zu bohren, bis er mit irgendwas rausrückt. Irgendwie Stellung bezieht. Irgendeine Info, ob es ihm genauso geht, wie mir.

Und schon zuckt meine Hand zum Telefon.

Diesmal kann ich die Hand gerade noch zurückhalten, weil ich, weiß Gott, oft genug angerufen habe. Aber wenn ich nicht anrufe, tut er es auch nicht. Und dann klärt es sich nie... Wie soll ich dann damit klar kommen?? Aber vielleicht, vielleicht, vielleicht meldet er sich ja doch...

Und wieder zuckt meine Hand Richtung Telefon.