Das Leben der jungen J

25.09.2015 um 12:32 Uhr

Das Geheimnis der Ausgeglichenheit

Stimmung: ausgeglichen

Anna hat natürlich Recht: Nach mittlerweile 4 Monaten Trennung ist auch endlich in MEINER Wahrnehmung Mr. Right zu Mr. Wrong geworden.

Er hat einen neuen Job angefangen. Am Anfang hat er sich quasi täglich gemeldet hat, um mir von seinem Tag zu erzählen und dann irgendwann ist er einfach abgetaucht ist. Fast von einem Tag auf den anderen. Keine Nachrichten mehr, keine Anrufe und keine Treffen. Er sagt, es liegt daran, dass er wie ein Bekloppter schuftet und keine Freizeit hat. Ich glaube eher, dass er mich gegen seinen neuen besten Freund und Arbeitskollegen ausgetauscht hat.

Dieser krasse Schnitt von Mr. Wrong und sozusagen damit auch irgendwie ein Verlust meiner letzten sozialen Kontakte, hat zu einem unfassbaren Gefühl von Einsamkeit geführt. Anfangs habe ich sehr darunter gelitten, war ihm deswegen ziemlich böse, aber irgendwann habe ich die Chance genutzt, mich wieder neu aufzustellen, zu überlegen, was ich will und vor allem welche Art von Kontakten und Menschen ich in meinem Leben möchte. Das hat mich wieder mehr zu mir geführt.

Und zu einem neuen Hobby, was ich schon seit Jahren immer betreiben wollte: dem Klettern. Meine Mutter war total Fassungslos: „Waaas? Mit DEINEM GEWICHT?" Ja! „Und das geht? Mit DEINEM GEWICHT?" Ja, es ist anstrengend, aber es geht. „Aber, aber, aber...? Mit DEINEM GEWICHT?" Ja. Verdammt. Du tust ja gerade so, als wäre ich ein Klumpen Mehl. Auch wenn ich moppelig bin, heißt es nicht, dass ich unsportlich bin.

Es macht mir verdammt viel Spaß. Und ich treffe mich dazu mit dem Pferdeflüsterer. Wir haben beiden den Kletterkurs gemacht und gehen gerade in die nächste Runde. Auch ansonsten treibe ich mich 3x die Woche in der Boulder-Halle rum (hier im Norden ist halt nichts mit echten Bergen). Es tut mir wirklich sehr gut. Es erdet mich. Man tut mal, zur Abwechslung zur Bürotätigkeit, was mit den Händen, hat jedes Mal seine kleinen Erfolgserlebnisse, weil man plötzlich etwas schafft, was man beim letzten Mal nicht geschafft habe und es ist sehr gesellig. Man ist halt mal unter Leuten und redet übers Klettern.

Aber ich bin trotzdem noch viel mit mir selbst beschäftigt. Ich habe festgestellt, dass ich im Moment ohnehin nicht viel mehr Gesellschaft, als meine Arbeitskollegen und die Abwechslung in der Halle, ertragen kann. Auch den Pferdeflüsterer halte ich mir auf Abstand. Mit ihm zum Klettern treffen ist ok, Essen hinterher auch noch, aber ich will mich nicht zu sehr mit seinen Problemen befassen. Auch bei ihm ist beruflich einiges im Umbruch, einiges macht ihn sehr traurig und anderes macht ihn frei. Aber ich merke einfach, dass ich mich da nicht in dieser Form, wie früher um ihn kümmern kann und es auch nicht will. Hauptsächlich, weil ich mir nur das aufhalsen kann, was ich alleine verarbeitet bekomme. Denn im Moment habe ich keine beste Freundin, mit der ich meine Sorgen teilen kann. Und nein. Ich WILL das mit Nitida nicht wieder kitten. Dazu hat sie mich zu sehr enttäuscht.

Also interessanter Weise führte dieses "auf mich allein gestellt zu sein", doch tatsächlich dazu, dass ich endlich mal eine gescheite Grenze ziehen kann und sie auch einhalten kann. Dass ich darauf achte, was mir gut tut und dass ich dann auch nur das tue. Etwas, was ich seit meiner Therapie im Grunde schon weiß, aber es nie so wirklich hinbekommen habe.

Es gibt da noch etwas, was mir gerade wirklich gut tut. Seit ca. 6 Wochen treffe ich mich regelmäßig mit meiner Waage zum Sex. Ich hatte ihn angetriggert, weil ich einerseits Mr. Wrong aus meinem System haben wollte (und was hilft besser, einen Mann zu vergessen, als ein anderer Mann?) und anderseits wirklich rattig war. Ich kenne ihn schon eine Weile aus so speziellen „Clubs", die ich mit dem Pferdeflüsterer und auch mit Mr. Wrong besucht habe und deswegen wusste ich auch, dass er es drauf hat. (Ihr wisst schon was ich meine. Was bringt es mir, wenn ich mich mit jemanden zum Sex treffe und hinterher frustrierter bin als vorher... *g*) Er ist was das angeht wirklich ein Geschenk für an die Frauen. Es gibt wenige Männer, die sich so auf eine Sache konzentrieren können, so präsent sind, dass man denkt, man ist die einzige Frau auf der Welt und dann selbst auch noch so viel Spaß daran haben Lust zu bereiten...

Anfangs, muss ich gestehen, habe ich ihn benutzt. Ich wollte Befriedigung und habe sie bekommen. Aber so nach und nach, wurde aus „nur Sex", „Sex und Gespräch" und dann „Sex und Ausflug", kurze Zeit später „gemeinsame Freizeitaktivität und Sex" und schließlich „Vertrautheit, Zuneigung und Sex". Er ist eine echte Waage und damit perfekt ausbalanciert, ruhig und gelassen. Er ist eher leise und still, aber wenn man mit ihm redet merkt man, dass er wirklich witzig, intelligent und tiefgründig ist und wirklich was zu sagen hat. Er hat eine interessante Art die Welt zu sehen, denkt unfassbar Lösungsorientiert und regt sich (außer beim Autofahren) über nichts auf. Wie gesagt, es ist irgendwie mehr als Sex. Ich würde es noch nicht mal als Verliebtheit bezeichnen. Und ob er der Mann fürs Leben ist, weiß ich nicht. Vermutlich eher nicht. Er sagt, er kann es sich nicht vorstellen, länger als 2-3 Jahre mit einer Frau zusammen zu sein. Das ist auch irgendwie alles nicht wichtig.

Er hat irgendwie einen Heilungsprozess in Gang gebracht. Eben weil er so total anders ist als Mr. Wrong. Dafür gibt es zig Beispiele:

Wir sind unterwegs und eine Baustelle verhindert, dass wir weiter fahren können. Mr. Wrong hätte sich tierisch aufgeregt und am Ende mir Vorwürfe gemacht, weil ich es nicht vorhergesehen hätte und vor allem hätte er behauptet, dass jetzt schon der ganze Abend gelaufen ist, wo das doch, wegen [hier bitte beliebigen Grund einsetzen, z.B. das erste Mal diese Art von Veranstaltung oder das erste Mal in dieser Stadt oder das erste Mal mit diesem Outfit] ein besonders besonderer Abend sein sollte. Meine Waage und ich, haben uns daraus einen Spaß gemacht, einen alternativen Weg zu finden, haben die Männer-Art und Frauen-Art diskutiert, wie man zum Ziel kommt, haben schließlich die Frauen-Art gewählt, weil die Männer-Art nicht funktioniert hat und hatten unfassbar viel Spaß. Es war so toll und hat mich daran erinnert, dass das Leben kein einziger Kampf sein muss, sondern auch lustig und entspannt sein kann.

Dann hat Mr. Wrong IMMER hellbraune Schuhe und eine hellbraune Lederjacke angehabt. Klar... beruflich läuft er immer im Anzug rum und deswegen will er das in der Freizeit nicht. Ja. Sicher. Aber dennoch kann man doch mal was anderes anziehen, oder? Es ist ja nicht so, als könnte er sich nichts anderes leisten. Irgendwann konnte ich es nicht mehr sehen und habe mich öfter mal tierisch darüber aufgeregt. Er hat dann genau einmal was anderes angezogen und dann beim nächsten Mal wieder hellbraune Schuhe und die hellbraune Jacke. Überraschenderweise hatte meine Waage bei unserem ersten „wir machen mal Kultur, statt immer nur Sex"-Date auch hellbraune Schuhe und eine hellbraune Lederjacke an. Bei mir stieg schon wieder die Galle hoch, als ich das sah. Aber dann war es bei ihm irgendwie anders. Die Schuhe hatten eine sehr ungewöhnlichen Form, ein schicker Gürtel, Hemd statt T-Shirt. Alles viel modischer. Pfiffiger als bei Mr. Wrong. Und so legte ich im Laufe des Abends meine Aversion gegen diese Art des Outfit ab.

Dann ist mir durch diese Ausgeglichene Art meiner Waage und weil er mich eben nicht permanent versucht zu verändert oder durch Lob und Kritik in eine Richtung drücken möchte, aufgefallen, wie oft Mr. Wrong das gemacht hat. Und vor allem wie abhängig ich davon war. Er hat etwas gelobt und ich habe das aufgenommen wie ein Schwamm und mich in diese Richtung entwickelt. Oder er hat was kritisiert und ich habe es abgestellt und mich dafür auch noch selbst gegeißelt, dass ich diesen vermeintlich schlechten Charakterzug hatte. Das war am Anfang mit meiner Waage wirklich merkwürdig und hat mich sehr verunsichert. Ich wusste halt nie, ob ich ihm gefalle. Aber irgendwann habe ich das Hecheln nach Bestätigung abstellen können. Schließlich würde er sich ja nicht so oft mit mir treffen, wenn er keinen Spaß hätte. Er hat ja Auswahl. Und es ist für mich eine gute Gelegenheit mich mal nicht den Wünschen eines Mannes anzupassen, sondern mein eigenes Ding durchzuziehen. Meine eigene innere Stärke zu finden. "Ich" zu sein und zu bleiben.

Überhaupt haben die viele Regeln und Grenzen, die Mr. Wrong aufgestellt hat, mich unterschwellig immer wieder dazu angestiftet, dagegen zu rebellieren. Auch sein unfassbarer Egoismus und seine Nehmer-Mentalität haben meinen Sinn für Gerechtigkeit und Ausgewogenheit aufschreien lassen. Alles Gründe für meine exorbitanten Wutanfälle. Das habe ich damals alles nicht erkannt. Auch nicht, dass er einfach der Typ ist, Dinge heimlich zu machen, mich zu hintergehen und unehrlich zu sein. Mittlerweile glaube ich, dass er selbst der böse Mensch ist, den er immer überall hinter die Ecke lauern sieht.

Witziger Weise war es am Ende mit Mr. Wrong weit mehr eine reine Sex-Geschichte, obwohl es mit Ausblick auf eine gemeinsame Familie angefangen hat, als mit meiner Waage, die eigentlich „nur Sex" sein sollte. Während der Beziehung mit Mr. Wrong haben wir, außer zum Essen, nie den Sprung in die richtige Welt hinbekommen. Wir sind so oft in „Sex-Clubs" rumgelaufen, dass mir bestimmte Orte und vor allem die Leute dort immer noch regelrecht zuwieder sind. Aber auch das hat meine Waage wieder ausbalanciert. Wir hatten schon sehr viel Spaß auf einer solchen Veranstaltung, wo ich doch eigentlich nie wieder zu sowas hin wollte.

Und jetzt nach ca. 4 Monaten Trennung bin ich bereit auch die letzten Fäden zu Mr. Wrong abzuschneiden. Ich bin ihm auch nicht mehr böse. Er hat auch vieles in Gang gebracht, was dazu geführt hat, dass ich bestimmte Muster aufgeben konnte und letztlich mich selbst wieder finden konnte, dass ich keinen Groll gegen ihn mehr hege. Ich bin auch nicht mehr sauer auf mich, weil ich auf ihn reingefallen bin. Am Ende ist Gutes daraus entstanden und das ist das Einzige was zählt.

Wie gesagt, meine Waage ist irgendwie heilsam. Er bringt alles Mögliche wieder ins Gleichgewicht. Und das in genau der richtigen Zeit mit genau richtigen Mischung aus Nähe und Abstand. Zeit mit ihm zu verbringen tut mir wirklich gut. Ich glaube er weiß gar nicht, wie wertvoll er für mich ist. Vielleicht ergibt sich irgendwann mal die Gelegenheit, es ihm zu sagen. Aber bis dahin reicht es mir, das was ist zu genießen.

07.06.2015 um 00:37 Uhr

Von Trennungen und Veränderungen

Stimmung: ...

Nach der Trennung im Sommer letzten Jahres vom Pferdeflüsterer war ich hungrig. Hungrig nach Aufmerksamkeit und nach Sex. Damals war ich mir sicher, dass es da etwas geben muss. Etwas anderes. Jemand mit dem ich glücklich werden könnte. Es musste jemanden da draußen geben, der seine Zukunft mit mir verbringen wollte.

Also zog ich los. Getrieben von dem Wunsch nach einer Zukunft. Nach einer Familie. Nach einem Zuhause. Und ich fand es auch nach nur 6 Wochen in Mr. Right. Dachte ich damals jedenfalls. Es hat mich so heftig getroffen, dass ich kaum Herr meiner Gefühle wurde. Er war völlig anders als der Pferdeflüsterer und ich fand das großartig.

Anfangs fühlte es sich so an, als hätte ich in einem großen Katalog Dinge ankreuzt, die er alle verwirklicht hat. Ich wollte jemanden, der nicht die ganze Zeit auf dem Sofa sitzt - Bam! Ich wollte jemanden, der mich sexy findet - Wusch! Ich wollte jemanden mit mehr Struktur - Zack! Ich wollte jemanden, der wusste was er will. Jemanden zu dem ich aufsehen kann. Jemanden von dem ich lernen kann. Jemanden, der eine Familie mit mir will. Tata... Da stand er. Mit allen meinen Wünschen und noch mehr.

Das blöde mit dem Wünschen beim Universum: es ist wie ein „Gin" aus den Märchen. Wenn man Wünsche nicht klar formuliert, kommt am Ende Mist raus. Klar wollte ich wen, mit mehr Struktur, aber ich wollte nicht Monk. Klar wolle ich wen, der nicht permanent auf dem Sofa sitzt, aber nicht jemanden, der es gar nicht kann. Klar wollte ich jemanden, von dem ich etwas lernen kann, aber nicht jemanden der sich darauf so richtig was einbildet und permanent Dankbarkeit für seine guten Ratschläge will.

Und wenn wir schon mal davon reden, habe ich auch so viel vergessen auf die Liste zu setzen: einen ähnlichen Humor zum Beispiel oder Gemeinsamkeiten. Es ist schon echt Mist, wenn man selbst permanent Fernweh hat, besonders nach Urlaub mit dem Wohnmobil nach Schottland und er es sich nicht mal vorstellen kann, länger als 4 Tage an einem anderen Ort zu sein. Oder wenn man selbst, sein Herz nicht an Dinge hängt, schließlich sind es nur Gebrauchsgegenstände und er jedes Mal einen Anfall bekommt, weil man beim Tanzen einen Kratzer auf seinen Schuhen hinterlassen hat. Es ist auch wirklich blöd, wenn man selbst super gern total viele und unterschiedliche Filme und Serien guckt und er nur und absolut NUR Thriller gucken will. Ja, klar... mal ist das ja ganz nett - aber immer?

Oder auch andersrum. Habt ihr eigentlich eine Ahnung, an wie vielen Tagen Fußball läuft? An 6 Tagen in der Woche!!! In Worten SECHS Tage. Und ausgerechnet, der Mann, den ich für Mr. Right gehalten habe, muss sie alle sehen. ALLE. Und ständig muss man dann seine Freizeitplanung auf Fußball abstimmen.

Nein... es war nicht alles ideal mit Mr. Right. Aber besonders schlimm ist eigentlich, dass er ausgerechnet ein „Nehmer" (jemand, der viel nimmt, ohne etwas zurückzugeben) ist. Ich bin da eher ein „Tauscher" (also jemand, der etwas gibt und dafür gern etwas zurück hätte) und bisweilen sogar einer „Geber" (also jemand, der gibt ohne etwas zurück zu wollen). Also in Beziehungen gebe ich immer sehr viel. Besonders am Anfang. Beim Pferdeflüsterer war das auch nie das Problem, weil er immer etwas zurück gegeben hat. Meist ohne, dass man es speziell einfordern musste. Das klappte schon ziemlich gut zwischen uns. Ich habe seine Küche aufgeräumt und er hat mein Auto gewachst - oder so ähnlich.

Aber bei Mr. Right war das irgendwie anders. Er hat immer viel eingefordert. Und ich war nett und hab ihm Wunsch nach Wunsch erfüllt und mir immer in kleines bisschen mehr verbogen. Immer nur ein kleines bisschen. In Micro-Schritten sozusagen. So klein, dass es mir erst nach einer Weile aufgefallen ist, als ich schon nicht mehr ich selbst war. Und er hat nichts zurückgegeben. Das tut er immer noch nicht. Aber ich fing an, mich dagegen aufzulehnen. Erst innerlich und dann auch nach außen. Meist endete es in einem Wut-Ausbruch in dem ich ihn von mir weggestoßen habe. Immer ein kleines bisschen mehr. Er kam auch nie wieder auf mich zu. Er blieb dort einfach verletzt stehen. Und irgendwann waren wir zu weit von einander entfernt. Und jetzt ist es aus.

Es war nicht alles schlecht. Das ständige Fordern hat zumindest dazu geführt, dass ich jetzt einen neuen Job habe, in dem ich wirklich sehr glücklich bin. Besonders beruflich habe ich wirklich viel von ihm gelernt. Er kann auch super romantisch sein und tolle Geschenke machen. Ich habe mich stark mich mir selbst beschäftigt und unglaublich viele Muster in meinem Verhalten gefunden und aufgelöst. Ich habe mit Reiki angefangen und mich selbst dadurch gefunden. Und wir hatten eine Zeit, in der ich dachte, ich lebe den Himmel auf Erden.

Aber es hat auch Opfer verlangt. Ich habe mich seinetwegen mit dem Pferdeflüsterer und mit Nitida verworfen. Das mit meiner ehemals besten Freundin ist auch nicht mehr kittbar. Dazu haben wir uns gegenseitig zu sehr verletzt. Bei dem Pferdeflüsterer ist etwas anders. Leider ist ihm erst nachdem ich Mr. Right kennengelernt habe bewusst geworden, was er offenbar durch unsere Trennung verloren hat und hat vielfach versucht (sehr ungeschickt) mich zurückzugewinnen. Er schwankte zwischen „ich will dich zurück" und „du bist das größte Arsch, was auf der Erde wandelt". Das ging mir irgendwann so auf den Keks, dass ich ihn so richtig vor den Kopf stoßen musste, damit er aufhört und mich in Ruhe lässt.

Heute weiß ich es nicht mehr. Heute wünschte ich, es gäbe wieder einen Weg zum Pferdeflüsterer zurück. Zwischen uns lief so vieles gut. Wir mochten die gleichen Dinge, hatten einen super Umgang - wenn er doch bloß einen Weg gefunden hätte, mich so richtig in sein Leben zu lassen. Allerdings weint mein Herz vielmehr um Mr. Right. Jemanden von dem ich dachte, es wäre mein Seelenverwandter, aber bei dem der Kopf weiß, dass es einfach nicht funktionieren kann, das Herz es aber einfach nicht verstehen will. Auch weil das Herz die kleine Tochter nicht aufgeben kann, die es in der gemeinsamen Zukunft sehen kann.

Aber wir haben uns getrennt. Anfang Mai schon. Aber im Grunde führen wir seit Februar keine Beziehung mehr. Seitdem er ausgezogen ist. Oder anders, seit dem wir nicht mehr jeden Tag miteinander verbringen, denn offiziell hat er hier nicht gewohnt, er war halt nur immer da. Es ist uns auch klar, dass wir am Anfang alles überstürzt und übertrieben haben. Mit allem. Mit der Intensität, mit Sex, mit gemeinsamer Zeit, mit Quasi-Zusammenziehen, mit Plänen, mit allem. Und jetzt ist er weg. Und er hat viel von mir mitgenommen. Am schlimmsten ist, dass er meine Hoffnung mitgenommen hat. Wie gesagt, nach dem Pferdeflüsterer war ich hungrig und hab mich auf die Suche nach etwas besseren gemacht. Jetzt fühlt es sich wie Resignation an, weil ich einfach nicht weiß, was ich jetzt machen soll oder was jetzt noch kommen kann. Jetzt bin ich einfach nur einsam. So intensiv einsam, wie ich mich wohl noch nie gefühlt habe.

Und die Erkenntnis ist hart, aber ich habe wegen ihm nicht mal mehr eine beste Freundin, der ich davon erzählen kann.

31.10.2013 um 15:42 Uhr

20 Fakten

Ich finde diese Art von Stöckchen total toll, weil man da irgendwie ein wenig mehr über den anderen erfährt. Deswegen will ich dabei sein - auch wenn ich voll der Nachzüglicher bin. Hier also 20 Dinge über mich, die bestimmt keiner wissen wollte. Ich weiß nicht, ob ich das schrägste rausgepickt habe.
  1. Ich hasse Zeitumstellung. Besonders die im Frühling, wenn man immer so viel früher aufstehen muss. Und im Winter, weil es dann immer so plötzlich dunkel ist.
  2. Ich stelle nie meine Wohnung um. Ich überlege mir beim Einzug wie alles stehen soll und so bleibt es. Ich habe das mal versucht, eine ganze Nacht geschuftet und dann festgestellt, dass ich an der neuen Schlafposition nicht schlafen kann und habe dann wieder alles zurückgestellt.
  3. Ich lasse in meinen Tassen/Gläsern immer zwei Fingerbreit Flüssigkeit übrig.
  4. Ich liebe es über Sex zu reden, auch wenn das für den Gegenüber befremdlich ist.
  5. Ich habe ständig Blähungen und kann einfach nicht herausfinden, was ich verdammt noch mal alles nicht essen darf. Wenn es doch bloß sowas einfaches, wie Laktoseintolleranz wäre.
  6. Ich esse wirklich gern etwas leckeres, deswegen fragen mich alle meine Freunde nach Restauranttips. Bisher war noch keiner enttäuscht.
  7. Ich kriege Panikattacken, wenn es zu eng ist und dann auch noch laute Musik mit viel Bass läuft.
  8. Ich bin nicht faul, ich bin effizient. Ich hasse es Dinge doppelt zu machen. Deswegen denke ich darüber nach und versuche sie einmal so gut wie möglich zu tun. Leider funktioniert das beim Putzen irgendwie nicht. Deswegen mag ich das am wenigsten.
  9. Ich stehe auf Esoterik. Ich habe haufenweise Sachbücher zu den unterschiedlichsten Themen zu Hause und übe mich ständig im Spüren von Chi, im Auffangen von Schwingungen, im Deuten von Karten.
  10. Ich hasse es wenn es beim Essen so ruhig ist, dass man die Kaugeräusche hört, deswegen läuft dann immer der Fernseher.
  11. Ich mache mein Großes Geschäft in öffentlichen Toiletten nur, wenn keiner zuhört.
  12. Ich bin gern in der Natur, da kann ich gut nachdenken, aber zu Hause gehen meine Zimmerpflanzen regelmäßig ein.
  13. Weil ich ohne scharfe Messer nicht kochen kann, nehme ich sie mit in den Urlaub.
  14. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe und mich nerven Leute, die das nicht haben. Noch schlimmer sind Leute, die langsam reden.
  15. Ich hasse (bis auf wenige Ausnahmen) Stoffe mit Mustern.
  16. Ich trinke eigentlich nur stilles Wasser und hatte schon die ein oder andere Diskussion im Restaurant weil Gourmet-Wasser nicht wirklich still ist.
  17. Ich kann allein von Wasser betrunken werden.
  18. Ich kann es nicht haben wenn Leute links von mir sitzen, stehen oder laufen.
  19. Ich habe einen Haartick. Ich fasse sie ständig an und habe wirklich Schwierigkeiten einen Frisör zu finden, der es so macht, wie ich es mag.
  20. Ich habe nie Taschentücher dabei, weil mein Papi früher immer welche hatte. Blöd ist nur, dass ich es dem Pferdeflüsterer nicht angewöhnen kann. Er sagt dann immer, er wäre schließlich nicht er.

Nachtrag, weil es mir durch Angelmagia wieder eingefallen ist und es einfach auf diese Liste muss. Ich glaube ich streiche dafür Punkt 8. Der ist so ungewöhnlich ja nun auch nicht.

21. Ich bin 34 und habe ein Schnuffeltuch. Eine Stoffwindel, an der ich als kleines Kind genuckelt habe. Wenn ich traurig bin oder Liebeskummer habe, krame ich das immer hervor und benutze es als großes Taschentuch. Als die alten Windeln vom vielen Waschen total kaputt waren habe ich mir zu dem Zweck extra neue gekauft

19.08.2013 um 17:51 Uhr

Die große Unlust

Stimmung: mittelprächtig

Ich hatte so ein schönes Wochenende und bin heute Morgen mit super Laune aufgewacht und habe jetzt mittags schon einen völligen Tiefpunkt erreicht. Nach den letzten Wochen, in denen ich mit Ideen und Vorschlägen aktiv den Vertrieb unterstützt habe, dachte ich dass ich mich mal wieder um meine anderen Aufgaben kümmern könnte, nämlich bestehende Kunden glücklich zu machen. Aber nein, mein Chef kam schon wieder mit der nächsten Vertriebsaufgabe an. Normalerweise habe ich damit kein Problem. Ist ja völlig egal, ob man eine Idee für ein künftiges oder bereits bestehendes Projekt entwickelt. Und wenn ich wirklich noch hinter der Firma stehen würde, hätte ich da auch richtig Spaß dran und würde mich freuen, endlich mal nach 4 Jahren das machen zu können, wofür ich eingestellt wurde.

Aber im Moment raubt mir die Vorstellung, etwas tun zu müssen, was die Firma langfristig nach vorne bringt, die Luft. Ich merke förmlich, wie sich mein Magen umdreht und sich eine unglaubliche Unlust auf diese Aufgabe in mir aufsteigt. Ich komme mir so falsch vor, weil ich dann zwar nicke und versuche mein Bestes zu geben (auch wenn das ohne Herzblut etwas schwierig ist) aber im Grunde hoffe ich, dass ich nicht mehr lange genug da sein werde, um die Früchte zu ernten. (Selbst wenn das mit dem Job nicht klappt.) Und ich verstehe auch nicht, warum ich nicht trotzdem der Firma das Beste wünschen kann. Warum ich mich nicht dafür engagieren kann, dass sie hier erst mal eine Weile von meinen Früchten leben können. .

Aber es ist anders. Ich will nicht, dass es ihnen gut geht, wenn ich weg bin. Ich will, dass sie endlich merken, was ich alles geleistet habe. Ich will nicht, dass sie neue Projekte bekommen. Ich will unersetzbar sein und dennoch gehen und sie mit ihrem ganzen Kram im Stich lassen. Ich will bockig sein, wie ein kleines Kind. Schließlich haben sie mich schlecht behandelt und da ist es nur fair, wenn ich das auch tue. Ich will, dass sie leiden! Harharhar! .

Ehrlich gesagt, erschrecken mich diese Gedanken. Eigentlich bin ich nicht so. Das scheint wohl irgendwie meine dunkle Seite zu sein. Und vor allem, hat die Denkweise auch irgendwie einen Fehler. Denn wie sollen sie merken, dass ich fehle, wenn ich die ganze Zeit nicht mein bestes gebe? Also stecke ich in einem Dilemma. Die eine Seite, will der Firma bewusst schaden (wehrt sich gegen neue Projekte) und die andere will vermisst werden (versucht ihr Bestes zu geben). .

Und mit dieser inneren Zerrissenheit geht es mir hier noch schlechter als sonst. Dabei dachte ich, dass ich doch nun endlich einen Weg gefunden hätte, wie ich mit der Situation klar komme. Eben weil ich gehen aber trotzdem nicht innerlich kündigen will. Bevor ich die Bewerbung losgeschickt hatte, war es auch so. Und jetzt… jetzt macht mir Arbeiten weniger Spaß denn je. Hoffentlich finde ich bald einen Weg.

13.08.2013 um 13:30 Uhr

Und was nun?

Stimmung: mal wieder leicht panisch

Weil der Pferdeflüsterer wieder zurück in seine alte Heimat will und wir beide mit unserer Job-Situation nicht so richtig zufrieden sind, habe ich letztens aus einem spontanen Anfall und weil mir etwas Passendes über den Weg gelaufen ist einfach mal eine Bewerbung in die Region geschrieben. Offenbar habe ich nun doch mal den richtigen Ton getroffen und wurde auf ein Telefoninterview eingeladen. Natürlich habe mich darüber gefreut, weil ich in der letzten Zeit viele Bewerbungen geschrieben habe, auf die es kein positives Feedback gar und war schon leicht frustriert, dass nie etwas passiert.

Gut…damit hatte ich in dem Fall auch gerechnet und so war das alles zwar von der Argumentation durchdacht, aber ohne richtiges Herzblut und ohne, dass ich mir über die Auswirkungen wirklich Gedanken gemacht hatte. Und nun kam ich doch eine Runde weiter? Wo ich bei anderen Jobs, weit weniger halbherzig an die Sache rangekommen war? Dann kam auch noch hinzu, dass ich auf den zweiten Blick überhaupt nicht mehr wusste, ob ich das überhaupt machen wollen würde. Schließlich handelt es sich um eine ziemlich verstaubte Branche. Ohne Esprit, Elan oder gar Jugendlichkeit. Wie soll ich denn da einen Platz finden? Ich als Visionärin mit dem Mut mal was anzupacken und verändern?

Trotzdem dachte ich, könnte ich mir mal anhören, was die zu sagen haben. Nicht auch zuletzt, weil ich dadurch Bewerbungsgesprächspraxis bekomme und vielleicht mal meinen Marktwert abchecken kann. Wie das nun mal meine Art ist, fing ich an das Unternehmen mal genauer abzuchecken. Und staunte nicht schlecht, wie groß das im Hintergrund in Wirklichkeit ist. Und ja.. etwas eingestaubt, aber nicht so sehr, wie ich es mir vorgestellt habe.

Dann hatte ich heute das Gespräch und plötzlich ist die Stelle und das Unternehmen genau mein Ding. Es geht um etwas Neues. Eine Art Start-Up. Etwas, was noch mit vielen Ideen aus den Kinderschuhen gehoben werden soll. Etwas wo man was Bewegen darf und soll. Wo Verbesserungswünsche gewollt sind. Wo man einen Macher braucht. Und das Beste von allem, es steckt auch Geld dahinter. Anders als in normalen Start-Ups, können die mich auch tatsächlich bezahlen. (Und schon hat mich die Zahl geärgert, die ich in die Bewerbung reingeschrieben habe. Naja, ist ja nicht für immer.)

Auch wenn das Gespräch wirklich gut gelaufen ist und ich auch nach den Äußerungen stark damit rechne, dass ich in die nächste Runde darf, heißt es noch lange nicht, dass ich den Job auch wirklich bekomme und ihn dann auch annehme. Da sind noch viel zu viele Fragezeichen. Aber trotzdem. Was wäre denn nun, wenn ich ein Angebot bekommen würde, was ich nicht ablehnen kann? Wenn mich der Job so kickt, dass ich es wirklich gern machen will? Möchte ich wirklich umziehen? Was neues anfangen? Mein Umfeld verlassen? Das Fitnessstudio, was ich gerade entdeckt habe? Meine Sportfreundin? Bin ich wirklich mutig genug? Würde der Pferdeflüsterer nun endlich seinen Arsch hoch bekommen und sich auch bewegen? Oder hätten wir dann womöglich eine echte Fernbeziehung? Eine wo man nicht einfach so am Abend den anderen besuchen fährt und morgens wieder zurück? Was wenn ich dann in der anderen Stadt ohne Freunde, aber mit einem tollen Job festsitzen würde? Und was, wenn es mir da doch nicht gefällt? Wenn das Umfeld nicht passt? Wenn ich mich falsch entschieden habe? Wenn ich da nicht glücklich werde? Oder noch schlimmer: die schmeißen mich innerhalb der Probezeit raus, weil sie sich doch was anderes erhofft haben?

Ehrlich mal, die Geister, die ich rief. Klar immer einen Schritt nach dem anderen und ja es ist zu früh für Panik. Aber was mach ich denn jetzt?

22.07.2013 um 15:07 Uhr

Es ist warm

Stimmung: Warm.

Wie definiert man zu warm? Wenn man mit dem Armen an der Tischplatte festklebt, der Kaffee auch nach einer halben Stunde nicht abgekühlt ist und der Ventilator nur warme Luft zufächelt. Also eigentlich das perfekte Wetter, um am See zu liegen und immer wenn es zu warm ist, schnell mal reinzuspringen. Aber ich habe heute Abend eine Trainerstunde.

Was habe ich mir nur dabei gedacht, ausgerechnet jetzt, wo gerade der Sommer angefangen hat, einen Probemonat im Fitnessstudio zu machen? Meine Freundin und ich sind an sich hoch motiviert. Der Plan waren 2-3 Abende, die wir uns dort treffen und dann entweder an den Geräten turnen oder bei einem Kurs mitmachen wollten. Was hat mich da bloß geritten? Das muss wirklich ein Anfall geistiger Umnachtung gewesen sein.

Draußen sind es 31°C und drinnen auch nicht gerade weniger und bei dem letzten Steppaerobic wo es nur 27°C waren bin ich schon regelrecht zerflossen und hätte spätestens hinterher ein Sauerstoffzelt gebraucht. Heute ist es definitiv zu warm für Sport.

Gehe ich trotzdem hin? Ja, aber nur weil ich verabredet bin. Und weil ich mir gerade beim Bücken die Hose zerrissen habe. Das ist doch das ultimative Signal, dass jetzt mal so richtig etwas passieren muss. Ärgerlich ist, dass es eine der wenigen leichten sommerlichen Hosen ist, die gerade passen, aber ich glaube man kann das flicken – zu Hause. Jetzt sitze ich hier und hoffe darauf, dass die letzte Stunde auch bald um geht, ich bis dahin nicht zerflossen bin und keiner merkt, dass meine Hose im Schritt nun ein Loch hat oder dass mein Gehirn schon seit 5°C nicht mehr funktioniert. Glücklicherweise habe ich die Beine ja meist unter dem Tisch.

18.07.2013 um 13:24 Uhr

Auf der Waagschale

Heute Morgen ist schon wieder so ein Tag. Ich bin aufgewacht, hatte super Laune, habe ein wenig rumgetüdelt, noch eine Folge meiner aktuellen Serie gesehen, dabei gemütlich einen Kaffee getrunken, habe mich fertig gemacht und dann ging es mit meiner Laune nur noch abwärts. Jetzt sitze ich auf der Arbeit und ich muss die ganze Zeit einen Wutanfall runter kämpfen, bin plötzlich so müde, dass ich fast mit dem Kopf auf die Tischplatte fallen könnte und habe eine Unlust, die man schon gar nicht mehr in Worte fassen will.

Ich glaube, ich habe zu viel nachgedacht. Mir fiel heute Morgen nämlich ein, dass mein Chef gestern gemeint hat, dass ich doch als Hauptkontakt für unseren wichtigsten Kunden fungieren könnte und dass ich dafür dann ein Smartphone bekommen könnte, damit ich immer gleich auf Emails und Anrufe reagieren kann – falls mal was ist. Eigentlich könnte ich mich über die Chance sehr freuen, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto schlechter wird mein Gefühl dabei.

Also ich habe hier eigentlich einen ziemlich lockeren Job. Ich kann fast kommen wann ich will, kann unglaublich vieler meiner Fähigkeiten einbringen und genieße gewisse Privilegien, weil ich unverblümt meine Meinung sagen kann. Weil es hier so vielseitig ist, macht es mir unglaublich viel Spaß, ich mag meine Kollegen und der doofe Chef und ich haben uns auch irgendwie miteinander arrangiert, so dass das Verhältnis einigermaßen funktioniert. Auch wenn ich hier unglaublich viele Freiheiten habe, leiste ich hier auch einiges. Ich kriege es hin, viele Bälle in der Luft zu halten, finde Lösungen, wo andere schon aufgegeben haben, denke mich in die technischsten Probleme ein (obwohl ich eigentlich BWLer bin), entwickle Vermarktungskonzepte und neue Ideen, gestalte User Interfaces, leite Projekte, organisiere Veranstaltungen und so weiter und so weiter. Es gibt sehr wenige Herausforderungen, die ich hier nicht gemeistert habe und dann meist nur, weil ich eben auch meine Grenzen habe.

Und fast jedes Mal, wenn ich den Gehaltscheck bekomme ärgere ich mich darüber. Ich habe studiert und mittlerweile 7 Jahre Berufserfahrung und bin auch schon 3 Jahre hier im Unternehmen und verdiene kaum mehr als ein Student, der frisch von der Uni kommt. Gut… sie haben mich damals gerettet, als ich keine anderen Alternativen hatte, aber so langsam sollten sie doch mal meinen Wert hier erkannt haben. Mal das Gehalt anpassen. Schließlich wären sie gar nicht in der Position am Markt in der sie sich jetzt befinden, wenn es mich nicht gegeben hätte. Sie sind dann zwar immer irgendwie dankbar, aber wirklich zugeben, wie wichtig ich bin, machen sie leider auch nicht. Ich bin hier genauso ein Genie wie die anderen, nur das sie messbare Ergebnisse in Form fertiger Software produzieren und mein Mehrwert immer nur indirekt wirkt. Und das ärgert mich, hauptsächlich weil ich mich ausgenutzt fühle. Dazu kommt, dass ich nun mittlerweile auch in einem Alter bin, wo man mal über seine Zukunft nachdenken muss und über die Rente und so.

Und nun schlagen zwei Herzen in mir. Einmal die Seite, die hier gern arbeitet und die andere Seite, die gern in der Weltgeschichte rumreisen, Golf spielen und sich schöne Sachen leisten möchte, die das auch im Alter noch möchte. Bisher hat die Seite, die Spaß an der Arbeit hat gewonnen. Aber jetzt kommt mein Chef mit dieser ich-könnte-ja-dann-mal-ständig-meine-Mails-lesen-Idee! Und ich sehe doch, was das aus den Jungs hier macht. Denkt er sich jetzt tatsächlich, dass er für das bisschen Geld auch noch Bereitschaftsdienst bekommt? Dass ich dafür auch noch meine Freizeit opfere? Vielleicht sogar meine Gesundheit? Das macht mich wirklich sauer. Neues Smartphone hin oder her. Ne. Das will ich so nicht.

Und jetzt denke ich die ganze Zeit schon über meine Optionen nach.

Option 1 ist eine Gehaltsverhandlung. Dummerweise, gehört Verhandeln (besonders, wenn es um meine Interessen geht) nicht zu meinen Stärken und dummerweise habe ich noch keinen Kniff gefunden, mit dem ich ihn um den Finger wickeln kann und so bekomme, was ich will. Ok… das stimmt nicht so ganz. Wenn es um eine Arbeit, Idee oder so was geht, bekomme ich das hin. Dann zeige ich ihm auf, welche Konsequenzen es hat, etwas anders zu machen als ich das gern hätte. Ich mache ihm die Vorzüge schmackhaft und die Nachteile madig. Oft entscheidet er sich dann für meinen Weg.

Aber da betrifft es mich ja nicht direkt. Wenn ich jetzt sagen würde, dass ich das mit der Bereitschaft nur mache, wenn ich mehr Geld bekomme, sagt er „ok, dann frage ich eben deinen Kollegen.“ Damit bleibt dann alles so wie es gerade ist, ich krieg nicht mehr Geld, nicht mehr Verantwortung und er ist auch noch sauer. Wenn ich sage ich suche mir eine Alternative, sagt er, „klar, geh doch, ich finde auch wen anderes, der Deinen Job will!“ Das ist vermutlich ein Bluff, weil es nicht so viele Leute da draußen gibt, die das alles können was ich kann oder mache und die das auch noch für das bisschen Geld machen würden. Ich könnte auch einfach warten, bis ich der Kontakt für den Kunden bin und dann sagen, dass es doch mehr Aufwand ist, als ich dachte und ich jetzt mehr Geld will. Aber da lässt er sich eben auch nicht drauf ein und dann habe ich den Teiljob am Hals und kriege immer noch nicht mehr Geld. Keine Ahnung, wie man das verpackt. Ich habe auch keinen im Bekanntenkreis, der das gut kann, den man fragen könnte. Ist auch nicht so, als wäre es hier üblich einmal im Jahr ein Personalgespräch zu führen. Oder zweit in so was rein zu gehen. Und einfach zu sagen, Chef ich will mehr Geld, traue ich mich auch nicht. Dann bin ich wieder so ein kleines Mäuschen, was das Licht unter den Scheffel stellt.

Option 2 ist natürlich den Job zu wechseln. Aber man weiß eben nicht, auf was man sich dann sonst noch so einlässt. Es kann ja sein, dass ich einen neuen Job habe, der mir weniger Spaß macht oder wo die Leute oder die Philosophie doof sind. Oder ich keinen finde. Oder ich weniger Freiräume habe. Oder ich umziehen muss. Oder es mich charakterlich verändert. Wenn ich wechsle müsste es das schon etwas sein, was mir wirklich gut gefällt. Aber wie findet man so was? Ist ja auch nicht so, als würde ich nicht schon immer zwischendurch mal gucken. Und wenn ich ehrlich bin, behagt mir ein neuer Job irgendwie nicht so richtig. Ich will den alten. Ich will nur mehr Geld.

Das ist doch alles blöd. Wie geht man das bloß an?

02.05.2013 um 13:02 Uhr

Und schon wieder Panik

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Urlaub

Stimmung: leicht panisch

Ich hatte mich so schön beruhigt und dem Urlaub ganz cool und freudig entgegengesehen und dann kamen vorgestern die bestellten Bücher. Das eine Buch war ein Wohnwagen-Info Buch (= das Ding, was man an ein Auto anhängt, während ein Wohnmobil wohnen und Fahren in einem Fahrzeug bietet – mir war das neu)

Also voller Neugierde habe ich angefangen zu stöbern und bin dann wieder total ins zweifeln gekommen, ob man wirklich 12 Tage in so einem umgebauten Bus wohnen kann. Ich glaube ich hätte keine Probleme damit in einem Wohnwagen mittlerer Größe zu wohnen. Da gibt es genügend Stauraum für alles Mögliche, wenn man eine günstige Aufteilung hat sogar ein Bett, was man nicht jeden Tag umbauen muss und ggf. noch ein Bad (wobei Duschen wohl mal im Notfall geht – man es aber irgendwie nicht so oft macht).

In dem Bus gibt es das so irgendwie nicht. Wenig bis kein Stauraum, das Wohnzimmer = Schlafzimmer und ich zweifle gerade, ob das mit der Toilette so eine gute Idee war. Die steht dann zumindest tagsüber immer im Wohn/Schlafraum und stinkt vielleicht? Wo lassen wir denn bloß die ganzen Sachen? Das endet doch im totalen Chaos. Wie soll ich denn bitte einen Urlaub im totalen Chaos überleben? Und was wenn wir uns dann so richtig anzicken?

O mein Gott? Panik. Panik! PANIK!

Scheiße. Was für eine miese Idee. Was hab ich mir nur dabei gedacht? 12 Nächte in einem Bus schlafen. Im Chaos. Wobei das schlafen vielleicht nicht mal das Problem ist. Aber die Toilette. Wenn wir darauf verzichten (wegen dem Platz und wegen dem Geruch und wegen dem Saubermachen) dann bin vor allem ich (Achtung Wortspiel:) am Arsch, weil sich mein Darm (und jetzt werde ich zum Shelden Cooper) regelmäßig morgens entleeren will. Dem Pferdeflüsterer geht das Ganze (und noch mal Wortspiel:) ziemlich am Arsch vorbei. Der wartet einfach bis er die nächste Toilette hat und stellt sich ansonsten einfach an einen Baum. Und dann steht in dem anderen Buch über das WoMo in Schottland auch noch drin, dass man eben keine Haufen irgendwo hinterlassen soll und das das schlecht auf alle Camper zurückfällt.

Wieso muss ich mich denn jetzt schon wegen etwas verrückt machen, was einerseits erst in einem Monat ist (oh mein Gott, schon in einem Monat?) und anderseits kann es doch auch genauso gut sein, dass wir uns da super arrangieren. Das hat doch bisher immer im Urlaub geklappt. Naja… ehrlich gesagt hat es immer nur dann gut geklappt, wenn wir uns beide gut mit der Situation gefühlt haben. Und leider lässt er sich da von mir immer sehr anstecken, wenn es mir nicht gut mit der Situation geht, dann geht es ihm auch nicht gut. Und dann ist der Urlaub ne Katrastrophe.

Aber jetzt gibt es doch eh kein Zurück mehr. Wenn wir die Reise so nicht antreten, dann brauchen wir einen verdammt guten Grund damit die Reisekostenversicherung einspringt, sonst müssen wir die Mietkosten trotzdem übernehmen.

So ein wenig später, wo ich noch mal durchgeatmet habe, habe ich mir noch mal die Bilder von unserem Mietmobil angesehen und war schon wieder etwas beruhigter. Das ist doch nun wirklich nicht so schlimm und Stauraum gibt es auch ein bißchen. Ich weiß zwar immer noch nicht, wie wir das mit den Koffern und der Toilette machen, aber dafür wird sich bestimmt eine Lösung finden lassen. Und oben unter dem Dach ist auch noch Platz. Die haben da schon ein kleines Platzwunder draus gemacht. Aber schaut selbst:

Bus außen 1

Bus außen 2

Bus innen 1

Bus innen 2

Bus innen 3

23.04.2013 um 12:29 Uhr

Mach ich mir zuviele Gedanken?

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Urlaub

Stimmung: immer noch ein wenig fahrig

So… jetzt fühle ich mich irgendwie schlecht, weil ich da so einen Film aus dem Urlaub mache. Gestern Abend war schon der Pferdeflüsterer angenervt, weil ich ihn auf das Vorzelt angesprochen habe.

Schließlich fand ich nachdem was ich gestern recherchiert habe und auch was Lady_bright geschrieben hat, wirklich nützlich. Das kann man stehen lassen und mit dem Auto wegfahren (sagen die bei der Vermietung wenigstens) und der Platz ist trotzdem noch reserviert. Dann hat man zusätzlich Platz um sich umzuziehen oder um mal was unterzustellen und man hat einen Regen/Sonnenschutz. Super praktisch. Will ich haben.

Also sprach ich den Pferdeflüsterer darauf an und er meinte, dass es ihn gerade super nervt und dass es noch 6 Wochen bis dahin ist und dass es ihm dann den Urlaub versaut, wenn man das im Vorfeld alles so zerredet. Das der Pferdeflüsterer so zickig war, erzählte ich heute meiner Arbeitskollegin und sie meinte, sie hätte im ganzen Leben noch nie einen Urlaub so durchgeplant, wie ich das mache.

Gut… da geht jetzt bestimmt die Welt nicht unter, wenn man kein Vorzelt hat, aber wenn wir nicht gut schlafen, ist der Pferdeflüsterer den ganzen Urlaub knörig – was mir den Urlaub versaut. Und wenn wir nicht gut essen, bin ich den ganzen Urlaub knörig – was dem Pferdeflüsterer den Urlaub versaut. Außerdem weiß ich überhaupt nicht, worauf ich mich da eingelassen habe.

Da ist es doch völlig normal, dass man sich im Vorfeld mal den ein oder anderen Gedanken macht, oder? Und es spricht doch nichts dagegen, Probleme schon im Vorfeld zu umgehen, wenn man es kann, oder? Und ich will auch auf einem schönen Campingplatz übernachten, wo die Duschen annehmbar sind. Und ich will auch nichts verpassen, also gucke ich natürlich, was man sich unbedingt ansehen muss. Das heißt nicht, dass ich die ganze Route plane oder so. Ich bin dann ja immer noch flexibel…. Oder?

Ich will einfach keine Überraschungen. Ich brauche für bestimmte Eventualitäten eben einen Plan. Und weil ich für vieles im Vorfeld schon eine Lösung parat habe, kann ich auch besonders gut mit kleinen Katastrophen umgehen und gerate dann nicht in Panik. Aber es nervt mich total, wenn etwas mehr kostet als es geplant war.

Meine Kollegin war auch schon geschockt, dass eine Excel-Tabelle angefertigt habe, mit den einzelnen Anbietern, deren Preise, Mietbedingungen, Zeiten, Stationen, Zusatzleistungen und Zusatzkosten. Gut AGBs lesen – besonders auf englisch – ist jetzt nicht so der Spaß und mir rauchte am nächsten Morgen der Schädel, aber Tabellen anzufertigen macht mir tatsächlich Spaß. Dabei klärt sie doch auch schon die Anreise und die Übernachtung vor Urlaubsantritt. Und weil sie meist bei ihren zahlreichen Freunden auf der ganzen Welt pennt, gibt es da wenig Spielraum – und es ist auch noch günstig. Sie ist eben auch 10 Jahre jünger. Und gerade mit dem Studium fertig. Da habe ich auch etwas mehr in den Tag hinein gelebt.

Irgendwie habe ich immer das Gefühl ich müsste mich besonders vor meiner Kollegin rechtfertigen. Letztens auch schon, wo ich mich schlecht gefühlt habe, weil ich (keine Ahnung wie wir drauf kamen) erzählt habe, dass ich manchmal 3 Wochen keinen Sex habe und sie findet eine Woche schon extrem lange. Gut… sie kann eben planlos ins blaue fahren und ich eben nicht. So what? Bin ich deswegen ein schlechterer Mensch? Weniger Flexibel? Aber ich fühl mich dann oft so. Und von ihr verurteilt auch.

09.03.2013 um 10:17 Uhr

...und dann kommt der Schwarm

Stimmung: kränklich

Als ich gestern nach Hause kam, merkte ich schon, dass mir wohl eine Erkältung in den Knochen steckt. Kopf- und Gliederschmerzen, Hustenreiz, allgemeines Unwohlsein. Die Nacht war kurz und unruhig. Heute morgen ging es mir wirklich beschissen und an jedem normalen Tag hätte ich mich krank gemeldet. Aber es ist noch Messe. Der letzte Tag.

Und wenn man sich schon so richtig scheiße fühlt und nur noch ins Bett will und seine Ruhe und so, genau dann kommt der Schwarm. Der Schwarm Kiddies und Studenten, die alle Gänge und alle Hallen abgrasen und alles mitnehmen, was nicht niet und nagelfest ist. Die Beuteratten. Heuschrecken. Und damit nicht genug, dass sie das offensichtliche mitnehmen. Wenn man nicht aufpasst, nehmen sie auch den Tacker, Visitenkarten, benutzte Tassen und Servietten mit. Sie kommen mit großen Tüten und fragen ob man irgendwelche Werbegeschenke hat. Wie Heuschrecken hinterlassen sie am Ende nur Chaos.

Aber was ich nicht wusste, sie fangen schon im Zug mit dem Alkohol an. Ich musste heute morgen einen anderen Zug nehmen und da saßen sie. Hyperaktive, männliche Jugendliche, die schon vor dem Aufstehen mit Trinkspielen anfangen. Und ich mittendrin. Sterbend, weil es mir so beschissen geht und der Ruhe nachtrauend, die ich für die Messe heute morgen verlassen habe. Hoffentlich ist der Tag bald vorbei.

08.03.2013 um 10:13 Uhr

Das Feindbild

Stimmung: zuversichtlich

Meine Kollegin hat recht. Ich habe meinen Chef zum allumfassenden Feindbild gekührt. Nachdem sie mir das mal im Scherz gesagt hatte, habe ich mal angefangen darauf zu achten. Und in jedem zweiten Satz (wenn ich über die Vorbereitungen erzählt habe oder so) kam irgendwas abfälliges über ihn, eine Bemerkung, dass er Schuld ist, dass er mir nicht den Freiraum gegeben hat, dass ich mich hfügen musste, dass er mich überstimmt hat... etc, etc.

Und was sagt das über mich aus? Es zeigt doch bloß, dass ich einerseits die falsche Einstellung habe und andererseits es nicht hinbekomme, mich durchzusetzen. Jammern, die Schuld wegschieben... zeigt nur aud, wie hilflos und schwach ich bin. Und damit renne ich auch noch pralend durch die Gegend?? Man muss ich blöd sein. 

Also ja... das Buch hat schon zwei Erfolge. Einerseits sehe ich vieles klarer - sprich, was mein Anteil an der ganzen Sache ist und andererseits habe ich dadurch gestern im Zug einen wirklich interessanten Menschen kennengelernt, der mir wirklich weiter geholfen hat. Wir kamen tatsächlich über das Buch ins Gespräch und redeten über den Männlichen und weiblichen Führungsstil und was ihm weitergeholten hat. Schließlch muss er es wissen - er ist bei einem Großen Versicherungsunternehmen nur zwei Stufen unter dem Vorstand. 

Er hat mir einerseits Mut gemacht und anderrseits ein anderes Buch empfohlen. Und auch sonst war das ein wirklich interessantes Gespräch. Er meint, vielleicht hat der Chef ADS. Das finde ich irgendwie lustig. Wenn ein zurückgebliebener Frontallappen an seinem hecktischen Verhalten liegen würde, hätte ich schon fast Mittleid mit ihm. Er empfahl mir mit einem Augenzwinkern, ihm jeden Morgen eine Kapsel Rithalin in den Kaffee zu tun. Wie gesagt ein wirklich interessantes und kurzweiliges Gespräch. 

Also kaufe ich ein neues Buch und arbeite ich als nächstes an meiner Einstellung. Aber wie zuum Teufel kommt man da von seinem Feindbild runter?

06.03.2013 um 10:24 Uhr

Mehr Glück als Verstand

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Chef

Stimmung: geht so

Mein Chef hat ttsächlich mehr Glück als Verstand. Weil ich es noch geschafft habe, vor Ort eine Druckerei zu finden, die unsere Sachen druckt, stehen wir nun nicht in weißen Wänden und haben sogar druckfrische Flyer. Ich hätte ihm so gewünscht, dass er mal so richtig auf die Nase fällt.

Ja... er ist glücklich, aber ich bin es nicht. Dieser Sparzwang geht mir hier total auf den Keks, die Art Entscheidungen zuu treffen, etc. Ich bin mittlerweile so verzweifelt, dass ich laufend Leute anquatsche, ob sie in ihrem Unternehmen nicht jemanden suchen. 

Letztens in einem wirklich guten Gespräch mit meiner Mutter (!), nach einem eher demotivierenden Gespräch mit meinen beiden (!) Chef, die mir eröffneten, dass meine Leistungen nicht ausreichen, mir in der nächsten Zeit eine Gehaltserhöhung zu geben (!), sind wir dahinter gekommen, dass meine Fähigkeiten im Verhandlungsgeschick noch zu wünschen übrig lassen.

Leute, die mich kennen und vielleicht ihr, die ihr hier schon eine Weile lest, wissen, was ich mache, wenn ich ein Feld gefunden habe, wo ich nicht so gut bin, wie ich gerne wäre - ich lese ein Buch. Erstaunlicherweise hatte ich das passende Buch auch schon bei mir liegen, hab aber noch nicht reingeguckt. Das Führungsbuch für freche Frauen. 

Das ist wirklich toll. Es erklärt, warum Männer erfolgreicher sind als Frauen und was Frauen tun können, um sich besser behaupten zu können. Und mir fällt nun auf, auf welche Fallen ich reingefallen bin. Das ist wirklich erschreckend. Wenn man es erstmal erkannt hat, kann man auch etwas dagegen tun. Und das mache ich jetzt. Schluss mit dem Mädchen für alles und Schluss mit dem Versprechen, die nicht eingelöst werden. Jetzt wird mit der Männerwelt mitgespielt! Jetzt wird Karriere gemacht!

14.02.2013 um 11:43 Uhr

Neue Geschichte von meinem Chef

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Chef

Stimmung: galgenhumor

Ich muss euch mal wieder die neuste Geschichte von meinem Chef erzählen. Drüber schreiben ist besser, als sich darüber aufregen. Ich muss aber ein kleines bisschen ausholen.

Wir gehen wieder auf eine Messe und haben neulich über das Konzept geredet und er hatte so eine wage Idee. Es sollte eine Geschichte werden. Irgendwas um die Entwicklung darzustellen, wie unser Produkt das Unternehmen nach und nach besser macht. Das ist fast O-Ton. So läuft das bei uns. Mein Chef hat eine Art von Bauchgefühl und schmeißt einem dann einen winzig kleinen Brocken hin. Doch damit kann man kaum etwas anfangen. Ich kenne das schon. Also fange ich an mir Gedanken zu machen und eine Idee zu entwickeln. Natürlich machen keine Managementberatung oder irgendwas mit Performance. Unser Produkt durchläuft keine Stationen beim Kunden. Es gibt keine Schritte.

Also komme ich mit einer anderen Idee. Ich setze mich und mache einen Entwurf und bespreche es mit den Kollegen. Und dann gehe ich wieder hin und hoffe darauf, dass ich meinen Chef irgendwie davon überzeugen kann. Also um es kurz zu machen, er kaufte die Grundidee, hatte noch die ein oder andere Verbesserung und fasste die Themen noch etwas anders zusammen und meinte, er überlegt sich dann die Inhalte.

Er muss also nichts anderes tun, als sich eine halbe Stunde hinzusetzen und sich für vier Themen jeweils drei Stichpunkte zu überlegen, die auf Poster sollen. Natürlich könnte ich das auch machen, aber meine Erfahrung sagt mir, dass das was ich wichtig finde und so wie ich es ausdrücken würde nie das ist, was er sich so vorstellt. Dann gibt es tausend Iterationen und ich bin hinterher genervt. Ich hatte ja auch einen Vorschlag gemacht, aber da habe ich wohl nicht gut genug seine Gedanken gelesen. Also überlasse ich ihm (und früher auch dem anderen Chef) die Formulierung der Stichpunkte und greife nur ein, wenn es zu abgedreht wird. Die steigern sich manchmal so darein, dass es hinterher keiner mehr versteht. Und er hat es doch sowieso schon im Kopf. Also wo ist das Problem?

Wenn er mir wenigstens die grobe Idee mitteilen würde, was er sich so vorstellt, könnte ich es vielleicht noch umformulieren. Aber das tut er auch nicht. Und wenn ich ihn frage, ob er es mir noch mal genauer erklären könnte, wie er sich das so vorstellt bleibt es unkonkret. Und wenn ich weiter bohre, reagiert er genervt. Also tue ich es nicht mehr. Ich mache keine Stichpunkte mehr und ich versuche nicht mehr ihn besser zu verstehen. Das hat er sich verspielt.

Ich frage ihn also gestern, wie weit er mit den Stichpunkten ist. Da sagt er, er hätte nichts gemacht, weil immer andere Dinge Priorität hätten. Wichtiger wären. Dann sage ich, dass es mittlerweile ziemlich eng wird. Wenn wir die Poster rechtzeitig haben wollen, dann müssen sie bald in den Druck. Ja.. das wäre ihm auch klar, aber er hätte nicht gedacht, dass er sich auch noch das gesamte Konzept überlegen müsste!

????? Hä? Tickt der noch ganz richtig?

ICH habe mir das Konzept überlegt. Er hat ein wenig an den Themengebieten gefeilt und jetzt brauch ich nur noch die Stichpunkte. Er macht das gesamte Konzept??? Von wegen. Von ihm kam NICHTS. Gar nichts.

Wenn man darüber nachdenkt ist es echt bitter. Das ist so traurig, dass man sich da weder drüber ärgern, noch aufregen kann. Ich habe mich für die nervenschonendere Variante des in mich hinein Lächelns entschieden. Wie gesagt, jeder darf Fehler machen. Und wenn er das nicht wichtig findet, stellen wir uns eben in einem Messestand der weiße Wände hat und wo die Präsentation mehr als peinlich ist. Und da haben wir den Imageschaden, den ich die ganze Zeit schon prognostiziere. Aber auf mich hört hier ja keiner.

Ich übe mich jeden Tag darin, mich nicht mehr darüber zu ärgern. Es muss mir egal sein, was er mit dem Unternehmen anstellt. Es ist nicht mein Unternehmen. Ich gebe Ratschläge und Hinweise und wenn sie nicht angenommen werden, ist das nicht mein Problem. Ich mache meine Arbeit so gut wie ich unter diesen Umständen kann. Aber so langsam kriege ich wirklich Lust ihn gegen die Wand laufen zu lassen.

Das ist nicht meine Art. Wirklich nicht. Ich stehe normalerweise total hinter meiner Arbeit. Ich bin loyal und alles. Aber so wie er sich in der letzten Zeit verhält, hat er es auch wirklich nicht anders verdient. Und wenn er sich noch weiter so anstellt, dann kann er sich wirklich mal ein Konzept machen.

Drückt mir die Daumen, dass ich bald einen neuen Job finde. Das kann nicht mehr lange gut gehen.

08.02.2013 um 12:18 Uhr

Krank vor Arbeit

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Chef, Pferdeflüsterer

Stimmung: mies

Ich will jetzt endlich wieder gute Zeiten. Das Verhältnis zwischen meinem Chef und mir verschlechtert sich zusehends und obwohl er letzte Woche angekündigt hat, dass wir diese Woche „reden“ müssen, ist nichts passiert. Naja… bis auf gestern war ich auch nicht wirklich da. Freitag und Mittwoch hatten wir Tests in anderen Räumlichkeiten, Montag und Dienstag war ich krankgeschrieben und heute ist er nicht da.

Das mit dem ständigen Kranksein geht mir so langsam mächtig auf den Zeiger. Donnerstag war ich schon wieder wegen Blasenentzündung beim Arzt und ich nehme immer noch Antibiotika, weil die Bakterien von einer Behandlung nicht weggegangen sind. Montag ging es mir eigentlich schon besser, aber ich hatte den ganzen Morgen ständige Schwindelanfälle. Und weil ich beim Pferdeflüsterer auf dem Dorf festsaß – man kann ja nicht fahren, wenn man permanent das Gefühl hat, man fällt jeden Moment in Ohnmacht – hat mich der Pferdeflüsterer zu einem Dorfarzt gefahren. Die haben nichts festgestellt, außer dass mein Rücken mächtig verspannt ist und haben mich für 2 Tage krankgeschrieben. Ja… das hat sich alles von allein wieder gelöst. Ich glaube es kam vom Rücken. Trotzdem nervt es mich

Die Blasenentzündung ist im Grunde auch der Grund, warum mein Chef ein Gespräch will. Es fällt mir immer schwerer mich morgens so zu wappnen, dass ich mich stark genug fühle, zur Arbeit zu gehen. Und Donnerstag war es besonders schwer. Wohl schon, weil es mir wegen der Blasenentzündung beschissen ging und weil ich wegen seiner letzten Aktion super stinkig war. Wieso kann der nicht mal ein wenig vorausschauender planen? Dass dieser fucking Bericht fertig musste, stand ja nun schon über eine Woche fest. Aber nein, es fällt ihm einen Tag vor Deadline ein, dass ICH ihn nun doch schreiben soll. Das hätte nun Prio1 und alles andere wäre nicht so wichtig. Auch der Messestand nicht – wegen dem ich in Arbeit versinke – weil er sich auch wieder viel zu spät dafür entschieden hat. Also versuchte ich ihm klar zu machen, was auf dem Spiel steht und versagte kläglich. Er befahl mir regelrecht, dass zu tun, was er will.

Ich war also sauer, fühlte mich beschissen und brauchte den Morgen extra Zeit mich zu sammeln. Ich war schon so weit, dass ich genau wusste, wie ich den Kampf kämpfen wollte und fühlte mich stark, bis ich in der Firma stehe und feststellen muss, dass eine Projekttelko schon zu Hälfte verpasst habe. Das saugte all meine Kraft wieder auf und bevor ich geknickt und völlig fertig wieder zurück an meinen Schreibtisch kriechen konnte, meinte mein Chef, dass wir reden müssen. Mich macht dieser Stress mit ihm echt völlig fertig. Ständig geraten wir aneinander und klären tun wir nie etwas. Kann er auch gar nicht und ich will ihn auch nicht ansprechen. Ist doch irgendwie doch seine Aufgabe, oder? Man kann auch echt die Uhr danach stellen, dass ich immer kurz nach Stress mit ihm krank bin.

Früher war das anders. Da habe ich gern dort gearbeitet. Früher als ich dort angefangen habe, war die gesamte Firma wie ein blühender Garten. Alle waren total engagiert, hatten Spaß an der Arbeit und Raum Ideen einzubringen. Die Chefs haben sich gut verstanden, haben zugehört wenn Fehler aufgetreten sind und haben sich bemüht Lösungen zu finden. Sie waren für Argumente zugänglich und haben sich auch sonst für den Zusammenhalt im Team eingesetzt. Um bei dem Bild zu bleiben, sie haben sich als Gärtner um den Garten gekümmert.

Dann passierte irgendetwas mit dem einen Chef. Er wurde hektisch, verbissen, hörte nicht mehr richtig zu und Lösungsvorschläge gab es auch nicht, sondern nur noch „da muss man mal ne Lösung finden“. Das war ein wirklich schleichender Prozess. Anfangs fing der andere Chef das alles noch mit auf. Aber seit einem guten Jahr zieht er sich immer mehr zurück und verlässt jetzt bald ganz das Unternehmen. Wohl auch, weil die beiden unterschiedliche Vorstellungen der Mitarbeiterführung haben und er immer seltener gegen den anderen ankam.

Tja, wenn man jetzt in die Firma reinhört ist keiner mehr glücklich. Zu harte Gehaltsverhandlungen haben den schalen Beigeschmack des Ausgenuztwerdens zurückgelassen. Ideen werden schon im Vorfeld kleingetreten und nur noch die meist aufwendigen und wenig sinnvollen Ideen des Chefs umgesetzt, die immer zu kurzfristig kommen. Spaß gibt es nur, wenn wir anderen zusammen halten und die Loyalität der Mitarbeiter gilt nicht mehr der Firma, sondern den Kollegen. Für Vorschläge und Argumente ist der Chef gar nicht mehr zugänglich. Wenn etwas schief geht – auch weil er es falsch geplant hat – werden alle wie Sklaven angetrieben und hinterher fürs Misslingen öffentlich an den Pranger gestellt. Weil er nicht zugegeben kann, dass er Fehler macht und nicht mal ein bisschen selbst reflektiert, ist es auch so schwierig mit ihm über diese Missstände zu reden. Außerdem würde er behaupten, ich würde mir das alles nur einbilden.

Eigentlich bräuchte er Leute, die nicht nachdenken, sondern einfach Befehle umsetzen, aber leider hätte er schon vor Jahren anfangen müssen, die einzustellen. Früher wollte er nämlich Leute, die sich einbringen und mitdenken. Und jetzt sind sie immer noch da. Jeder geht mit dieser Veränderung anders um, aber unzufrieden sind alle.

Er hat den Garten verdorren lassen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten es dem einen Chef nachmachen und auch gehen. Ich wäre gern die erste, aber die Jobsuche ist leider nicht wirklich erfolgreich. Und wer weiß, vielleicht schmeißt er mich raus, weil ich zu aufmüpfig bin und nicht alles hinnehme. Ich weiß gar nicht, ob das so schlecht wäre, dann würde mich die Arbeit wenigstens nicht mehr krank machen.

28.01.2013 um 18:45 Uhr

Das Zen im Aufräumen

Stimmung: Gut

Die Sachen von jemand anderem wegzuschmeißen hat irgendwie etwas Befriedigendes. Wir waren am Wochenende wieder in der Wohnung von der Mutter des Pferdeflüsterers und haben ausgemistet. Diesmal sind 2 gelbe Säcke, 2,5 große Umzugskisten mit Papiermüll, ca. 30 weitere Kalender mit hübschen Bildchen und 2 Säcke mit Restmüll dabei rausgekommen.

Ich finde es nach wie vor schwer verständlich, wie man wirklich alles Papier aufheben kann. Mittlerweile gibt es auch Kontoauszüge von der schon seit Jahren toten Tante des Pferdeflüsterers. Man muss wirklich jede Kiste aufmachen und in jede Tüte reinschauen um herauszufinden, was da drin ist. Nur selten ist das drin, was drauf steht.

Aber wir kommen vorwärts. Ich finde es sind nur kleine Schritte, aber mittlerweile sind sie sichtbar. Und es hat auch viel Spaß gemacht. Die Freundin seiner Mutter hat auch mitgeholfen, jeder in seinem Raum und wir haben uns immer gegenseitig gezeigt, was wir so alles gefunden haben. Dann haben wir gelacht und es entweder in die Kiste mit dem Kuriosen oder in den Müll gepackt.

Erstaunlich finde ich, dass es doch ziemlich sauber überall ist. Natürlich ist es staubig, aber sie lag ja auch ein halbes Jahr im Krankenhaus, da ist das ja auch normal. Das einzig eklige, was ich in der Hand hatte, sind Kisten oder Dosen in denen sie getrocknete Blüten aufbewahrt hat. Und davon gibt es einige. Überall verteilt. Dann macht man eine Kiste auf und es kommt einem ein strenger Geruch entgegen. Aber es scheint, als würden wir sie mittlerweile alle gefunden haben, weil es im Wohnzimmer auch nicht mehr so merkwürdig riecht.

Am Ende des Tages konnten wir dann auf einen Haufen mit Sperrmüll, einer Kiste mit alten Spielen, einer Kiste mit Kuriosem und Erinnerungsstücke, einer mit brauchbaren Elektrogeräten, einigen Tüten mit Bastelkram, einer Kiste mit Näh- und Strickzeug, der Weihnachtsdeko, einem Haufen Steine, eine kleine Kiste mit Plastikdosen für die Küche und haufenweise leeren Schachteln und Tüten blicken.

Es ist halt echt cool, wenn man sich wieder bewegen kann und sich die Kisten und Tüten immer mehr leeren. Ich hatte dann am nächsten Tag zwar Muskelkater, aber Spaß hatte ich trotzdem.

22.11.2012 um 14:06 Uhr

Das Universum ist ein Arschloch.

Stimmung: Nölig. Hatte ich es schon erwähnt?

Heute bin ich einfach nur nölig.

Es fängt schon damit an, dass Herbst ist und da werde ich immer sentimental. Da überlege ich, was am letzten Jahr gut war. Und dann kriege ich schon schlechte Laune, weil letztes Jahr nichts gut war. Ich bin beruflich noch immer am selben Platz, ich habe nicht mehr Geld verdient und deswegen ist es immer noch knapp, Urlaub war solala, ich habe überhaupt nichts Besonderes erreicht und abgenommen habe ich auch nicht. Der Pferdeflüsterer und ich sind nicht zusammengezogen und alles hat sich verändert. Freunde sind weggezogen, der Pferdeflüsterer redet wieder mit seiner Mutter und wünscht sich eigentlich eher, sie wäre schon tot. Wir hatten eine Krise, die auch immer noch nicht durchgestanden ist. Ich bin maulig, weil mir überhaupt nichts mehr passt und weil ich aussehe wie ein Walross und es passiert figurtechnisch überhaupt gar nichts. Ich mach jetzt schon mehr Sport und was ist der Dank? 1cm an der Hüfte weniger und 1kg mehr auf der Waage. Na toll. Danke.

Jetzt habe ich schon den tollen Entschluss, dass ich einen neuen Job will und dann finde ich partout keinen, auf den ich mich überhaupt bewerben will. Da wären ja Absagen schon ein totaler Fortschritt. Im Moment geht mir mein Leben und der ewige Stillstand so dermaßen auf den Keks, dass ich schon Tage habe, da will ich es nicht leben müssen. Ich meine jetzt nicht, dass ich mich umbringen will. Ich will das Leben von jemand anderes leben. Nur nicht meins. Meins ist blöd.

Ich will morgens nicht aufstehen und zu dieser blöden Arbeit gehen. Ich will mich nicht mit den blöden Themen, den Leuten und meinem Chef auseinander setzen. Ich will mich nicht wieder auf die Waage stellen, nur um festzustellen, dass die ganze Geißelung nichts gebracht hat und sie wieder nur dasselbe anzeigt, wie am Vortag. Ich will nur die Decke über den Kopf ziehen und die furchtbare Herbstzeit verschlafen. Vielleicht wache ich ja dann irgendwann auf und alles ist anders. Es gibt wieder Frühling und alles ist neu und schön und grün und hell.

Zu allem Überfluss bekomme ich wohl einen Herpes.

Alle reden immer über Bestellungen beim Universum und dass das ja ach so super funktioniert und ja... hatte auch schon einen Erfolg, aber gerade geht keiner meiner Wünsche in Erfüllung. Da fehlt mir manchmal noch die Kraft weiter daran zu glauben, dass es etwas bringt. Mir bringt es gerade nichts.

19.11.2012 um 17:56 Uhr

Eine Frage des guten Tons

von: VomFeuerkind   Kategorie: Alltägliches Einerlei   Stichwörter: Pferdeflüsterer

Stimmung: Gut

Der Pferdeflüsterer und ich waren gestern in Skyfall, den ich nebenbei wirklich genial finde, und haben hinterher im Auto natürlich darüber diskutiert. Es ging hauptsächlich um die eine Szene auf der Insel und um die Computer(???) oder was auch immer das sein sollte in dem Raum, wo 007 festgehalten wurde. Ich fand nicht, dass das Server sein konnten. Es gab kein Hintergrundrauschen und keine Klimaanlage. Im Grunde sah es so aus, wie verkabelte Regale mit grünen Lichtern dran. Für den Pferdeflüsterer waren das Platinen und er bestand darauf, dass man das auch sehen konnte. Ich hab extra drauf geachtet und konnte nichts sehen. Ich verstehe auch nicht, warum wir uns immer an solchen Nichtigkeiten aufhalten können. Ist doch völlig egal, ob es Computer waren oder nur Show.

Jedenfalls gab ein Wort das andere und ehe ich's mich versah, fuhr ich den Pferdeflüsterer total von der Seite an, dass mir der Ton gerade überhaupt nicht passt, worauf der Pferdeflüsterer natürlich total überrumpelt war. Das Problem war folgendes: Ich hörte dem Pferdeflüsterer zu und dachte dabei, dass er den gleichen zickig/genervten Ton drauf hat, wie mein Chef und das ist mein persönliches rotes Tuch. Zwei Sätze von ihm in dem Ton und ich kann völlig ausrasten.

Also meinte ich (sehr laut und genervt), dass ich den Ton nicht haben kann und dass ich schon bei meinem Chef immer aufpassen muss nicht auszurasten und dass ich das nicht immer kann. Und das es mir total auf den Keks geht, dass er sagen kann, es reicht und wenn ich das sage, berücksichtig er es nicht.

Mit einem Moment Abstand kam mir mein Verhalten auch überzogen vor. Aber weil ich seit ein paar Tagen die Sache mit Ton genauer beobachte, fiel mir auf, dass ich keinen Deut besser war. Ich habe diesen Ton auch drauf und muss mich jetzt immer zusammenreißen, dass ich nicht zickig/genervt reagiere, nur weil der andere mich nicht versteht oder nicht gleich meiner Meinung ist.

Wie man das abstellt weiß ich auch nicht. Aber nerven tut es mich schon.

12.11.2012 um 14:52 Uhr

Die Angst arbeitet mit

Stimmung: mies

Als sie die Studentin nach meinem Urlaub mit meiner Recherchen-Aufgabe betraut haben, besonders weil ich an der Ausarbeitung ja weiterhin beteiligt war, schließlich verfügte sie über keinerlei Insights, habe ich ja noch hingenommen. Aber als ich meinte, ich will mehr Projektmanagement machen und sie die Leitung eines internen Projektes an einen der Entwickler gaben, musste ich schon schlucken. Aber dass sie mich nun fast vollständig aus der Weiterentwicklung meines Projektes rausgestrichen haben, das Projekt in dessen unmögliche Thematik ich mich über Wochen eingearbeitet habe, macht mich wütend.

Was soll das denn? Wollen die, dass ich hier vor Langerweile sterbe? Denn das ist hier bald soweit. Seit dem letzten Wolkenschloss, dass ich bauen sollte, was leider ungenutzt in der Schulbade verschwunden ist, bin ich mit ABMs beschäftigt. Meist welche, die ich mir selbst suche. Und mir gehen langsam die Ideen aus.

Fehlt jetzt  noch, dass sie auch noch nen Grafiker beauftragen, der die ganzen Oberflächen-Designs macht. Dazu kommt, dass das Verhältnis mit dem einen Geschäftsführer mehr als angespannt ist.

Mal sehen, ob sie demnächst ankommen und sagen, dass sie das Arbeitsverhältnis leider aufgeben müssen. Und dann? Ich sollte mich dringend um einen neuen Job kümmern. Nur leider geht das nicht so schnell. Muss ich jetzt neben dem ohnehin schon unguten Gefühl, jetzt auch mit der Angst vor einer Kündigung zu Arbeit gehen?

Andererseits war ich dort schon mal in einer ähnlichen Situation, als sie der Studentin meine andere halbe Stelle gegeben haben. Da haben sie mich auch nicht gefeuert. Hat sich jetzt etwas verändert?

26.09.2012 um 12:34 Uhr

Urlaub zu Ende - Anfang der Realität

Stimmung: nicht sehr motiviert

Ich mag heute wieder mal so gar nicht. Heute geht mir gerade wieder alles so auf den Keks. Ich bin jetzt wieder seit einer Woche nach dem Urlaub am Arbeiten und irgendwie immer noch nicht richtig angekommen. Mich nerven gerade meine Aufgaben. Es sind lästige Texte und lästige Planungsaufgaben. Es ist gerade so wenig dabei, was Spaß macht und dann fehlt mir auch noch unsere Teamassistentin. Menschlich und fachlich. Ach sie war schon was besonderes. Die Neue kann sie nicht so richtig ersetzen. 

Ich soll einen Text verfassen, den ich nicht verfassen kann. Schließlich geht es da um Ziele und um Philosophie und ich sehe nicht ein, warum ich meine Ideen der Geschäftsführung aufdrücken soll. Vor allem weil sie dann sowieso wieder gestrichen oder wegdiskutiert werden. Dann muss mir wieder ein gutes Argument einfallen, warum meine Vorschläge doch für alle gut wären.

Überhaupt gehen mit diese laufenden anstrengenden Diskussionen ziemlich auf den Keks. Ich merke richtig, wieviel Kraft sie mich kosten. Laufend den eigenen Standpunkt vertreten und immer wieder gegen Wände laufen und wieder und wieder Argumente finden, die den anderen überzeugen. Einen Schritt weiter zu denken und Probleme im Vorfeld zu erkennen – und diese zu diskutieren. Ich mag nicht mehr.

Natürlich wollen sie das von mir. Natürlich werde ich ständig nach meiner Meinung gefragt. Und natürlich würde es auffallen, wenn ich es dann gar nicht mehr machen würde. Das ist eben meine Art von Engagement.

Und an Tagen wie diesen hasse ich mich dafür, dass ich nicht einfach mal meine Klappe halten kann. Warum ich nicht einfach ja und Amen zu allem sagen kann und irgendwas dann einfach mal ohne Diskussion machen. Warum habe ich keine Scheißegal Haltung? Warum ist mir dieses Unternehmen – was mich nicht mal vernünftig bezahlt immer noch so wichtig, dass ich mich derart engagiere? Warum muss ich immer mitdenken? Warum habe ich immer zu allem eine Meinung? Die Antwort ist einfach: Ich kann nicht anders. Ich kann da nicht aus meiner Haut.

Es laugt mich echt aus. Muss das so sein? Gibt es da keinen Zwischenweg? Kann ich nicht auch engagiert sein, ohne dass es mich aussaugt? Ohne dass ich mich verausgabe? Vielleicht einfach mal den Volumenschalter an meiner Anlage runterregeln? Gibt es keinen Weg kraftschonender zu diskutieren?

Wobei ich gestern schon echt Stolz auf mich war. Da war der eine Chef wegen irgendwas völlig genervt und ich meinte dann zu ihm, dass ich das jetzt völlig unpassend finde, bloß weil ich ihn nicht verstanden habe, so genervt zu reagieren. Es hat sich angefühlt, als würde ich mich mit dieser Aussage weit aus dem Fenster lehnen, aber wenn ich nichts sage, bauscht sich das weiter auf und am Ende platzt mir der Kragen. So habe ich wenigstens eine Grenze gezogen. Bin für mich eingestanden. Das ist doch schon ein Anfang, oder?

15.08.2012 um 09:23 Uhr

Katastrophenwahn

Stimmung: geht so

Es gibt Tage, da kennt meine Paddeligkeit keine Grenzen. Im Grunde kommt es schon fast täglich vor, dass ich mich irgendwo stoße, sei es ein Zeh am Bett oder den Arm an einer Tür. Letztens habe ich sogar den Vogel abgeschossen, als ich in einem Geschäft in einer Mall unaufmerksam war und nicht gesehen habe, dass dort 4m Fensterfront auf mich warten. Gut... es ist auch ein wenig blöd, dass die dort gar nichts hingestellt haben. Keine Puppe, keinen Ständer und keine Werbung. Und ich war abgelenkt. Von den Menschen in der Eisdiele, von dem Geschäft gegenüber und von der Ware, die ich ggf übersehen haben könnte. Und so bin ich auf dem Weg nach draußen gegen die Scheibe gelaufen. Natürlich mit dem Knochen von der Augenhöhle (also da wo die Augenbraue zu Ende ist). Also tat es höllisch weh und es gab auch schon eine Schwellung. Und weil mir in meinem Schock nichts anderes einfiel ging ich in den nächsten Supermarkt und setzte mich mit einer Tüte TK-Erbsen auf den Boden.

Deutschland ist also doch noch nicht so verkommen, dass man als Frau, wenn man heulend in der TK-Abteilung mit ner Tüte Erbsen am Kopfsitzt, noch gefragt wird, ob alles ok ist. Irgendwann kamen dann ein paar Medizinstudenten, die mich (und den Pferdeflüsterer) überzeugt haben, dass man sich das doch mal von einem Arzt ansehen lassen und muss und mich dann mit einem Notarzt ins Krankenhaus geschickt haben. Nein... keine Gehirnerschütterung und auch kein Problem mit dem Auge. Mittlerweile war es schon nicht mehr eine kleine Schwellung, sondern eher ein ausgewachsenes blaues Auge. Das ganze Lied ist mit Blut zugelaufen und ich konnte auf dem Auge kaum noch was sehen. Naja... ich konnte den nächsten Tag nicht Autofahren und am übernächsten Tag nicht arbeiten. Aber jetzt ist wieder alles ok.

Und letzte Woche gab es schon wieder eine Reihe von unglücklichen und sehr glücklichen Umständen. Mittwoch zum Beispiel da habe ich an einem anderen Rechner gearbeitet und als ich aufgestanden bin, mit ich mit dem Knie gegen den Rechner gestoßen und er ist im laufenden Betrieb umgefallen. Was wirklich ein wenig blöd ist, weil jetzt die Festplatte im Arsch ist und der Rechner überhaupt nicht mehr startet. Glücklicherweise sind die wichtigen Dinge alle gesichert. Die Chefs sagen, alles in Ordnung. Ein schlechtes Gefühl hatte ich trotzdem.

Dann war ich Donnerstag bei einem Meeting und genau als ich dran war etwas zu zeigen, kommt eine Email rein mit dem Betreff: „Ihr Vorstellungsgespräch bei..." Natürlich gab es eine kleine Infobox. Super peinlich. Schließlich wissen die hier nichts davon. Ich wollte das als meinen Strategischen Vorteil nutzen, wenn es soweit ist. Wenn das nur mit den Chefs passiert wäre, wäre es schon blöd genug gewesen. Aber in einem Meeting mit Externen? Warum hatte ich auch mein Mailprogramm offen? Und warum müssen diese Hinweisfenster immer im Vordergrund sein... ja normalerweise ist das praktisch, aber in dem Fall... bin ich vor Scharm im Boden versunken. Ich habe so getan, als wäre nichts und die Chefs haben mich auch nicht darauf angesprochen. Naja.. erstmal abwarten... ob es überhaupt was wird. Haben wollen würde ich die Stelle natürlich schon.

Dann hätte ich Freitag morgen fast einen Strafzettel bekommen, wenn ich den Weg wie sonst gefahren wäre. Wenn man den schnellsten Weg vom Pferdeflüsterer zur Arbeit fahren will, muss man durch eine Anlieger-frei-Straße durch. Weil da aber irgendwo ne Baustelle ist, spart dieser Weg zur Zeit nichts. Ich bog also ab und da seh ich auf der Ecke zwei Polizisten stehen, die nur darauf warten etwas zu tun zu bekommen. Glück gehabt... kein Strafzettel.

Ein paar Minuten später, ich war etwas spät dran, versuche ich in einer Baustelle auf eine Autobahn zu fahren. Warum die da ein Stoppschild hingemacht haben, habe ich nicht verstanden. Wie soll man denn aus dem Stehen in 4m auf min. 80 hochbeschleunigen, um sich auf einer vielbefahrenen Straße dazwischen zu quetschen? Dann sehe ich vor mir eine große Lücke, denke, da passt nicht nur das Auto vor mir, sondern auch noch meins rein und fahre schon los, bis mir gerade noch rechtzeitig auffällt, dass der vor mir das irgendwie nicht gedacht hat. Ich konnte gerade noch rechtzeitig bremsen und habe nur die Anhängerkupplung ganz leicht getroffen. Glück gehabt.

Dann fällt mir eben eine Tasse runter - und sie bleibt heile. Glück gehabt... nichts passiert. Aber 5 min später habe ich wieder eine Tasse in der Hand, lasse sie auf die Anrichte fallen, sie zerspringt und natürlich schneide ich mir an den Scherben die Hand auf.

Ich weiß nicht, was das gerade immer so ist. Manchmal schramme ich nur so ganz knapp an einer Katastrophe vorbei und dann erwischt es mich total. Das ist manchmal schon ziemlich blöd.