Das Leben der jungen J

20.03.2014 um 22:02 Uhr

Ein Weg?

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: hoffnungsvoll

Heute habe ich in meinem Blog gelesen. Ehrlich gesagt waren es meine Beiträge zu meinen Sexperimenten von vor vier Jahren und es hat mich an die Frau erinnert, die ich damals gewesen bin. Ich war jung, neugierig und unerschrocken. Ich fühlte förmlich meine Macht als Frau. Ich hatte die Göttin in mir gefunden. Ich ruhte in mir und strahlte pures Glück aus.

Ich schreibe es in der Vergangenheit, weil ich mich verändert habe. Ich bin diese Frau nur noch ansatzweise. Vier Jahre Müßiggang, Misserfolge und zu viele innere Mauern haben diese Frau unter einer dicken Fettschicht begraben. Profillosigkeit, Unzufriedenheit und Traurigkeit waren die Folge. Fakt ist, die beeindruckende Frau von damals gibt es so nicht mehr. Ich finde das merkt man auch an diesem Blog. Mein Ton und meine Themen haben sich verändert. Es fehlt ihm immer mehr an Hoffnung, an Esprit und an Humor. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich keine Lust mehr habe daran weiter zu arbeiten. Ich habe das Gefühl, ich bin sogar in meinem eigenen Blog eingefahren und eingeschränkt.

Ich weiß bis heute nicht, woran das genau liegt. Nach meiner sexuellen Erwachung habe ich einen neuen Job annehmen müssen, der mir zwar einerseits gefiel, aber mir auch viel Kraft abverlangt hat. Und bis heute ist es zwischendurch ein ziemlicher Kampf - den ich aber immer besser meistere. Ich habe in der Zeit viele Kontakte auch zu langjährigen Freunden abgebrochen, weil sie irgendwie nicht mehr passten und ich habe den Pferdeflüsterer kennengelernt. Ich weigere mich allerdings zu akzeptieren, dass die Beziehung die Wurzel allen Übels sein soll. Aber auch er ist oft eher jemand, der Energien abzieht, als welche zu geben. Im Grunde habe ich das von unserem ersten Date gewusst und mich trotzdem bewusst dafür entschieden - wie ich es auch jetzt immer noch wieder tue. Wir teilen so vieles miteinander und ergänzen uns gut. Und wir haben auch so viele Qualitätsmomente und uns verbindet eine unglaubliche Ehrlichkeit, Offenheit und Liebe.

Dennoch ist es am Ende immer mein Verhalten. Meine Wahl. Meine Entscheidung, wie ich mich bei einer Situation verhalte. Wie viel Energie ich investieren will. Ob ich es zulassen möchte, dass mir jemand Energie klaut. Da kann ich wohl kaum den anderen eine Schuld geben. Mich nervt dieser Zustand schon eine Weile. Dieser verdammte Stillstand. Diese verdammte Trostlosigkeit.

Aber es gibt gerade Veränderung. Hoffnung.

Im Grunde hat es mit der Fortbildung zu tun, die ich letzten Dezember gemacht habe. Es gab da viele Denkanstöße und Perspektivwechsel. Ich habe angefangen die Arbeit anders zu sehen und auch meine Rolle dort anders zu verstehen. Mir ist klar geworden, dass meine derzeitige Jobbezeichnung nur 20% von dem verkörperte, was ich tatsächlich für das Unternehmen beigetragen habe. Es ist schwierig mehr Geld zu verhandeln, wenn man eigentlich kein Profil hat. Wenn man weiß, dass man etwas leistet, aber es nicht erklären kann. Ich habe viel nachgedacht und mit meinem Chef geredet und mit ihm eine neue Jobbezeichnung gefunden. Im Grunde habe ich das dort die ganze Zeit gemacht. Jetzt ist es umgekehrt. Jetzt passen 80% und mehr in mein Profil. Jetzt habe ich eine klar umrissene Aufgabe. Einen Verantwortungsbereich. Ich kann auch sagen, dass irgendwas nicht in meinen Tätigkeitsbereich fällt. Früher wusste ich nicht, was ich sagen soll, wenn mich jemand gefragt hat, was ich dort tue. Jetzt ist es klar. Und neben mehr Geld hat das zu einer neuen Art Selbstbewusstsein geführt. Erst jetzt wo ich das habe, kann ich erkennen, was mir all die Jahre gefehlt hat, eine eindeutige berufliche Identität. Ich bin jetzt wieder wer.

Aber ich will noch mehr. Mir ist ein Buch in die Hände gefallen, das sich damit beschäftigt, den eigenen Polarstern zu finden. Eine Art übergeordnetes Ziel, dass einem hilft, sein Leben auszurichten. Mehr Freude zu haben, Dinge zu tun, die man wirklich gern macht, mehr Leichtigkeit zu empfinden.

Mir wird immer klarer, dass es mich nicht glücklich macht, ein Leben in Müßiggang zu verbringen. Dass ich nicht der Typ für Alltagseinerlei bin. Dass ich mir jahrelang etwas vorgemacht habe.

Ich bin nun tatsächlich auf der Suche. Auf der Suche nach mir selbst - und das ist nicht so leicht, wenn man sich erstmal wieder mühsam chirurgisch freilegen muss. Ich frage mich, immer wieder, was kann ich gut? Was sind Themen, die mich beschäftigen? Wobei vergesse ich die Zeit? Was macht mich aus? Was will ich?

Ich sammle gerade verschiedene Dinge und überlege, was ich damit anstelle, jetzt, wo ich das nun weiß. Ich will ein Image. Ich will zu bestimmten Themen ein Meinungsträger sein. Ich weiß noch nicht genau was. Aber fällt mir bestimmt bald ein.

Und Stück für Stück lege ich wieder die Frau von damals frei. Ich kann nicht zurück, aber ich gewinne immer mehr an Selbstvertrauen und Stärke zurück. Seltsamerweise kommt auch meine fast schon tot geglaubte Kreativität wieder zum Vorschein und ich fange an Dinge wieder zu tun, weil ich sie liebe. Wie zum Beispiel das Joggen. Wie konnte ich nur vergessen, wie toll ich es finde abends durch die Straßen zu laufen und an nichts anderes zu denken? Meine Umgebung neu zu entdecken und ständig von ihr aufs neue überrascht zu werden? Ich wusste es doch, dass mir Sport Spaß macht, aber warum habe ich es vergessen?

Vielleicht schreibe ich auch ein wenig über die Suche. Der Blog hat definitiv etwas mehr Hoffnung und Kraft verdient. Mal sehen, was bei meinen Überlegungen so raus kommt.

Manchmal fühle ich mich wie Sebastian aus der Unendlichen Geschichte (dem Buch, nicht die Filme!!!!) wo er aus einem Sandkorn eine neue Welt erschafft und sich dann darin vergisst. Bis er nur noch eine Idee von seinem wahren „Ich" hat, mit dem er wieder nach Hause kann.

Ich bin auf dem Weg.

 

23.07.2013 um 00:50 Uhr

Motivation

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: sprachlos

Warum gebe ich so viel von meinem Innersten preis? Warum teile ich meine Gedanken? Warum zeige ich hier Teile meines Charakters, den ich sonst nur meinem inneren Freundeskreis zeigen kann? Warum schreibe ich über meine Ideen, Gefühle und Eindrücke?

Ganz überrascht hat mich gestern die Nachricht, dass hier jemand unter uns Bloggern sich eine Lebensgeschichte zusammengezimmert hat und dann mit den Gefühlen eines anderen gespielt hat. Wie und warum so jemand so etwas tun kann, lässt mich seitdem, wie auch so manchen anderen von uns, nicht wirklich los. Vielleicht werden wir das auch nie klären können.

Was bleibt sind Fragen, haufenweise aufgebrachte und betrogene Blogger und ein Fake. Und eine Frage kommt nun immer wieder auf: Wer ist noch ein Fake? Wer sitzt da ganz still und heimlich in der Ecke und bereitet den nächsten Anschlag auf jemanden hier vor? Wer will sonst noch Böses?

Und daran schließt sich die Frage an, warum sollte ich hier weiterbloggen?

Die Anwort auf die Frage ist Solidarität. Diese Tat eines Einzelnen lässt hier viele Blogger aufstehen, ja regelrecht aufschreien. Viele hier solidarisieren mit der am meisten betrogenen. Stehen hinter ihr. Sprechen ihr Mut zu. Bestärken sie. Und das ist es was Macht hat. Es tut gut, wenn andere mit einem solidarisieren. Sich über gemeinsam über Ungerechtigkeit zu entrüsten. Sich hinter einen stellen. Mut zu sprechen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Deswegen werde ich auch nicht müde Gedanken zu teilen und einen Teil von mir zu zeigen, der sonst oft verborgen ist. Meine intimsten Gedanken und Gefühle formulieren und sie durch das Schreiben vielleicht besser zu verstehen. Macht es mich verletzlich? Vielleicht sogar angreifbar? Ja. Das tut es. Aber es hilft auch anderen und macht ihnen auch Mut. Und ich lerne hier sehr viel, auch durch Eure vielen Kommentare.

Ich möchte dies jetzt mal zum Anlass nehmen und mich bei allen bedanken, die mich bestärkt haben, die mir andere Blickwinkel aufgezeigt haben, die diesen Blog zu dem gemacht haben, was er ist: Toll!

Danke. Danke Euch allen. 

10.07.2013 um 17:32 Uhr

Wieder auf dem Boden

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: zuversichtlich

Mich hat ja die Frage, warum ich da am Wochenende wegen meiner Cousine so ausgetickt bin, nicht losgelassen. Auf die Lösung kam ich eigentlich, als ich über etwas ganz anderes nachgedacht habe.

Ich wollte nämlich herausfinden, warum ich gerne mehr Geld hätte. Was ist meine Motivation hinter diesem Wunsch und warum klappt es nicht? Da waren einige wirklich gute Motivationen bei, wie z.B. das ich gern wertgeschätzt werden möchte oder ich mehr (finanzielle) Sicherheit auch für später will. Aber dass ich mir davon Dinge kaufen will, ließ mich aufhorchen. Was für Dinge? Kleidung. Aha. Warum? Weil ich die anderen beeindrucken will. Wer sind denn die anderen?

Eine Frage nach der anderen poppte auf und immer wenn ich eine Frage beantwortet hatte, lag die nächste Frage ganz klar vor mir. Und so langsam verstand ich. Ich will die Leute aus meiner Heimatstadt beeindrucken. Ich will von Ihnen anerkannt und gesehen werden. Es sind nur die. Alle meine Freunde, Kollegen und Bekannte hier betrifft das nicht. Hier habe ich ein Umfeld, dass mich nimmt wie ich bin – was harte Arbeit war. Für die muss ich keine Statussymbole haben oder gesellschaftlichen Konventionen folgen. Hier erwartet keiner von mir, dass ich erfolgreich oder gutaussehend bin oder Ehemann und Kinder habe.

Tja. Und wenn ein Teil von mir Leute beeindrucken will, die mich oberflächlich beurteilen, ist es nur logisch, eben genau nach diesen (mir manchmal verhassten) Statussymbolen und gesellschaftlichen Konventionen zu streben. Darunter fällt eben ein toller Job, super aussehen (sprich abnehmen), ein toller Freund, Hochzeit, Kinder. So weit so gut. Gefällt mir nicht, kann ich für den Moment nicht ändern. Das ist so tief in mir drin verwurzelt. Aber muss ich denn wirklich heiraten oder den Job wechseln, um von denen anerkannt zu werden? Gibt es da denn keine andere Möglichkeit?

Was mach ich normalerweise mit Leuten, die ich beeindrucken will? Richtig, ich zeige ihnen, wie ich wirklich bin. Zeige ihnen wie denke, dass ich clever bin und viele Fähigkeiten habe. Und wenn sie es nicht verstehen, dann sind sie mir auch nicht mehr wichtig. Dumm ist nur, dass ich kaum Kontakt zu den Leuten dort habe. Alles was die über mich zu wissen glauben, kommt von meiner Mutter – die mit mir angibt – und von den paar Gelegenheiten im Jahr an denen wir uns über den Weg laufen. Meist ist dann immer Alkohol im Spiel. Also eigentlich kennen die mich nicht. So. Mit dieser Erkenntnis ist es schon etwas leichter zu ertragen, dass sie mich oberflächlich verurteilen. Sie kennen mich nicht. Macht man ja oft mit Leuten, die man nicht kennt: Schublade auf, Mensch rein, Schublade zu. Normalerweise kostet mich das ein Lächeln und ein Schulterzucken.

Bleibt noch das Thema mit meiner Mutter. Denn wie ich vor einer Weile erkannt habe, definiert sich meine Mutter eigentlich nur darüber mich geboren, aufgezogen und in die Welt geschickt zu haben. Das heißt auch, dass sie meine Erfolge, mein gutes Aussehen, meinen Beziehungsstatus braucht, damit sie sich gut fühlt. Es macht sie stolz eine tolle Tochter zu haben. Dann ist sie eben auch eine tolle Mutter. Das ist zwar arm, aber so ist es leider. Dumm ist nur, dass ich mich nun schon eine Weile gegen diese Denke auflehne. Ich sehe es nicht ein einen Job zu haben, nur um einen gewissen Status zu haben, ohne dass er mir Spaß macht. Ich will nicht heiraten, weil man es eben so macht. Ich habe da meine eigenen Motivationen. Und leider wirke ich da oberflächlich betrachtet eben nicht erfolgreich, gutaussehend mit dem Traummann an meiner Seite.

Ich mache also nicht das, was sie sich von ihrer Tochter wünschen würde, also kriegt sie das Gefühl, in ihrer Rolle als Mutter versagt zu haben. Dabei sieht sie nicht, wie toll ich eigentlich wirklich bin. Auf welche Art man noch „toll“ definieren könnte. Wie toll es z.B. ist, dass ich mein Ding mache. Wie großartig ihre Leistung als Mutter ist, eben weil ich gelernt habe, anders zu sein.

Ich versuche nun schon eine Weile, ihr das klar zu machen. Ganz langsam sinkt das auch bei ihr ein. Ganz langsam versteht sie, dass sie anders messen muss, dass sie eine tolle Tochter hat, als am Gehaltscheck, an der Kilozahl auf der Waage und an der Zahl der Kinder. Wenn sie das verstanden hat und wirklich voll hinter mir steht, dann trägt sie das auch nach außen und gibt dann auf andere Art mit ihrer Tochter an. Vielleicht verstehen mich dann auch die Leute in ihrem Umfeld in meiner Heimatstadt etwas besser und ich muss dann nicht mehr Konventionen folgen, als wäre es mein innerer Zwang.

Also, dass mein Verhalten am Wochenende die totale Katastrophe war, brauche ich nicht noch mal zu betonen. Ich war so was von nicht ich selbst. Fast schon fremdgesteuert. Aber dass ich von den Leuten in meiner Heimatstadt anerkannt werden will erklärt, warum es mir so nahe ging, dass ich nicht eingeladen wurde. Ich gehöre eben nicht dazu. Sie sehen mich nicht. Einen Teil von mir wurmt dieser Zustand bis er grün vor Neid ist, aber ein anderer freut sich darüber, weil ich dann doch in den letzten Jahren etwas richtig gemacht habe. Es erklärt, warum dieser Teil von mir nie wieder da zurück will und ich sogar einen Bannkreis um die Stadt gezogen habe, in den ich nie wieder ziehen werde. Es erklärt warum ich so unbedingt selbst heiraten wollte, nur um es denen zu beweisen oder um doch noch anerkannt zu werden. Aber kaum bin ich wieder zu Hause angekommen, ist DIESE Motivation dahinter verflogen.

Es bleibt nur noch der Wunsch danach, mit dem Pferdeflüsterer alt zu werden. Ob mit oder ohne Trauschein ist eigentlich egal.

15.02.2013 um 11:42 Uhr

Den richtigen Weg finden

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Die ganze Zeit renne suchend durch die Gegend, weil ich nicht weiß, wo es lang geht. Wo mein Weg ist. Und dann bleibe ich einen Moment stehen, halte inne und stelle fest, dass ich die ganze Zeit auf meinem Weg stehe. Ich weiß zwar nicht, wo er mich hinführt, aber ich bin genau am richtigen Ort.

28.11.2012 um 18:07 Uhr

Über das Ende

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Ich schwöre es Euch, irgendwas stimmt mit der Zeit nicht. Es sind wieder erst zwei Tage in dieser unglückseligen Woche um. Und ich muss noch heute, morgen, übermorgen, nächste Woche und übernächste Woche arbeiten, bis ich endlich, endlich Urlaub habe. Aber die Zeit will einfach nicht umgehen. Nur morgens beim Aufstehen. Da verfliegt die Zeit förmlich. Ich kann die Uhr ansehen und einmal blinzeln und dann sind schon gleich 15min vergangen.

Ich weiß, ich habe diese Phase jedes Jahr und sie geht jedes Jahr vorbei, aber dieses Jahr fühlt sie sich schlimmer an als je zuvor. Ich hoffe jeden Tag, dass nun endlich der Tag gekommen ist, wo ich aus meiner Herbstdepression in die Geburtstagsvorstimmung wechsle. Aber er ist immer noch nicht da.

Dazu kommt noch, dass ich mich dieses Jahr noch stärker mit dem Tod auseinandersetzen muss, als sonst. Es stirbt eben im Moment nicht nur die Natur, sondern auch die Mutter des Pferdeflüsterers. Es geht neben dem ganzen Herbst nun auch darum, welche Urne man wählt, wie die Anzeige aussehen soll und was man mit ihrem ganzen Kram anstellt. Es steht nun wirklich schlecht um sie. Sie bekommt starke Schmerzmittel, isst fast nichts mehr und hat nur noch wenig und sehr kurze klare Momente.

Das Hospiz in dem sie jetzt ist, ist wirklich schön und die Leute kümmern sich da nicht nur um die Sterbenden, sondern auch um die Angehörigen. Es ist wirklich nicht leicht immer wieder stark an ein Sterbebett zu treten und nicht permanent in Tränen auszubrechen. Es ist leider trauriger Fakt, sie kommt da nicht mehr raus.

Ich hatte ja schon mal darüber geschrieben, was ich so von der Art halte, wie sie ihren Sohn erzogen hat und wie sauer und traurig mich das gemacht hatte, weil sie den Pferdeflüsterer so verkorkst hat. Aber als ich sie da so hilflos liegen sah, konnte ich nicht anders und ich verzieh ihr. Dass es dem Pferdeflüsterer nicht so leicht fällt, ist vermutlich klar. Was wirklich schade ist, denn in ihren klaren Momenten, ist es wirklich wichtig, ihr zu signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Man merkt förmlich wie sehr sie das braucht.

Obwohl ich die Frau kaum kenne, es nimmt mich doch ziemlich mit. Ich merke nun auch, wie stark ich mich selbst mit dem Thema Sterben auseinander setze. Wie würde ich es wollen? Wen will ich an meiner Seite haben? Wo will ich vergraben werden? Wie soll mein Ende aussehen? Was lasse ich zurück? Was wäre, wenn es meine Eltern wären?

Dann fällt mir wieder ein, dass ich früher regelrechte Panik-Attacken hatte, bei dem Gedanken, dass meine Eltern in den Urlaub fliegen und vielleicht nicht wieder kommen. Ich habe es damals darauf geschoben, dass ich noch in der Ausbildung war und sie noch brauchte. Ich dachte ich hätte es hinter mir gelassen. Aber demnächst hat mein Papi eine Operation an der Speiseröhre und die Panik kommt wieder hoch. Meine Gastmama aus den USA ist an Speiseröhrenkrebs gestorben. Was ist, wenn es sowas ist?

Ich wäre nicht so ruhig und gelassen, wenn die Situation umgekehrt wäre. Aber ich habe auch ein grundsätzlich gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Ich wäre am Boden zerstört und handlungsunfähig. Der Pferdeflüsterer steckt es scheinbar einfach so weg. Aber das liegt auch daran, dass er kaum Gelegenheit hatte, eine wirkliche Bindung zu seiner Mutter aufzubauen. Ich mache ihm da keinen Vorwurf und versuche ihm soweit zur Seite zu stehen, wie er mich lässt.

Tja.. und ich laufe nun durch die Gegend, bin mega traurig und hoffe einfach, dass ich bald wieder fröhlich sein kann. Ich versuche trotzdem meinen Geburtstag so zu planen, dass ich daran Spaß habe, auch wenn es mir ein wenig schwer fällt, weil ich im Moment einfach nicht weiß, was ich so will.

09.11.2012 um 12:34 Uhr

Ende der Stagnation

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge   Stichwörter: Pferdeflüsterer, Far, Away

Stimmung: fest entschlossen

Ist es möglich, dass man weiß, dass man mit jemanden seine Zukunft verbringen will und dass der Mensch auch der richtige ist, aber dass man an so unterschiedlichen Punkten im Leben ist, dass die praktische Umsetzung nicht möglich scheint?

Ich liebe den Pferdeflüsterer. Er ist toll, auf so viele unterschiedliche Arten. Er kann mit meinen Eigenheiten umgehen und er ist so liebevoll und aufmerksam. Es macht viel Spaß, Zeit mit ihm zu verbringen, mich mit ihm zu kabbeln, mit ihm einfach nur rumzuhängen. Ich finde es toll, dass er genauso verrückt und spontan ist wie ich und meine Verrücktheiten mitmacht. Wenn ich bestimmte alltägliche Dinge ohne ihn mache, wie einkaufen oder Autowaschen, sind sie dann trist und langweilig. Wir haben unseren Weg miteinander zu kommunizieren und dieses besondere Gefühl, was ich von Anfang an hatte, ist immer noch da. Es ist so ein warmes und wohliges Gefühl, er da ist und tiefe Zufriedenheit durchströmt mich. Auf der Gefühlsebene ist er der Mann, mit dem ich eine Zukunft will.

Aber heute Morgen traf mich die Erkenntnis. Vermutlich reicht das nicht. Es reicht nicht, dass man den anderen liebt und dass man grundsätzlich harmoniert. Die Lebensumstände müssen auch passen.

Tja.. und da ist das Problem. Mein Leben ist momentan geprägt von Stagnation. Es geht beruflich nicht weiter, es geht finanziell nicht weiter, mein Gewicht stagniert und in der Beziehung gehen wir auch nicht den nächsten Schritt. Auch im Leben des Pferdeflüsterers stagniert es. Sein Beruf geht ihm schon auf den Keks, seit dem wir uns kennen und er will zwar einerseits eine Zukunft mit mir, steht aber ohnmächtig davor und kann nichts aktiv umsetzen. Er glaubt nun, dass die Situation mit seiner Mutter uns belastet. Aber das ist es nicht. Es ist, dass er mega unzufrieden mit allem ist - und nichts dagegen tut. Dass er seine Vergangenheit nicht verarbeitet hat - und nichts dagegen tut. Dass er in Lethargie versinkt - und nichts dagegen tut. Dass er Probleme mit Leidenschaft hat - und nichts dagegen tut. Dass er nichts tut, damit wir zusammenziehen können.

Mit meiner eigenen Stagnation könnte ich vielleicht ja noch klar kommen. Vor allem weil ich sie selbst im Griff habe. Aber dass er nur meckert und nichts macht, dass er untätig rumsitzt, damit komme ich nicht klar. Also... was mach ich jetzt? Und die Antwort darauf traf mich ebenfalls heute Morgen, fast wie ein Schlag.

Ich kann ihn nicht dazu zwingen sich zu bewegen. Ich kann ihn nicht dazu bringen sich Hilfe zu suchen wenn er selbst nicht daran glaubt, dass er Hilfe braucht. Aber ich kann mit diesem Zustand auch nicht leben. Die Allheil-Antwort meiner Freundin auf derartige Probleme ist, „take it, leave it oder change it". Ich kann es nicht hinnehmen, dass es bei ihm so ist. Ich kann es nicht ändern. Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als es zu verlassen. Das ist sehr traurig, besonders weil ich ihn wirklich liebe. Aber ich gehe kaputt, wenn nicht bald etwas passiert. Und auch wenn ich ihn nicht bewegen kann, ich kann mich bewegen.

Ich werde also folgendes tun: Nach der kniffligen Phase des aktuellen Projektes und ich wieder die Chance habe, einen Tag frei zu bekommen, werde ich mich auf andere Stellen bewerben. Mit mehr Druck als bei der letzten Runde. Ich weiß, dass ich hier in der Firma keine Zukunft habe. Sie investieren nicht, also ist Geschäftsentwicklung vergebene Zeit - trotzdem wollen sie mich immer in diese Richtung drücken. Ich will aber keine Wolkenschlösser bauen, die ich dann beiden gegenüber vertreten muss, wobei ich immer wieder den anstrengenden Mediator zwischen ihnen spiele, nur damit dann das Wolkenschloss ohne Umsetzung in der Schublade verschwindet. Ich bin ein Macher, kein Planer. Ich will in einem Unternehmen arbeiten, was mich fördert, nicht nur fordert. Ich will etwas lernen und mal ne richtige Fortbildung bekommen und nicht immer nur ein Buch auf den Tisch bekommen. Und ich will endlich auch ein Gehalt, mit dem eine Zukunft überhaupt möglich ist. Ich bin hier an der Grenze, von dem was sie mir bieten können, angelangt. Und ich will etwas ändern.

Und wenn das in einer anderen Stadt ist, ist es eben so. Mich hält hier nichts. Ich habe hier nicht mal mehr Freunde, die unter der Woche etwas mit mir unternehmen wollen/können und die, die noch nicht weggezogen, mit sich selbst beschäftigt oder sich woanders hin entwickelt haben, sehe ich so selten, dass ich deswegen nicht hier bleiben muss.

Diesmal ist es anders als beim letzten Mal, wo ich Hoffnung hatte, dass ich hier noch einen Weg finde, dass ich mich mit der Wohnsituation anfreunden kann, dass die auf der Arbeit es erkennen und mir doch mehr Möglichkeiten öffnen, glaube ich jetzt nicht mehr daran. Ich bin bereit alles loszulassen. Im Zweifel auch den Pferdeflüsterer.

Er kann sich überlegen, ob er mitzieht. Wenn nicht, bleibt er auf der Strecke zurück. In meiner Zukunft ist Platz für ihn, aber nicht, wenn er mich ausbremst. Dann muss ich wohl alleine weiter gehen.

Den Pferdeflüsterer vielleicht zurück lassen zu müssen, macht mich sehr, sehr traurig und verleidet mir ein wenig meine Entscheidung, aber ich weiß, dass sie für mich richtig ist. Das ist genauso, wie Far-way für sich entschieden hat, dass sie wieder zurück nach Berlin muss, weiß ich, dass ich eine Veränderung brauche. Ich muss aus dieser Stagnation raus.

24.09.2012 um 13:31 Uhr

Grauschattierungen

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: gut

Im Moment lasse ich mir „Shades of Grey“ vorlesen. Es geht dort um ein junges unerfahrenes Mädchen, dass bei einem Interview den Multimillionär Christian Grey kennenlernt. Den Namen des Buches finde ich sehr passend gewählt, weil der liebe Mr. Grey graue unergründliche Augen hat, die je nach Stimmung eine andere Farbe zu haben scheinen. Mal eisig, mal warm, mal dunkel. Es funkt und knistert zwischen den beiden und er fängt an, sie in seine Welt reinzuziehen – mit der sie (Jungfrau wie sie ist) natürlich völlig überfordert ist.

Gut, der Schreibstiel ist jetzt nicht wirklich eine Glanzleistung und am Anfang ziemlich nervig… Oh mein Gott, Christian Grey hält meine Hand. Oh mein Gott, Christian Grey will mich. Oh mein Gott, Christian Grey steht in meiner Wohnung. Oh mein Gott, ich liege bei Christian Grey im Bett… Wirklich… irgendwann ist es zuviel. Sie himmelt ihn schon so naiv an und wird von ihm völlig in den Bann gezogen, dass es ungesund ist und schon fast keinen Spaß mehr macht zu lesen. Dazu wirkt ER völlig überzeichnet. Er ist super perfekt, reich, gebildet, gutaussehend und kann natürlich alles.  Aber ungefähr im zweiten Drittel fängt es an – endlich – interessant zu werden.

Jetzt muss ich ein wenig mit den Spoilern aufpassen. Während des gesamten schmalzigen Getues habe ich die ganze Zeit gehofft, dass da mehr kommt, schließlich haben bestimmte Äußerungen und Taten seinerseits es die ganze Zeit schon angedeutet haben. Hoffentlich ist es nicht nur so eine blöde romantische (wenngleich auch erotische) Geschichte á la Rosamunde Pilcher, dachte ich.

Aber nein… meine Wünsche an den Fortgang des Buches wurden erfüllt und der gute Christian hat ein gut ausgestattetes BDSM Zimmer und bringt nun die gute Anna dazu, sich dieser Welt zu öffnen. Und ja… sie ist dem nicht abgeneigt und ja… es macht nicht nur sie, sondern – ich gestehe – auch mich als Leserin scharf.

Ok… dass ich dieses Buch mit meinem Background ansprechend finde, ist vielleicht nicht so schwer zu erahnen. Ich bin jetzt ungefähr bei der Hälfte und kann den inneren Zwiespalt den sie mit sich selbst ausmacht gut nachvollziehen (auch wenn ich nicht direkt die beiden Stimmen, die auf sie einreden mit „Unterbewusstsein“ also die Vernunft und mit „innerer Göttin“ also die Fordernde/Neugierige bezeichnet hätte). Ich hatte damals einen ähnlichen Zwiespalt. Und auch wenn AWL nicht so perfekt wie Christian war, hätte er doch genau das gleiche mit mir anstellen können, wenn er gewollt hätte und ich wäre – ihm hörig – ohne Diskussion ihm hinterher in mein Verderben gelaufen. Nicht dass er mich auch so schon genügend aus der Bahn geworfen hat.

Trotzdem erstaunt mich, dass gerade dieses Thema von so einer breiten Masse in den USA gehyped wird, dass es in jedem Buchladen steht, in den ich reingehe und sogar auf Mallorca in den Regalen zu finden ist.

Wann ist BDSM aus den Tiefen der Schlafzimmer und des Internets aufgestiegen und hat sich in den Köpfen der Leser breitgemacht?

Andererseits, so neu ist das Thema nun auch wieder nicht. Andeutungen gibt es immer wieder mal, sei es in „Sex and the City“ oder „Boston Legal“. Direkter Aufgegriffen wird dieses Thema in „Eyes wide Shut“, „9 ½ Wochen“ und „The Secretary“. Und nicht zu vergessen die Verfilmung von „der Geschichte der O“ – wobei sie immer noch die BDSM-Szene bestimmt, während über „9 ½ Wochen“ eher gelächelt wird.

Und ich frage mich, wer liest dieses Buch überhaupt? Wer sieht sich die Filme an? Und mit welchen Gedanken? Lesen es die Leute weil es angesagt ist, um sich dann heimlich antörnen zu lassen und dann in der Öffentlichkeit darüber herzuziehen?

Ein Check bei Amazon zeigt, dass die deutsche Welt dem doch gespalten gegenübersteht. Die einen bemängeln die fehlende Story (aber braucht ein erotischer Roman wirklich mehr als Sex?) und den Schreibstiel (der wirklich nicht so berauschend ist). Die anderen sind hin und weg von dieser Welt, in die sie über dieses Buch reinschnuppern dürfen.

Ich bin gespannt, wie es inhaltlich weitergeht und ob ich, wie andere auch, das Buch nach dem Ende in die Ecke pfeffere.

10.04.2012 um 15:14 Uhr

Die K-Frage

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge   Stichwörter: Pferdeflüsterer, Kinder

Stimmung: naja...

Gestern Morgen wachte ich auf und stellte mit meinem Super Zyklusmesser fest, dass ich an Tag 26 immer noch keinen Eisprung hatte. Bei Frauen mit einem normalen Zyklus sollte dieser Tag ungefähr in der Mitte sein, also an Tag 14. Mein Eierstock braucht ungefähr doppelt so lange. Tja.. und dann ging mir die K-Frage durch den Kopf und langsam stieg Panik in mir auf, besonders weil es nicht das erste Mal war, dass ich sooo lange auf den Eisprung warten musste. Das scheint derzeit eher der Regelfall zu sein.

Ich bin noch überhaupt nicht bereit für Kinder. Ich könnte noch gut und gerne 2-5 Jahre warten. In den Urlaub fahren, wenn mir danach ist, Geld ausgeben, dass ich sowieso nicht habe und das Leben genießen. Ich dachte immer, ich hätte noch alle Zeit der Welt. 35, dachte ich, wäre doch bestimmt ein gutes Alter für Kinder. Gut... dass dem Pferdeflüsterer langsam die Zeit wegläuft war ja ohnehin schon klar. Er ist schließlich 10 Jahre älter und wer will schon mit knapp 50 noch Kinder zeugen - nur weil man es kann?

Ich bin auch noch nicht mit den Überlegungen fertig ob ich überhaupt welche will. Es gibt Tage, da kriege ich bei dem Gedanken, dass ich mich min 18 Jahre an einen Ort binden muss, der totalen Einschränkung meiner persönlichen Freiheit oder ständig Sabber, Krach, Chaos und nicht zu vergessen die Pubertät solche Panik, dass ich fast mit Schnappatmung unter dem Tisch liege. Oder dem zusätzlichen Stress, weil man ständig die Kinder von A nach B fahren muss.

Und dann diese verdammte Begründung mit der Kohle würde es schon IRGENDWIE gehen. Andere kriegen es sogar IRGENDWIE mit H*arz4 hin. Aber ich will meinen Kindern kein IRGENDWIE bieten. Ich durfte ins Ausland und ich durfte studieren und ich will das für meine Kinder auch. Ich habe mal eine Aufstellung gesehen, dass Kinder effektiv 500€ im Monat kosten. Min 18 Jahre lang. Wenn man das anlegen würde... da würde sich eine gute Rente ansammeln. Oder ein Haus. Aber Kinder bieten einem keine Verzinsung. Man bekommt nichts wieder raus. Also finanziell - jaja... emotional mag sich das alles irgendwie auszahlen. Und ja das ist zünisch. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie wir derzeit von unseren beiden Gehältern (die wir definitiv bräuchten) 500€ einfach so in die Luft blasen können.

Tja... und dann gibt es doch die Tage, an denen ich Tränen der Freude in den Augen bekomme, wenn der Pferdeflüsterer meint, wenn wir jetzt ein Kind zeugen würden würde es mit großer Wahrscheinlichkeit ein kleiner Schütze werden. Ein kleiner Schütze...? Ach wäre das nicht schön...? *hach* *träne wegwisch* (Völlig irrational)

Bei dem Pferdeflüsterer tickt also die Uhr und dabei ist er eigentlich auch nicht bereit. Er kriegt ja schon Panik, wenn das Thema Zusammenziehen auf den Tisch kommt. Das ist für mich kein gutes Zeichen, dass er wirklich Kinder will. Ich will erst ein Nest und dann Kinder. Das ist doch legitim! Und ja.. er wäre bestimmt trotzdem ein guter Vater. Schließlich ist er niemand, der sich einfach so vor der Verantwortung drückt.

Ok... fassen wir zusammen. Ich stehe tendenziell eher negativ Kindern gegenüber, bin aber auch nicht völlig abgeneigt, auch wenn ich nicht diese Herzchenaugen bekomme, die andere beim Anblick Neugeborener kriegen. Aber wie gesagt, ich dachte ich hätte noch Zeit, mir über die Kinder Gedanken zu machen.

Aber jetzt nimmt mir mein Eierstock die Entscheidung ab. Offenbar fällt meine Fruchtbarkeit rapide ab. Aber bin ich mit 33 nicht noch viel zu jung für die Wechseljahre? Jetzt habe ich so lange gewartet und immer nach dem optimalen Partner gesucht und dabei vergessen, dass meine Fortpflanzungsmöglichkeiten endlich sind? Unter diesen Gesichtspunkt wirken selbst bevorstehende finanzielle Einbußen unter einem ganz anderen Licht da. Plötzlich erscheint die Hürde gar nicht mehr so groß. Plötzlich ist das Chaos nicht mehr so abschreckend. Diese Irrationalität der Gefühle macht mich total fertig.

Ich versuche mich wenigstens nicht so richtig in diese Möglichkeit der Schwangerschaft reinzusteigern schließlich stehen die Chancen nicht so wahnsinnig toll. Jedenfalls nicht auf eine natürliche Befruchtung. Und das wäre mein Traum. Ein mit Liebe und einer heißen Leidenschaft gezeugtes Kind. Wären da nur nicht die O*rgasmus-Probleme des Pferdeflüsterers. (Ok... habe ich noch nie erwähnt, aber es erschien mir auch nicht wichtig - bis jetzt.) Irgendwas in seinem Kopf verhindert, dass er durch eine Fremdeinwirkung, statt seiner eigene Hand einen O*rgasmus bekommt. Jedenfalls glauben wir, dass es eine Kopfsache ist. Aber wir haben noch keinen Weg gefunden, dies zu verändern.

Irgendwie leben wir damit. Bevor ich ihn kannte, dachte ich, dass es hauptsächlich ein Frauenproblem ist. Aber ich kann jetzt die Männer verstehen, die das bei ihren Frauen fertig macht. Der ständige Versuch und die folgende Enttäuschung ist echt bitter. Ich würde mir ja Gedanken machen, wenn ich die einzige Frau wäre, bei der es nicht funktioniert, aber das bin ich nicht. Es hat noch nie funktioniert. Und ja manchmal genieße ich es dann bei den entsprechenden Partys und Treffen, einen Mann vor mir zu haben, bei dem es klappt. Einfach so. Und ja... er versichert mir, dass er wirklich Spaß daran hat - auch ohne.

Aber es macht mich manchmal echt fertig. Und vor allem, weil er irgendwie nichts versucht, um etwas daran zu ändern. Keinen Arztbesucht (falls es doch was biologisches ist), kein Buch, keinen Therapeuten. Lieber nicht hinsehen, dann ist es auch nicht da. Wer weiß, was das für Gefühle aufwühlt. Genau wie seine Kammer, die er auch noch nicht aufgeräumt hat.

Jedenfalls drehe ich mich mit der Kinderfrage im Kreis. Wir verzichten nun schon völlig auf Kondome. Schließlich würden sie ohnehin zu selten tatsächlich notwendig sein und wenn es nun doch passieren sollte, wäre es eben so. Dann freuen wir uns beide riesig. Aber zum kotzen ist die Situation schon.

30.06.2011 um 15:57 Uhr

Abschied

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: melancholisch

Am Montag Abend hat meine Tante angerufen, dass meine Oma im sterben liegt. Im ersten Moment dachte ich, dass dies ja nichts neues wäre, schließlich ist sie im Grunde seit 50 Jahren ständig krank und oft auch so, dass wir schon gedacht haben, dass sie sich diesmal nicht mehr berappelt. Diesmal schien es aber anders. Sie wollte die letzten Tage nichts mehr essen, weil ihr im Bauch alles weh getan hatte. Im Krankenhaus sollte sie eigentlich operiert werden, weil die Ärzte nicht genau bestimmen konnten, was es denn ist. Die OP sollte Klarheit schaffen. Doch schon bei den Vorbereitungen verschlechterte sich der Zustand so rapide, dass es keinen Sinn mehr machte. Also bekam sie nur eine Morphin-Infusion, damit sie wenigstens die Schmerzen nicht spürte.

Wie gesagt, dass es schlimm um meine Oma stand, war nichts neues, aber diesmal schien es wirklich ernst zu sein. Diesmal überkam mich auch ständig Traurigkeit und ich musste mit den Tränen kämpfen.

Die Situation war nicht einfach. Ich wohne 160km weit weg, meine Mutter war im Urlaub und meine Tante mit der Situation ein wenig überfordert. Meine Mutter ist die Starke, die die immer alles im Griff hat, die weiß wie man mit so einer Situation umgehen soll. Meine Tante ist im Grunde genauso kränklich und schwächlich wie meine Oma. Also machte ich mich Dienstag auf den Weg nach Hause, um mich einerseits von meiner Oma zu verabschieden und andererseits um meiner Tante den Rücken zu stärken.

Schon auf der Autobahn merkte ich, dass Autofahren keine wirklich gute Idee ist. Ich war abgelenkt. Nicht bei der Sache. Also hab ich beim Pferdeflüsterer angehalten und ihn gefragt, ob er mich fahren kann, was er dann auch gemacht hat. Er ist eben ein wundervoller Freund.

Meine Oma war nicht mehr die, die ich kannte. Auch wenn sie in den letzten Jahren geistig nicht mehr so fit war, sich nicht immer alles merken konnte, hat sie einen doch registriert und reagiert. Jetzt sah sie eher aus, als wäre sie im Wachkoma. Sie hat die Decke angestarrt und hin und wieder schwer geatmet. Sie hat sich auch anders angefühlt. Ihre Hand war nicht kalt und faltig und trocken, wie sonst, sondern heiß und glatt. Irgendwie aufgedunsen. Komisch. Aber nicht so typisch alt oder fiebrig. Es fühlte sich nicht mal sterbend an. Kein Ahnung.

Der Pferdeflüsterer war übrigens sehr tapfer. Ich hatte ihm gesagt, dass er auch gern draußen warten könnte. Ich hätte es ihm keineswegs übel genommen. Schließlich hat er meine Oma zweimal gesehen. Und einem sterbenden Menschen gegenüber zu stehen ist nicht einfach. Selbst wenn man keinen Bezug hat. Aber er kam mit rein und stand dann die ganze Zeit an meiner Seite. Meine Tante war noch da und eine Cousine meiner Oma.

Wir blieben nicht lange. Vielleicht eine halbe Stunde. Als wir gehen wollten reagierte meine Oma tatsächlich auch ein bisschen. Sie murmelte etwas unverständliches und alle verabschiedeten sich, als wäre es das letzte Mal, dass wir sie sehen würden.

Draußen liefen uns allen die Tränen die Wangen runter. Meinte Tante meinte später noch, dass sie ja nicht einfach Tschüß sagen kann, schließlich könnte es das letzte Mal sein. Und deswegen hat sich sich schon mehrfach so intensiv verabschiedet. Meine Mutter tat dies am Telefon, schließlich kam sie erst heute aus dem Urlaub zurück. Nachdem Krankenhausbesuch fuhren wir noch zu meiner Tante. Ich glaube sie brauchte da die Gesellschaft. Schließlich ist ihr Mann nicht gerade die Verkörperung des Einfühlungsvermögens.

Gestern ist sie dann um kurz nach neunzehn Uhr eingeschlafen. Meine Tante war bei ihr. Ich finde es schön, so war sie wenigstens nicht allein, als sie gegangen ist. Ich bin auch froh, dass es nicht mehr so lange gedauert hat.

Ich weiß nicht, für wen Abschiednehmen schwieriger ist. Für den der geht oder für den der zurückbleibt. Man wünscht sich ja, dass der andere nicht mehr lange leiden muss, weil wir alle glauben, dass genau das ganz schrecklich sein muss. Aber wir wissen ja nicht, wie es ist, wenn man sich an das Leben klammert, egal wie schrecklich es für Außenstehende zu sein scheint. Vielleicht will man den schnellen Abschied nur für sich selbst.

Ich war froh, dass der Pferdeflüsterer mir zur Seite stand. Mich in den Arm genommen hat und mich getröstet hat. Einfach für mich da war. Mir bedeutet das so unglaublich viel. Es ist so schön, jemanden gefunden zu haben, der auch in schlechten Zeiten da ist. Er ist eben wirklich der weltbeste Freund.

Tja... und nun? Ich fühle mich irgendwie leer. Ich schwanke zwischen Melancholie und nichts. Eigentlich fühle ich mich schlecht, weil ich eben nicht in Tränen ausbreche. Ich habe keine wundervollen Kindheitserinnerungen an sie. Sie hat mir keine wirklichen Lebensweißheiten vermittelt oder gute Ratschläge gegeben. Im Grunde habe ich gar keine Erinnerungen an sie, außer dem Gefühl, dass sie mich nie verstanden hat. Sie war halt irgendwie da und man musste Sonntags zum Kaffeetrinken dorthin, aber dann musste ich brav sein und auf meine Cousinen aufpassen. Ich war ja schließlich die Große. Und trotzdem habe ich immer die gleichen Geschenke bekommen, wie meine Cousinen, die 4 und 5 Jahre jünger waren als ich.

Als ich älter wurde, stand ich unfreiwillig zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite meine Mutter, die sich ständig über meine Oma aufregte (wegen den Männern, dem Haus, weil sie log, ne Therapie nötig hätte oder wieder irgendwas dummes getan hatte) und auf der anderen Seite meine Oma, die irgendwie wehrlos nicht gegen meine Mutter ankam. Es gab sogar 2 Jahre in denen die beiden gar nicht miteinander gesprochen haben, was mein Verhältnis zu ihr auch nicht gerade verbesserte. Im Grunde habe ich die schlechte Meinung meiner Mutter ohne zu hinterfragen übernommen.

Sie war halt nicht meine Lieblingsoma. Sie war überhaupt nicht so wie, ich mir eine Oma vorgestellt habe. Sie war einsam, unglücklich, wehleidig, ständig krank und ständig im Krankenhaus. Wegen den Nieren, der Diabetes, wegen Schlaganfällen und Bypässen. Ansonsten war sie immer so was wie ein schlechtes Vorbild. Immer wenn ich mal wieder von einem Mann getrennt hatte, kam von meiner Mutter „Du bist wie deine Oma, die konnte auch nie einen Mann halten!" „Du bist wie deine Oma!" kam ohnehin öfter, beispielsweise wenn ich sie angelogen habe. Aber ich bin nicht wie sie. Ich bin gesund und glücklich.

Das einzige, was Oma wirklich gut konnte, war backen. Es gab wundervolle Schokocreme, andere Cremtorten und wundervolle Kuchen. Und früher als sie noch die Hände richtig benutzen konnte, hat sie mir häkeln und stricken beigebracht.

Jetzt finde ich es schade, dass ich ihr keine Chance gegeben habe. Aber damals war ich selbst noch nicht so weit und dann war sie nicht mehr geistig fit genug. Andererseits muss man Menschen nicht deswegen mögen, bloß weil man vom gleichen Blut abstammt.

Trotzdem nimmt mich der Tod irgendwie mit. Ich bin froh über jede Ablenkungen wie Freunde oder Arbeit, weil das Leben eben doch weiter geht. Aber leider geht der Tag nicht um. Ich habe heute verzichtet schwarz zu tragen, weil ich eben nicht von jedem darauf angesprochen werden will. Ich will es auch nicht jedem erzählen. Ich will auch diese total alberne Floskel „Mein Beileid" nicht hören. Im Grunde wissen die andern doch gar nicht was sie sagen sollen und das sagt man dann eben so. Ein ehrlich gemeintes „Tut mir echt leid!" ist mir tausend mal lieber.

Und immer wieder schleicht sich die Melancholie ein. Im Grunde kenne ich das schon von dem Tod meiner anderen Oma (die zu der ich ein ganz anderes Verhältnis hatte). Irgendwie trauere ich eben so. Ich bin traurig, aber ich weine recht wenig. Da gehen mir Trennungen von Partner weitaus näher, weil ich mir da selbst Vorwürfe mache (Hättest du mal dies gemacht oder jenes) und mich dann selbst bemittleide. Ein Tod ist eben der Lauf der Dinge. Wir gehen eben alle irgendwann mal. Und egal an welche Form von Leben nach dem Tod man glaubt, ich bin davon überzeugt, dass es nicht schlimm ist.

Ich glaube, dass es ihr nun gut geht. Vielleicht das erste Mal seit 50 Jahren. Und vielleicht schafft sie es ja auch im nächsten Leben glücklich zu bleiben.

 

11.10.2010 um 14:12 Uhr

Zeit-Fragen

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge   Stichwörter: Susi, Strolch, Nitida, Pferdeflüsterer, CopyCat

Stimmung: nachdenklich

Wieso hat mir eigentlich keiner gesagt, dass sich das komplette Leben ändert, wenn man eine Beziehung hat.

Als Single habe ich mich immer danach gesehnt, jemanden zu haben, an den ich mich anlehnen kann. Jemand, der da ist. Den man anrufen kann, wenn man Sorgen hat. Und jemand mit dem man seine Nächte verbringen kann. Kuscheln kann. Lieben kann.

So jemand ist nun in mein Leben getreten. Aber warum hat mir niemand gesagt, dass er auch andere Dinge verdrängen wird? Dinge zu denen ich keine Zeit mehr haben werde, weil ich Zeit mit ihm verbringe?

Wenn ich so überlege, mit was ich alles so meine Zeit verbracht habe, als ich noch Single war! Mit wem ich alles regelmäßigen Kontakt hatte, welche Bücher ich gelesen habe, was ich alles für mich getan habe, dann zieht ein bisschen Traurigkeit in mein Herz. Traurigkeit, aber auch Angst.

Bei den letzten längeren Beziehungen habe ich auch viele Freizeitbeschäftigungen aufgegeben. Ich habe auch viel von mir aufgegeben. Und als ich mich dann getrennt hatte, fehlte der andere Mensch in meinem Leben genauso wie Freizeitaktivitäten, Freunde und Teile meines Charakters. Das hat immer schwere Wunden geschlagen. Eigentlich war es wirklich immer die Trennung, die die größere Wunde gerissen hat, nicht die Beziehung als solches. Ich stand immer vor so einem massiven Nichts und ich musste mir immer so umständlich ein neues Leben aufbauen. Damals habe ich mir geschworen, nie wieder so viel von mir aufzugeben, damit ich nicht wieder vor so einem Nichts stehen muss, wenn die Beziehung vorbei ist.

Und natürlich habe ich Angst davor, dass der Pferdeflüsterer und ich uns trennen und ich mich wieder einmal mit dem Nichts konfrontiert sehe. Und jetzt sehe ich Sportmöglichkeiten wegfallen, ungelesene Bücher, ungedachte Gedanken, ungeschriebene Blogtexte, unverwirklichte Ideen und eingeschlafene Kontakte... Ok, ok, das mit den Kontakten liegt nicht nur an meiner neuen Beziehung. Stern89 hat sich seit er ne neue Beziehung hat nur noch sporadisch gemeldet, Susi und Strolch haben sich getrennt uns Susi ist leider völlig von der Bildfläche verschwunden. Nitida sehe ich seid sie in einer Beziehung steckt auch deutlich seltener. Und ich würde mich wirklich mal wieder mit CopyCat treffen, aber ich weiß nicht wann. Und das Schlimmste ist, dass mir meine Mutter im Nacken sitzt und sich die ganze Zeit beschwert, dass ich mich so selten melde.

Ich habe immer noch tolle Ideen, aber die kriege ich gar nicht umgesetzt, weil ich einfach irgendwie keine Zeit mehr habe. Vor allem weil viele Dinge, wie Kontakte pflegen aus dem Wochenende in die Woche reingerutscht sind. Sport fällt fast völlig flach, weil ich einfach überhaupt nicht mehr weiß wann ich das noch machen soll. Schließlich brauche ich auch viel kostbare Zeit für mich. Zeit die ich eben wirklich brauche. Der neue Job schafft mich auch. Ziemlich. Dieses Rumgerenne... den ganzen Tag auf den Beinen. Zwei Tage hintereinander. Ich bin danach immer völlig fertig.

Tja.. dann werden Prioritäten gesetzt. Prioritäten! Das Wort kenne ich aus dem Job. Da wird überlegt, was wichtiger ist und dann macht man das eben. Ich kann mich ja nicht zerteilen. Und schon fällt Zeit für Sport hinten runter. Sport ist mir eben nicht so wichtig, wie nach der Arbeit abzuspannen. Ich mag auch nach der Arbeit nicht mehr telefonieren. Und sehen will ich eigentlich auch keinen.

Wie machen das andere Paare bloß? Wie kriegen sie es hin, ein ausgefülltes Freizeitleben zu haben, sich um Job und den Partner gleichermaßen zu kümmern? Da bleibt doch logischerweise irgendwas auf der Strecke....

Der Pragmatiker würde nun sagen, die Lösung ist doch total einfach: beende einfach die Beziehung.

Diese „Lösung" finde ich total daneben. Ich weiß wie sehr ich damals gelitten habe, als ich noch Single war. Und das soll jetzt nicht heißen, dass ich nur mit dem Pferdeflüsterer zusammen bin, um nicht wieder Single zu sein. Leute die mich kennen, wissen, dass das nicht sein kann. Ich liebe den Pferdeflüsterer. Und ich würde lieber mit ihm durch dick und dünn gehen, als ihn aus einer Freizeitproblematik heraus wieder zu verlassen.

Obwohl mich der letzte Dienstag schon geschockt hat. Da hatten wir beide frei und wir hatten Alltag. Er hat am Auto geschraubt (war auch gut so, damit er mich wieder besuchen kann) und ich habe Designs gemacht. Wir haben uns den ganzen Tag nicht gesehen, OBWOHL wir beide uns bei ihm aufgehalten haben. Am Schlimmsten fand ich glaube ich, dass ich es auch noch OK fand. Ich hatte ihn ja schon die ganze Zeit um mich. Ich fand es gut Zeit für mich zu haben. Ich fand es gut, dass es diese Möglichkeit gab. Aber ich fand es auch ein wenig Schade. Früher hätten wir so einen Tag nicht verstreichen lassen, ohne uns leidenschaftlichem Sex hinzugeben. Oder wenigstens den ganzen Tag zu kuscheln.

Kann es sein, dass der Alltag so schnell kommt? Aber ist das nicht auch etwas Gutes? Schließlich gibt es dann wieder neuen Raum für Dinge. Dinge die dann eben auch mal ohne den Pferdeflüsterer gehen, um dann auch die gemeinsame Zeit wieder mehr wertzuschätzen.

Vielleicht ist es auch die Tatsache, dass wir wirklich jedes Wochenende (bis auf das, wo er beruflich weg war) miteinander verbracht haben, seit wir zusammen sind. Ich bei ihm, wenn er arbeitet und er bei mir, wenn er frei hat. Es ist schon fast zu einer Pflicht geworden.

Auf der einen Seite hätte ich schon gern mal ein Wochenende frei. Aber auf der anderen Seite will ich ihn auch sehen. Es ist ein Dilemma. Ich fühle mich im Moment ein wenig zerrissen. Zerrissen zwischen dem was ich machen kann und zwischen dem was ich tun möchte.

Wie schafft man es bloß in einer Beziehung ganz zu bleiben?

04.06.2010 um 12:21 Uhr

Ich will keinen Blog-Spam mehr

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge   Stichwörter: Blog, Spam

Stimmung: total genervt

So. Ich hab eben mal die Blogigo-Charts durchgeklickt. Mach ich manchmal. Man muss ja wissen was die Konkurrenz so macht. ;-) Vielleicht trifft man ja auch auf nen Blog der lesenswert ist und der auch in meine Favoritenliste gehört. Es gibt ja auch ständig neue Blogs und ich will ja nichts verpassen.

Ist Euch schon aufgefallen, was hier bei Blogigo passiert?

Bei den meistbesuchten und beliebtesten Blogs gab es auch eigentlich keine wirklichen Überraschungen. Die üblichen Verdächtigen sozusagen.

Aber bei den aktivsten und aktuellen Blog und denen mit den meisten Einträgen findet sich unter den ersten 30 Einträgen nur Blog-Spam. Geht das nur mir so oder kann da irgendeiner einen Sinn drin erkennen?

Hier ein paar Titelbeispiele:
applexamsguide
ibm test
ibm tests
ibmdumps
cisco study guide
cisco test
cisco tests
ciscoguide
Apple exams
Cisco Dumps
ciscoccna
ciscodump
nneb48
Exambible eb48 642-812 forum
Nortel dumps
it exam questions
ibm certification exam
HP practice exam
642-802 test exam
cisco dumps
etc...

 

Habt ihr da mal draufgeklickt? Das sind undendlich viele Beiträge, die alle irgendwie gleich unleserlich sind und sich teilweise sogar wiederholen. Merkwürdig ist auch, dass alle im gleichen Style sind. (Ok.. genau weiß ich es nicht, ich hab nur Stichproben gemacht)

Bei dem einem Blog, der mittlerweile seit 4 Monaten aktiv ist, gab es 213 Einträge. Das sind jeden Tag ca. 2. Und jetzt kommt es: ganze 55 Besucher auf ca. 120 Tage! Das können doch alles nur Leute wie ich sein, die aus Neugierde mal draufklicken.

Mich nervt auch, dass man dadurch nicht mehr auf aktuelle Beiträge neugierig wird, weil da jetzt auch ständig Spam drin steht. Und es werden immer mehr. In den neuen Webblogs stehen auch schon wieder locker 10 drin.

Ich weiß ja, dass es Crawler gibt, die gerade bei Kontaktformularen automatisch Dinge eintragen, die dann per Mail verschickt werden und einen zuspamen. Aber hier? Braucht die Welt Blog-Spam? Ich glaube nein.

31.03.2010 um 16:12 Uhr

Jetzt ist es sicher: Kunstwerke machen kreativ

von: VomFeuerkind   Kategorie: Gedankengänge

Stimmung: überrascht

Ich habe gerade einen Artikel entdeckt, bei dem propagiert wird, dass Kunstwerke an den Arbeitswänden dazu führen, dass man kreativere Arbeit leisten kann. Ich finde diesen Gedanken geradezu niedlich. Da könnte man auch behaupten, dass ein roter Lippenstift zu Sex führt, man durch schöne Sitzbezüge besser Autofahren kann und die Storchpopulation mit der Geburtenrate zusammenhängt.

Ich halte viel davon, eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Wenn sich jemand auf der Arbeit wohlfühlt, geht derjenige auch gern hin. Und wenn derjenige gern auf der Arbeit ist, sind die Leistungen auch besser und die Ergebnisse kreativer. Und das ist toll fürs Unternehmen. Bilder, Pflanzen oder eben auch Möbel etc. unterstützen das natürlich. Allerdings ist Ambiente nur ein kleiner Teil.

Viel Wohlfühlatmosphäre kommt durch den Umgang, der miteinander gepflegt wird. Ob man Stress mit einem Kollegen hat oder ob man gern auch mal ein Pläuschchen hält. Kaffeeecken sind dabei unglaublich wichtig. Oder ob die Arbeit wahrgenommen und gewertschätzt wird.

In dem Artikel geht es aber nur um Kunstobjekte. Die Empfehlung lautet, man soll Kunstwerke aufhängen und dann werden die Mitarbeiter automatisch kreativ. Als würde das eine das andere bedingen.

Ich habe 2 Jahre in einem Informatikinstitut im Marketing gearbeitet. Wir hatten öfter Leihgaben von hiesigen Künstlern in den Fluren hängen. Quasi wie eine Art Ausstellung. Das war auch irgendwie nett, weil es schön bunt war. Und einige Ausstellungen waren auch wirklich schön. Dagegen fand ich andere irgendwie.. naja... nicht so toll. Ist halt Geschmacksache.

Es war also nett über einen bunten Flur zu laufen, wenn man irgendwas wollte. Aber nach einer Weile hab ich die Bilder überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Ok, vor einem Bild blieb ich immer bewundernd stehen und bei einem anderen schüttelte ich immer den Kopf. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich durch schöne Bilder kreativer oder durch langweilige weniger kreativ war.

Mir haben immer die geselligen Kaffeepausen geholfen. Aber mehr, weil es dadurch so simpel war Informationen auszutauschen. An der Kaffeemaschine (die nebenbei ein Kaffee Vollautomat war) gingen diese „hast nicht... kannste nicht" Anfragen viel besser. Bilateral sozusagen.

Außerdem hatte das Gebäude einen hammermäßigen überdachten und bepflanzten Innenhof. Total toll. Mit einem kleinen Wasserlauf, einem Teich, ein paar kleine Bäume und schön grün. Da bin ich immer hingegangen, wenn ich meine Ruhe wollte. Wenn ich eine Idee brauchte. Nicht in den 2. Stock um mich vor ein Bild zu setzen.

An sich hätte ich (wenn man dem Artikel glauben schenken würde) die kreativsten zwei Jahre meines Lebens haben müssen. Hatte ich nicht. Weil Ideen dort keinen Raum hatten. Hatte man eine und war sie anders als das, was der Chef sich vorgestellt hatte, wurde sie ignoriert und runter gemacht, ohne  überhaupt in Erwägung gezogen zu werden. Wenn so mit Ideen umgegangen wird, hatte ich jedenfalls freiwillig irgendwann keine mehr.

[Für alle die jetzt denken, dass unsere Steuergelder für Innenhöfe, Kunstobjekte und Kaffeemaschinen drauf gehen, keine Sorge! Das Institut hat viel Forschungstransfer gemacht und daher viel Gelder aus der Wirtschaft angeworben. Die Ausstellungen waren eher ein Gefallen an die Kunsthochschule, das Gebäude gemietet und die Kaffeemaschine konnte gar nicht aus Fördergeldern bezahlt werden. Außerdem kostete jede Tasse 50c. War aber dafür super lecker]

Auch jetzt, wo ich in einem anderen Gebäude sitze, hab ich nicht das Gefühl, dass ich weniger kreativ bin, weil hier keine bunten Bilder hängen oder weil es keinen Innenhof gibt.

Eher im Gegenteil. Ich war noch nie im Leben soo kreativ wie jetzt, einfach weil meine Ideen, kreativen Konzepte und Designs hier angenommen werden. Sowohl in meiner halben Stelle, als auch in meinem eigenen Unternehmen. Deswegen bin ich mit meinem Job auch so glücklich.

Ich halte also die These in dem Artikel für völlig überzogen.

Aber ich stelle das hier gern mal zu Diskussion.