Die Magie des Augenblicks

31.07.2007 um 00:17 Uhr

~> Drum Boy

Es ist still im Trockenschuppen. Menschenleer und still. Nur der Wind ist stärker geworden, pfeift um die Holzbalken. Er spielt mit Großvaters Hemden, bauscht sie auf und schaukelt sie hin und her.

Riko erhebt sich von dem Holzstumpf. Er fährt mit einer Hand über das raue Holz des Leiterwagens und verlässt den Schuppen. Mitten auf der Wiese bleibt er stehen. Er legt den Kopf in den Nacken, öffnet den Mund, schreit "Schaduuuh!" in die Blätter der Buchen, in den hellen Himmel und weit über das Land.


Aus: "Drum Boy" von Petra Fietzek

 

30.07.2007 um 23:54 Uhr

~> Der Vogel ist ein Rabe

Henry sieht mich vollkommen entgeistert an. Die Kinnlade fällt ihm herunter. Auf seinem Gesicht ist ein riesiges Fragezeichen. Er hatte den Rucksack noch nicht auf den Rücken geschnallt. Lässt ihn jetzt zu Boden fallen. Die beiden Männer nehmen mich in ihre Mitte. Ich drehe mich noch einmal nach ihm um. Einer der Männer packt mich sofort an der Schulter.

"Ist schon gut, verdammt! Ist schon gut! Ich will ihm nur etwas sagen." Er lässt mich los. Die beiden bleiben aber ganz dicht in meiner Nähe. Ich trete zu Henry. Er blickt mich an.

"Ich bin kein Erzähler wie du", sage ich.


Aus: "Der Vogel ist ein Rabe " von Benjamin Lebert

 

 

 

30.07.2007 um 23:44 Uhr

~> Crazy

In der Tür stehen Anna und Malen. Sie fallen mir nacheinander um den Hals. Sie haben mir Abschiedskarten gemalt, die sie mir in die Reisetasche stecken. Marie ist nicht gekommen. Aber das war auch nicht anders zu erwarten. Fünf Minuten später erscheint mein Vater. Schnellen Schrittes kommt er zu uns herein, holt das restliche Gepäck und verläßt das Zimmer gleich wieder. Ich winke den anderen zu und laufe ihm nach. Drehe mich noch einmal um. Durch die offene Tür sehe ich meine Freunde. Hebe meine rechte Hand. Dann laufe ich durch den Hurenflügel hinter meinem Vater her. Er hält mir die Tür zum Treppenhaus auf. Dort läuft uns der Internatsleiter Richter über den Weg.

"Schöne Ferien", brummt er in sich hinein. Marschiert an uns vorbei. In den Landdorf-Gang. Wir steigen die Treppe hinab. Es ist eine lange Treppe. Als wir unten sind, stelle ich die Reisetasche auf den Boden. Ich bin erschöpft.


Aus: "Crazy " von Benjamin Lebert

 

 


 


 

30.07.2007 um 19:15 Uhr

~> Die Hexe von Freiburg

von: apres   Kategorie: ~ Historische Romane

Marthe-Marie erhob sich und legte den Kopf in Lenes Schoß. Als das Herdfeuer erloschen war, sah sie auf.
"Nein, meine Mutter war keine Hexe. Ich bin stolz auf sie, auf ihren Mut und auf ihre Stärke."
Lene schluckte. "Aber du siehst, wohin das geführt hat."
"Trotzdem!"

 


Aus: "Die Hexe von Freiburg " von Astrid Fritz

 

 


 

 

 

28.07.2007 um 09:40 Uhr

~> Im Westen nichts Neues

Ich stehe auf.

Ich bin sehr ruhig. Mögen die Monate und Jahre kommen, sie nehmen mir nichts mehr, sie können mir nichts mehr nehmen. Ich bin so allein und so ohne Erwartung, daß ich ihnen entgegen sehen kann ohne Furcht. Das Leben, das mich durch diese Jahre trug, ist noch in meinen Händen und Augen. Ob ich es überwunden habe, weiß ich nicht. Aber solange es da ist, wird es sich seinen Weg suchen, mag dieses, das in mir "Ich" sagt, wollen oder nicht.

 

Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage der so ruhig und still war an der ganzen Front, daß der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts neues zu melden.

Er war vornübergesunken und lag wie schlafend an der Erde. Als man ihn umdrehte, sah man, daß er sich nicht lange gequält haben konnte; - sein Gesicht hatte einen so gefaßten Ausdruck, als wäre er beinahe zufrieden damit, daß es so gekommen war. 


Aus: "Im Westen nichts Neues " von Erich Maria Remarque


 

22.07.2007 um 02:13 Uhr

~> Frostfeuer

von: angelmagia   Kategorie: ~ Fantasy

Das Rentier setzte sich in Bewegung, verfiel in Galopp. Maus grub die Hände in sein Fell, genoss das Leuchten der Landschaft, die Unendlichkeit, ihre neu gewonnene Freiheit.

Der Adler pflügte durch das kristallklare Blau, ritt auf den Winden und krächzte vergnügt.

In der Ferne stand lächelnd ein alter Mann. Er trug einen Mantel aus Bärenfell. Maus aber sah nur die ungeheuren Weiten Russlands, den maßlosen Horizont.

Sie fragte sich, was dahinter lag.

Väterchen Frost neigte dankbar das Haupt.
Erlen trug Maus der Welt entgegen....


Aus: "Frostfeuer " von Kai Meyer .

 

 

 

22.07.2007 um 01:12 Uhr

~> Kind des Schicksals (Teil 3)

von: angelmagia   Kategorie: ~ Fantasy   Stichwörter: Dämonenkind, Trilogie

Loclon schaute empor und sah das Mädchen aus der Siechensiedlung, das ihn mit kummvervollem Lächeln, einen Ausdruck des Mitgefühls im Auge, aus ihrem entstellten Gesicht ansah.
Sein Aufheulen der Verzweiflung hallte über das ganze weite Ufer.

Mühsam richtete er sich auf und stierte durchdringend umher, aber es verhielt sich, als wäre R'shiel hier nie gewesen. Nichts wies mehr auf ihre zuvorige Anwesenheit hin. Nicht einmal Fußspuren im Sand.


Aus: "Kind des Schicksals " von Jennifer Fallon .

 

 


 

12.07.2007 um 17:41 Uhr

~> Kind der Götter (Teil 2)

von: angelmagia   Kategorie: ~ Fantasy   Stichwörter: Dämonenkind, Trilogie

Der Kniff, überlegte R'shiel, während sie durch das von Feuerstellen erhellte Lager schritt, bestand darin, die Angelegenheit so anzupacken, dass niemand erkannte, was sich ereignete, bevor es zu spät war, um ihr Einhalt zu gebieten.

 


Aus "Kind der Götter " von Jennifer Fallon.

 

 


 

 

12.07.2007 um 17:34 Uhr

~> Kind der Magie (Teil 1)

von: angelmagia   Kategorie: ~ Fantasy   Stichwörter: Dämonenkind, Trilogie

"Du grämst dich zu viel, Brakandaran."
"Und du solltest dich aus Ereignissen fern halten, die dich nicht betreffen. Das Gleiche gilt für die anderen Götter."
Dacendaran würdigte ihn keiner Antwort, aber als Brakandaran sich anschickte, seines Wegs zu gehen, rief der Gott ihm nach.
"Brakandaran...!"
"Was noch, Dacendaran?"
"Muss ich ihnen wirklich die Waffen herausgeben?"

 


Aus "Kind der Magie " von Jennifer Fallon .