~> In einem Leben wie diesem
"Geld war der Grund gewesen, nach Amerika zu kommen. Wir waren vor dem Hunger geflohen, der Armut. Wir wollten reich werden. Was für ein bitterer Scherz. Ich war nicht reich geworden hier in Amerika. Und ich hatte es so sehr versucht. Aber das Einzige, was ich erreicht hatte, war, dass Geld und Geldsucht mein Leben beherrscht hatten, mein Leben in ein unentwirrbares Knäuel verändert hatten, das mich in die Tiefe zog. In Belgien hatte ich nie reich werden wollen. Dort war das Leben einfach gewesen.
Ich folgte dem Wasser und spähte grübelnd zum Ozean, der in der Ferne im Schein der Stadt glitzerte. Auf der anderen Seite dieses Ozeans... War es zu lange her? Konnte ich hier noch weg? Weg aus diesem komplizierten und gefährlichen Leben, das einen die Augen vor dem Wichtigen verschliessen liess?
Konnte ich noch zurück zu diesem alten Kontinent?
Ich konnte nicht mehr zurück in mein altes Leben. Ich hatte mich zu sehr verändert. Ich wollte nicht, dass Vater und Mutter, Charlotte und Charles mich als den Menschen kennenlernen, der ich jetzt war. Ich wollte, dass sie sich meiner erinnerten als den guten, unkomplizierten und unschuldigen Adrian, der ich früher gewesen war, nicht den amerikanischen Adrian.
Ich wusste auf einmal, was ich machen musste. Ich würde das Land des Reichtums und der Versprechen hinter mir lassen. Dieses Leben war vorbei. Ich würde nach Antwerpen zurückgehen und dort in der Menge verschwinden. Alles war jetzt ganz klar. Ich würde verschwinden.
Aus "In einem Leben wie diesem" von Aline Sax
