Die Magie des Augenblicks

17.12.2008 um 20:09 Uhr

~> Luisito

von: Jari   Kategorie: ~ Liebe

"Nur Mut!", sagte sie sich und nahm all ihr kraft zusammen. Sie hob den Blick, um den himmel grüssen.
Im Verschwinden hatte der Regenbogen einen winzigen, zwishen den Wolken schwebenden Splitter zurückgelassen, der nun auf sie zuzukommen schien.
"Gibt es das?", fragte sich Anselma und richtete sich auf.
Im selben Augenblick raste der Zug so schnell an ihr vorbei, dass iht Kleid flatterte und ihr Haar durcheinander geriet.
Als der letzte Wagon verschwunden und wieder Ruhe eingekehrt war, stellte Anselma sich auf die ZHehenspitzen und rief zum Himmel: "Krak?
"Krak, krak!", antwortete der sich nähernde Splitter.
Da faltete Anselma zum Dank die Hände, dann breitete sie erwartungsvoll die Arme aus.
Die landung war ziemlich schroff.
"Krok, krok, krok", murmelte Luisito ihr mit der gewohnten Zutraulichkeit ins Ohr.
"Krok, krok", antwortete Anselma und schmiegte ihre Nase an die kahle Vogelbrust, während ihr die Tränen wieder über das Gesicht zu laufen begannen."


Aus: "Luisito" von Susanna Tamaro

 

 

17.12.2008 um 16:23 Uhr

~> Wo die Puszta den Himmel berührt

von: Jari   Kategorie: ~ Reiseliteratur

"Klar geworden ist mir zudem erneut, dass Ungarn dort, wo sich die meisten Besucher konzentrieren, für mich wenig reizvoll ist, während es vielerorts die abseits der Haupttouristenrouten liegende Gebiete, die vermeintlichen Kleinigkeiten und ganz besonders die Begegnungen mit den Menschen des Landes sind, die mir die Geschichten und die Geschichte Ungarns erzählt haben.
Das "wahre" und das "typische" Ungarn habe ich auch diesmal nicht gefunden - das gibt es ebenso wenig wie das "wahre" und das "typische" Deutschland. Stattdessen bin ich durch ein Land gereist, das mir eine Fülle neuer Facetten und einen bunten Strauss mir bislang unbekannter Eigenarten gezeigt hat und das sicherlich weitere Überraschungen für meinen nächsten Besuch bereithalten wird.
Kein Wunder: Warum sollte man ein Volk auch in eine Schublade pressen können, wenn man das nicht einmal mit einem einzelnen Menschen tun kann?"


Aus: "Wo die Puszta den Himmel berührt" von Thomas Bauer