~Damals war es Friedrich
Angstvoll schaute Mutter sich nach Friedrich um. Friedrich saß in den Schatten des Hauseingangs hingeduckt. Die Augen hielt er geschlossen, sein Gesicht war blass.
"Bist du wahnsinnig?", fuhr es Vater heraus. Da bemerkte auch Herr Resch die Gestalt. Vater wartete noch immer unschlüssig auf dem Plattenweg. Man sah ihm an: Er wusste nicht, was er tun sollte. Herr Resch schob seine Frau beiseite und trat näher; auf dem Arm trug er Polykarp, seinen Gartenzwerg.
"Scher dich fort!", zischte er Friedrich an. "Glaubst du, weil nach diesem Angriff alles drunter und drüber geht, wärst du sicher davor, abgeholt zu werden?" Schrill schrie Mutter: "Sehen Sie denn nicht? Er ist doch ohnmächtig!"
Mit einem spöttischen Lächeln schaute Resch meine Mutter an: "Die Ohnmacht werde ich ihm schnell austreiben.- Ich muss mich allerdings sehr über Ihr Mitgefühl mit Juden wundern! - Sie, als Frau eines Parteigenossen?!"
Vater zog Mutter beim Ärmel.
Mutter schlug die Hände vor das Gesicht.
Herr Resch hob den Fuß und trat Friedrich.
Friedrich rollt aus dem geschützten Hauseingang auf den Plattenweg. Von der rechten Schläfe zog sich eine Blutspur bis zum Kragen.
Meine Hand verkrampfte sich in den dornigen Rosensträuchern.
"Sein Glück, dass er so umgekommen ist", sagte Herr Resch.
Aus: "Damals war es Friedrich" von Hans Peter Richter
