Die Magie des Augenblicks

29.03.2011 um 22:14 Uhr

~> Die Kunst des Scheiterns

von: ameamagao   Kategorie: ~ Biographie

"Mir scheint die Suche nach dieser absoluten Weisheit sinnvoller als der Versuch, mein unvollkommenes Dasein bis in alle Ewigkeit zu verlängern.
Es genügt mir, meine Fehler während meiner irdischen Zeit wieder und wieder zu machen. Ich habe keine große Lust, sie auch noch bis in alle Ewigkeit zu wiederholen.
Natürlich spekuliere ich auch auf ein Leben nach dem Tod, darauf, dass mein Wesenskern unzerstörbar sei, dass ich aufgefangen werde von himmlischen Kräften. Aber auch dieses letzte große Scheitern am Leben ersehne ich mir als Möglichkeit zu einer Verwandlung meiner Person.
Ich hoffe, mir bleibt noch viel Zeit, um mich in der Kunst des Scheiterns zu üben, um dann beim Finale für das Abenteuer Tod gewappnet zu sein.
Und da nun mal definitiv niemand beweisen kann, was nachher passiert, halte ich es für legitim, sich das Schönste auszusuchen.
Vielleicht wird einem dann ja genau das Schloss gebaut, das man sich im Geiste errichtet hat, und da wäre es doch töricht, aus einer Hybris darauf zu verzichten, dass einen Engel dereinst liebend umfangen werden.
Na also."
 


Aus: "Die Kunst des Scheiterns" von Konstantin Wecker.

 

 


 

07.11.2010 um 19:27 Uhr

Nietzsche - Biographie seines Denkens

von: Seren_a   Kategorie: ~ Biographie

August Horneffer hat N. in den letzten Monaten besucht und darüber berichtet: "Wir haben ihn freilich in seinen gesunden Tagen nicht gekannt, sondern erst als Kranken im letzten Stadium der Paralyse gesehen. Trotzdem gehören die Minuten, die wir in seiner Gegenwart weilten, zu den wertvollsten Erinnerungen unseres Lebens (...) Trotzdem die Augen erloschen und die Züge erschlafft waren, trotzdem der Arme mit gekrümmten Gliedern dalag und hilfloser als ein Kind war, ging ein Zauber von seiner Persönlichkeit aus und offenbarte sich eine Majestät in seiner Erscheinung, wie ich es nie wieder bei einem Menschen empfunden habe." - Am 25. August 1900 stirbt Nietzsche.


Aus: "Nietzsche - Biographie seines Denkens " von Rüdiger Safranski .

 

 


 

19.10.2010 um 23:07 Uhr

~> Joseph Beuys

von: angelmagia   Kategorie: ~ Biographie

Noch eines von Seren_a .

"Wäre es nicht zu sentimental, man könnte mit gutem Grund sagen: Der Geist von Joseph Beuys weht durch diese sieben Räume im Hessischen Landsmuseum Darmstadt. Es hat diesen Räumen und diesen Vitrinen seinen Stempel aufgedrückt - Hauptstrom Beuys. Die Gänge zwischen ein einzelnen Virtrinen sind oft sehr eng. Man drückt sich an den Glasscheiben vorbei und ist den stillen, dunklen, oft rätselhaften Figurationen, die Beuys erfunden und inszeniert hat, ausgesetzt und spürt, mit Betroffenheit, dass hier ein großer Verwandler am Werk gewesen ist."

 


Aus: "Joseph Beuys " von Heiner Stachelhaus .

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29.08.2010 um 00:35 Uhr

~> Schmetterling und Taucherglocke

von: angelmagia   Kategorie: ~ Biographie

Von Seren_a. Sie kann momentan keine Einträge schreiben.

 

"Durch den halboffenen Reißverschluss des Täschchens sehe ich einen Hotelzimmerschlüssel, eine Metrokarte und einen zusammengefalteten Hundertfrancschein, die mir vorkommen wie von einer auf die Erde entsandten Raumsonde mitgebrachte Objekte, anhand deren die Wohn-, Transport- und Handelsbeziehungsweisen der Erdbewohner studiert werden sollen. Der Anblick macht mich ratlos und nachdenklich. Gibt es in diesem Kosmos einen Schlüssel, um meine Taucherglocke aufzuriegeln? Eine Metrolinie ohne Endstation? Eine genügend starke Währung, um meine Freiheit zurückzukaufen? Ich muss anderswo suchen. Ich mache mich auf den Weg."

 


Aus: "Schmetterling und Taucherglocke " von Jean-Dominique Bauby .

 


 

 

25.06.2010 um 10:04 Uhr

Das weiße Land der Seele

von: witchboard   Kategorie: ~ Biographie   Stichwörter: Schamanen, Altai, Gebirge, Selbstfindung

Stimmung: beschwingt
Musik: Kitaro

Glücklichwerweise war ich selbst nicht so einseitig erzogen worden, nur empirischen, wissenschaftlichen Beweisen Glauben zu schenken, wie das bei Dimitijew anscheinend der Fall gewesen war und viele meiner Klischees von der sogenannten realen Welt waren bereits bei meinen Erlebnissen im Altai zerstört worden. Mir fiel es deshalb leicht und ich fand es plausibel, Belowodje aus der Perspektive zu sehen, die Dimitrijews Erlebnis nahelegte. Mir war, als hätte man mir endlich ein lang erwartetes Versprechen gegeben, beschützt und unterstützt zu werden.

Epilog

Der Nachthimmel sah wieder aus wie immer, aber der Wind und die feuchte Luft waren so erfrischend, das ich noch lange auf meinem Balkon stehen blieb und die Bilder meiner Vision,den Kreis der tanzenden Männer und Umajs Augen vor mir sah; ich blickte zu den Sternen empor und dachte über die Ereignisse im Altai nach, die mein Leben in so vieler Hinsicht verändert hatten.

Mehr als ein Jahr war vergangen seit  ich Umaj in Kubija kennengelernt hatte. Ich war in der Zwischenzeit auf der Suche nach neuem Wissen viel in Zentralasien herumgereist und hatte dabei auch andere Lehrer getroffen. Trotzdem waren die Erinnerungen an die Begegnung mit Umaj  immer noch lebendig und der Gedanke an sie erfüllte mich mit freudiger  Erregung.

 


Aus: "Das weiße Land der Seele " von Olga Kharitidi , wahrheitsgemäße Autobiographie

 

 

 

 

 

26.10.2008 um 00:10 Uhr

~> Der Afrikaner

von: Seren_a   Kategorie: ~ Biographie

Vielleicht hat mich mein alter Traum letztlich doch nicht getäuscht. Während mein Vater durch die Macht des Schicksals zum Afrikaner geworden ist, kann ich an meine afrikanische Mutter denken, die mich in dem Augenblick, da ich gezeugt, in dem Augenblick, da ich geboren wurde, geküsst und genährt hat. 


"Der Afrikaner " von Jean-Marie Gustave Le Clézio .

 

 

 

 

14.04.2008 um 13:39 Uhr

~> Moulin Rouge

von: apres   Kategorie: ~ Biographie

Ihr Gesicht, ihr ernstes, geliebtes Gesicht wurde trübe und schattenhaft, entrückte in eine verschwommene Ferne, obwohl gerade das erste Morgenlicht ins Zimmer fiel. Diesmal wuchs die Dunkelheit aus dem Innern. Maman ... Leb wohl, Maman.


Aus "Moulin Rouge " von Pierre La Mure

 

Moulin Rouge

 

11.04.2008 um 21:35 Uhr

Giuseppe Verdi - Ein musikalischer Triumph

von: Seren_a   Kategorie: ~ Biographie

Das "Geräusch des Atems" hörte am 27. Januar 1901 um drei Uhr morgens auf. Verdi war tot.

Carlo Gatti nahm an seinem Begräbnis teil. Als ich den alten Biographen, der so viel von Verdi wusste, zum letzten Mal traf, sprach er über jenen Tag:

"Es war auf dem städtischen Friedhof von Mailand. Verdi hatte die Anweisung hinterlassen, dass es weder Musik noch Gesang geben dürfe. Er wollte alles sehr einfach haben ... Der Tag war trüb und feucht und neblig. Die halbe Bevölkerung Mailands war gekommen. Niemand durfte sich dem Grab nähern, und wir standen stumm weinend ein Stück davon entfernt. Verdi hatte zwar angeordnet, dass es keine Musik geben dürfe, doch er konnte nicht bestimmen, dass nicht geweint werden solle. Dann erklang plötzlich aus der Menge ein Choral - erst leise, dann lauter und lauter, als er sich über die Menschenmenge ausbreitete. Es war das ,Va pensiero' aus Nabucco, das vor fast sechzig Jahren Verdi zu einem nationalen Symbol gemacht hatte."


Aus: "Guiseppe Verdi - Ein musikalischer Triumph " von Joseph Wechsberg .

 

 

09.04.2008 um 19:16 Uhr

~> Buntschatten und Fledermäuse

von: angelmagia   Kategorie: ~ Biographie

Von Azriel.

Wiewohl meine Geschichte nicht abschließend erzählt ist, endet sie hier.

 


Aus: "Buntschatten und Fledermäuse " von Axel Brauns .

 

 


 

 

02.02.2008 um 15:35 Uhr

~> Krebs

von: schneehase   Kategorie: ~ Biographie

Ich habe viel von mir berichtet, um die Berechtigung nachzuweisen, meine Meinung zu haben. Man wird Gegenbespiele nennen. Die sind für ihr Schicksal nicht beweiskräftig. Wenn Medizin genormt ist, wenn sie auf den Einzelfall nicht eingehen mag, läuft sie Gefahr, das Gegenteil dessen zu sein, was sie sein will: human.

Ich sitze auf dem Balkon und schaue auf den See. Die fünfte Jahreszeit ist in mir. Die Zeit zwischen Verlust und Ende. Die kann sehr schön sein.


Aus: "Krebs " von Werner Schneyder .

 


 

 



 

20.01.2008 um 23:25 Uhr

~> Novalis

von: Seren_a   Kategorie: ~ Biographie

"Nur schweigend, denn der neue und tiefe Schmerz hat keine Worte, will ich euch hinweisen auf ein herrliches Beispiel, das ihr alle kennen solltet - auf den zu früh entschlafenen göttlichen Jüngling, dem alles Kunst ward, was sein Geist berührte, seine ganze Weltbetrachtung zu einem großen Gedicht, den ihr, wiewohl er kaum mehr als die ersten Laute wirklich ausgesprochen hat, den reichsten Dichtern beigesellen müsst, jenen seltenen, die ebenso tiefsinnig sind als klar und lebendig. Aus ihm schaut die Kraft der Begeisterung und der Besonnenheit eines frommen Gemütes, und bekennet, wenn die Philosophen werden religiös sein und Gott suchen wie Spinoza, und die Künstler fromm sein und Christum lieben wie Novalis, dann wird die große Auferstehung gefeiert werden für beide Welten."


Aus: "Novalis " von Martin Beheim-Schwarzbach .

 

 

06.01.2008 um 17:06 Uhr

~> Ich bin Gott. Waslaw Nijinsky - Leben und Wahnsinn

von: Seren_a   Kategorie: ~ Biographie

"Er tanzte um die halbe Welt, und er sprang in die mysteriöse Welt des "Wahnsinns". Er war ein Heiliger, ein Genie, ein Märtyrer, ein Wahnsinniger. Man sieht ihn noch vor sich, wie er in hohem Bogen den Raum erobert, fliegt und flattert, sich dreht und wirbelt, hoch in den Himmel springt und in der Luft stehenbleibt, wie er lacht, weint, Grimassen schneidet und schreit. Er bleibt ein Mythos, eine Erscheinung, ein Symbol, ein Phantasiegeschöpf, eine biologische Schöpfung, ein flüchtiges Bild Gottes. Nijinski, der Gott des Tanzes."

 


Aus: "Ich bin Gott. Waslaw Nijinsky - Leben und Wahnsinn " von Peter Ostwald

 

 

18.06.2007 um 01:19 Uhr

~> Anne Franks Tagebuch

von: ShaBuSha   Kategorie: ~ Biographie   Stichwörter: historisches, anne, frank, tagebuch

"Unwillkürlich probiert man jeden Tag wieder von Neuem, sich zu bessern und nach Ablauf einer gewissen Zeit ist dann auch etwas erreicht. Dieses Mittel kann jeder gebrauchen,es kostet nichts und ist jedem erreichbar. Denn wer es nicht weiß, muss es lernen und erfahren: >>Ein ruhiges Gewissen macht stark!<<"


Aus: Anne Franks Tagebuch , 6. Juli 1944