Ein Buch. Natürlich wäre das zunächst nur eine langweilige und anstrengende Arbeit, es würde nicht verhindern, daß ich existiere, daß ich mich existieren fühle. Aber es würde ein Moment kommen, wo das Buch fertig wäre, hinter mir läge, und ich denke, daß etwas von seiner Klarheit auf meine Vergangenheit fallen würde. Vielleicht könnte ich dann, über das Buch, mich ohne Widerwillen an mein Leben erinnern. Vielleicht würde ich eines Tages, wenn ich genau an diese Stunde denke, an diese trübe Stunde, in der ich mit rundem Rücken darauf warte, daß es Zeit ist, in den Zug zu steigen, vielleicht würde ich mein Herz schneller schlagen fühlen und mir sagen: "An dem Tag, in der Stunde hat alles angefangen." Und es gelänge mir - in der Vergangenheit, nur in der Vergangenheit -, mich zu akzeptieren.
Es wird dunkel. Im zweiten Stock des Hôtel Printania sind zwei Fenster hell geworden. Die Baustelle des neuen Bahnhofs riecht stark nach feuchtem Holz: morgen wird es auf Bouville regnen.
Aus:
Der Ekel (La nausée) von
Jean-Paul Sartre