~> Wilde Schafsjagd
Es war stockduster, und hinter mir rauschten leise die Wellen."
Trotzdem sehe ich genau vor mir, wie das Haus aussehen könnte: klein - ein Geschoß würde vollkommen genügen -, aber mit einer großen Veranda oder Terrasse auf der Ostseite, wo ich in der Morgensonne frühstücken würde. Ein bißchen Land drumrum, genug, um ein paar Bäume zu pflanzen, und eine lange offene Zufahrt, so daß ich immer sehen kann, wer da kommt. Nach hinten raus ein Garten. Und drinnen, geschützt, aber nicht versteckt, Unmengen von Regalen und Schränken, so daß alles, was ich besitze, und alles, was ich mir noch zulegen werde, seinen rechtmäßigen Platz findet.
Ich werde mich wieder verlieben.
Ich werde mich durch die Huren der Welt kämpfen und sie finden. Aufgeregt werde ich im Flugzeug sitzen und den ganzen Flug über durchs Fenster schauen. Ich werde von der Flugzeugtreppe springen, verwundet - und wiedergeboren auf dem Asphalt landen.
Ich werde sie finden und mit allen Fasern meines Herzens lieben.
Und weil es geschrieben steht, kann ich so lange lieben, wie die Sonne mit ihrem Todestrieb immer wieder aufgeht und nach mehr verlangt.
Ich malte mir ebenfalls Regen aus. Er war so fein, dass man nicht wusste, ob es regnete oder nicht. Doch es war Regen. Er fiel auf Schnecken, auf Hecken, auf Kühe. Niemand konnte ihn stoppen. Niemand konnte sich ihm entziehen. Regen fällt immer gerecht.
Schließlich legte sich der Regen als verschwommener, undurchsichtiger Vorhang auf mein Bewusstsein. Der Schlaf kam. Nun bekomme ich zurück, was ich verloren habe, dachte ich. Ich hatte es verloren, doch verloren war es nie. Ich schloss die Augen und überließ mich dem tiefen Schlaf. Bob Dylan sang A Hard Rain's A-Gonna Fall.
Es ist blau und still wie die Augen der Tiere. Ich habe meinen Schatten verloren - ein Gefühl, als wäre ich ganz allein an einem entlegenen Flecken im Universum zurückgelassen worden. Ich kann jetzt nirgendwo mehr hin und zu nichts mehr zurück. Hier ist das Ende der Welt, und von hier führt kein Weg mehr irgendwohin. Hier tut die Welt ihren letzten Atemzug und steht still.
Ich wende dem See den Rücken zu und mache mich durch den Schnee auf den Weg, Richtung Westhügel. Hinter dem Westhügel liegt die Stadt, fließt der Fluss, ist die Bibliothek, wo sie und die Konzertina auf mich warten.
Im Schneetreiben sehe ich einen weißen Vogel Richtung Süden davonfliegen. Er überwindet die Mauer und wird vom weißen Himmel verschluckt. Danach bin ich mit dem Knirschen meiner Schritte im Schnee allein.