"Aber", sagte er, nachdem er mit den Männern in die Stube getreten, "nun bin ich auch zum längsten Pfarrer gewesen. Dies Erlebnis", er zeigte auf das Loch in seinem Filze, 2gibt den Ausschlag. Das Mass ist voll. Ich habe von meiner Muhme in Parpan zweihundert Goldgulden geerbt, gerade genug, um ein sicheres Gewerbe zu beginnen. - Herunter mit dem Pfarrock!", und er legte Hand an sein geistliches Kleid.
"Warte, Freund!" rief Jenatsch, "das verrichten wir zusammen. Auch mein Mass ist heute voll geworden! Nicht eine feindliche Kugel verjagt mich von der Kanzel, sondern eine freundliche Rede. Der Herzog Heinrich hat recht", wandte er sich an den erstaunten Waser, "Schwert und Bibel taugen nicht zusammen. Bünden bedarf des Schwertes, und ich lege die geistliche Waffe zur Seite, um getrost die weltliche zu ergreifen." Mit diesen Worten riss er sein Predigergewand ab, langte seinen Raufdegen von der Wand herunter und gürtete sich ihn um den knappen Lederkoller.
Aus: "
Jürg Jenatsch" von
Conrad Ferdinand Meyer