"Noch immer hielt sie den zerknüllten Zettel mit der Adresse in der Hand. Sie faltete ihn auseinander und strich ihn glatt. "Finca El Rosario"? Was sollte das sein? Ein Landgut, eine Weinkellerei? Oder eine private Adresse, von Bekannten, bei denen er die Kartons vorübergehend lagern wollte?
Sie blieb sitzen, bis es dämmerte. Mit steif gewordenen Gliedern stand sie auf, schaltete eine Lampe ein und rollte sich wieder in ihrem Sessel zusammen.
"Stanislaw...", flüsterte sie in die Dunkelheit.
Und dann war alles wieder da, sie spürte seine Finger auf ihrer Haut, die mit sanftem Druck über sie hinwegglitten, sah seine dunklen Züge mit den brennenden Augen und der kleinen Flamme darin.
"Hexlein, ich bin bei dir." Das war seine Stimme, zärtlich und beschwörend.
Aber vielleicht bildete sie sich das auch nur ein."
Aus: "Die Melodie der Nacht"
von Sylvia Madsack