Die Magie des Augenblicks

28.07.2007 um 09:40 Uhr

~> Im Westen nichts Neues

Ich stehe auf.

Ich bin sehr ruhig. Mögen die Monate und Jahre kommen, sie nehmen mir nichts mehr, sie können mir nichts mehr nehmen. Ich bin so allein und so ohne Erwartung, daß ich ihnen entgegen sehen kann ohne Furcht. Das Leben, das mich durch diese Jahre trug, ist noch in meinen Händen und Augen. Ob ich es überwunden habe, weiß ich nicht. Aber solange es da ist, wird es sich seinen Weg suchen, mag dieses, das in mir "Ich" sagt, wollen oder nicht.

 

Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage der so ruhig und still war an der ganzen Front, daß der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts neues zu melden.

Er war vornübergesunken und lag wie schlafend an der Erde. Als man ihn umdrehte, sah man, daß er sich nicht lange gequält haben konnte; - sein Gesicht hatte einen so gefaßten Ausdruck, als wäre er beinahe zufrieden damit, daß es so gekommen war. 


Aus: "Im Westen nichts Neues " von Erich Maria Remarque


 

02.04.2007 um 16:16 Uhr

~> Mephisto

von: angelmagia   Kategorie: ~ Nachkriegsliteratur

Von Halleluja .

 

Es waren Minuten vergangen, als er sich langsam aufrichtete. In seinen Augenwimpern hingen noch Tränen, und Tränen waren es noch, die seine Wange befeuchteten, seine sieghaft geschwungenen Lippen, von denen so viele verführt worden waren, und das edle Kinn, das er stolz zu recken wusste in den Stunden des Triumphes und das jetzt jämmerlich bebte. Während sein erschöpftes, tränennasses Antlitz ein wenig nach hinten sank, rief er, die Arme mit schöner, anklagender, hilflos-suchender Geste gebreitet:
"Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler!"

 


Aus "Mephisto " von Klaus Mann .