Dialog zwei
Ich: „Es ist die Ungewissheit."
Er: „Ja?"
Ich: „Mein Herzschlag ist aus dem Rhythmus geraten."
Er: „Ich verstehe nicht."
Ich: „Ist es L.?"
Er: „Ja."
Ich: „Gewissheit ist gut."
Dass derzeit so manch vergessen geglaubte Fernsehwerbung ihr Revival erfährt?
KitKat, Renault, Froop ... die anderen, die ich eben noch wusste, sind mir prompt entfallen. Nicht, dass es irgendwie wichtig wäre, aber feststellen kann ich es ja vorsichtshalber mal.
Es ist furchtbar, noch bis Sonntag warten zu müssen.
Es ist schön, mich auf Sonntag freuen zu können.
*Knirsch*
SehrgeehrteFahrgäste aufGleisEins hatEin - fahrtder Eu - rocity aus Hammmburg Altona zurWeiterfahrtnach Münnnchen Haupt-bahn-hof. BitteVooorsichtan - der Bahnsteig - Kante und beiEin - fahrt des-Zu-ges. Plaaanmäßige Ab-fahrt-zeit issst SiiiiebzehnUhr - dreißig. *Knirsch*
Hatte heut wieder das Vergnügen.. Egal, wo man ein-, um- und aussteigt: Dieselbe gelangweilte Leierei. Ichversteeeh das-nicht.
Offiziell seit 14.52 Uhr. Da verließ ich mit meinem Entlassungsbrief und vielen guten Wünschen den Zauberberg und stieg sozusagen nach Davos Dorf hinab. Nicht, um dann in den Krieg zu ziehen, sondern vielmehr um meinen Frieden zu verteidigen. Gell, Herr Castorp, da bin ich doch klüger?!
Ein halbes Jahr. Nicht einfach, aber gut.
Und trotzdem. Selbst lachende Abschiede sind hochgradig sentimentalitätsfördernd.
„Das wird ganz schön komisch werden nächste Woche, wenn du nicht mehr da bist."
Hat er gesagt.
„Danke."
Hab ich gesagt.
‚Ich mag dich sehr gern.'
Hab ich gedacht.
Heute letztes Einzelgespräch mit meinem Therapeuten. (Ja, kräftiges Schluchzen ist durchaus angemessen!)
Kurze Evaluation: Was war gut, was eher nicht? (Kamen mir doch tatsächlich erstmal ausschließlich positive Dinge in den Sinn?! Wo ist nur meine Negativität? Mein geliebter Nihilismus? Tzzz). Und auch nach längerem Überlegen sind mir lediglich zwei lächerliche Verbesserungsvorschläge eingefallen.
Aber wie es sich für einen ordentlichen Therapeuten gehört, liefert er mir prompt einen geradezu grandiosen Anlass zum Aufregen.
„Ich habe noch mal in Ihren Akten gelesen..."
„Und?"
„Die Sache mit dem Drogentest und dem Verdacht, der danach immer wieder im Raum stand.." (Nein. Bitte nicht. Nicht schon wieder. Ich hab da wirklich keinen Bock mehr drauf.)
„Ja?"
„Der letzte Test.. wir machen da ja immer abschließend noch ein Screening.. der hat angeschlagen." Ich brech zusammen. Innerlich.
[Tiefes Ein- und Ausatmen.]
„Auf was denn dieses Mal?"
„Blabla.. Kann ein Abbauprodukt von Blabla sein."
So. Das ist inzwischen die dritte Substanz, die sie mir unterstellen. Die Diskussion gabs auf Station zwischendurch immer mal wieder. Und immer dann, wenn ich dachte: Jetzt. Jetzt glauben sie endlich mir und nicht ihrem überlagerten Apotheken-Test.
(Erster obligatorischer Test, als ich ganz frisch angekommen war: Positiv. Ich bin verzweifelt, weil unschuldig, und verlange einen zweiten: Negativ. Komisch, innerhalb eines Tages hat sich das Zeug in meinem Körper in Wohlgefallen aufgelöst? Na zumindest meine Leber scheint ja tiptop zu funktionieren.)
Entschuldigung gabs natürlich keine. Lediglich die Bemerkung, dass da mit dem Test vielleicht doch etwas nicht gestimmt hat, nachdem man mir auf meine erste Ratlosigkeit zu verstehen gab, dass mit mir was nicht stimmt..
Ich dachte, damit sei die Sache abgehakt. Ha! Nicht doch.
Ich glaube, insgesamt vier Mal, schön verteilt über die fünf Monate, hat mich der Stationsarzt zu sich bestellt, um mein Drogenproblem mit mir zu besprechen. Nicht aufgrund weiterer Tests, nein.. weil ich manchmal so abwesend gewirkt habe.. dann wieder unpassend euphorisch.. (Ich bin in der Klapse! Wo, wenn nicht da, verhält man sich wie ein Idiot?).. und dann sei da ja das positive Ergebnis vom Anfang gewesen.. (Ach. Und das negative?).
Abgesehen von der Tatsache, dass ich von dem Dreck nichts halte, wüsste ich, selbst wenn ich wollte, überhaupt nicht, wo ich das herkriege?! Aber das ist aus der Angeklagten-Position heraus natürlich kein Argument.
Nach dem letzten Versuch, meine Unschuld zu beteuern, hatte ich beschlossen, mich gleichgültig meinem Schicksal zu fügen. Ob nun Psycho oder Junkie, scheiß drauf.
Bis heute.
Gleicher Test, anderer Stoff. (Immer derselbe Kick wär ja langweilig!)
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass der gute Mann Psychologe und kein Arzt ist, aber er war tatsächlich der Ansicht, dass diese Billig-Tests (Die richtigen, die mit Blut und Labor und Leuten, die davon Ahnung haben und so, sind nämlich - hui - ganz schön kostspielig) im Grunde nichts taugen, weil sie zu häufig falsch positiv ausfallen...
Er hielt es also offensichtlich für möglich, dass ich ein aufrichtiges Persönchen, und kein kiffender Kokser mit Nadel im Arm bin, und hat mir versichert, dass von diesem ganzen Mist nichts im Abschlussbericht stehen wird. Na sehr beruhigend.
Aber noch ist nicht Freitag. Noch ist genügend Zeit, mich mit einem verständnisvoll milden Lächeln beiseite zu nehmen..
„Frl. D., mir ist da was aufgefallen.. wie kommt es eigentlich, dass sie so viel lachen in letzter Zeit?"
Weil ... ja, ich bin glücklich... weil ich nicht mehr kämpfe.
Ich habe ein geeignetes Gerät für meine Trommelübungen gefunden.. jetzt kanns losgehen.
Rumtata rumtata.. tschakka boom tata.. naja, oder so ähnlich.
Na wer hätte das gedacht. Damit abgefunden, eiskalt versetzt worden zu sein, wollte ich mich gerade schluchzend in meine Kissen werfen, als mich das Telefon unvermittelt aus meinem zelebrierten Weltschmerz herausreißt.. H.. Sieh an. „Nak Nak.. Ich komm Dich holen!" Natürlich. Als hätte ich den ganzen Abend ausgerechnet auf ihn gewartet. Als würde ich auf Abruf bereitstehen und sofort springen, wenn der Herr plötzlich Zeit hat. Pah!
Selbstverständlich ziehe ich umgehend die Pantöffelchen an, setze mich in den Flur und warte auf das Klingeln, das meinem Abend einen Sinn verleiht.
Schnell Despo besorgt, den nahen Park aufgesucht, geschwatzt, zu Mäcces gefahren, geschwatzt ... schön wars.
Vor allem weil lange nicht mehr gemacht.
Viele Gedanken, die mir heut im Laufe des Tages gekommen sind. Bald fühl ich mich erleuchtet, ich sehs schon kommen.
So. Nu kann ich aber schlafen. Gute Nacht!