Zwischenwelt(en)

15.08.2005 um 12:26 Uhr

Die Begegnung

Gestern abend. Ich hatte H. zugesagt, dass ich später noch ne Runde mit in den Laden komme. (Ich werde ab jetzt immer "der Laden" sagen. Es klingt so gut.) Gemeint ist nur die Kneipe, in der ich arbeite. H. hatte angekündigt, dass er zusammen mit seiner Freundin dort sein würde. Ich war ihr schon begegnet, noch bevor ich H. kennenlernte. Doch das  ist schon ein paar Jahre her, seitdem habe ich sie nie wieder gesehen. Und nachdem damals die Geschichte zwischen mir und H. passierte und sich um diese Geschichte herum eine noch viel größere Geschichte mit Heimlichkeiten und allerlei Getuschel entwickelte, wäre ein Treffen ohnehin nicht mehr in Frage gekommen. Diese Geschichte ist ein Beweis dafür, dass man sich selbst sein Leben hervorragend verkomplizieren kann. Und es auch tut. Grundlos. Man entwirft ein großes Geheimnis um eigentlich nichts und plötzlich ist dieses nichts eine von allen geglaubte Wirklichkeit. Und obwohl man es eigentlich besser weiß, glaubt man mitunter selbst irgendwann daran. Deshalb hatte ich gestern vermutlich auch so ein ungutes Gefühl. Nicht Angst. Aufregung vielleicht. Und totale Überdrehtheit. Aber was soll ich sagen? Es war absolut "harmlos". Beinah charmant die ganze Situation. Man redet und lacht und trinkt sein Bier - so ganz ohne Geschichte und Geheimnis.

Im weiteren Verlauf des Abends unterhalte ich mich mit einem jungen Mann, der mir im Schnelldurchlauf seine Lebens-, Liebens-, und Trennungsgeschichte unterbreitet. Vielleicht hab ich ja auch ein Schild auf der Stirn, auf dem steht: Beziehungsgestörte Männer bitte zu mir!

Und jetzt? Werde ich ins Bad gehen und mir ordentlich die Stirn schrubben.


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