Zwischenwelt(en)

20.04.2006 um 00:05 Uhr

Dreckschwein

Oder: Warum mein virtueller Psychiater heute Überstunden machen muss.

 

Eigentlich hätte ich es vorher wissen müssen. Ein "Ausflug" (ja, ist ja gut, Mittagessen bei Ikea zählt nicht wirklich als ebensolcher) mit Kollegenfreund S. und H. ist immer eine Gefahr für meine seelische Gesundheit… aber… der Tempel... ich konnte einfach nicht anders. S. holt mich von zu Hause ab, wir fahren direkt… zum Autohaus. Hm. Die Leute dort sind auffällig nett, und sollte ich je in die Verlegenheit kommen, mir ein Auto kaufen zu können, dann muss es ein Audi sein. Schon, um in den Genuss dieser Mitarbeiterfreundlichkeit zu kommen. H. stößt zu uns und dann geht’s endlich wirklich los. Für die Jungs gibt’s traditionell Köttbullar, für mich Schupfnudeln. Und die Tragödie nimmt seinen Lauf. Als ich vom Getränkenachschubholen zurückkomme, liegt auf dem Tisch eine, auf die Rückseite einer Visitenkarte gezeichnete, Fliege. (Eine Anspielung auf den 06.09.2005… wenn ich könnte, würde ich das jetzt direkt verlinken.. naja). Nee, Jungens, nicht mit mir! Ich ignoriere das gekonnt. Die Tischgespräche engen sich zunehmend auf ein Thema ein: Die Feststellung, dass "Dreckschwein" das Schimpfwort schlechthin ist. Total universal einsetzbar eben. Und dabei klingt es weder ordinär noch wirklich bösartig. Ansichtssache, ich weiß schon. "Gib mal den Kaffee rüber, du Dreckschwein!" Hat doch was! Sowas persönliches. Nachdem diese Thematik bis zum tränenreichen Lachanfall meinerseits abgearbeitet ist, wird das weitere Vorgehen geplant. Ich darf eine Runde allein durch die Markthalle schlendern, während die beiden außerhalb des Möbelhauses diverse Besorgungen machen. Treffen irgendwann irgendwo auf dem Gelände ausgemacht. Ich laufe also gemütlich los, sammle Vase, Salatbesteck und Bettlaken in meinem Beutelchen, begebe mich zur Kasse und absolviere den ordnungsgemäßen Zahlvorgang, als ich folgende Lautsprecherdurchsage vernehme: "Frau [mein Vorname. Nachname] wird dringend gebeten, sich am Ausgang einzufinden. Ich wiederhole. Frau [mein Vorname. Nachname] wird gebeten, sich am Ausgang einzufinden." Ich fange an zu feixen und kann auf die Bitte der Kassiererin, ihr doch zwei Cent zu geben, nicht mehr wirklich eingehen. Etwa fünf Meter weiter stehen H. und S. und beglückwünschen sich lachend zu ihrer grandiosen Idee. Dreckschweine!!

H. setzt uns auf dem Rückweg bei den liebenswürdigen Audihändlern ab und übergibt uns seinen Wohnungsschlüssel. Wir sollen schon vor fahren, er müsse noch zu seinem Steuerberater. Premiere! H.s neue Wohnung hab ich schließlich noch nie gesehen. S. und ich fahren in der (zugegeben sehr ruhigen und irgendwie naja… kinderfreundlichen) Reihenhaussiedlung vor. S. hat die Hände voll mit abgepacktem Kuchen, also schließe ich die Tür auf. Ich versuche es wenigstens. Ha, vergessen, ich bin ja mit nem Dreckschwein unterwegs! Ist natürlich die falsche Tür. Und auch das falsche Haus! Na, Hauptsache, S. hat seinen Spaß. Bei der nächsten Wohnung nehme ich den Kuchen und überlasse S. gern den Vortritt. Man kann ja nie wissen. Alles ist gut, und auch H. trudelt bald ein. Es gibt Snooker, Kinderbilder, Kaffee und amüsiertes Ausschnittgucken. Hä? Ja, zukünftig werde ich Kaffee nur noch in der Hocke, und nicht vornübergebeugt einschenken. Dreckschweine!

Weil S. heute abend arbeiten muss, und ich keine Lust habe, mit den Öffentlichen nach Hause zu fahren, begleite ich ihn noch auf ein halbes Stündchen in seine Wohnung (die ich bisher auch noch nie von innen gesehen habe)… der Zusammenhang? Nun, Der Laden ist etwa zwei Minuten Fußweg von meiner Wohnung entfernt. Alles klar? Ich denke doch.

Zu Hause angekommen, suche ich umgehend den anliegenden Supermarkt auf, um noch Zigaretten und vor allem Blumen für meine neue Vase zu kaufen. Zu wenig, wie sich später herausstellt. Sieht bissl albern aus das Arrangement, aber ich bin ja auch keine Floristin. Per ICQ noch eine Kino-Verabredung mit H. für morgen (ich bin eben ein unbelehrbares Dreckschwein), eiliges Bettbebeziehen und eine Stunde Neuigkeitenaustausch mit D. per Telefon. Und jetzt singe ich ganz laut noch ne Runde mit dem guten Nicola S. "I am a Dreckschwein…"

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenPeanut77 schreibt am 21.04.2006 um 19:24 Uhr:\"Dreckschwein\" gefällt mir. Es läßt sich wirklich universell einsetzen. ;o)
  2. zitierenDiscovery schreibt am 22.04.2006 um 05:01 Uhr:Ich hab\'s heut Abend desöfteren probiert.. komischerweise nur mit mäßigem Erfolg. Die Welt ist einfach noch nicht reif für eine anständige Schimpfkultur..

    ;-)

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