Zwischenwelt(en)

02.08.2005 um 18:31 Uhr

Halbschlaf, oder: geht's noch?

Mit dem Lernen, nein, das wird heut nichts. Wir haben geackert wie die Tiere und ich bin erst ins Bett als es längst hell war. Erstaunlicherweise war meine Laune die ganze Nacht auffallend heiter... nicht, dass es sich deutlich im Trinkgeld niedergeschlagen hätte, aber es hob die Stimmung ungemein und die Motivation wich nicht von meiner Seite. Und dennoch hinterlassen die Montagabende immer zähe Dienstage, an denen nicht viel geht. Wären H. und ich nicht zum Ikea-Shopping verabredet gewesen - ich hätte mich sicherlich nach 4 Stunden Schlaf noch das ein oder andere Mal umgedreht. Aber es ist sozusagen "der letzte freie Tag" und warum diesen nicht gemeinsam im schwedischen Möbelhaus verbringen? Schnell den von Mitbewohnerhand gezauberten (viel zu dünnen) Kaffee geschlürft (und nicht gekleckert!), die vom Mitnassenhaareninsbettgegangensein zerzauste Frisur gebändigt und (die verquollenen Augen hinter einer Sonnenbrille versteckend) ab ins Auto. Wow, wie schnell Landschaft doch  sein kann. Mein Hirn ist auf Standby, sinnvolle Unterhaltung nicht möglich. Aber warum nicht  mal einfach nur dumm gucken und vor allem dumm grinsen. Ja, ein Grinsen wie auf Droge.. ich lache mich quasi selbst aus. Weil ich mit einem Mann, an den ich in den letzten Tagen öfter gedacht habe, als mir lieb ist, ins Ikea fahre, um dort nichts neues kaufen zu wollen, weil ich ja doch schon alles hab. Mein Kämmerlein ist der fleischgewordene Ikea-Katalog. Und ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte. Aber das ist ein anderes Kapitel. Wir stürmen also den Laden, etwas unorganisiert, was ich meinem Schlafdefizit zuschreibe, und ich wechsle zwischen -Sonnenbrille auf- (ach, so richtig ist das nichts) und -Sonnenbrille ab- oh mein Gott, ist das hell..und noch viel schlimmer: man könnte meine Augen sehen! -Sonnenbrille wieder auf- ... der (dann irgendwie doch) erhoffte Kaufrausch bleibt aus, dabei hatte ich mir fest vorgenommen, meine sauer verdienten Euronen von gestern nach Herzenslust für neue Blumenvasen (dabei schenkt mir nichtmal jemand Blumen), Duftkerzen oder derlei unnützen Schnickschnack zu verschleudern. Aber was mache ich mir überhaupt Gedanken? H. hat schließlich einen Auftrag (Vitrinen besorgen, aus Glas, nein, nicht wirklich schön anzusehen), ich "bin nur mit".. am Ende besteht meine Beute aus RAM, dem Bilderrahmen und einer Grünpflanze, die keinen Namen trägt. Es lohnt sich nicht, Ikea-Pflanzen einen Namen zu geben, man muss sich ohnehin recht bald wieder von ihnen verabschieden. Wir sind uns einig: Ikea ist nicht das, was es einmal war... aber die Hot Dogs, die sind Pflicht wie eh und je. Für H. darf es auch gerne noch ein zweiter sein. Während ich noch immer beschäftigt bin, mir nicht sämtliche Röstzwiebeln in Senf-Ketchup-Dressing-Mantel aufs Hemd zu kleckern, hat er sich schon Nachschub besorgt und als Dessert zwei kleine Flaschen schwedisches Bier. Wie bitte? So mitten am mittleren Mittag? Noch bin ich versucht daran zu glauben, dass er sie nur als Souvenir eines gelungenen Ausflugs zum Einkaufscenter mitnehmen möchte... an so einen spektakulären Kurzurlaub möchte man sich ja gern noch lange erinnern. Aber ich irre mich. Und denke kurz darauf: Warum eigentlich nicht? Der Tag ist ohnehin schon gegessen, was die Lernerei betrifft.. warum nicht schon um 13 Uhr in einer Tiefgarage besaufen? *plop* *plop* *pling* ... ich fasse es nicht. Ejaaal! Die Tiefgarage scheint dieser *Gänsefüßchen* spontan-rebellischen *Gänsefüßchen* Aktion aber ein wenig angemessener Ort zu sein. Wenn schon Freihet, dann richtig. Naja, und wo kann man die abgesprengten Fesseln der Konvention "ich trinke doch nicht vor 18 Uhr" am besten und am weitesten wegwerfen? Richtig. Auf dem Parkdeck. Falsch gedacht? Ist in Ordnung. Zugegeben, es wäre auch nicht mein erster Gedanke gewesen. Aber es bot sich an. Und wozu in die Ferne schweifen bla bla bla.. Die Sonne macht ordentlich Betrieb, was den Abschiedsprozess von Pflanze namenlos sicher um einiges beschleunigt, aber macht ja nichts, wir sind ja so jung, wir sind ja so unabhängig, wir sind hier oben über den Dächern der Stadt so unglaublich frei!! Dass das über den Dächern der Stadt gerademal geschätzte 3 Meter über der untersten Prakebene ausmacht, spielt ebensowenig eine Rolle, wie die Tatsache, dass diese totale Unabhängigkeit genauso lange dauert, bis der junge Mann nach Hause muss, um sich vor seiner Nachtschicht noch ein wenig hinzulegen...

Und jetzt? Habe ich einen wahren ICQ Krieg mit meinen besten Freunden hinter mir und H. ist gerade online...


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