Her mit dem Staubwedel!
Manchmal, und dieses Wort impliziert, dass es durchaus keine Alltäglichkeit ist, kommt es innerhalb einer Freundschaft vor, dass man alte Kamellen aus der gemeinsamen Geschichte hervorkramt, und diese bei der ein oder anderen Flasche Beck's ausführlichst neu beleuchtet. Dies kann unter dem Vorzeichen einer "Ach,-weißt-du-noch-damals,-das-war-ja-so-lustig–Nostalgie" geschehen – man blättert das virtuelle Fotoalbum durch, und feiert den ein oder anderen Schnappschuss mit herzlichem Gelächter. Oder man erinnert sich an dunkle Momente, fiese Streitigkeiten oder Tragödien und klopft sich gegenseitig auf die Schulter: "Dass wir das überstanden haben…" *Pling* Prost!
Und dann gibt es noch die etwas andere Art der Rückblende. Eine, die ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen oder zumindest einen ausreichenden Alkoholspiegel erfordert. "Sag mal, habe ich Dir je irgendwie weh getan? Also, *nachtrink*, habe ich dich jemals durch mein Verhalten irgendwie verletzt?" Na wenn das keine Aufforderung ist, endlich die Liste mit den gesammelten Vorwürfen herauszuholen, die man immer schon mal loswerden wollte. Blöd nur, wenn man keine derartige Liste hat. Dann fängt man an, herumzueiern, verwaschene Erinnerungsfetzen irgendwie daherzustammeln, um letztlich doch zu dem Schluss zu kommen, dass es keiner Vorwürfe bedarf, um sagen zu können: "Weißt Du, ja klar, es gab da bestimmt ein paar Dinge, die hätten besser oder, naja (ganz diplomatisch) anders laufen können, aber es hat sich gelohnt, für das, was wir jetzt miteinander haben." Worauf ich hinaus will? Gestern Abend haben A. und ich eine Art vorgezogene (von ihm initiierte) Einjahresbilanz gezogen. Zwar war ich darauf, insbesondere auf seine ungewohnte Emotionalität, nicht vorbereitet (wie gern hätte ich eine Liste gehabt), würde aber trotzdem behaupten wollen, dass dieses Gespräch längst überfällig und im Resultat äußerst befriedigend war. Ab und an ist es ist es sinnvoll, die gemeinsame Basis zu hinterfragen und auch mal das ein oder andere Tabu zu entstauben… Frühjahrsputz im zwischenmenschlichen Kämmerlein sozusagen.
