Kopfsalat...
Der heutige Tag ist wieder ein Paradebeispiel für sinnlos anstrengende 24 Stunden. Und das Schlimme: Ich bin natürlich selbst Schuld! Gestern abend habe ich mich nämlich quasi abgeschossen. Ich war noch S. beim arbeiten besuchen. S. ist ein Freund von mir und in derselben Kneipe angestellt wie ich. Ich ging also in den Laden, den ich noch knapp 12 Stunden zuvor, wie jedesmal nach der Schicht, aufs derbste verflucht hatte.. Meine Laune war nicht die beste - Müdigkeit (warum bin ich nicht einfach schlafen gegangen?), ein bisschen Frustration und aufkommende depressive Verstimmung - die perfekte Mischung also. Es folgten Austausch des neuesten Tresentratsches, ein Schwarzbier, Dienstabsprache für die nächste Woche, noch ein Schwarzbier, ein paar sms und ein Telefonat, ein Cuba-Libre, den er fälschlicherweise gemixt hatte und der sonst stehengeblieben wär, F. gesellte sich zu mir, obwohl ich doch gerade gehen wollte.. noch ein Schwarzbier. Meine Laune wurde irgendwie noch schlechter. Ich beschloss zu gehen und tat es auch. Mir drehte der Kopf. Zu hause angekommen erreichte meine Stimmung ihren Tiefpunkt und ich entschied mich, zum ersten Mal in meinem Leben Absinth zu trinken. Igitt. Egal, hauptsache, ich kann schlafen. Konnte ich aber nicht. Also griff ich in mein Arzneiköfferchen und nahm noch eine Schlaftablette (wie bekloppt kann man eigentlich sein?).. tatsächlich.. irgendwann muss ich wohl eingeschlafen sein. Und ich erwache heute gegen 10 oder 11 und fühle mich (zugegeben verdientermaßen) einfach nur elend. Um mein Gewissen ein wenig zu beruhigen, nehme ich mir ein paar leichtere Texte, um die wichtigsten Punkte in gewohnter Manier herauszuschreiben. Geht auch ganz gut. Aber meine Tastatur klappert so fürchterlich laut und überhaupt schreibt sich das alles so anstrengend, dass ich kurzerhand beschließe, mir eine neue zu kaufen. Begebe mich zur Straßenbahn, um zum Saturn zu fahren, der Weg zum Mediamarkt erscheint mir heute als nicht zu bewältigen. An der Haltestelle sehe ich M., die Exfreundin eines Freundes meines Exfreundes.. eine Person der Geschichte also, mit der ich ganz bestmmt grad nicht smalltalken möchte, und so eile ich mit einem kurzen Gruß an ihr vorbei und tu so, als hätte ich nichts fester vorgehabt, als in den anliegenden Kleinpreismarkt zu gehen, in welchem ich dann tatsächlich 3 Fineliner, 4 Textmarker, 1 Packung Pflaster, 1 Tintenrollkugelschreiber und 1 neues Portemonaie käuflich erwerbe. Nichts davon brauche ich, aber ich habe erfolgreich meine Bahn verpasst. Macht ja nichts. Die nächste kommt ja bald. Zwar nicht die, die mich auf direktem Wege zum Saturn bringen würde, aber auch das macht nichts. Steige ich eben ein paar mal um. Mein Gesprächs-Ausweichmanöver hat mich insgesamt geschätzte 25 Minuten und 10 Euro gekostet. Im Elektronikfachgeschäft angekommen, ist die Abteilung PC-Zubehör schnell gefunden und ich fange gleich wie wild an in die Tasten zu hauen. Technische Daten interessieren mich einen Dreck, sie muss leise sein! Ich klappere die Reihe hoch und runter, werde aber nicht fündig. Es ist doch zum heulen. Ich trete also unverrichteter Dinge wieder den Heimweg an, um mich wieder am Schreibtisch sitzend um so mehr über die Klapperei aufzuregen. Nein, das ist doch kein Zustand! Ich ziehe meine Schuhe wieder an, räume meinen Krempel vom alten Portemonaie ins neue und gehe wieder zur Haltestelle. Ziel: Mediamarkt. Es hat inzwischen angefangen zu regnen und es ist kalt. Die Bahn kommt nicht. Die Bahn kommt doch. Nämlich als ich mir gerade eine Zigarette angezündet habe. Macht ja nichts. 3 Stationen später Schienenersatzverkehr. Es ist gerade Rush Hour, aber warum nichtmal in einem Bus im Stau stehen? Auf dem Weg von der Haltestelle zum Mediamarkt bin ich komplett nass geregnet. Aber wozu darüber aufregen - die Geschäftsräume sind schließlich beheizt. Ich klappere wieder von Tastatur zu Tastatur, halte meine Ohren ganz dicht dran, vor allem an die Leertaste, die ist ja gern mal besonders laut. Hin und her, zwei habe ich schon in die engere Wahl gezogen, hin und her, der Mann da neben mir guckt schon ganz blöd. Nagut, ich entscheide mich für die von hama und sehe zu, dass ich schnell wieder nach draußen komme. Meine Stimmung hellt sich auf, der Himmel nicht, es regnet stärker. Wie gut, dass ich zwar keinen Schirm, dafür aber eine Plastiktüte für mein neues Baby dabei habe. Immerhin so weit hat mein Vorausdenken gereicht. Im Bus (es ist ja immer noch Schienenersatzverkehr) habe ich die Freude, ein Streitgespräch eines jungen Pärchens mit Nachwuchs verfolgen zu dürfen. Er hat den Fehler gemacht, den Kinderwagen falsch herum zu parken, woraufhin sie ein genervtes "Ich werde XY fragen, ob ich ab morgen 7 Tage die Woche arbeiten darf, das ist weit weniger stressig, als mit dir einen halben Tag zu verbringen" verlauten lässt. Er sagt nichts und senkt den Kopf. Wenn ich es mir recht überlege, kann von Streit eigentlich nicht die Rede sein, sie attackiert ihn pausenlos mit Vorwürfen, während er schweigt. Oh wie schade, ich muss schon aussteigen. Das neue Gerät ist schnell angestöpselt, das alte rasch entsorgt (naja, zumindest vorübergehend auf dem herumstehenden Wäscheständer abgelegt) und siehe da: es funktioniert! Nach ein paar kleinen Schönheitsreparaturen, die ich jetzt nicht weiter erläutere, sogar nahezu geräuschlos! Mal sehn wie lange...
Und jetzt? habe ich grad noch Kartoffeln mit Würzspinat gegessen, rauche eine Zigarette und lausche dem Soundtrack von knocking on heavens door...
