Traum
Ich hab geträumt. Sehr gegenständlich, intensiv und gleichzeitig wirr. Jedenfalls aus dem Blickwinkel der Wachwelt. Krieg war angekündigt für die Stadt. In Form eines Bombenangriffs in einem festgeschriebenen Zeitraum. Gegen achtzehn Uhr Beginn, das weiß ich noch. Entweder hatte ich derartiges schon einmal geträumt oder ich habe diese Erinnerung selbst auch geträumt, dieser Angriff jedenfalls hatte "dieses Mal" etwas von einem wiederholt zelebrierten Ritual. Ich wusste, was zu tun war, erinnerte auch plötzlich ein Versteck, das mich das "letzte Mal" überleben ließ. Und so hatte ich auch weniger Angst, fühlte mich lediglich gehetzt und angespannt, weil ich noch Wasser und ein paar dicke Klamotten zum überziehen besorgen musste. Und wie das so ist im Traum, wenn man eigentlich keine Zeit hat… man wird zum vergesslichsten Menschen der Welt, muss zig mal zurück und hat am Ende doch nicht alles zusammen, was man braucht. Ich war mit ein paar anderen verabredet, wir wollten gemeinsam zu diesem Versteck. Ich wusste lediglich, wie das Haus in etwa aussah, mein Cousin kannte den Weg dahin. Ja, und irgendwie kam es nicht mehr dazu, dass ich dorthin konnte, weil plötzlich ein Uniformierter im Fenster erschien und mich mit seinem MG erschoss. Ich weiß noch, dass es sich sehr unangenehm anfühlte, nicht direkt schmerzhaft, eher wie ein krampfhafter Druck, gefolgt von einem tiefen inneren Fallen, das lange nicht aufhörte. Ich war mir bewusst, in diesem Augenblick zu sterben, aber wie das so ist bei geträumten eigenen Hinrichtungen, der Tod setzt einfach nicht ein. Und so kam es, dass ich "diesen Krieg" erschossen "überlebt" hab. Als der geplante Angriff vorbei war, fand ich mich in einer Art Lazarett wieder, zwischen lauter Menschen, die seltsam entstellt waren. Nicht verwundet oder so, eher genetisch fehlgebildet, ohne Augen, mehrere Köpfe und so was. Ich hab mir dann meine Kamera gegriffen (die hatte ich seltsamerweise bei mir, das Wasser noch immer nicht) und bin weg von dort. Raus, wo ich inmitten einer riesigen Menschentraube durch die Straßen gegangen bin. Es war irgendwie friedlich, nichts zerstört, die Stimmung, und vor allem das Licht erinnerten an Weihnachtsmarkt. Ich hab die bunt erleuchteten Fassaden fotografiert, das weiß ich noch. Dann irgendwann muss ich wach geworden sein.
